Frankfurt, 12. Jan (Reuters) – Vor den mit Spannung erwarteten US-Inflationsdaten wird der Dax Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge am Mittwoch höher starten. Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex als Reaktion auf vorangegangene Verluste 1,1 Prozent auf 15.941,81 Punkte zugelegt. Experten erwarten für Dezember eine Teuerungsrate in den USA von sieben Prozent im Jahresvergleich. Im November hatte der Wert bei 6,8 Prozent gelegen. Eine überraschend hohe Inflation könnte den Spekulationen auf eine aggressivere Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed neue Nahrung geben. Etwas Abwechslung vom Dauerbrenner-Thema Inflation bieten die anstehenden Firmenbilanzen. Im Tagesverlauf öffnen unter anderem die „Lieferando“-Mutter Just Eat Takeaway und die Supermarktkette Sainsbury ihre Bücher. Bei den Lebensmittel-Händlern seien die Sorgen um Lieferengpässe wohl überzogen gewesen, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Allerdings rechne er in der Branche mit Warnungen vor steigenden Lohn-, Material- und Transportkosten.
Schlusskurse europäischer Indizes Stand am vorangegangenen Handelstag Dax 15.941,81 Dax-Future 16.050,00 EuroStoxx50 4.281,54 EuroStoxx50-Future 4.310,00
Schlusskurse der US-Indizes am Stand Veränderung vorangegangenen Handelstag Dow Jones 36.252,02 +0,5 Prozent Nasdaq 15.153,45 +1,4 Prozent S&P 500 4.713,07 +0,9 Prozent
Asiatische Indizes am Mittwoch Stand Veränderung
Nikkei 28.779,23 +2,0 Prozent Shanghai 3.590,02 +0,6 Prozent Hang Seng 24.347,11 +2,6 Prozent
Frankfurt, 11. Jan (Reuters) – Der US-Finanzinvestor Cerberus wird sich Insidern zufolge über kurz oder lang komplett von der Deutschen Bank und der Commerzbank verabschieden. „Das ist wohl der Anfang vom Ende eines Investments, dass sich letztlich nicht ausgezahlt hat“, sagte eine der mit der Situation vertrauten Personen. Cerberus hatte seine Anteile an den beiden Großbanken über Nacht deutlich reduziert – vier Jahre nach dem aufsehenerregenden Einstieg. Der Investor realisierte mit dem 443 Millionen Euro schweren Verkauf nach Reuters-Berechnungen rund 170 Millionen Verlust. Seine beiden Anteilspakete sind 450 Millionen Euro weniger wert als damals.
Weitere Paketverkäufe könnten schnell folgen: Cerberus hat sich nur auf eine Frist von 45 Tagen festgelegt, innerhalb der der Investor keine weiteren Bank-Aktien auf den Markt werfen will. Normal sind Haltefristen von mindestens 90 Tagen.
Der Teilrückzug gab den Aktien am Dienstag einen Dämpfer. Commerzbank-Titel büßten bis zum Nachmittag 4,9 Prozent ein, Deutsche-Bank-Aktien lagen ein Prozent im Minus. Cerberus hält nun noch knapp zwei Prozent an der Deutschen Bank und knapp drei Prozent an der Commerzbank.
Beide Großbanken haben in den vergangenen Jahren groß angelegte Umbaumaßnahmen eingeleitet, zu denen auch massive Stellenstreichungen gehören. Dadurch haben sich zwar auch ihre Aktienkurse erholt. Deutsche-Bank-Papiere liegen aber immer noch mehr als 20 Prozent unter dem Kursniveau, zu dem Cerberus gekauft haben dürfte. Bei Commerzbank-Aktien sind es sogar rund 30 Prozent.
Der Finanzinvestor war vor gut vier Jahren mit drei Prozent bei der Deutschen Bank und mit fünf Prozent an der Commerzbank eingestiegen. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen Investor, der normalerweise ganze Unternehmen kauft. Cerberus setzte Insidern zufolge auf eine Bankenfusion – eine Wette, die allerdings nicht aufging. Weder kam der große Zusammenschluss zwischen den beiden Häusern zustande, auch wenn zeitweise darüber gesprochen wurde, noch gab es eine Fusion des einen oder anderen mit einer ausländischen Bank. Cerberus ließ Bitten um eine Stellungnahme unbeantwortet. Deutsche Bank und Commerzbank wollten sich nicht äußern.
Auch Aktionärsschützer glauben nicht mehr an eine Fusion der beiden Großbanken. „Aus meiner Sicht hat Cerberus realisiert, dass es endgültig keine realistische Chance mehr gibt, dass eine Fusion zwischen Deutscher und Commerzbank realisiert werden kann“, kommentierte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), den Rückzug. Dazu hätten der Erfolg der Sanierung der Deutschen Bank und die neue Strategie der Commerzbank beigetragen, aber auch die neue Bundesregierung, merkte der Anlegeranwalt an.
Deka-Bankanalyst Andreas Thomae sieht den Ausstieg nüchtern: „Cerberus hat sich opportunistisch bei steigenden Kursen von einem Teil seiner Investments getrennt.“ Strategieänderungen seien dadurch nicht zu erwarten. „Beide Banken sind auf einem guten Erholungspfad.“ Bei der Commerzbank hatte Cerberus dazu durchaus beigetragen: Der Großaktionär machte so lange Druck auf Bankchef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann, bis beide im Sommer 2020 im Streit um einen härteren Sanierungskurs gleichzeitig das Handtuch warfen. Zielkes Nachfolger Manfred Knof griff dann deutlich radikaler durch.
Cerberus vor Komplett-Rückzug bei deutschen Großbanken
Seattle, 11. Jan (Reuters) – Der US-Flugzeugbauer Boeing sieht sich im Rennen um die meisten Aufträge für neue Verkehrsflugzeuge im abgelaufenen Jahr als Sieger. Nach Stornierungen und Umbestellungen stünden unter dem Strich 535 Flugzeug-Orders zu Buche, erklärte der Airbus-Erzrivale am Dienstag in Seattle. Der deutsch-französische Konkurrent war auf 507 Orders gekommen. Allerdings hat Boeing die Zahlen nach oben korrigiert. Die Amerikaner sind zuversichtlicher, was die Bereitschaft der Fluggesellschaften angeht, die bestellten Maschinen tatsächlich abzunehmen. Ohne diese Korrektur läge Boeing mit 479 Bestellungen hinter Airbus. Zählt man nur die Neubestellungen zusammen, rangiert Boeing mit 909 vor Airbus mit 771.
Gemessen an den Auslieferungen liegt Airbus inzwischen seit drei Jahren vor dem einst übermächtigen Rivalen: 611 Flugzeuge wurden in Toulouse und Hamburg an die Kunden übergeben, Boeing brachte es nur auf 340. Das waren mehr als doppelt so viel wie im Corona-Jahr 2020 und entsprach im Großen und Ganzen den Erwartungen der Analysten. Von den 806 produzierten Flugzeugen von 2018 ist Boeing aber weit entfernt: Der US-Konzern war schon vor der Corona-Krise durch den erzwungenen Produktionsstopp für den einstigen Verkaufsschlager 737 MAX gebeutelt worden, der nach zwei Abstürzen mit Hunderten von Todesopfern fast zwei Jahre weltweit nicht fliegen durfte.
Zuletzt hatte Boeing auch mit Produktionsmängeln beim 787 Dreamliner zu kämpfen. Von dem Langstreckenmodell wurden 2021 deshalb nur noch 18 Stück ausgeliefert – nach 41 im Jahr davor.
Bei Frachtflugzeugen, die seit der Corona-Pandemie stärker gefragt sind denn je, bleibt Boeing vorerst dominierend. Mit 84 Aufträgen brach der US-Flugzeugbauer seinen Rekord aus dem Jahr 2018, als 83 Frachter bestellt worden waren. Airbus hatte im vergangenen Jahr die ersten Bestellungen für die Frachtversion des Langstrecken-Flugzeugs A350 erhalten; ein Teil davon waren allerdings Umbestellungen von Maschinen, die die Kunden eigentlich für den Passagierverkehr einsetzen wollten.
Boeing sieht sich im Rennen um Flugzeug-Aufträge vor Airbus
Washington, 11. Jan (Reuters) – Die Weltbank warnt vor einer deutlichen Abkühlung der globalen Konjunktur und sieht vor allem ärmere Länder unter Druck. In diesem Jahr dürfte die Weltwirtschaft nur noch um 4,1 Prozent wachsen, 2023 dann um 3,2 Prozent, teilte die Weltbank am Dienstag in Washington mit. Im vergangenen Jahr dürfte es noch zu einem Plus von 5,5 Prozent gereicht haben – als Erholung von der ersten Phase der Corona-Krise. Sowohl für die USA, China und die Euro-Zone sind die Experten skeptischer. Schwellenländer müssten sich auf höhere Schulden sowie eine steigende Ungleichheit einstellen. Vor allem Entwicklungsländer seien wahrscheinlich auf weitere Schuldenerleichterungen angewiesen.
Die Schätzungen der Weltbank für 2021 und 2022 liegen jeweils 0,2 Punkte unter den Prognosen aus dem vergangenen Juni. Die Corona-Variante Omikron könnte die Lage weiter verschlechtern. Ende Januar werden Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Weltwirtschaft erwartet. Hier rechnen Ökonomen ebenfalls mit niedrigeren Werten.
Laut Weltbank sind die Aussichten wegen zahlreicher Faktoren düsterer geworden – einer stärkeren Inflation als zunächst gedacht, anhaltenden Lieferkettenproblemen in vielen Branchen sowie neuen Corona-Mutationen. Weltbank-Präsident David Malpass verwies auf niedrigere Impfquoten in armen Ländern. Weltweit sind 59 Prozent der Menschen mindestens ein Mal gegen das Coronavirus geimpft, in Entwicklungsländern sind es dagegen nur neun Prozent. Die Kluft zwischen reichen und armen Staaten werde dadurch größer.
München, 11. Jan (Reuters) – Audi verliert in der Chipkrise im Rennen der drei deutschen Premiumhersteller an Boden. Die Volkswagen-Tochter verkaufte nach Angaben von Dienstag im vergangenen Jahr 1,68 Millionen Fahrzeuge, das sind 0,7 Prozent weniger als im ersten Corona-Jahr 2020. Damit reicht es für die Ingolstädter nur zum dritten Platz. Die Krone geht in diesem Jahr an BMW: Die Münchner haben 2,2 Millionen Autos der Kernmarke verkauft, Daimler kam mit einem Absatzminus von fünf Prozent auf 2,05 Millionen Fahrzeuge auf den zweiten Platz.
Allein im vierten Quartal brach der Audi-Absatz um gut ein Drittel ein – noch stärker als bei der Konkurrenz in Stuttgart. Nach dem ersten Halbjahr hatte Audi noch auf Rekordkurs gelegen. Audi-Vertriebschefin Hildegard Wortmann sprach von einem herausfordernden Jahr: „Wenngleich die Halbleiterversorgung auch in den kommenden Monaten angespannt bleiben wird, gibt uns das kräftige Wachstum bei den Auslieferungen der E-Modelle Rückenwind für die weitere entschlossene Umsetzung unserer Roadmap.“ Zugleich verwies sie auf den hohen Auftragseingang sowie einen Rekord-Auftragsbestand.
Die Autoindustrie weltweit hat seit über einem Jahr mit der Knappheit von Computerchips zu kämpfen. Audi musste wie viele andere Hersteller die Produktion immer wieder anhalten. BMW hatte die Versorgung mit Halbleitern besser im Griff. Ein Grund dafür ist nach Einschätzung von Analysten die besseren Beziehungen der Münchner mit ihren Lieferanten.
Zu spüren bekam Audi die Halbleiterknappheit vor allem in China: In der Volksrepublik verkaufte das Unternehmen 701.289 Fahrzeuge, das sind 3,6 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Für Europa meldete Audi ein Minus von 0,4 Prozent, vor allem wegen einer Schwäche auf dem Heimatmarkt Deutschland, wo es um 15,6 Prozent abwärts ging. In Deutschland spielten neben dem Halbleiterengpass auch Sondereffekte wegen einer Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine Rolle. In den USA wurden dagegen fünf Prozent mehr Autos an die Kunden übergeben.
Kräftig aufwärts ging es zudem bei rein elektrisch angetriebenen Autos: 81.894 dieser Fahrzeuge wurden verkauft, das entspricht einem Plus von 57,5 Prozent. Audi hat angekündigt, bis 2025 mehr als 20 vollelektrische Modelle im Angebot zu haben. Ab 2026 sollen zudem keine neuen Verbrenner mehr auf den Markt kommen.
Bislang machen die drei deutschen Hersteller das Rennen im Premiumsegment immer unter sich aus. Doch der US-Elektroautopionier Tesla ist ihnen mit starkem Wachstum auf den Fersen. Analysten sagen für dieses Jahr, wenn das erste Werk der Kalifornier in Europa in Grünheide bei Berlin anläuft, einen Absatz von rund anderthalb Millionen Autos voraus.
Frankfurt, 11. Jan (Reuters) – BioNTech erwartet in diesem Jahr Umsätze von bis zu 17 Milliarden Euro mit seinem Covid-19-Impfstoff. Im vergangenen Jahr dürfte der Umsatz wie bislang vorhergesagt bei 16 bis 17 Milliarden Euro gelegen haben.
2022 geht Vorstandschef Ugur Sahin von einer Spanne von 13 bis 17 Milliarden aus, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Investoren-Präsentation hervorgeht. BioNTech bekräftigte, dass ein an die Omikron-Variante des Coronavirus angepasster Impfstoff bereits im März zur Verfügung stehen könnte. Insgesamt strebt das Unternehmen in diesem Jahr weiterhin eine Produktionskapazität von bis zu vier Milliarden Impfdosen an.
BioNTech erwartet 2022 bis zu 17 Mrd Euro Impfstoff-Umsatz
Berlin, 11. Jan (Reuters) – Der Mangel an IT-Experten verschärft sich nach Einschätzung der deutschen Digitalwirtschaft massiv und droht das Wachstum der Branche auszubremsen. Derzeit seien 96.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz. Die Zahl werde 2022 auf deutlich über 100.000 steigen. Bis zu 130.000 offene Stellen seien derzeit denkbar, genaue Zahlen aber noch nicht bekannt. Der deutsche Markt für IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik wird laut Bitkom dieses Jahr um 3,6 Prozent auf 184,9 Milliarden Euro zulegen. Ohne Fachkräftemangel wäre möglicherweise ein Prozent mehr drin, so Berg.
„Wir haben ein riesiges Problem“, betonte der Verbandspräsident. Gerade in schnell wachsenden Software-Unternehmen, aber auch in der Breite fehlten Fachkräfte. Die Firmen fänden einfach nicht genügend Mitarbeiter und würden schon Abstriche bei den Anforderungen an die Bewerber machen. Diese wiederum können ihre Ansprüche hochschrauben: „Die Gehälter schießen durch alle Decken durch“, sagte Berg.
Laut Bitkom sind in der Branche aktuell 1,25 Millionen Menschen beschäftigt. Bis Jahresende würden voraussichtlich 39.000 zusätzliche Jobs geschaffen. „Die Unternehmen könnten noch weitaus mehr Personal einstellen, aber es fehlt an Spezialistinnen und Spezialisten“, so Bitkom-Präsident Berg. „Das bedeutet weniger Wachstum, weniger Wertschöpfung und weniger Innovation – und bremst uns bei der Digitalisierung aus und vergrößert den Abstand zu den Vorreitern wie den USA.“
LIEFERENGPÄSSE – CHIPS WERDEN AUS KÜHLSCHRÄNKEN AUSGEBAUT
Auch Lieferengpässe belasten die Branche, wobei vor allem Halbleiter für einfache Anwendungen fehlen, wie Berg erklärte. So gebe es Anekdoten, nach denen eine Firma bereits zu Hunderten Kühlschränke aufgekauft und die darin enthaltenen Chips ausgebaut und in höherwertige Produkte eingebaut habe, sagte der Verbandspräsident. „Das zeigt, was das für Blüten treibt.“ Corona betrachtet Bitkom dagegen als Herausforderung und Chance zugleich. „Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung Schwung gegeben und das belebt den Markt“, sagte Berg.
So wuchs das Umsatzvolumen 2021 um 3,9 Prozent auf 178,4 Milliarden Euro, was Bitkom vor allem auf das gute Geschäft mit IT-Hardware und Software zurückführte. Im globalen Maßstab spiele der deutsche Markt eine untergeordnete Rolle: Deutschlands Anteil an den weltweiten Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik liege 2022 voraussichtlich bei 3,9 Prozent, rechnete Bitkom vor. Er gehe von Jahr zu Jahr zurück, weil die Investitionen und Ausgaben in anderen Ländern schneller wachsen würden – neben den USA (+4,7 Prozent) besonders im asiatischen Raum. Wachstumsspitzenreiter sind demnach Indien (+9,1 Prozent) und China (+5,3 Prozent).
Bitkom – Verschärfter Fachkräftemangel bremst Wachstum aus
Berlin, 11. Jan (Reuters) – Der Essenslieferdienst Delivery Hero will nach Jahren anhaltender Verluste die Kehrtwende einläuten. „Wir wollen 2023 in einer Position sein, um die Gewinnschwelle auf Konzernebene knacken zu können“, sagte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir wollen nicht mehr von Investoren abhängig sein und Kapital aufnehmen müssen“, ergänzte er. Einige Fakten sind bereits geschaffen: Delivery Hero hat den kurzen und teuren Ausflug auf den deutschen Markt schnell wieder beendet, will das Japan-Geschäft verkaufen und die Rappi-Beteiligung zu Geld machen.
Das Essensliefergeschäft soll die Gewinnschwelle auf Basis eines bereinigten Betriebsergebnisses (Ebitda) bereits in diesem Jahr erreichen. Für das vierte Quartal wird mit einem bereinigten Ebitda zwischen 0 und 100 Millionen Euro gerechnet. Dafür will Östberg an einigen Stellschrauben wie den Liefergebühren drehen.
Der Aktienmarkt feierte die neuen Ambitionen. Delivery Hero führte mit einem Plus von bis zu 9,3 Prozent die Dax-Spitze an.
Der weltweit tätige und in Berlin ansässige Konzern ist in der Coronapandemie rasant gewachsen, schreibt aber angesichts umfangreicher Investitionen – unter anderem in den teuren Ausbau des Geschäfts mit Lieferungen von Supermarktartikeln – tiefrote Zahlen. Allein 2020 fiel ein bereinigter Betriebsverlust von 568 Millionen Euro an nach 431 Millionen Euro in 2019. Auch für das vergangene Jahr wird mit einem Minus gerechnet. Mehr Einblick will Delivery Hero am 10. Februar geben.
Obwohl das noch junge – Quick Commerce genannte – Liefergeschäft rasant wächst, liegt der Fokus weiterhin auf der Auslieferung von Restaurantmahlzeiten. „Gemessen am letzten Quartalsbericht machen Essenslieferungen rund 90 Prozent unseres Geschäfts aus“, sagte Östberg. Im laufenden Quartal soll nun der Höhepunkt der Quick-Commerce-Ausgaben – beispielsweise für neue Lager und das Marketing – erreicht werden. Danach sollen die Kosten langsam sinken, verspricht der Lieferando-Konkurrent.
Für Östberg spielt der hart umkämpfte Quick-Commerce-Markt, in dem sich auch Startups wie Getir, Flink und Gorillas tummeln, eine „entscheidende Rolle“. „Unsere Kunden sollen nicht abwandern, weil sie bei uns bestimmte Dinge nicht bestellen können“, sagte Östberg, der Delivery Hero 2011 mitgegründet hat. Nach der jüngsten Übernahme des spanischen Konkurrenten Glovo gibt sich Östberg bei weiteren Zukäufen zurückhaltend. „Wir benötigen keine Akquisitionen. Wenn der Preis richtig ist, werden wir Zukäufe prüfen. Da jede größere Übernahme für uns allerdings verwässernd wäre, ist es sehr unwahrscheinlich.“
Delivery Hero hat sich in der Vergangenheit immer wieder an Konkurrenten wie Zomato, Rappi, Deliveroo und auch dem Startup Gorillas beteiligt. Die Rappi-Investition will Östberg nach und nach losschlagen. Bezüglich des britischen Konkurrenten Deliveroo, an dem Delivery Hero rund fünf Prozent hält, bleibt Östberg weiterhin in der Deckung: „Wir haben immer einen Plan, wenn wir investieren.“
Delivery Hero will aus der Verlustzone herauskommen
Frankfurt, 11. Jan (Reuters) – Ex-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann rechnet mit einem Rückgang der zuletzt kräftig gestiegenen Inflation im laufenden Jahr. „Die Unsicherheit bleibt aber hoch, ob die Raten perspektivisch ohne weiteres unter das Ziel von zwei Prozent sinken oder sich eher verfestigen werden,“ sagte Weidmann am Dienstag auf einer virtuellen Veranstaltung der Bundesbank zum Amtswechsel an der Spitze der deutschen Notenbank. Weidmann war zum Jahreswechsel nach mehr als zehn Jahren vorzeitig zurückgetreten.
Für ihn sei immer zentral gewesen, dass die Notenbank ihr begrenztes Mandat respektiere, sagte Weidmann. „Hier habe ich die Trennlinie zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik sicher enger gezogen als andere.“ Auch habe er immer wieder auf die Risiken und Nebenwirkungen der unkonventionellen Geldpolitik hingewiesen. „Denn sie können perspektivisch das Streben nach Preisstabilität untergraben, indem sie Geld- und Fiskalpolitik stärker miteinander verflechten.“
Seinem Nachfolger Joachim Nagel wünschte er alles Gute als neuer Bundesbank-Chef. „Ohne Zweifel bist Du der Richtige für die Herausforderungen als Bundesbankpräsident“, sagte Weidmann. Der frisch gekürte neue Bundesbank-Chef ist für die deutsche Bundesbank kein Unbekannter. Zwar wechselte Nagel jetzt von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel zur Bundesbank. Den größten Teil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte er jedoch bei der deutschen Notenbank. Insgesamt 17 Jahre lang war Nagel in verschiedene Karrierestufen bei der Bundesbank tätig, sechs Jahre davon saß er im Vorstand, bis er 2016 aus der Bundesbank ausschied.
Ex-Bundesbankchef Weidmann erwartet Rückgang der Inflation
Washington, 11. Jan (Reuters) – Angesichts der immer weiter kletternden Preise in den USA hat US-Notenbankchef Jerome Powell der Inflation den Kampf angesagt. „Wir wissen, dass die hohe Inflation ihren Tribut fordert“, sagte der Fed-Präsident in einer vorab veröffentlichten Fassung einer für Dienstag geplanten Rede vor einem Senatsausschuss. Die gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Wohnung und Verkehr träfen besonders die sozial Schwachen. „Wir werden unsere Instrumente nutzen, um die Wirtschaft und einen starken Arbeitsmarkt zu stützen und um zu verhindern, dass sich die Inflation festsetzt.“
An den Märkten wird spekuliert, die Fed könnte schon im März die Zinswende einleiten und sich gegen die stark steigenden Preise stemmen. Die US-Teuerungsrate ist im November auf 6,8 Prozent geklettert – der höchste Wert seit 1982. Für die am Mittwoch anstehenden Daten für Dezember erwarten von Reuters befragte Experten einen Anstieg auf dann 7,0 Prozent. Aus der Corona-Krise resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten heizen die Inflation an.
„Die Federal Reserve arbeitet für alle Amerikaner“, betonte Powell, der die Fed seit Anfang Februar 2018 führt. Er sei den Prinzipien von Transparenz und klarer Kommunikation verpflichtet und suche aktiv den Austausch mit den Parlamentariern: „Ich verpflichte mich, diese Praxis fortzusetzen, falls ich für eine weitere Amtszeit bestätigt werde.“ Präsident Joe Biden hat Powell für ein weiteres vierjähriges Mandat nominiert. Der Republikaner muss dabei erneut vom Senat im Amt bestätigt werden. Als Teil des Verfahrens muss er den Abgeordneten des Bankenausschusses dabei Rede und Antwort stehen.
FED-VIZE TRITT VORZEITIG AB
Am Donnerstag wird auch seine designierte Stellvertreterin Lael Brainard vom Ausschuss angehört. Die langjährige Fed-Direktorin soll den jetzigen Vize Richard Clarida ablösen. Nach einer Affäre um Wertpapiergeschäfte tritt dieser vorzeitig ab. Er werde am 14. Januar seinen Hut nehmen, hieß es am Montag auf der Website https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/other20220110a.htm der Fed. Claridas Amtszeit läuft erst am 31. Januar aus. Medienberichten zufolge schichtete Clarida im Februar 2020 einen Tag vor einer wichtigen Ankündigung von Fed-Chef Powell sein Portofolio um. Zuletzt hieß es zudem in Medienberichten, Clarida habe Ende Dezember seine finanziellen Angaben korrigiert. Die Vorgänge reihen sich ein in die Affäre um Handelsaktivitäten hochrangiger US-Notenbanker, die 2021 zum Rücktritt von zwei Fed-Führungskräften führte.
Biden ist bemüht, bei seiner Nominierungspraxis für vakante Stellen im Direktorium der Fed für mehr Diversität zu sorgen – also mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten zum Zuge kommen zu lassen. Medienberichten zufolge ist die jüngst zur Direktorin bei der Fed Chicago ernannte Ökonomieprofessorin Lisa Cook eine heiße Anwärterin auf einen der Fed-Führungsposten. Zudem könnte die frühere Fed-Direktorin Sarah Raskin an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren. Als weiterer Kandidat für einen Direktoren-Posten gilt der afroamerikanische Ökonom Philip Jefferson.
Powell sagt Inflation den Kampf an – „Werden unsere Instrumente nutzen“