Mittwoch, Juli 15, 2026
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Europas Zahlungsverkehr: Die Infrastruktur für die Zukunft steht

Europas Zahlungsverkehr zwischen Kostendruck und Abhängigkeit

Als Gründerin eines europäischen Zahlungsanbieters erlebe ich regelmäßig, wie die Spannungen zwischen den US-dominierten Kartennetzen und europäischen Händlern zunehmen.

Die deutsche Wirtschaft etwa steht seit Jahren unter Druck. Branchenübergreifend schrumpfen die Margen. Viele Händler prüfen derzeit ihre Ausgaben und nehmen dabei insbesondere die Kosten für die Zahlungsabwicklung unter die Lupe.

Vielleicht zu Recht. Laut einer Auswertung der Wirtschaftsweisen kosten Online-Zahlungsmethoden wie PayPal Händler bis zu 3,5 Prozent des Umsatzes, bei Kreditkarten wie Visa und Mastercard sind es rund 1,3 Prozent. Rechnet man versteckte Kosten durch Betrug und Chargebacks hinzu, liegt diese Zahl vermutlich noch höher. Das sind Kostenfaktoren, die man gerade in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld nicht unterschätzen sollte.

Hinzu kommt, dass rund 60 Prozent der im Euroraum getätigten Kartenzahlungen über US-Systeme abgewickelt werden. Das hat Folgen für den europäischen Wirtschaftskreislauf, denn die Abwicklungsgebühren fließen in die USA, statt in Europa reinvestiert zu werden.

Europa schafft Alternativen zu US-Zahlungssystemen

Europa hat die Grundlagen für echte Alternativen zu den herkömmlichen US-Zahlungsmethoden bereits gelegt. Technologien, die lange als disruptive Alternativen galten, sind heute fester Bestandteil des finanziellen Alltags von Millionen Verbrauchern und Unternehmen.

Besonders relevant ist die wachsende Dynamik rund um Pay-by-Bank-Lösungen. Pay by Bank bezeichnet Zahlungen, die direkt von einem Bankkonto auf ein anderes fließen, ohne dass ein Kartennetz als zwischengeschaltete Ebene fungiert. Über Open Banking und lokale Zahlungsinfrastrukturen verbindet sich diese Technologie mit dem bestehenden europäischen Bankensystem und lässt sich so über Ländergrenzen hinweg skalieren.

Es ist eine spannende Zeit für dieses Marktsegment. Das weltweite Pay-by-Bank-Volumen soll bis 2030 auf 3,8 Billionen US-Dollar steigen. Großbritannien liefert dafür bereits konkrete Belege mit über 13 Millionen aktiven Open-Banking-Nutzern und mehr als 30 Millionen Pay-by-Bank-Transaktionen pro Monat. Pay by Bank erreicht damit zunehmend den breiten Markt. In einem modernen Payment-Mix ergänzt diese Zahlungsmethode Karten und Wallets und erweitert die Auswahlmöglichkeiten für Händler.

Wirtschaftliche Vorteile für Händler und Verbraucher

Für Händler bietet die Einführung von Pay by Bank mehrere Vorteile. Erstens sind die Transaktionskosten niedriger als bei herkömmlichen Zahlungsmethoden, da keine Gebühren für Kartennetze oder zwischengeschaltete Dienstleister anfallen. Zudem werden alle Zahlungen von der Bank mittels starker Kundenauthentifizierung (SCA) verifiziert. Da beim Checkout keine sensiblen Kartendaten übertragen werden, sinkt das Betrugsrisiko deutlich. Für viele Händler ist außerdem entscheidend, dass keine Kostenrisiken aus Rückbuchungen durch Kartenherausgeber entstehen.

Für Verbraucher wiederum vereinfacht Pay by Bank den Zahlungsvorgang deutlich. Die Authentifizierung erfolgt direkt am Checkout, ohne Weiterleitung auf externe Seiten oder manuelle Eingabe von Kartendaten. Wer online bezahlt, nutzt einfach den vertrauten Online-Banking-Login oder die biometrische Authentifizierung, ganz ohne App-Download oder Registrierung. Der gesamte Vorgang dauert in der Regel weniger als 60 Sekunden.

Weniger Kosten stärken Europas Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen, die weniger für die Zahlungsabwicklung ausgeben, haben schnelleren Zugriff auf ihre Mittel und gewinnen operative Flexibilität, weil sie weniger Ressourcen für die Bearbeitung von Chargebacks aufwenden. Gerade in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld, in dem jeder Basispunkt zählt, wirkt sich dieser Faktor unmittelbar auf die Bilanz aus. Und auch Europa profitiert: Kapital, das im Unternehmen bleibt, stärkt dessen eigene Wettbewerbsfähigkeit und verbleibt zugleich im europäischen Wirtschaftskreislauf.

Jetzt kommt es auf die Skalierung an

Das Beispiel Pay by Bank zeigt deutlich, dass die Voraussetzungen für eine starke neue Phase im europäischen Zahlungsverkehr gegeben sind. Die Infrastruktur funktioniert und die regulatorischen Vorgaben zeigen Wirkung. Ebenso wächst bei Verbrauchern und Händlern die Bereitschaft, europäische Lösungen zu nutzen.

Worauf es jetzt ankommt, ist die konsequente Skalierung dessen, was Europa bislang aufgebaut hat. Für Unternehmen und Händler bedeutet das, Pay by Bank aktiv in ihren Payment-Mix aufzunehmen und die wirtschaftlichen Vorteile zu nutzen. Das stärkt die Resilienz und steigert die Wettbewerbsfähigkeit.

Kommentar von Lena Hackelöer, Gründerin und CEO von Brite Payments

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