Freitag, Juli 17, 2026
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Europas Zahlungsverkehr: Die Infrastruktur für die Zukunft steht

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Pay by Bank stärkt Europa und Händler Brite Payments Lena Hackelör

Europas Zahlungsverkehr zwischen Kostendruck und Abhängigkeit

Als Gründerin eines europäischen Zahlungsanbieters erlebe ich regelmäßig, wie die Spannungen zwischen den US-dominierten Kartennetzen und europäischen Händlern zunehmen.

Die deutsche Wirtschaft etwa steht seit Jahren unter Druck. Branchenübergreifend schrumpfen die Margen. Viele Händler prüfen derzeit ihre Ausgaben und nehmen dabei insbesondere die Kosten für die Zahlungsabwicklung unter die Lupe.

Vielleicht zu Recht. Laut einer Auswertung der Wirtschaftsweisen kosten Online-Zahlungsmethoden wie PayPal Händler bis zu 3,5 Prozent des Umsatzes, bei Kreditkarten wie Visa und Mastercard sind es rund 1,3 Prozent. Rechnet man versteckte Kosten durch Betrug und Chargebacks hinzu, liegt diese Zahl vermutlich noch höher. Das sind Kostenfaktoren, die man gerade in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld nicht unterschätzen sollte.

Hinzu kommt, dass rund 60 Prozent der im Euroraum getätigten Kartenzahlungen über US-Systeme abgewickelt werden. Das hat Folgen für den europäischen Wirtschaftskreislauf, denn die Abwicklungsgebühren fließen in die USA, statt in Europa reinvestiert zu werden.

Europa schafft Alternativen zu US-Zahlungssystemen

Europa hat die Grundlagen für echte Alternativen zu den herkömmlichen US-Zahlungsmethoden bereits gelegt. Technologien, die lange als disruptive Alternativen galten, sind heute fester Bestandteil des finanziellen Alltags von Millionen Verbrauchern und Unternehmen.

Besonders relevant ist die wachsende Dynamik rund um Pay-by-Bank-Lösungen. Pay by Bank bezeichnet Zahlungen, die direkt von einem Bankkonto auf ein anderes fließen, ohne dass ein Kartennetz als zwischengeschaltete Ebene fungiert. Über Open Banking und lokale Zahlungsinfrastrukturen verbindet sich diese Technologie mit dem bestehenden europäischen Bankensystem und lässt sich so über Ländergrenzen hinweg skalieren.

Es ist eine spannende Zeit für dieses Marktsegment. Das weltweite Pay-by-Bank-Volumen soll bis 2030 auf 3,8 Billionen US-Dollar steigen. Großbritannien liefert dafür bereits konkrete Belege mit über 13 Millionen aktiven Open-Banking-Nutzern und mehr als 30 Millionen Pay-by-Bank-Transaktionen pro Monat. Pay by Bank erreicht damit zunehmend den breiten Markt. In einem modernen Payment-Mix ergänzt diese Zahlungsmethode Karten und Wallets und erweitert die Auswahlmöglichkeiten für Händler.

Wirtschaftliche Vorteile für Händler und Verbraucher

Für Händler bietet die Einführung von Pay by Bank mehrere Vorteile. Erstens sind die Transaktionskosten niedriger als bei herkömmlichen Zahlungsmethoden, da keine Gebühren für Kartennetze oder zwischengeschaltete Dienstleister anfallen. Zudem werden alle Zahlungen von der Bank mittels starker Kundenauthentifizierung (SCA) verifiziert. Da beim Checkout keine sensiblen Kartendaten übertragen werden, sinkt das Betrugsrisiko deutlich. Für viele Händler ist außerdem entscheidend, dass keine Kostenrisiken aus Rückbuchungen durch Kartenherausgeber entstehen.

Für Verbraucher wiederum vereinfacht Pay by Bank den Zahlungsvorgang deutlich. Die Authentifizierung erfolgt direkt am Checkout, ohne Weiterleitung auf externe Seiten oder manuelle Eingabe von Kartendaten. Wer online bezahlt, nutzt einfach den vertrauten Online-Banking-Login oder die biometrische Authentifizierung, ganz ohne App-Download oder Registrierung. Der gesamte Vorgang dauert in der Regel weniger als 60 Sekunden.

Weniger Kosten stärken Europas Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen, die weniger für die Zahlungsabwicklung ausgeben, haben schnelleren Zugriff auf ihre Mittel und gewinnen operative Flexibilität, weil sie weniger Ressourcen für die Bearbeitung von Chargebacks aufwenden. Gerade in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld, in dem jeder Basispunkt zählt, wirkt sich dieser Faktor unmittelbar auf die Bilanz aus. Und auch Europa profitiert: Kapital, das im Unternehmen bleibt, stärkt dessen eigene Wettbewerbsfähigkeit und verbleibt zugleich im europäischen Wirtschaftskreislauf.

Jetzt kommt es auf die Skalierung an

Das Beispiel Pay by Bank zeigt deutlich, dass die Voraussetzungen für eine starke neue Phase im europäischen Zahlungsverkehr gegeben sind. Die Infrastruktur funktioniert und die regulatorischen Vorgaben zeigen Wirkung. Ebenso wächst bei Verbrauchern und Händlern die Bereitschaft, europäische Lösungen zu nutzen.

Worauf es jetzt ankommt, ist die konsequente Skalierung dessen, was Europa bislang aufgebaut hat. Für Unternehmen und Händler bedeutet das, Pay by Bank aktiv in ihren Payment-Mix aufzunehmen und die wirtschaftlichen Vorteile zu nutzen. Das stärkt die Resilienz und steigert die Wettbewerbsfähigkeit.

Kommentar von Lena Hackelöer, Gründerin und CEO von Brite Payments

Longevity heißt nicht, ewig leben zu wollen

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Gesundheit und Prävention für mehr Langlebigkeit Daniel Meyer und Marie So von Bee People

Zwischen Optimierungswahn und Gesundheitsvorsorge

Der kritische Kommentar von Dr. Josef Scheiber zur Longevity-Bewegung spricht einen wichtigen Punkt an: Ja, es gibt eine technokratische, teilweise narzisstische Form von Biohacking. Pillenberge, Selbstvermessung und die Idee, den Körper wie eine Maschine zu optimieren, greifen zu kurz. Wer heute an Longevity denkt, hat oft genau dieses Bild vor Augen: Menschen, die jede Körperfunktion messen, ihre Ernährung bis ins kleinste Detail kontrollieren und ständig nach neuen Methoden suchen, um den Alterungsprozess aufzuhalten.

Die Kritik daran ist nachvollziehbar. Gesundheit darf nicht zu einem weiteren Leistungsprojekt werden. Der menschliche Körper ist keine Maschine, die sich beliebig optimieren lässt. Altern ist keine Krankheit, die geheilt werden muss, sondern ein natürlicher Teil des Lebens. Aber Longevity darauf zu reduzieren, wäre aus meiner Sicht ebenfalls zu kurz gedacht.

Mehr gesunde Jahre statt mehr Lebensjahre

Denn im Kern geht es bei Longevity nicht darum, den Tod zu besiegen. Und schon gar nicht darum, auf Biegen und Brechen möglichst alt zu werden. Für mich bedeutet Longevity vor allem eines: mehr gesunde Jahre. Es geht um Healthspan, nicht nur um Lifespan. Also nicht darum, einfach länger zu leben, sondern länger gesund, vital, beweglich und selbstbestimmt zu bleiben.

Denn was nützt ein langes Leben, wenn es von chronischen Beschwerden, eingeschränkter Mobilität oder dem Verlust von Lebensqualität geprägt ist? Die meisten Menschen wünschen sich nicht in erster Linie ein besonders hohes Alter. Sie wünschen sich, lange fit zu bleiben. Sie möchten auch mit 70, 80 oder 90 Jahren noch reisen können, mit ihren Enkeln spielen, sich frei bewegen, klar denken und ihr Leben selbstbestimmt gestalten. Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert von Longevity.

Prävention statt Reparatur

Im Kern ist Longevity nichts anderes als Preventive Health – vorbeugende Gesundheit. Die Idee ist, dass wir nicht erst dann handeln sollten, wenn Symptome auftreten, sondern früher: bevor chronische Beschwerden, Entzündungen, Erschöpfung oder Stoffwechselprobleme entstehen.

Unser heutiges Gesundheitssystem ist stark auf Symptombekämpfung ausgerichtet. Das ist wichtig, wenn Krankheit da ist. Aber echte Gesundheit beginnt vorher. Wir leben heute länger als frühere Generationen. Gleichzeitig nehmen viele chronische Erkrankungen zu. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie alt wir werden, sondern wie gesund wir die zusätzlichen Lebensjahre verbringen.

Genau deshalb gewinnt Prävention immer stärker an Bedeutung. Gesundheit entsteht nicht erst in der Arztpraxis. Sie entsteht im Alltag. In den Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. In der Qualität unserer Ernährung. In ausreichendem Schlaf. In regelmäßiger Bewegung. Im Umgang mit Stress. In sozialen Beziehungen und in Lebensbedingungen, die körperliches und psychisches Wohlbefinden fördern.

Viele dieser Faktoren wirken unspektakulär. Gleichzeitig gehören sie zu den wichtigsten Grundlagen für langfristige Gesundheit und Lebensqualität. Genau deshalb gewinnt das Thema Longevity an Bedeutung. Nicht weil Menschen unsterblich werden wollen, sondern weil sie die Qualität ihres Lebens erhalten möchten.

Natürliche Langlebigkeit als Lebensstil

Genau hier sehe ich die Chance von Natural Longevity. Natürliche Langlebigkeit bedeutet für mich nicht Extreme, Kontrolle oder Selbstoptimierung um jeden Preis. Sie bedeutet, den Körper als intelligentes biologisches System zu unterstützen. Mit guter Ernährung. Mit Bewegung. Mit Schlaf. Mit Licht. Mit Regeneration. Mit sozialen Beziehungen und einem Lebensstil, der Gesundheit langfristig fördert.

Die gute Nachricht ist: Viele der wirksamsten Maßnahmen sind weder kompliziert noch exklusiv. Sie beginnen nicht im Labor und erfordern keine Hightech-Lösungen. Oft sind es gerade die einfachen Gewohnheiten des Alltags, die langfristig den größten Unterschied machen.

Dabei geht es nicht um Perfektion. Niemand muss jede Mahlzeit optimieren, jeden Schlafzyklus überwachen oder jede körperliche Kennzahl kennen. Gesundheit ist kein Wettbewerb. Vielmehr geht es darum, langfristig Gewohnheiten zu entwickeln, die den Körper stärken, ohne das Leben einzuschränken.

Ein gesunder Lebensstil sollte nicht von Angst getrieben sein, sondern von Fürsorge. Nicht von Kontrolle, sondern von Verständnis. Der Körper ist keine Maschine. Da stimme ich absolut zu. Aber genau deshalb sollten wir ihn auch nicht erst reparieren wollen, wenn etwas kaputt ist. Wir sollten lernen, ihn früher zu stärken.

Eine neue Kultur der Prävention

Longevity muss nicht künstlich, kalt oder elitär sein. Sie kann natürlich, bodenständig und alltagstauglich sein. Sie kann bedeuten, wieder mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, ohne in Angst oder Kontrollzwang zu verfallen.

Vielleicht liegt genau hier das eigentliche Missverständnis der Debatte. Longevity wird häufig als Kampf gegen das Altern verstanden. Doch Altern ist kein Fehler des Körpers. Es ist ein natürlicher Prozess des Lebens.

Nicht die Frage „Wie besiege ich den Tod?“ ist entscheidend. Sondern: Was kann ich heute tun, um morgen gesünder zu leben?

Das ist für mich der Kern von Natural Longevity. Und genau hier liegt aus meiner Sicht die Zukunft: nicht in der Jagd nach Unsterblichkeit, sondern in einer neuen Kultur der Prävention. Eine Kultur, die Gesundheit nicht erst dann ernst nimmt, wenn sie verloren gegangen ist, sondern schon lange davor.

Bild Bildcredits @ Bee People

Autor:

Daniel Meyer ist Mitgründer und CEO von Bee People, einem Life-Science-Unternehmen aus St. Moritz. Er beschäftigt sich mit präventiver Gesundheit, täglicher Vitalität und gesundem Altern, die Bee People mit Bienenkraft, Wissenschaft und Formulierungen aus den Schweizer Alpen verbindet.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Franklin Templeton und MorgenFund kooperieren bei neuer AV-Depot-Lösung

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Altersvorsorge: MorgenFund und AV-Depot starten Christian Machts, Sebastian Höft und Heike Fürpaß-Peter (Quelle: Franklin Templeton / MorgenFund)

Franklin Templeton und MorgenFund starten Partnerschaft für Altersvorsorge

Die Zusammenarbeit verbindet die Investmentexpertise von Franklin Templeton mit MorgenFund als Produktanbieter und regulierte Plattform. Ziel ist es, Vertriebspartner und ihre Kundinnen und Kunden mit einem modernen Angebot für die Altersvorsorge zu unterstützen.

Frankfurt – 11. Juni 2026 – Franklin Templeton, ein führender globaler Asset Manager, und MorgenFund, eine der größten deutschen Fondsplattformen, haben heute ihre Partnerschaft zur Bereitstellung einer Altersvorsorgedepot-Lösung, kurz AV-Depot, bekannt gegeben. Die Lösung soll den langfristigen Vermögensaufbau für die Altersvorsorge über ein skalierbares, digital unterstütztes Investmentangebot fördern.

Bündelung von Investmentkompetenz und Plattformexpertise

Die Kooperation bündelt die globalen Investmentkapazitäten, die Altersvorsorgekompetenz und die Unterstützung bei der Produktentwicklung von Franklin Templeton mit der Expertise von MorgenFund als Produktanbieter, regulierte Plattform, Infrastrukturanbieter und operativer Servicedienstleister. MorgenFund verfügt über eine langjährige Expertise als unabhängige und regulierte Plattform mit einfachen und flexiblen Depotlösungen sowie einem offenen Anlageuniversum aus Fonds und ETFs. Im Rahmen der AV-Depot-Lösung stellt MorgenFund das Produkt und die zugrunde liegende Infrastruktur bereit, während Franklin Templeton den Zugang zu seinen umfassenden Investmentkapazitäten ermöglicht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem schnell wachsenden ETF-Angebot von Franklin Templeton, das für moderne Altersvorsorgelösungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Neue AV-Depot-Lösung für Vertriebspartner und Endkunden

Mit der Partnerschaft stellen Franklin Templeton und MorgenFund ausgewählten Vertriebspartnern und deren Beratern eine umfassende AV-Depot-Produkt- und Plattformlösung zur Verfügung, die in deren Kundenangebote integriert werden kann. Franklin Templeton unterstützt die Lösung durch Produktpositionierung, Informations- und Schulungsmaterialien. Die Vertriebspartner bleiben dabei der zentrale Zugangspunkt für Endanleger, die flexible, investmentbasierte Lösungen für ihre Altersvorsorge suchen. Als Produktanbieter und Plattform übernimmt MorgenFund die vollständige Betreuung und Administration des AV-Depots und ist rechtlicher Vertragspartner der Endkunden.

Franklin Templeton sieht wichtigen Schritt für die private Vorsorge

Christian Machts, Head of Germany and Austria bei Franklin Templeton, sagt: „Das AV-Depot ist ein wichtiger Schritt für die Sparerinnen und Sparer von heute sowie für künftige Generationen. Bei Franklin Templeton wissen wir aus Märkten wie den USA, wo wir über jahrzehntelange Erfahrung mit 401(k)-Plänen und anderen Altersvorsorgelösungen verfügen, wie bedeutsam politisch unterstützte Rahmenbedingungen für die private Altersvorsorge sein können. Gemeinsam mit MorgenFund freuen wir uns darauf, Finanzinstitute und Berater dabei zu unterstützen, ihren Kundinnen und Kunden flexible, investmentbasierte Altersvorsorgelösungen zugänglich zu machen.“

MorgenFund setzt auf digitale und regulatorisch sichere Lösungen

Heike Fürpaß-Peter, Geschäftsführerin bei MorgenFund, sagt: „Wir freuen uns über die Partnerschaft mit Franklin Templeton bei einer Lösung, die unsere komplementären Stärken entlang des gesamten Produkt- und Kundenlebenszyklus vereint. MorgenFund verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der Bereitstellung von Altersvorsorgelösungen und wird ein vollständig digitales, skalierbares und regulatorisch konformes AV-Depot-Angebot bieten.“

Sebastian Höft, Global Head of Business Development bei MorgenFund, ergänzt: „Mit dieser Partnerschaft setzen wir einen neuen digitalen Impuls für die Altersvorsorge. Wir ermöglichen unseren Vertriebspartnern ein modernes Beratungserlebnis und schaffen für Endanleger eine intuitive User Experience, die Altersvorsorge einfacher, zugänglicher und wieder attraktiver macht.“

AV-Depot soll über ausgewählte Vertriebspartner verfügbar werden

Das neue AV-Depot soll vorbehaltlich der geltenden regulatorischen, vertraglichen und operativen Anforderungen über ausgewählte Vertriebspartner verfügbar gemacht werden.

Über MorgenFund

MorgenFund ist eine unabhängige und kundenorientierte Fondsplattform mit Sitz in Frankfurt am Main. Mit einfachen und flexiblen Depotlösungen bietet MorgenFund privaten und institutionellen Kundengruppen Zugang zu einem breiten Fonds- und ETF-Universum. Aktuell verwaltet das Unternehmen ein Depotvolumen von rund 110 Milliarden Euro.

Hinter MorgenFund steht ein agiles und branchenerfahrenes Team, das Verlässlichkeit und regulatorische Sicherheit mit Innovationskraft verbindet. Das Unternehmen verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der Abwicklung staatlich geförderter Altersvorsorgeprodukte, insbesondere der Riester-Rente, unter hohen regulatorischen und prozessualen Anforderungen. MorgenFund kombiniert persönliche Expertise mit moderner Plattform-Technologie und entwickelt gemeinsam mit Kunden und Partnern zukunftsfähige Investment- und Vorsorgelösungen.

Bild Christian Machts, Sebastian Höft und Heike Fürpaß-Peter (Quelle: Franklin Templeton / MorgenFund)

Quelle Franklin Templeton

Der neue Fed-Chef bringt die Volatilität zurück

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Während die Unruhen im Nahen Osten und der Optimismus hinsichtlich künstlicher Intelligenz die Märkte weiterhin antreiben, ist die erste geldpolitische Sitzung der Federal Reserve (Fed) unter dem neuen Vorsitz weitgehend unter dem Radar geblieben. Die relativ begrenzte Diskussion über diesen wichtigen Wechsel konzentrierte sich weitgehend auf die kurzfristigen Gegenströmungen hinsichtlich der sich wandelnden Haltung zur aktuellen Geldpolitik angesichts einer anhaltenderen Inflation. Dieser Wechsel könnte jedoch potenziell längerfristige, bedeutende Auswirkungen auf die Märkte haben.

Bei seiner Anhörung zur Bestätigung durch den Senat sprach sich Fed-Vorsitzender Kevin Warsh für strukturelle Veränderungen in der Art und Weise aus, wie die Zentralbank die Geldpolitik steuert. Zu seinen erklärten Zielen gehören die Verkleinerung der Bilanzsumme der Fed von fast 7 Billionen US-Dollar sowie die Abschaffung des Dot Plots und anderer Formen der Forward Guidance. Langfristig denke ich, dass diese Maßnahmen die unbeabsichtigte Folge hätten, sowohl die implizite als auch die realisierte Marktvolatilität zu erhöhen.

Die Politik der Fed nach der globalen Finanzkrise hat zur Verringerung der Volatilität beigetragen: Viele Anleger wurden seit der globalen Finanzkrise (GFC) dafür belohnt, dass sie auf eine geringere Volatilität gesetzt haben, indem sie Optionen verkauften oder andere Strategien verfolgten, die von sinkender Volatilität profitieren. So sind beispielsweise sich verengende Kreditspreads implizit ein Spiel auf sinkende Volatilität. Die Geldpolitik der Fed nach der GFC, einschließlich der groß angelegten quantitativen Lockerung, hat sich besonders stark auf die Senkung der Volatilität ausgewirkt. Der mittlerweile bekannte „Fed Put“ sah vor, dass die Zentralbank erhebliche Liquidität zuführte und eine Forward Guidance gab, die die Inflationserwartungen verankerte und die Extreme der Verteilung potenzieller Ergebnisse reduzierte. Zwar haben auch andere Marktstrukturfaktoren maßgeblich zur Senkung der Marktvolatilität beigetragen, doch glaube ich, dass die Fed und andere globale Zentralbanken die Haupttreiber waren. Ihre Maßnahmen führten zu einer geringeren Volatilität bei den Zinsen, was wiederum zu einer geringeren Volatilität an den Kreditmärkten und schließlich an den Aktienmärkten führte.

Das Risiko einer Rücknahme der Forward Guidance 

Ein Bestreben der Fed, ihre Bilanz weiter zu verkürzen, nachdem die Zentralbank ihr jüngstes Programm zur quantitativen Straffung Ende 2025 beendet hat, dürfte den Markt dazu veranlassen, die langjährigen Erwartungen hinsichtlich sinkender Volatilität zu überdenken. Die Rücknahme der Forward Guidance, einschließlich des Dot Plots, hätte denselben Effekt, da sie den geldpolitischen Ausblick der Fed verschleiern und ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten eröffnen würde. Auch wenn der Dot Plot keineswegs perfekt ist, trägt er dazu bei, die Erwartungen an extreme Ergebnisse zu dämpfen. 

Finanzielle Repression 

Warshs Bestreben, die Bilanz zu verkürzen, steht zudem im Widerspruch zu einem der Ziele der Trump-Regierung: die Zinsen so niedrig wie möglich zu halten. Wir haben die Sensibilität der Regierung gegenüber höheren Renditen für Staatsanleihen in der Reaktion auf den „Liberation Day“ gesehen, als sie später ihre strafend hohen Zölle zurücknahm. Vor kurzem wies Präsident Donald Trump im Januar Fannie Mae und Freddie Mac, die den Immobilienmarkt mit Liquidität versorgen, an, hypothekenbesicherte Wertpapiere im Wert von 200 Milliarden US-Dollar zu kaufen, um die Hypothekenzinsen zu senken. Die Unterdrückung von Renditen – eine Form der Finanzrepression, die durch staatliche Eingriffe oder Regulierung erreicht wird – kann die Märkte für Staatsanleihen verzerren und die Volatilität niedriger halten, als sie es sonst wäre. Natürlich sind die USA nicht die erste Volkswirtschaft, die mit einer Form der finanziellen Repression liebäugelt. Das Programm der Bank of Japan (BoJ) zur Steuerung der Zinsstrukturkurve war eines der langlebigsten und lief von 2016 bis 2024. Die BoJ kaufte japanische Staatsanleihen in unbegrenztem Umfang, um die Rendite für 10-jährige Anleihen bei 0 % (später auf 1 % geändert) zu begrenzen. Der springende Punkt ist, dass eine klare Abstimmung zwischen der Bilanzstrategie der Zentralbank und der fiskalischen Strategie der Regierung erforderlich ist. Auf den ersten Blick wird dies nicht der Fall sein, was wahrscheinlich erneut zu mehr Volatilität und potenziell höheren Renditen führen wird.

Gegenströmungen, die die Volatilität mittelfristig und darüber hinaus erhöhen werden 

All diese, bisweilen widersprüchlichen Kräfte werden mittelfristig und darüber hinaus wahrscheinlich zu einer höheren Volatilität führen. Sinkende oder begrenzte Volatilität war in den letzten zehn Jahren oder mehr die Grundlage für viele der erfolgreichsten Anlageansätze. Das nächste Jahrzehnt wird wahrscheinlich anders verlaufen.

Quelle: T. Rowe Price

Auslagerung von Kapitalanlagen der Versicherer übersteigt 5,5 Billionen US-Dollar – Private Markets und globale Expansion prägen die Branche neu

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Clearwater Analytics (NYSE: CWAN) hat heute den 2026 Insurance Investment Outsourcing Report (IIOR) veröffentlicht, der in Zusammenarbeit mit DCS Financial Consulting erstellt wurde. Der Bericht umfasst ein verwaltetes Versicherungsvermögen von 5,5 Billionen US-Dollar (AUM) an ausgelagerten Kapitalanlagen, verteilt auf 96 Vermögensverwalter – eine Steigerung von 23 % gegenüber dem Vorjahr und von 65 % seit 2021 – ergänzt um 1,8 Billionen US-Dollar an beratenen Vermögen bei 12 Anlageberatungsgesellschaften. Die Ergebnisse zeigen einen Outsourcing-Markt, der größer, internationaler aufgestellt und spürbar komplexer geworden ist.

Der IIOR 2026 zeigt die wesentlichen Trends auf, die das Kapitalanlagemanagement der Versicherer grundlegend verändern:

Private Markets erreichen eine neue Dimension. Die extern in Private Markets verwalteten Versicherungsvermögen haben sich seit 2021 mehr als verdoppelt, 947 Milliarden US-Dollar erreicht und machen – zusammen mit börsennotierten Anlagen – annähernd ein Drittel der ausgelagerten Versicherungsallokationen aus. Versicherer haben sich schrittweise über traditionelle Privatplatzierungen hinaus entwickelt und investieren in Mittelstandsfinanzierungen, Infrastrukturanleihen und strukturierte Kreditprodukte. 67 % der teilnehmenden Vermögensverwalter bieten inzwischen Strategien für private festverzinsliche Anlagen zusätzlich zu ihren Börsenanlagestrategien an.

Europa rückt ins Zentrum. Europa und Großbritannien sind zu einer bedeutenden und wachsenden Kraft in der externen Vermögensverwaltung für Versicherer geworden: Die gemeldeten verwalteten Vermögen legten im Jahresvergleich um 32 % zu und haben sich seit 2021 von 1,0 auf 2,1 Billionen US-Dollar mehr als verdoppelt – getragen von organischem Wachstum und einer breiteren Beteiligung am IIOR. Damit entfallen 38 % der gesamten ausgelagerten Versicherungsvermögen auf die Region. Prozentual wuchsen APAC und Offshore-Märkte im Jahresvergleich noch schneller und übertrafen damit jeweils deutlich den weiterhin soliden Zuwachs von 12 % in Nordamerika. Der Auslagerungsmarkt ist damit nicht mehr primär nordamerikanisch geprägt. Mandate gewinnen Vermögensverwalter zunehmend durch globale Reichweite, regionale Spezialisierung – oder beides.

„Der IIOR 2026 zeigt: Die Branche befindet sich in einem Wandel, der sich nicht allein mit Zahlen beschreiben lässt. Private Markets haben eine neue Größenordnung erreicht, Europa hat das Kräfteverhältnis verschoben, und die Komplexität, die diese Branche heute über Anlageklassen, Regionen und Regulierungsräume hinweg bewältigen muss, wächst stetig“, so Sandeep Sahai, CEO von Clearwater Analytics. „Wir sind überzeugt, dass starke Partnerschaften Versicherern und ihren Vermögensverwaltern den Rückhalt geben, den diese Entwicklungen erfordern. Wir laden Sie ein, den vollständigen Bericht zu lesen und zu erfahren, was dieser Wandel für Ihr Geschäft bedeutet.“

„Der IIOR 2026 macht eines unmissverständlich klar: Externe Vermögensverwaltung ist das neue Standardmodell, mit dem Versicherer weltweit ihr Kapital anlegen“, so Steve Doire, Inhaber von DCS Financial Consulting und Strategic Advisor von Clearwater Analytics. „Die nahezu Verdopplung der von Anlageberatungsgesellschaften betreuten Vermögen innerhalb von zwei Jahren belegt, dass Versicherer gezielt externe Experten einbinden, um zunehmend diversifizierte und komplexe strategische Anlageprogramme zu konzipieren und zu steuern. Ebenso bedeutsam ist die Dynamik in Europa. Der Markt hat sich klar von der Vorherrschaft Nordamerikas gelöst. Am besten für die kommende Phase aufgestellt sind jene Vermögensverwalter, die diesen globalen Wandel frühzeitig erkannt und in die nötigen Kompetenzen und die regionale Präsenz investiert haben, um Mandate über die Regionen hinweg zu gewinnen.“

Der Wettbewerb verschärft sich

Das Wachstum des IIOR spiegelt das Wachstum des Marktes selbst wider. Was als Report mit 40 Teilnehmern begann, umfasst heute 108 Vermögensverwalter und Anlageberatungsgesellschaften sowie 5,5 Billionen US-Dollar an verwalteten Vermögen. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der zehn größten Vermögensverwalter am gesamten verwalteten Vermögen von 70 % auf 59 % zurückgegangen. Dies zeigt, dass eine wachsende Zahl von Häusern um Mandate von Versicherern konkurriert. Spezialisierte und mittelgroße Vermögensverwalter gewinnen an Boden – durch ausgewiesene Versicherungsexpertise, Kompetenzen im Bereich der Private Markets und regionale Stärke. Zudem haben sich die von Anlageberatungsgesellschaften betreuten Vermögen innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt, da Versicherer verstärkt externe Expertise hinzuziehen, um zunehmend komplexere Anlageprogramme zu steuern.

Das erwartet Sie im Report

Der IIOR 2026 umfasst 96 Profile von Vermögensverwaltern, 12 Profile von Anlageberatungsgesellschaften, globale und regionale Ranglisten sowie Daten zu Vermögensallokationen, Kundensegmenten und regionalen Wachstumsentwicklungen in den wichtigsten Märkten für Versicherungsanlagen. Diese Ergebnisse zeichnen ein klares Bild davon, wo Versicherungsvermögen verwaltet werden, welche Häuser Marktanteile gewinnen und wie sich der Markt wandelt. Der Bericht entsteht in Kooperation mit DCS Financial Consulting sowie Institutional Investor.

2026 IIOR herunterladen

Foto/Quelle: DCS / CWAN

Vom Klagen zur Klarheit: Wie Verkäufer mit schwierigen Kunden souverän umgehen

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Kunden jammern Verkäufer richtig führen Oliver Schumacher

Manche Kunden beschweren sich häufig. Aussagen wie „Preise sind zu hoch“, „Prozesse zu langsam“, „Der Markt schwierig“ oder „Früher war alles besser“ hat vermutlich jeder Kundenbetreuer schon mal gehört. Solche Gespräche kosten Zeit, belasten die Stimmung und binden Aufmerksamkeit. Viele Verkäufer reagieren darauf, indem sie erklären, rechtfertigen oder zustimmen, um zu beruhigen. Doch genau das verschärft die Situation: Das Gespräch dreht sich weiter im Kreis. Im schlimmsten Fall verliert der Verkäufer die Gesprächsführung endgültig und das Gespräch wird ein Beschwerdegespräch ohne Ziel. Wichtig zu wissen ist, dass Jammern sich selten persönlich gegen den Verkäufer richtet. Es ist meist Ausdruck von Unsicherheit, Druck oder Orientierungslosigkeit. Aber wer das erkennt, kann das Gespräch neu ausrichten.

Wenn Kunden grundsätzlich unzufrieden wirken

Einige Kunden wirken dauerhaft kritisch. Sie beanstanden Preise, Lieferzeiten oder den gesamten Markt. Oft bleiben die Aussagen ungenau.
„Das funktioniert nie.“
„Alles wird immer komplizierter.“
„So kann man heute nicht mehr arbeiten.“

Diese Aussagen schaffen Stimmung, aber keine Grundlage für Lösungen. Verkäufer geraten schnell in die Defensive. Sie versuchen, jeden Punkt zu erklären. Dabei verlieren sie Energie und Struktur.

Besser ist es, aus diesem Muster auszusteigen: Sie hören zwar zu, lassen sich jedoch nicht emotional hineinziehen. So können sie leichter das Gespräch zu konkreten sachlichen Themen zurückholen.

Jammern ist keine Kritik

Jammern unterscheidet sich deutlich von konstruktiver Kritik. Kritik benennt konkrete Punkte. Jammern dagegen beschreibt diffuse Zustände. Und konstruktive Kritik lässt sich bearbeiten, Jammern aber nicht.

Wer beides gleich behandelt, verzettelt sich. Verkäufer versuchen dann, Probleme zu lösen, die gar nicht klar benannt sind. Das führt zu langen Gesprächen ohne Ergebnis. Doch Jammern braucht keine Lösung, sondern Struktur.

Warum Kunden jammern

Hinter Klagen steckt meist ein Bedürfnis. Manche Kunden wollen Kontrolle zurückgewinnen. Andere suchen Aufmerksamkeit. Wieder andere wollen Risiken vermeiden. Jammern entlastet kurzfristig, da Verantwortung abgegeben wird, meist unbewusst. Der Verkäufer soll nun zuhören oder sogar Verantwortung übernehmen.

Spielen Verkäufer dieses Muster mit, übernehmen sie Aufgaben, die nicht ihre sind. Sie versuchen, Emotionen zu reparieren, statt Entscheidungen zu strukturieren. Genau hier verlieren sie ihre Rolle.

Die Haltung des Verkäufers entscheidet

Der entscheidende Faktor liegt beim Verkäufer: Wer genervt reagiert, verschärft die Situation. Wer zustimmt, verstärkt das Jammern. Wer sich verteidigt, verliert an Souveränität.

Besser ist es, ruhig zu bleiben und zuzuhören, ohne mitzuleiden. Also wahrnehmen ohne zu bewerten. Eine solche innere Distanz verändert den Gesprächsverlauf deutlich.

Zuhören ohne Zustimmung

Aktives Zuhören bedeutet in diesem Kontext etwas anderes. Es geht nicht darum, jede Aussage zu bestätigen, sondern Ordnung zu schaffen.

Der Verkäufer fasst also sachlich zusammen, ohne zu werten: „Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen vor allem um die Lieferzeiten.“ Oder: „Sie sprechen mehrere Punkte an. Welcher davon ist für Sie aktuell am wichtigsten?“

Solche Aussagen bringen Struktur und Orientierung. Der Kunde fühlt sich gehört. Darüber hinaus wird das Gespräch konkreter.

Mit Fragen aus dem Jammertal führen

Gezielte Fragen helfen, das Gespräch zu lenken:

Was genau meinen Sie damit?
Woran machen Sie das fest?
Was wäre für Sie eine gute Lösung?
Was hat in der Vergangenheit funktioniert?
Was ist Ihnen aktuell am wichtigsten?

Diese Fragen verschieben den Fokus raus aus der Emotion hin zu Entscheidung. Viele Kunden werden jetzt ruhiger, da sie merken, dass das Gespräch vorankommt.

Grenzen setzen ohne Konfrontation

Nicht jeder Punkt gehört in die Verantwortung des Verkäufers. Deshalb sind klare Grenzen wichtig.

Beispiel: „Ich verstehe Ihren Punkt. Lassen Sie uns auf das konzentrieren, was wir konkret beeinflussen können.“ Oder: „Ich unterstütze Sie gerne. Dafür brauche ich einen konkreten Ansatzpunkt.“

Diese Formulierungen wirken ruhig, setzen aber gleichzeitig klare Grenzen und bringen die Gesprächsführung wieder zurück zum Verkäufer.

Struktur am Gesprächsende schaffen

Ein gutes Gespräch endet mit Klarheit.

Was wurde besprochen?
Was ist der nächste Schritt?
Wer übernimmt was?
Bis wann?

Jammern aber hält Gespräche offen. Struktur hingegen schafft Verbindlichkeit. Genau diese Verbindlichkeit sorgt dafür, dass Gespräche produktiv werden.

Schwierige Kunden als Chance

Jammernde Kunden sind oft engagiert und beschäftigen sich intensiv mit ihrer Situation. Wer sie richtig führt, gewinnt häufig besonders loyale Kunden.

Denn viele Kunden sind erleichtert, wenn jemand das Gespräch ordnet. Sie fühlen sich ernst genommen und erleben gleichzeitig Führung. Diese Kombination stärkt Vertrauen.

Fazit: Struktur statt Zustimmung

Jammernde Kunden brauchen keine Bestätigung, sondern Klarheit. Verkäufer, die ruhig bleiben, zuhören und gezielt strukturieren, behalten die Gesprächsführung. Jammern ist kein Angriff. Es ist ein Signal. Wer dieses Signal erkennt und das Gespräch neu ausrichtet, verwandelt schwierige Situationen in produktive Gespräche.

So entsteht aus Klagen Zusammenarbeit. Und aus schwierigen Gesprächen entstehen oft die stabilsten Kundenbeziehungen.

Autor Oliver Schumacher

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Das Billionen-IPO: SpaceX setzt einen neuen Bewertungsmaßstab für die Raumfahrtindustrie

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SpaceX, TeraFab und Raumfahrt im Fokus Bild Foto von Audun Wickstrand-Iversen (Quelle: DNB Asset Management)

Raumfahrt im Wandel: Vom Nischenmarkt zum Milliardenuniversum

Raumfahrt galt lange als Spielfeld staatlicher Agenturen oder milliardenschwerer Visionäre. Das ändert sich gerade fundamental. SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, steht offenbar unmittelbar vor einem Börsengang – und mit einer erwarteten Bewertung von 1,5 bis 1,7 Billionen Dollar wäre es eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Für Investoren ist das keine abstrakte Meldung, sondern ein konkreter Handlungsauftrag.

Rechnet man alle derzeit börsennotierten Satelliten- und Raumfahrtunternehmen zusammen, kommt man auf eine Marktkapitalisierung von vielleicht 200 bis 300 Milliarden Dollar. SpaceX allein würde dieses Universum beim Fünffachen ansetzen. Was auf den ersten Blick wie eine Verdrängungs-These klingt, ist in Wirklichkeit ein Katalysator: Wenn die großen Investmentbanken – amerikanische, europäische und asiatische – das SpaceX-Prospekt vorbereiten, werden sie Vergleichsunternehmen analysieren, Bewertungsmodelle bauen und Coverage aufbauen. Kapital, das bisher keinen Zugang zur Raumfahrt hatte, findet plötzlich einen Einstieg.

Knappes Angebot, große Nachfrage

Der Mechanismus ist klassisch: begrenztes Angebot trifft auf breite Nachfrage. Sobald SpaceX in große Indizes wie den Nasdaq aufgenommen wird, kaufen Indexfonds automatisch – ohne Rücksicht auf Bewertungsmodelle oder Wachstumsstory. Das ist strukturelle Nachfrage. Für die übrigen börsennotierten Werte der Branche bedeutet das: Mit der SpaceX-Bewertung als Anker wirken sie günstig. Eine Neubewertung der gesamten Satellitenbranche ist die logische Folge.

TeraFab: Gamechanger oder Milliardenwette?

Parallel dazu treibt Musk ein Projekt voran, das in seiner Ambition kaum zu überbieten ist: TeraFab. In Austin, Texas, soll für 25 bis 30 Milliarden Dollar eine Chipfabrik entstehen, die alle sechs Stufen der Halbleiterproduktion unter einem Dach vereint – von der Chip-Architektur bis zur Verpackung. Was heute auf TSMC in Taiwan, Zulieferer in Malaysia und Designer wie Apple oder Nvidia verteilt ist, würde Musk in vertikaler Integration bündeln. Das Ziel: eine Terawatt an Rechenleistung, rund 50 Mal das, was heute global verfügbar ist.

Zwei Chip-Typen stehen im Zentrum: Der Dojo-Chip für das Training großer KI-Modelle in Rechenzentren und die AI-4/AI-5-Chips, die in Tesla-Fahrzeugen und humanoiden Robotern zum Einsatz kommen. Die Vision: Beide sollen zu einem Masterchip verschmelzen, der sowohl Training als auch Ausführung beherrscht. Gelingt das, entstünde ein Halbleiterhersteller, der unabhängig von TSMC, Nvidia und Intel agiert – mit potenziell deutlich niedrigeren Kosten.

Doch nüchtern betrachtet: Was hier beschrieben wird, hat noch kein Unternehmen in dieser Form realisiert. Die Wahrscheinlichkeit, auf Probleme und Verzögerungen zu stoßen, ist eher hoch als gering. TeraFab ist eine hochriskante Wachstumswette – mit entsprechend asymmetrischem Chance-Risiko-Profil.

Die Wertschöpfungskette im Blick

Für Anleger, die nicht direkt in SpaceX oder Tesla investieren, lohnt der Blick auf flankierende Positionen. Palantir ist ein naheliegender Kandidat: Das Unternehmen reorganisiert Unternehmensdaten mit eigener Software und macht klassische Standardlösungen überflüssig – ein Ansatz, der inhaltlich eng mit dem verwandt ist, was Musks KI-Arm XAI im Unternehmensmarkt anstrebt. Palantir könnte damit strukturell von demselben Trend profitieren, den TeraFab auf der Hardware-Seite adressiert.

Auf der Chip-Seite verdient die Disruptions-These besondere Aufmerksamkeit: TSMC, Nvidia und Intel trägt heute ein Wettbewerbsrisiko, das im Beta-Modell der meisten Portfoliomanager noch nicht eingepreist ist. Das ist kein unmittelbares Verkaufssignal – aber ein Grund zur Wachsamkeit. Intel hat kürzlich bekannt gegeben, dass es sich dem Terafab-Projekt anschließen wird.

Fusion als Szenario – aber kein guter Deal

Spekuliert wird auch über eine mögliche Fusion von Tesla und SpaceX. Strategisch passt sie zur Logik des Musk-Ökosystems: Wer vertikale Kontrolle anstrebt, möchte am Ende alles unter einem Dach. Doch aus Investorensicht wäre das – zumindest mit den heute verfügbaren Informationen – kein überzeugender Deal. Die Synergien sind schwer zu quantifizieren, die Bewertungskomplexität wäre enorm, und SpaceX nach dem Börsengang wäre besser kapitalisiert als Tesla. Ein Zusammenschluss würde die Verhandlungsposition verschieben – nicht notwendigerweise zugunsten der Tesla-Aktionäre.

Fazit für Investoren

Der SpaceX-Börsengang ist mehr als ein Einzelereignis. Er ist ein Bewertungsereignis für die gesamte Raumfahrt- und Satellitenindustrie. Bestehende notierte Titel dürften durch den Analystenzustrom und den Bewertungsanker profitieren. TeraFab vergrößert den adressierbaren Markt – und die Unsicherheit. Wer in diesem Bereich investiert, sollte hohe Volatilität als Eigenschaft des Segments akzeptieren, nicht als Fehler.

Kommentar Audun Wickstrand Iversen, Portfoliomanager DNB Disruptive Opportunities bei DNB Asset Management

Bild Foto von Audun Wickstrand-Iversen (Quelle: DNB Asset Management)

Quelle TE Communications GmbH

Wie Anleger sich auf Chinas nächsten Konjunkturaufschwung positionieren können

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Konsum, Technologie und Wachstum in China Foto von Wenli Zheng (Quelle: T. Rowe Price).

Die globalen Märkte sind in letzter Zeit nervöser geworden

Die globalen Märkte sind in letzter Zeit nervöser geworden, auch wenn die Ursachen für die Volatilität je nach Anlageklasse variieren. In China haben Verkäufe bei mehreren Large-Cap-Technologieaktien die Stimmung verunsichert. Dennoch ändern kurzfristige Schwankungen unserer Ansicht nach nichts an den mittel- bis langfristigen Anlageargumenten. China scheint in die Anfangsphase eines neuen Konjunkturzyklus einzutreten, wobei Technologie und Konsum voraussichtlich die wichtigsten Wachstumsmotoren sein werden. Vor diesem Hintergrund stechen drei Themen für Anleger hervor, die nach strukturellen Wachstumschancen suchen.

Ein potenzieller Wendepunkt im chinesischen Konjunkturzyklus

Chinas Aktienmarkt umfasst mittlerweile mehr als 6.000 börsennotierte Unternehmen und bietet ein breites und vielfältiges Spektrum an Anlagemöglichkeiten. Um sich in dieser Tiefe zurechtzufinden, bedarf es eines klaren makroökonomischen Rahmens.

Historisch gesehen hat sich Chinas Wirtschaft zwischen Expansions- und Entschuldungsphasen abgewechselt, die jeweils typischerweise drei bis vier Jahre dauerten. Und jeder neue Expansionszyklus wurde in der Regel von einer Reihe spezifischer struktureller Kräfte angetrieben.

Signale aus der Politbüro-Sitzung vom vergangenen September deuten darauf hin, dass die jüngste Entschuldungsphase sich dem Ende zuneigen könnte. Sollte sich ein neuer Expansionszyklus durchsetzen, dürften Technologie und Konsum als Haupttreiber hervortreten, wobei drei investierbare Themen in den Fokus rücken.

Konsumgütersektor: Plattformbasierte Unternehmen stechen hervor

Im Konsumgütersektor sind die Chancen zunehmend selektiv und nicht mehr breit angelegt.

Dies liegt daran, dass wir divergierende Trends beobachten. Kleinstädte waren vom Immobilienabschwung weniger betroffen und zeigen sich weiterhin relativ widerstandsfähig. Auch die Ausgabengewohnheiten variieren je nach Altersgruppe: Rentner und jüngere Verbraucher bleiben vergleichsweise widerstandsfähig, während Verbraucher im Alter von 35 bis 50 Jahren, die oft durch Hypotheken belastet sind, tendenziell vorsichtiger sind. Gleichzeitig verlagern sich die Konsumgewohnheiten weg von physischen Gütern hin zu erlebnis- und dienstleistungsorientierten Ausgaben.

In diesem Umfeld stechen plattformorientierte Unternehmen hervor, darunter ausgewählte Betreiber von Einkaufszentren, Hotelketten, Snack-Einzelhändler und Getränke-Franchise-Betreiber. Obwohl sie eng mit der Konsumaktivität verbunden sind, sind diese Unternehmen weniger von einzelnen Produktzyklen abhängig und zeigen tendenziell eine größere Widerstandsfähigkeit über Konjunkturzyklen hinweg.

Nehmen wir die Getränke-Franchise-Betreiber als Beispiel. Einige Marken sind stark auf Erfolgsprodukte und Werbekampagnen angewiesen, um den Umsatz anzukurbeln, wodurch ihre Gewinne anfällig für Veränderungen im Verbrauchergeschmack sind. Andere konkurrieren durch Effizienz in der Lieferkette, Skaleneffekte und ein diszipliniertes Franchisemanagement. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg liegt in der Steigerung der Produktivität auf Filialebene und der Senkung der Betriebskosten für Franchisenehmer, wodurch diese mehr verdienen und gleichzeitig weniger ausgeben können. Aus Anlageperspektive bieten solche lieferkettenorientierten Modelle in der Regel stabilere Erträge als solche, die auf das genaue Timing von Produktzyklen angewiesen sind.

Technologie: Blick hinter die oberflächliche Volatilität

Auch innerhalb des Technologiesektors hat sich die Streuung vergrößert. Softwareunternehmen sind unter Druck geraten, da befürchtet wird, dass künstliche Intelligenz bestehende Geschäftsmodelle disruptieren könnte, während sich hardwarebezogene Titel als widerstandsfähiger erwiesen haben. Diese Divergenz scheint eher von der Stimmung und Fragen zur Nachhaltigkeit der Investitionsausgaben getrieben zu sein als von einer fundamentalen Verschiebung der langfristigen Nachfrage.

In dieser Phase des KI-Investitionszyklus bieten hardwarebezogene Segmente eine größere Vorhersehbarkeit. Dabei sehen wir drei Schwerpunktbereiche.

Erstens sind dies Komponenten, deren Wert mit GPU-Upgrades steigt, darunter optische Module und Energiemanagementsysteme.

Zweitens sind es Segmente mit Angebotsengpässen und Preissetzungsmacht, wie beispielsweise High-End-ABF-Substrate und bestimmte Glasfaserprodukte. Da die KI-getriebene Nachfrage wächst, während das Kapazitätswachstum relativ begrenzt bleibt, wird das Potenzial für Gewinnsteigerungen deutlicher.

Drittens sind es nachgelagerte Akteure, die möglicherweise vor einem Aufschwung stehen, insbesondere in den Bereichen fortschrittliche Verpackung und Testverfahren.

Technologieführerschaft ist selten von Dauer. Wir bevorzugen Unternehmen in der Anfangsphase von Produkt-Upgrades oder der Einführung neuer Produkte, bei denen die Marktdurchdringung noch gering ist. Wenn sich die Akzeptanz von einem niedrigen Niveau aus beschleunigt, können Umsatzwachstum und Margenausweitung sich gegenseitig verstärken und so das allgemeine Anlagepotenzial stärken.

Identifizierung traditioneller Branchen, die in die Erntephase eintreten

Eine weitere Chance liegt in ausgewählten traditionellen Branchen. In Sektoren, in denen die Kapazitätsausweitung begrenzt ist, die Nachfrage aber stetig wächst, verschiebt sich die Dynamik von der Investitions- in die Erntephase. Beispiele hierfür sind elektrolytisches Aluminium, LCD-Panels und bestimmte Chemiesegmente. Wenn sich die Angebotsdisziplin durchsetzt, könnte sich die Rentabilität verbessern, gestützt durch stärkere und stabilere Cashflows.

Selektivität gegenüber Indexschwergewichten

Die anhaltende globale Volatilität bis ins zweite Quartal 2026 wird das Anlageumfeld wahrscheinlich weitgehend prägen. In China liegen die Aktienbewertungen jedoch bereits deutlich unter den Höchstständen des vorangegangenen Zyklus, sodass weniger Überbewertung abgebaut werden muss.

In einem Markt, der von Stimmungsschwankungen geprägt ist, gewinnt die Selektivität zunehmend an Bedeutung. Anstatt sich auf Indexschwergewichte zu konzentrieren, könnten Anleger in Unternehmen mit klaren Wettbewerbsvorteilen, nachhaltigen Wachstumsaussichten und einer führenden Position in Nischensegmenten einen höheren Wert erkennen. Auf lange Sicht dürfte ein solcher Ansatz eher zu nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Anlageergebnissen führen.

Marktkommentar von Wenli Zheng, Portfoliomanager bei T. Rowe Price

Bild Foto von Wenli Zheng (Quelle: T. Rowe Price)

Quelle TE Communications GmbH

Vertrauen durch Infrastruktur – Warum echte Arbeit am Produkt den Markt gewinnt

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MediCoinSwiss Supply Chain Technologie im Fokus Gerrit Langer und Clemens Ressel schwarz weiss

MediCoinSwiss entwickelt technologische Lösungen für die Supply Chain und macht komplexe Technologie einfach nutzbar für sichere und skalierbare Anwendungen

fundscene: Clemens, man sieht dich aktuell intensiv an der Seite von MediCoinSwiss. Was genau ist deine Aufgabe in diesem Deep-Tech-Umfeld?

Clemens Ressel: Ich unterstütze das Team in einer entscheidenden Phase des Aufbaus. Mein Fokus liegt darauf, die hochkomplexe technische Substanz von CEO Gerrit Langer – der als Erfinder und Initiator technologisch in einer eigenen Liga spielt – in eine Sprache zu übersetzen, die für den Markt und strategische Partner greifbar ist. Ich sorge für die strategische Schärfung und die Vorbereitung der Außenwirkung, damit aus technischer Neugier echte geschäftliche Ernsthaftigkeit auf Entscheider-Niveau wird.

fundscene: Warum habt ihr euch für den Standort Zug in der Schweiz entschieden?

Clemens Ressel: Zug ist für uns kein Ort auf dem Papier, sondern gelebte Realität. Ich lebe hier, und unser Office steht physisch und echt mitten im Crypto Valley. Das ist uns extrem wichtig: Wir sind keine Briefkastenfirma, sondern ein greifbares Unternehmen in einem Umfeld, das für regulatorische Präzision und globale Finanzkraft steht. Hier schlagen wir die Brücke zwischen digitaler Behauptung und physischer Wahrheit. Wir liefern mit dem Patent 1 den Beweis, dass eine unkopierbare Kopplung zwischen Produkt und Datensatz möglich ist.

fundscene: MediCoinSwiss setzt auf radikale Einfachheit. Warum ist das für die Adoption so wichtig?

Clemens Ressel: Weil Technologie im Alltag nur gewinnt, wenn sie kein IT-Projekt ist. Unsere Lösung funktioniert ohne App-Download oder Registrierung direkt über den Browser. Wer im Hochleistungsbereich arbeitet, weiß: Unter Druck zählt nur das, was ohne Reibung funktioniert. Wir haben die Hürden für den Nutzer fast auf Null gesenkt, um echte Sicherheit massentauglich zu machen.

fundscene: Man kennt dich als Vordenker für strategische Positionierung und Mentor, der viel erreicht hat und auch persönliche Krisen weggesteckt hat. Wie fließt dieser Unternehmergeist in MediCoinSwiss ein?

Clemens Ressel: Als Vordenker für strategische Positionierung beschäftige ich mich seit Jahren damit, komplexe Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen. Es geht dabei um weit mehr als Kommunikation – es geht um mentale Härte und Beständigkeit. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass Ergebnisse nur durch saubere Vorbereitung und disziplinierte Execution entstehen. Meine Erfahrung aus schwierigen Lebensphasen hat mir gezeigt, wie wichtig belastbare Strukturen sind. Genau diesen Geist bringe ich in die operative Begleitung ein. Wir spielen hier keine bloße Idee, sondern bauen eine robuste Infrastruktur für den Markt.

fundscene: Als „Mental Red Adair“ wirst du oft gerufen, wenn es brennt. Was ist deine wichtigste Erkenntnis für dieses Projekt, um Brände in der Supply Chain gar nicht erst entstehen zu lassen?

Clemens Ressel: Dass wir keine Luftschlösser bauen dürfen. Erfolg am Markt ist kein Höhenflug, sondern das Resultat von Standards. Gerrit Langer liefert die geniale technische Basis, und ich sorge dafür, dass wir diese PS auf die Straße bringen. Wir suchen Partner, die keine Lust auf „Pitch-Entertainment“ haben, sondern echte Probleme in ihrer Supply Chain lösen wollen. Wir sind hier in Zug, um zu liefern.

Bildcredits/Fotograf: Fotostudio Wetzikon Yannik Scrugli

Wir bedanken uns bei Clemens Ressel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Pillen, Gadgets, Illusionen: Der Longevity-Mythos

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System, Körper, Gesundheit: Longevity neu gedacht Bild: Ernennung der Botschafter:in der Oberpfalz 2023 Oberpfalz Marketing e. V. Regierung der Oberpfalz Emmeramsplatz Bildcredtis/Fotograf: altrofoto.de

Ein kritischer Kommentar zur Vermessung der Unsterblichkeit von Dr. Josef Scheiber

Wir leben im goldenen Zeitalter des Narzissmus, getarnt als Gesundheitsvorsorge. Das Silicon Valley hat den Tod als technisches Problem definiert, das gelöst werden muss, vergleichbar mit einem Software Bug. Die Biohacking Szene feiert sich dafür, 50 Pillen zum Frühstück zu schlucken und jeden Herzschlag zu tracken.

Doch hinter dieser glänzenden Fassade offenbart sich ein fundamentales Missverständnis. Wir versuchen, ein biologisches Problem mit mechanistischem Denken zu lösen und scheitern.

Der Körper ist keine Maschine

Das vorherrschende Narrativ behandelt Menschen wie Autos. Verschlissene Teile austauschen, Tank auffüllen, Motor checken. Doch der Körper ist kein lineares System, sondern ein kybernetisches, antifragiles Netzwerk, das auf Reize reagiert. Ein Auto repariert sich nicht selbst, wenn es einen Kratzer hat. Der Mensch schon.

Wichtig zu wissen: Altern ist primär kein Rohstoffmangel, sondern Informationsverlust. Zellen vergessen, was sie tun sollen. Wer in dieses verrauschte System meint, einfach nur möglichst viele Supplements kippen zu müssen, betreibt kosmetische Korrekturen an einem Haus, dessen Fundament gerade wegbricht.

Die Komfortfalle der Balance

Ein weiterer Irrtum ist das Streben nach statischer Balance. Wellness predigt Entspannung und Ausgleich. Doch biologisch gesehen ist eine konstante Balance die Nulllinie und damit der Tod. Leben ist Oszillation: Aktivierung und Regeneration.

Unsere moderne Komfortzone mit konstanten Temperaturen, künstlichem Licht und dauerhaftem Nahrungsangebot verhindert diese Reize. Longevity Trends verstärken diese Stagnation. Kältebäder, Fastenperioden oder extreme Trainingspläne werden vermarktet, aber oft nur als kurzlebige Show.

Echte Wirkung entsteht durch konsequente, wiederkehrende Herausforderungen. Hormesis, also Kälte, Hitze oder Hunger, aktiviert unsere biologischen Wartungssysteme. Wer nur auf Komfort setzt, rostet.

Das Heimat Paradox: Kontext statt Import

Am deutlichsten zeigt sich das Scheitern beim Thema Ernährung. Wir blicken neidisch auf die Blue Zones und importieren deren Lebensmittel, ignorieren aber den Kontext. Goji Beeren aus China oder Avocados aus Mexiko sollen plötzlich Gesundheit bringen.

Das ist eine naive Inhaltslogik.

Biologie ist Exo Biologie, also ein Spiegel der Umgebung. Pflanzen entwickeln ihre Schutzstoffe als Reaktion auf ihre Umwelt. Genau hier entsteht das Heimat Paradox: Die robusteste Gesundheit finden wir nicht in der Ferne, sondern in der Resonanz mit unserem eigenen Lebensraum.

Ein Wildkraut, eine alte Apfelsorte oder eine regionale Beere, gewachsen unter denselben Bedingungen wie wir, besitzt für unseren Körper eine höhere Informationsdichte als importierte Superfoods.

Daten Religion und der Verlust des Gefühls

Die Technologisierung der Gesundheit hat neue Probleme geschaffen. Schlafringe, Fitness Dashboards und penible Ernährungspläne erzeugen Stress und Nocebo Effekte. Menschen vermeiden soziale Ereignisse, fürchten ungesunde Mahlzeiten und überwachen jeden Herzschlag.

Ein System im Daueralarm regeneriert nicht.

Wir verlieren die Interozeption, also das intuitive Körpergefühl. Technologie sollte unterstützen, nicht dominieren. Wer zu stark optimiert, verliert die Fähigkeit, eigene Signale zu interpretieren und damit einen zentralen Schlüssel zu echter Gesundheit.

Sinn statt Technik

Der größte Fehler vieler Ansätze liegt in ihrer Leere. Wir optimieren die Hardware wie Mitochondrien oder Telomere, vergessen aber die Software, also den Sinn.

Ein biologisches System ohne Aufgabe schaltet sich ab. Die Evolution verschwendet keine Energie. Ohne ein Wozu bleibt jede Optimierung bedeutungslos.

Die Zukunft gehört dem Homo Regenerativus. Menschen, die verstehen, dass sie Teil eines Rhythmus sind. Die Licht, Kälte, Nahrung und Bewegung als Informationsquellen nutzen, um ihren biologischen Code zu beeinflussen.

Menschen, die aufhören, den Tod zu bekämpfen, und beginnen, das Leben bewusst zu gestalten. Die sich nicht auf Pillen, Gadgets oder exotische Superfoods verlassen, sondern auf Rituale, regionale Ernährung, Bewegung und Sinn.

Bild: Ernennung der Botschafter:in der Oberpfalz 2023 Oberpfalz Marketing e. V. Regierung der Oberpfalz Emmeramsplatz Bildcredtis/Fotograf: altrofoto.de

Autor Dr Josef Schreiber

Echte Longevity entsteht nicht im Labor. Sie entsteht, wenn wir wieder lernen, unser System aktiv zu steuern und Reize, Herausforderungen und Ruhe sinnvoll zu orchestrieren.