Dienstag, April 14, 2026
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Vertrauen durch Infrastruktur – Warum echte Arbeit am Produkt den Markt gewinnt

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MediCoinSwiss Supply Chain Technologie im Fokus Gerrit Langer und Clemens Ressel schwarz weiss

MediCoinSwiss entwickelt technologische Lösungen für die Supply Chain und macht komplexe Technologie einfach nutzbar für sichere und skalierbare Anwendungen

fundscene: Clemens, man sieht dich aktuell intensiv an der Seite von MediCoinSwiss. Was genau ist deine Aufgabe in diesem Deep-Tech-Umfeld?

Clemens Ressel: Ich unterstütze das Team in einer entscheidenden Phase des Aufbaus. Mein Fokus liegt darauf, die hochkomplexe technische Substanz von CEO Gerrit Langer – der als Erfinder und Initiator technologisch in einer eigenen Liga spielt – in eine Sprache zu übersetzen, die für den Markt und strategische Partner greifbar ist. Ich sorge für die strategische Schärfung und die Vorbereitung der Außenwirkung, damit aus technischer Neugier echte geschäftliche Ernsthaftigkeit auf Entscheider-Niveau wird.

fundscene: Warum habt ihr euch für den Standort Zug in der Schweiz entschieden?

Clemens Ressel: Zug ist für uns kein Ort auf dem Papier, sondern gelebte Realität. Ich lebe hier, und unser Office steht physisch und echt mitten im Crypto Valley. Das ist uns extrem wichtig: Wir sind keine Briefkastenfirma, sondern ein greifbares Unternehmen in einem Umfeld, das für regulatorische Präzision und globale Finanzkraft steht. Hier schlagen wir die Brücke zwischen digitaler Behauptung und physischer Wahrheit. Wir liefern mit dem Patent 1 den Beweis, dass eine unkopierbare Kopplung zwischen Produkt und Datensatz möglich ist.

fundscene: MediCoinSwiss setzt auf radikale Einfachheit. Warum ist das für die Adoption so wichtig?

Clemens Ressel: Weil Technologie im Alltag nur gewinnt, wenn sie kein IT-Projekt ist. Unsere Lösung funktioniert ohne App-Download oder Registrierung direkt über den Browser. Wer im Hochleistungsbereich arbeitet, weiß: Unter Druck zählt nur das, was ohne Reibung funktioniert. Wir haben die Hürden für den Nutzer fast auf Null gesenkt, um echte Sicherheit massentauglich zu machen.

fundscene: Man kennt dich als Vordenker für strategische Positionierung und Mentor, der viel erreicht hat und auch persönliche Krisen weggesteckt hat. Wie fließt dieser Unternehmergeist in MediCoinSwiss ein?

Clemens Ressel: Als Vordenker für strategische Positionierung beschäftige ich mich seit Jahren damit, komplexe Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen. Es geht dabei um weit mehr als Kommunikation – es geht um mentale Härte und Beständigkeit. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass Ergebnisse nur durch saubere Vorbereitung und disziplinierte Execution entstehen. Meine Erfahrung aus schwierigen Lebensphasen hat mir gezeigt, wie wichtig belastbare Strukturen sind. Genau diesen Geist bringe ich in die operative Begleitung ein. Wir spielen hier keine bloße Idee, sondern bauen eine robuste Infrastruktur für den Markt.

fundscene: Als „Mental Red Adair“ wirst du oft gerufen, wenn es brennt. Was ist deine wichtigste Erkenntnis für dieses Projekt, um Brände in der Supply Chain gar nicht erst entstehen zu lassen?

Clemens Ressel: Dass wir keine Luftschlösser bauen dürfen. Erfolg am Markt ist kein Höhenflug, sondern das Resultat von Standards. Gerrit Langer liefert die geniale technische Basis, und ich sorge dafür, dass wir diese PS auf die Straße bringen. Wir suchen Partner, die keine Lust auf „Pitch-Entertainment“ haben, sondern echte Probleme in ihrer Supply Chain lösen wollen. Wir sind hier in Zug, um zu liefern.

Bildcredits/Fotograf: Fotostudio Wetzikon Yannik Scrugli

Wir bedanken uns bei Clemens Ressel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Pillen, Gadgets, Illusionen: Der Longevity-Mythos

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System, Körper, Gesundheit: Longevity neu gedacht Bild: Ernennung der Botschafter:in der Oberpfalz 2023 Oberpfalz Marketing e. V. Regierung der Oberpfalz Emmeramsplatz Bildcredtis/Fotograf: altrofoto.de

Ein kritischer Kommentar zur Vermessung der Unsterblichkeit von Dr. Josef Scheiber

Wir leben im goldenen Zeitalter des Narzissmus, getarnt als Gesundheitsvorsorge. Das Silicon Valley hat den Tod als technisches Problem definiert, das gelöst werden muss, vergleichbar mit einem Software Bug. Die Biohacking Szene feiert sich dafür, 50 Pillen zum Frühstück zu schlucken und jeden Herzschlag zu tracken.

Doch hinter dieser glänzenden Fassade offenbart sich ein fundamentales Missverständnis. Wir versuchen, ein biologisches Problem mit mechanistischem Denken zu lösen und scheitern.

Der Körper ist keine Maschine

Das vorherrschende Narrativ behandelt Menschen wie Autos. Verschlissene Teile austauschen, Tank auffüllen, Motor checken. Doch der Körper ist kein lineares System, sondern ein kybernetisches, antifragiles Netzwerk, das auf Reize reagiert. Ein Auto repariert sich nicht selbst, wenn es einen Kratzer hat. Der Mensch schon.

Wichtig zu wissen: Altern ist primär kein Rohstoffmangel, sondern Informationsverlust. Zellen vergessen, was sie tun sollen. Wer in dieses verrauschte System meint, einfach nur möglichst viele Supplements kippen zu müssen, betreibt kosmetische Korrekturen an einem Haus, dessen Fundament gerade wegbricht.

Die Komfortfalle der Balance

Ein weiterer Irrtum ist das Streben nach statischer Balance. Wellness predigt Entspannung und Ausgleich. Doch biologisch gesehen ist eine konstante Balance die Nulllinie und damit der Tod. Leben ist Oszillation: Aktivierung und Regeneration.

Unsere moderne Komfortzone mit konstanten Temperaturen, künstlichem Licht und dauerhaftem Nahrungsangebot verhindert diese Reize. Longevity Trends verstärken diese Stagnation. Kältebäder, Fastenperioden oder extreme Trainingspläne werden vermarktet, aber oft nur als kurzlebige Show.

Echte Wirkung entsteht durch konsequente, wiederkehrende Herausforderungen. Hormesis, also Kälte, Hitze oder Hunger, aktiviert unsere biologischen Wartungssysteme. Wer nur auf Komfort setzt, rostet.

Das Heimat Paradox: Kontext statt Import

Am deutlichsten zeigt sich das Scheitern beim Thema Ernährung. Wir blicken neidisch auf die Blue Zones und importieren deren Lebensmittel, ignorieren aber den Kontext. Goji Beeren aus China oder Avocados aus Mexiko sollen plötzlich Gesundheit bringen.

Das ist eine naive Inhaltslogik.

Biologie ist Exo Biologie, also ein Spiegel der Umgebung. Pflanzen entwickeln ihre Schutzstoffe als Reaktion auf ihre Umwelt. Genau hier entsteht das Heimat Paradox: Die robusteste Gesundheit finden wir nicht in der Ferne, sondern in der Resonanz mit unserem eigenen Lebensraum.

Ein Wildkraut, eine alte Apfelsorte oder eine regionale Beere, gewachsen unter denselben Bedingungen wie wir, besitzt für unseren Körper eine höhere Informationsdichte als importierte Superfoods.

Daten Religion und der Verlust des Gefühls

Die Technologisierung der Gesundheit hat neue Probleme geschaffen. Schlafringe, Fitness Dashboards und penible Ernährungspläne erzeugen Stress und Nocebo Effekte. Menschen vermeiden soziale Ereignisse, fürchten ungesunde Mahlzeiten und überwachen jeden Herzschlag.

Ein System im Daueralarm regeneriert nicht.

Wir verlieren die Interozeption, also das intuitive Körpergefühl. Technologie sollte unterstützen, nicht dominieren. Wer zu stark optimiert, verliert die Fähigkeit, eigene Signale zu interpretieren und damit einen zentralen Schlüssel zu echter Gesundheit.

Sinn statt Technik

Der größte Fehler vieler Ansätze liegt in ihrer Leere. Wir optimieren die Hardware wie Mitochondrien oder Telomere, vergessen aber die Software, also den Sinn.

Ein biologisches System ohne Aufgabe schaltet sich ab. Die Evolution verschwendet keine Energie. Ohne ein Wozu bleibt jede Optimierung bedeutungslos.

Die Zukunft gehört dem Homo Regenerativus. Menschen, die verstehen, dass sie Teil eines Rhythmus sind. Die Licht, Kälte, Nahrung und Bewegung als Informationsquellen nutzen, um ihren biologischen Code zu beeinflussen.

Menschen, die aufhören, den Tod zu bekämpfen, und beginnen, das Leben bewusst zu gestalten. Die sich nicht auf Pillen, Gadgets oder exotische Superfoods verlassen, sondern auf Rituale, regionale Ernährung, Bewegung und Sinn.

Bild: Ernennung der Botschafter:in der Oberpfalz 2023 Oberpfalz Marketing e. V. Regierung der Oberpfalz Emmeramsplatz Bildcredtis/Fotograf: altrofoto.de

Autor Dr Josef Schreiber

Echte Longevity entsteht nicht im Labor. Sie entsteht, wenn wir wieder lernen, unser System aktiv zu steuern und Reize, Herausforderungen und Ruhe sinnvoll zu orchestrieren.

Europas Wachstumsstrategie hart getroffen von der Energiekrise

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Energiepreise Europa Wachstum unter Druck Katharine Neiss Quelle: PGIM

Europa besonders stark von Energiekrise betroffen

Europa zählt aufgrund seiner Energieabhängigkeit zu den Regionen, die am stärksten von der anhaltenden Energiekrise betroffen sind. Diese Anfälligkeit trifft Europas Wachstumsstrategie zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Energieintensive Sektoren unter Druck

Der erwartete Wachstumsimpuls für die kommenden Jahre sollte von Verteidigungsausgaben, öffentlicher Infrastruktur und einer teilweisen Reindustrialisierung kommen. Diese Sektoren gehören zu den energieintensivsten Bereichen der Wirtschaft. Höhere und volatilere Energiepreise treffen daher genau die Bereiche, auf die sich die politischen Entscheidungsträger verlassen hatten, um Impulse zu setzen.

Realwirtschaft stärker betroffen als Inflation

Im Gegensatz zur Zeit nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine dürfte der aktuelle Schock in der Realwirtschaft deutlich spürbar sein, während die Inflation vergleichsweise gedämpft bleibt. Sie könnte zwar Werte im mittleren einstelligen Bereich erreichen, bleibt jedoch hinter dem starken Anstieg nach 2022 zurück.

Angebotsschock belastet Wachstumsperspektiven

Höhere Energiepreise wirken wie ein klassischer Angebotsschock, der die Kosten für Haushalte und Produzenten erhöht und letztlich die Konjunktur belastet. Wachstumsbedenken dürften daher die nächste Phase der Marktpreisbildung dominieren, insbesondere wenn die angespannten finanziellen Rahmenbedingungen anhalten.

EZB korrigiert Wachstumsprognosen nach unten

Die Entscheidungsträger der EZB haben das BIP Wachstum für 2026 um rund 0,3 Prozentpunkte nach unten korrigiert, da höhere Energiekosten und Unsicherheit den Konsum und die Investitionen belasten. Italien zeigt diese Dynamik besonders deutlich.

Italien im Fokus der wirtschaftlichen Risiken

Die zuvor erwartete Entwicklung hin zu größerer politischer Stabilität und solideren Haushaltsergebnissen steht nun unter Druck. Italiens hohe Abhängigkeit von LNG Importen und seine energieintensive Industrie werfen grundlegende Fragen zum zukünftigen Wachstumsmodell auf.

Geopolitische Verschiebungen verstärken den Druck

Über Italien hinaus gewinnt die geopolitische Dimension an Bedeutung. Russland geht wirtschaftlich gestärkt aus dem Konflikt hervor und profitiert von steigenden Energieeinnahmen. Europas Plan, russische LNG Importe bis 2027 auslaufen zu lassen, könnte zusätzliche Risiken bergen.

Steigende Staatsausgaben erhöhen fiskalischen Druck

Die Notwendigkeit höherer Verteidigungsausgaben nimmt zu. Gleichzeitig belasten Energiehilfen für Haushalte und Unternehmen die öffentlichen Haushalte zusätzlich. Ohne eine koordinierte fiskalische Strategie könnte es schwierig werden, diese Herausforderungen langfristig zu bewältigen.

Kommentar von Katharine Neiss, Chefökonomin für Europa im Fixed-Income-Geschäft von PGIM

Bild Quelle: PGIM

Quelle TE Communications GmbH

Der Anstieg der Energiepreise erhöht das Risiko von Fehlentscheidungen der Zentralbanken

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Inflation Zentralbanken Energiepreise unter Druck ARif Husain Quelle: T. Rowe Price)

Ausgangslage vor dem Krieg nicht vergessen

Angesichts des andauernden Krieges kann man leicht aus den Augen verlieren, wie die Weltwirtschaft noch vor wenigen Wochen aussah. Es ist jedoch wichtig, sich diese Ausgangslage in Erinnerung zu rufen. Wenn der Krieg endet, wird es zweifellos zusätzliche Faktoren zu bewerten geben, diese werden jedoch auf den vor dem Krieg vorherrschenden Trends aufbauen.

Inflation war bereits zuvor ein zentrales Risiko

Eine höhere Inflation war bereits ein Risiko. Bei einem kürzlich abgehaltenen Portfolio Strategietreffen bemerkte ein Kollege, dass die chinesische Innenpolitik maßgeblich zur global niedrigen Inflation beigetragen hat. Doch die jüngsten Maßnahmen in China haben das Blatt gewendet. Die zuvor disinflationären Effekte wirken nun potenziell inflationär. Damit stand das Inflationsrisiko bereits vor dem Krieg auf der Agenda.

Einfluss von KI auf Inflation bleibt unklar

Die Auswirkungen von KI auf die Inflation sind weiterhin schwer einzuschätzen. Kurzfristig wirken Investitionen in Rechenzentren eher inflationär, insbesondere durch steigende Betriebskosten. Langfristig könnte KI jedoch durch Produktivitätsgewinne und geringere Arbeitsnachfrage disinflationär wirken. Der genaue Zeithorizont bleibt jedoch unsicher.

US Wachstum vor starkem Aufschwung

Das Wachstum in den USA war auf einen deutlichen Aufschwung vorbereitet. Fiskalische Impulse, geldpolitische Lockerungen und erwartete Steuerrückerstattungen hätten einen starken wirtschaftlichen Sommer begünstigt. Auch global sorgten expansive Politikmaßnahmen für ein positives Umfeld.

Deutlich gestiegene Energiekosten verändern die Lage

Was sich verändert hat, sind vor allem die Energiekosten. Diese sind deutlich gestiegen, teilweise verbunden mit Knappheit und strukturellen Engpässen. Schäden an Infrastruktur und mögliche Blockaden wichtiger Handelsrouten könnten die Situation längerfristig belasten.

Chancen auf Deeskalation bleiben bestehen

Auch wenn die Dauer des Konflikts ungewiss ist, sprechen viele Faktoren für eine mögliche Deeskalation. Logistische, wirtschaftliche und politische Kosten erhöhen den Druck auf eine Lösung. Die Phase akuter Panik könnte daher bereits überwunden sein.

Marktbewegungen durch technische Faktoren verstärkt

Ein Großteil der Marktbewegungen ist auf die Auflösung stark nachgefragter Positionen zurückzuführen. Besonders gehebelte Positionen wurden schnell abgebaut, was zu extremen Ausschlägen geführt hat. Geringe Liquidität verstärkt diese Effekte zusätzlich.

Liquidität und Positionierung als Treiber der Volatilität

Einige Märkte waren zeitweise weniger liquide als während der COVID Pandemie. In Kombination mit überfüllten Positionen führte dies zu überdurchschnittlichen Bewegungen, etwa bei Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit.

Inflationsschutz gewinnt an Bedeutung

Angesichts steigender Inflation erscheint der Ausbau von Inflationsschutz im Portfolio sinnvoll. Inflationsgebundene Wertpapiere wirken derzeit attraktiv, da die erwarteten Preissteigerungen hoch bleiben dürften.

Zentralbanken vor schwierigen Entscheidungen

Die Reaktionen der Zentralbanken auf steigende Energiepreise bergen Risiken. Sowohl zu starke Zinserhöhungen als auch Untätigkeit könnten negative Folgen haben. Politische Motive könnten diese Entscheidungen zusätzlich beeinflussen.

Währungen bieten Chancen durch höhere Volatilität

Im Devisenmarkt wird mit steigender Volatilität gerechnet. Dies eröffnet Chancen für zusätzliche Renditen. Der US Dollar profitierte zuletzt eher von Positionsauflösungen als von seiner Rolle als sicherer Hafen.

Zinsmärkte bieten attraktive Relative Value Chancen

Besonders im globalen Zinsmarkt ergeben sich interessante Möglichkeiten. Die Unterschiede zwischen Märkten sind aktuell so groß wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Strategien entlang der Zinskurve könnten attraktive Renditen bei moderatem Risiko ermöglichen.

Marktkommentar von Arif Husain, Leiter Global Fixed Income und Chief Investment Officer bei T. Rowe Price

Bild Quelle: T. Rowe Price

Quelle TE Communications GmbH

Asiens Batterie-Dominanz ist zementiert – Europa kämpft um Nischen

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Batteriemarkt Batterien Europa im globalen Wettbewerb Stian Ueland Quelle: DNB Asset Management

Batteriemarkt wächst rasant, bleibt aber konzentriert

40 % Wachstum im Jahr 2025 – der Batteriemarkt boomt. Doch hinter den beeindruckenden Zahlen verbirgt sich ein Markt, der von wenigen asiatischen Akteuren dominiert wird und westliche Investoren vor strategische Fragen stellt.

Europa steht dabei vor einem strukturellen Wettbewerbsproblem. Zwar existieren mit Akteuren wie PowerCo, Verkor oder ACC erste industrielle Ansätze, doch im globalen Vergleich fehlt es weiterhin an Skaleneffekten, Kosteneffizienz und technologischem Vorsprung. Ein Großteil der Produktionskapazitäten in Europa wird derzeit von chinesischen oder südkoreanischen Unternehmen kontrolliert. Europäische Anbieter dürften daher kurzfristig kaum in der Lage sein, im Massenmarkt mit den führenden internationalen Herstellern gleichzuziehen.

Chancen für Europa in spezialisierten Segmenten

Dennoch gibt es Nischen, in denen Europa strategisch relevant bleiben kann. Dazu zählen hochwertige Batteriezellen, regulierte Märkte sowie Anwendungen, bei denen Versorgungssicherheit eine zentrale Rolle spielt. In diesen Segmenten sehen wir realistische Chancen für europäische Anbieter, sich zu behaupten – auch wenn der Wettbewerb global strukturell herausfordernd bleibt.

Markt wird von wenigen globalen Playern dominiert

Der Markt wird derzeit maßgeblich von wenigen großen Anbietern geprägt. Unternehmen wie CATL und BYD verfügen über signifikante Wettbewerbsvorteile – sowohl technologisch als auch in der Kostenstruktur. CATL kombiniert starke Forschungs- und Entwicklungskapazitäten mit kontinuierlichen Fortschritten in der Zellchemie und treibt damit Effizienz sowie Kostensenkungen voran. Diese Innovationskraft ist ein wesentlicher Grund für die führende Marktstellung. Aus Investorensicht bleiben beide Unternehmen zentrale Bausteine im Batterie Exposure.

Für Investoren ist zudem die gesamte Wertschöpfungskette relevant. Neben Zellherstellern spielen auch Rohstoff und Systemanbieter eine Rolle. Dazu zählen etwa Albemarle als wichtiger Zulieferer für Batteriematerialien sowie Sunrun und Enphase, die Batterien in dezentrale Energiesysteme integrieren.

Geopolitische Abhängigkeiten als Risiko

Gleichzeitig stellt die Abhängigkeit von einzelnen Regionen eine strategische Herausforderung für westliche Volkswirtschaften dar. Politische Initiativen zur Diversifizierung der Lieferketten sind bereits sichtbar, wovon insbesondere südkoreanische Anbieter profitieren könnten. Eine vollständige Entkopplung erscheint jedoch weder realistisch noch ökonomisch sinnvoll, da sie mit deutlich höheren Kosten verbunden wäre.

In den USA zeigt sich ein differenziertes Bild. Der Markt wird maßgeblich von asiatischen Herstellern in Kooperation mit lokalen Automobilkonzernen geprägt. Die Nachfrageentwicklung leidet derzeit unter einer moderateren Dynamik im Bereich Elektromobilität. Gleichzeitig bleibt offen, inwieweit Unternehmen wie Tesla ihre Ambitionen zur Eigenproduktion von Batteriezellen erfolgreich skalieren können.

Batterien als Schlüsseltechnologie der Energiewende

Langfristig bleibt der strukturelle Wachstumstrend intakt. Batterien sind ein zentraler Baustein der Energiewende – nicht nur im Mobilitätssektor, sondern zunehmend auch als Speicherlösung zur Stabilisierung der Stromnetze. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Volatilität in der Energieerzeugung und steigender Stromnachfrage kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu. So können Batteriespeicher kurzfristig helfen, Angebot und Nachfrage im Stromsystem auszugleichen und Engpässe im Netz zu überbrücken.

Lithium Ionen Technologie bleibt dominant

Technologisch sehen wir derzeit keine kurzfristige Disruption der Lithium Ionen Technologie. Alternative Ansätze wie Natrium Ionen Batterien könnten in spezifischen Anwendungen an Bedeutung gewinnen, doch die bestehende Infrastruktur, Skalierung und kontinuierliche Weiterentwicklung sprechen dafür, dass Lithium Ionen auf absehbare Zeit dominant bleiben wird.

Investoren müssen selektiv vorgehen

Für Investoren bedeutet dies, dass der Batteriemarkt weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial bietet, jedoch stark konzentriert und von geopolitischen sowie technologischen Faktoren geprägt ist. Selektivität bleibt entscheidend – sowohl entlang der Wertschöpfungskette als auch mit Blick auf regionale Unterschiede und strukturelle Wettbewerbsvorteile.

Marktkommentar von Stian UelandPortfoliomanager bei DNB Asset Management

Bild Quelle: DNB Asset Management

Quelle TE Communications GmbH

Hohe Sparquoten, hohe Immobilienpreise

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ABS Spreads europäische Verbraucher im Fokus Egbert Bronsema (Quelle: Aegon Asset Management)

Europäische Verbraucher können wirtschaftliche Schocks abfedern

Die geopolitischen Entwicklungen sind nach wie vor äußerst ungewiss, und oft reichen schon wenige Beiträge auf X oder Truth Social aus, um die Ölmärkte in die eine oder andere Richtung stark in Bewegung zu versetzen. Auch wenn die Lage sehr unbeständig ist, können wir uns dennoch ein deutlich fundierteres Bild von dem damit verbundenen fundamentalen Kreditrisiko für unsere ABS Bestände machen.

Insgesamt sind wir mit einem gut positionierten und recht konservativen Portfolio in diese Phase der Volatilität gestartet, und obwohl die Renditen negativ waren, hielt sich der Kursrückgang mit rund minus 20 Basispunkten im Monatsverlauf in Grenzen. Die Spreads bei ABS haben sich relativ stabil gezeigt und sind nur geringfügig aufgeweitet, insbesondere im Vergleich zu Unternehmensanleihen und anderen Risikoanlagen. Die Marktreaktion war von Risikoscheu geprägt, verlief jedoch geordnet. Teile des Marktes mit höherem Beta, insbesondere Mezzanine Tranchen, zeigten eine größere Sensitivität, während vorrangige ABS und Investment Grade ABS weiterhin gut unterstützt wurden. Die Primäremissionen bei ABS halten weiterhin an, und die Clearing Spreads sind im Vergleich zum Februar nicht wesentlich weiter ausgeweitet, da der Primärmarkt offen bleibt und die Liquidität an den Sekundärmärkten weiterhin gut ist.

Es ist wichtig zu beachten, dass das zugrunde liegende Risiko des Fonds überwiegend auf den europäischen Verbraucher ausgerichtet ist. Selbst wenn sich unser Basisszenario nicht bewahrheitet und der Konflikt über einen längeren Zeitraum andauert, ist der europäische Verbraucher im Allgemeinen gut aufgestellt, um erhebliche wirtschaftliche Schocks abzufedern. Die Sparquoten sind europaweit nach wie vor hoch, die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, und der Arbeitsmarkt ist robust.

ABS von Nahostkonflikt und Energiepreisen abgeschirmt

Anhaltend hohe Energiepreise würden die Wirtschaft zweifellos belasten, was sich letztendlich in einer gewissen Schwäche in den eher konjunkturabhängigen, energieintensiven Sektoren niederschlagen dürfte. Der Arbeitskräftemangel in nicht konjunkturabhängigen Sektoren wie dem Gesundheitswesen, dem Bildungswesen und den öffentlichen Dienstleistungen dürfte jedoch dazu beitragen, die Gesamtauswirkungen auf die Beschäftigung abzumildern. In der Regel hatten europäische Verbraucher kaum Schwierigkeiten, ihre Schulden zu bedienen, solange sie einen Arbeitsplatz hatten.

Dies ist einer der Hauptgründe, warum ABS Wertpapiere relativ abgeschirmt bleiben. Sie weisen nur ein begrenztes direktes Engagement und eine minimale direkte Verknüpfung mit der geopolitischen Lage im Nahen Osten oder den Energieversorgungsketten auf. Dank ihrer kurzen Laufzeiten und variablen Zinsstrukturen sind sie im Vergleich zu Unternehmensanleihen mit langer Laufzeit weniger anfällig für Marktwertschwankungen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach hochwertigen, spreadstabilen Anlagen robust, insbesondere bei Anlegern, die in volatileren Märkten auf defensive Renditen setzen.

Wir gehen davon aus, dass die Volatilität bei Unternehmensanleihen weiterhin hoch bleiben wird, was für das Portfolio angesichts unseres Engagements über unsere CLO Investitionen von Bedeutung ist. CLO Bestände machen derzeit fast 25 Prozent des Fonds aus, Stand März 2026. Die Kreditmärkte insgesamt haben deutlich auf den geopolitischen Schock reagiert.

Die Spreads von Investment Grade Unternehmensanleihen haben sich weltweit ausgeweitet und verzeichneten damit die stärkste Bewegung seit mehreren Monaten nach der Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran und der gesamten Region. Der Bloomberg Corporate Credit Index OAS beispielsweise stieg von 63 Ende Januar auf derzeit 92 über Swaps, Stand März 2026.

Auch CDS Indizes und Risikoprämien haben sich regionenübergreifend ausgeweitet, da Anleger neben den inflationären Auswirkungen höherer Energiepreise auch die geopolitischen Tail Risiken neu bewerten.

Dies bildet den Hintergrund, vor dem sich der Handel mit ABS bisher entwickelt hat, da die Spread Bewegungen bislang begrenzt und moderat waren. Zwar haben sich die Spreads bei ABS ausgeweitet, doch sind die Spread Bewegungen in Sektoren mit höherem Beta, wie beispielsweise CLOs, sowie weiter unten in der Kapitalstruktur bei BB und B bei einer sich steilenden Kreditkurve ausgeprägter. Bei vorrangigen Tranchen und konsumbezogenen ABS war trotz der allgemein risikoscheuen Stimmung nur eine moderate Ausweitung zu beobachten. Bei konsumbezogenen ABS, einschließlich Auto und Verbraucherkrediten, kam es zu einer gewissen Abschwächung der Geld Brief Spannen im Sekundärmarkt, jedoch ohne ungeordnete Neubewertung.

Zwar ist das Emissionsvolumen im Vergleich zum Februar geringer, doch funktioniert der Primärmarkt weiterhin. Jüngste europäische ABS Transaktionen wurden erfolgreich bepreist, und die Orderbücher sind nach wie vor gut gefüllt. Betrachtet man den Bloomberg Pan European Floating Rate Benchmark, der keine CLOs, sondern ausschließlich RMBS und ABS mit Investment Grade Rating enthält, so hat sich der OAS leicht von 65 Ende Januar auf derzeit 69, Stand März 2026, ausgeweitet.

Anleihen halten Stresstests weiter stand

Bei CLOs war eine etwas ausgeprägtere Ausweitung der Spreads zu beobachten. AAA Anleihen sind weiterhin gut gestützt, insbesondere im Vergleich zu Unternehmensanleihen einzelner Emittenten. Die Nachfrage von Banken und Versicherern nach variabel verzinslichen, hochwertigen Papieren hat die Spitze der Kapitalstruktur weiterhin gestützt, auch wenn die Kreditmärkte insgesamt eine risikoaverse Haltung einnahmen. Gleichzeitig befinden sich die Primärmärkte in einer abwartenden Haltung. Zwar wurden einige Transaktionen platziert, jedoch mit größeren Emissionsabschlägen als noch im Februar. Bei Mezzanine CLOs ist eine deutlichere Spread Reaktion zu beobachten, wobei sich die Spreads der BB und B Tranchen stärker ausweiten.

Dies spiegelt das höhere Beta gegenüber den Spreads der zugrunde liegenden Kredite und eine größere Sensitivität gegenüber der Volatilität an den Leveraged Loan Märkten wider. Wichtig ist, dass die Ausweitung eher preis als flussgetrieben zu sein scheint, da es bislang noch keine Anzeichen für Zwangsverkäufe gibt und die Sekundärliquidität weiterhin verfügbar ist, auch wenn sich die Geld Brief Spannen ausgeweitet haben. Was den zugrunde liegenden Kreditmarkt betrifft, so war eine gewisse Abschwächung zu beobachten, die durch eine risikoaverse Stimmung und erneute Inflationssorgen im Zusammenhang mit höheren Ölpreisen getrieben wurde.

Es ist jedoch zu keinem Einfrieren der Kreditliquidität gekommen, und die Auswirkungen sind im Vergleich zu früheren geopolitischen Schocks nach wie vor gering. Zwar würde sich ein deutlich schwächeres wirtschaftliches Umfeld auf diesen Sektor auswirken, doch zeigen unsere Stresstests, dass alle Anleihen in unserem Portfolio einem wirtschaftlichen Schock standhalten können, der deutlich schwerwiegender ist als die globale Finanzkrise. Wir sind daher weiterhin von der zugrunde liegenden Bonität aller unserer Bestände überzeugt.

Marktkommentar von Egbert Bronsema, Senior Portfolio Manager, Aegon European ABS Fund bei Aegon Asset Management

Bild Quelle: Aegon Asset Management

Quelle: TE Communications GmbH

BarmeniaGothaer setzt auf Bloomberg und Clearwater Analytics für ein zukunftssicheres Front-to-Back Kapitalanlagemanagement

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Plattform für Kapitalanlagemanagement und Datenbasis Fotos von Gerrit Heine und Josef Sommeregger (v.l.n.r., Quelle: BarmeniaGothaer Asset Management / CWAN).

Einheitliche Datenbasis für bessere Investmententscheidungen

Eine einheitliche Datenbasis und eine Gesamtportfoliosicht über liquide und illiquide Vermögenswerte hinweg verbessern Transparenz, Risikoüberwachung und Investmententscheidungen

BOISE, Idaho; CHICAGO; NEW YORK; MUNICH; FRANKFURT A.M., 31. März 2026 — Bloomberg und Clearwater Analytics (NYSE: CWAN) gaben heute bekannt, dass sich die BarmeniaGothaer Asset Management AG, einer der zehn größten Versicherungs-Asset-Manager in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von über 50 Milliarden Euro, für eine umfassende Front to Back Investmentplattform entschieden hat, die die Vorteile von Bloomberg Buy Side Solutions mit der Middle und Back Office Management Plattform von Clearwater Analytics kombiniert.

Zusammenschluss als Chance für Transformation

Der Zusammenschluss der Barmenia und Gothaer im Jahr 2024 hat die Chance eröffnet, zwei unterschiedliche System und Datenlandschaften erfolgreich zusammenzuführen und dadurch das Investmentmanagement auf ein neues Niveau zu heben.

Modernes Kapitalanlagemanagement durch Integration

Durch die Integration von Bloomberg Buy Side Solutions und Clearwater Analytics gestaltet die BarmeniaGothaer Asset Management AG ein modernes, zukunftsfähiges Kapitalanlagemanagement, das optimal auf die Ziele der Organisation abgestimmt ist und modernste Technologien für den gesamten Investmentlebenszyklus bereitstellt.

Ganzheitliche Plattform für den Investmentlebenszyklus

Die BarmeniaGothaer Asset Management AG ist ein Multi Asset Buy Side OEMS Kunde von Bloomberg und nutzt Bloomberg AIM als Investment Book of Record sowie als OMS und Bloomberg PORT Enterprise für Risiko und Attributionsanalysen. Clearwater bildet künftig die technologische Basis für das gesamte Middle und Backoffice des Kapitalanlagemanagements, einschließlich Accounting, Datenabgleich, regulatorischem Reporting, Performance sowie Compliance und Risikofunktionen über alle Anlageklassen hinweg. Die Plattform schafft zudem eine zuverlässige Single Source of Truth Datenbasis über den gesamten Investmentlebenszyklus.

Effizienz, Transparenz und Automatisierung im Fokus

Mit Bloomberg Buy Side Solutions und der cloud nativen Clearwater Plattform bündelt die BarmeniaGothaer Asset Management AG die Vorteile zweier führender Anbieter. Ziel ist es, die Komplexität zu reduzieren, Transparenz zu erhöhen und Arbeitsabläufe stärker zu automatisieren, während gleichzeitig Wachstum und der Einsatz moderner Technologien wie Cloud und künstliche Intelligenz unterstützt werden.

Auflösung von Datensilos und neue Datenqualität

Ein zentraler Baustein der neuen Systemlandschaft ist die cloud native Plattform von Clearwater Analytics, die bestehende Datensilos aufbricht und durch tägliche Datenbereinigung und Abgleich eine konsistente Datenbasis schafft. Die Integration ermöglicht eine ganzheitliche Sicht über alle Anlageklassen hinweg und unterstützt konsistente Analysen von Risiko, Performance und Allokationen.

Strategische Partnerschaft für globale Kunden

Durch die Zusammenarbeit von Bloomberg und Clearwater entsteht eine skalierbare Architektur, die Asset Ownern weltweit eine konsistente Sicht auf ihre Portfolios bietet. Dies führt zu mehr Transparenz, besserer Risikoüberwachung und fundierteren Investmententscheidungen sowie zu effizienteren Workflows entlang des gesamten Investmentprozesses.

Skalierbare Architektur für die Zukunft

Die neue Front to Back Architektur verbessert die Genauigkeit, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit von Daten erheblich und steigert gleichzeitig die Agilität in den Geschäftsprozessen. Dadurch können sich Teams stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren und regulatorische Anforderungen effizient erfüllen.

Neue Standards für Investmentplattformen

Die Partnerschaft zwischen Bloomberg und Clearwater zeigt, wie die Kombination aus Trading und Portfolioanalyse mit einer cloud nativen Plattform signifikante Vorteile schafft. Die Implementierung bei der BarmeniaGothaer Asset Management AG verdeutlicht, wie moderne Technologien die Komplexität reduzieren und gleichzeitig leistungsfähige, zukunftssichere Investmentplattformen ermöglichen.

Fotos von Gerrit Heine und Josef Sommeregger (v.l.n.r., Quelle: BarmeniaGothaer Asset Management / CWAN).

Quelle TE Communications GmbH

Europa nach wie vor günstig bewertet

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Europa Wachstum Aktien im Bewertungsvergleich Francesco Sedati_Eurizon

Europäische Aktien weisen nach wie vor einen erheblichen Abschlag gegenüber den US-Aktien auf, obwohl für die Jahre 2026 und 2027 eine ähnliche Gewinnentwicklung erwartet wird. Diese Bewertungslücke stellt nach wie vor eine Chance dar, die sich mit der Zeit teilweise schließen dürfte, sobald Europa durch fiskal- und wirtschaftspolitische Maßnahmen sowie Regulierungsreformen wieder verstärkt auf Wachstum in Europa setzt. Der Konflikt im Iran ist unserer Ansicht nach ein kurzfristiger Rückschlag in diesem Konvergenzprozess, da die höheren Energiekosten Europa gegenüber den USA benachteiligen. Angesichts der Tatsache, dass wir davon ausgehen, dass der Konflikt nur vorübergehend ist, sehen wir die aktuelle Volatilität als Möglichkeit für Anleger.

Makroökonische Faktoren wie Zinssenkungen oder wirtschaftliche Stabilisierung bleiben wichtige Performance-Treiber, da sie einen Wirtschafts- und Gewinnwachstumspfad unterstützen dürften, der sich dem der USA annähert. Die Reaktion der EZB auf den Anstieg der Ölpreise und möglicherweise der Inflation zu bewerten, wird wichtig sein, um zu verstehen, ob die Unterstützung des Wachstums Vorrang vor der Preisstabilisierung erhält.

Nachhaltige Dynamik oder kurzfristige Erholung?

Wir glauben, dass hinter der Erholung Europas mehrere strukturelle Treiber stehen: fiskalische Impulse, ein Prozess der Banken- und Finanzintegration sowie eine klare und sichtbare Umstrukturierung des Unternehmenssektors, die in vielen Ländern, angefangen bei Deutschland, stattfindet. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende und zyklische Entwicklung handelt, sondern dass alle Voraussetzungen gegeben sind, um wieder an Schwung zu gewinnen, sobald sich der Konflikt im Iran beruhigt hat.

Europa ist angesichts des potenziellen Wachstums, das es in den nächsten Jahren entfalten kann, günstig bewertet. Zudem stellt es ein wichtiges Element der Diversifizierung dar, da sich die Wachstumsmotoren von denen in den USA und Asien unterscheiden. Diese werden weitgehend, wenn nicht sogar ausschließlich von Technologie und KI angetrieben. Die US-Märkte werden stark von einigen wenigen großen Technologieunternehmen dominiert. Dieses Konzentrationsrisiko für Portfolioentscheidungen ist in der Tat relevant, da ein Großteil der Performance von wenigen Aktien und Positionen an den US-Märkten getrieben wird. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, können Zweifel an der Nachhaltigkeit des Technologie- oder KI-Trends erhebliche Auswirkungen auf den absoluten Drawdown des Portfolios haben. Deshalb ist Europa eine diversifizierende Komponente in einem Portfolio, da sein Wachstum auf anderen Treibern beruht: Wirtschaftsausgaben, die Erholung des Konsums und Banken.

Aus Sektorensicht waren Banken in den letzten Jahren ein bedeutender Treiber für Europa und sind aus Sicht der Kapitalrückführung weiterhin attraktiv. Auch den Industriesektor sehen wir als interessant an, da er im Mittelpunkt der Haushaltspläne (Verteidigung, Infrastruktur) und der Ausgaben für Rechenzentren steht. Schließlich profitieren auch die Versorger stark von der Elektrifizierung der Netze und der Stromversorgung von Rechenzentren.

Kommentar von Francesco Sedati, Head of Equity Research and Management bei Eurizon

Bild Quelle: Eurizon

Quelle TE Communications GmbH

Deutschland und USA weniger von Energieimporten aus der Golfregion abhängig als China und Japan

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global Magdalena Polan_PGIM Fixed Income

Bei der Betrachtung der globalen Auswirkungen des Krieges im Iran untersuchen wir die Anfälligkeit der einzelnen Länder unter verschiedenen Gesichtspunkten. Dazu zählen die Abhängigkeit von Energieimporten aus der Golfregion, der politische Handlungsspielraum im Kontext der makroökonomischen Rahmenbedingungen, Puffer gegen Extremrisiken sowie strukturelle Faktoren. So erscheinen Japan und China beispielsweise aus Sicht der Energieimporte aus der Golfregion anfälliger, während afrikanische Ölexporteure, die USA, Großbritannien und Deutschland weniger exponiert zu sein scheinen.  

In Bezug auf die oben genannten Aspekte fallen Pakistan, Sri Lanka und Ägypten in die Kategorie „anfällig“, mit Ausnahme der strukturellen Faktoren. Malaysia, Peru, Polen und die USA fallen in den meisten Kategorien in den Bereich „stabil“, mit Ausnahme des politischen Handlungsspielraums für die USA. 

Mit Blick auf die Aussichten für das globale Wachstum sind wir nicht der Ansicht, dass die Bedingungen bereits die Phase einer „Nachfragezerstörung“ erreicht haben. Eine Möglichkeit, die Auswirkungen des Preisanstiegs abzuschätzen, besteht darin, dass jeder nachhaltige Anstieg der Rohölpreise um 10 % das globale Wachstum um 0,1 Prozentpunkte verringern könnte. Das bedeutet, dass ein langfristiger Preisanstieg um 60 % zu einem Rückgang um 0,6 Prozentpunkte führen könnte. 

Aus globaler Marktperspektive haben die Preise von Vermögenswerten stärker auf den Iran-Konflikt reagiert als in vergleichbaren historischen Zeiträumen  – beispielsweise Tage mit Öl- bzw. Aktienkursanstiegen oder -rückgängen von +1,0 % bzw. -0,5 % seit 2010. Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten Entwicklungen eher durch Positionsauflösungen als durch eine plötzliche Neubewertung der Fundamentaldaten beeinflusst wurden. 

Kommentar Magdalena Polan, Head of EM Macro Research bei PGIM

Bild Quelle: PGIM

Quelle TE Communications GmbH

Die Märkte halten sich gut. Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor

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Inflation Märkte Aktien im Spannungsfeld Marktkommentar von Sebastien Page, Head of Global Multi-Asset und Chief Investment Officer bei T. Rowe Price

Zwei zentrale Botschaften für Anleger

Zwei Botschaften an die Anleger zum jetzigen Zeitpunkt: Diese Situation wird vorübergehen, aber es könnte länger dauern, als die Märkte erwarten.

Die Märkte haben schon früher geopolitische Schocks erlebt und blicken in der Regel darüber hinweg. Doch diesmal ist das Ausmaß anders, insbesondere beim Öl. Die Preise haben sich bereits weit über historische Muster hinausbewegt, und es gibt kein klares Drehbuch für die weitere Entwicklung. Ein Weg zur Lösung existiert, doch der Zeitplan bleibt ungewiss.

Ölpreis, Inflation und Zinsen im Zusammenspiel

Geopolitische Faktoren treiben den Ölpreis in die Höhe, schüren die Inflation, halten die Zinsen auf hohem Niveau und erhöhen das Risiko einer Wachstumskrise. Und es scheint, als stünden wir noch am Anfang dieser Kette. Dennoch halten sich die Märkte gut.

Widerstandsfähige Märkte trotz Unsicherheit

Die Aktien sind nur leicht im Minus, und die Volatilität ist nie wirklich in die Höhe geschnellt. Der Grund ist einfach: Die Wirtschaft wächst weiterhin. Das nominale Wachstum bleibt solide, die Verbraucher sind widerstandsfähig, die fiskalischen Stützungsmaßnahmen wirken noch nach, und Investitionen in KI treiben die Gewinne weiter an.

Diese Widerstandsfähigkeit hat diesen Zyklus geprägt. Trotz Kriegen, Inflationsschocks, aggressiven Zinserhöhungen und Belastungen im Bankensektor seit 2022 haben Aktien dank Konjunkturmaßnahmen und Gewinnen weiterhin starke Zuwächse erzielt.

Hohe Bewertungen als Risikofaktor

Die Bewertungen sind jedoch hoch, was weniger Spielraum für Fehler lässt, sollten sich die Bedingungen verschlechtern.

Asset Allocation zwischen Vorsicht und Chancen

Die Positionierung unseres Asset Allocation Ausschusses spiegelt dieses Gleichgewicht wider: nicht pessimistisch, aber auch nicht risikofreudig. Neutral zwischen Aktien und Anleihen, mit Schwerpunkt auf Realwerten, internationalen Aktien und Small Caps, neben Inflationsabsicherungen und Absicherung gegen Kursrückgänge. Wenn sich die Stimmung ins Positive wendet, reagieren Small Caps tendenziell schnell.

Geldpolitik und Perspektiven für Anleihen

Was die Fed betrifft, könnten Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen verfrüht sein. Die Inflation liegt weiterhin über dem Trend und steigt weiter an, was bedeutet, dass eine weitere Straffung nicht ausgeschlossen werden kann. Dies spricht für eine Präferenz für Anleihen mit kürzerer Laufzeit. Im Bereich Private Credit mag es vereinzelte Stressfaktoren geben, aber kein systemisches Risiko. Das System ist weniger verschuldet und weniger vernetzt als in vergangenen Zyklen.

Marktkommentar von Sebastien Page, Head of Global Multi-Asset und Chief Investment Officer bei T. Rowe Price

Bild Quelle: T. Rowe Price

Quelle TE Communications GmbH