Frankfurt, 19. Jan (Reuters) – Zur Wochenmitte dürfte es für den Dax Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge erneut nach unten gehen. Am Dienstag hatte er wegen Zinserhöhungsspekulationen ein Prozent tiefer bei 15.772,56 Punkten geschlossen. Die steigende Inflation und die Reaktion der Notenbanken darauf bleiben die beherrschenden Themen auf dem Börsenparkett. Daher richten Investoren besondere Aufmerksamkeit auf die britischen Inflationsdaten. „Sie könnten den Auslöser für eine Zinserhöhung im Februar sein“, prognostizierte Kunal Sawhney, Chef des Research-Hauses Kalkine. Die Bank von England (BoE) berät am 3. Februar über ihre Geldpolitik. Experten rechnen für Dezember mit einem Anstieg der britischen Verbraucherpreise um 5,2 Prozent im Jahresvergleich, etwas mehr als im Vormonat. Daneben rollt eine erneute Welle von Firmenbilanzen auf die Börsianer zu. Sie warten gespannt auf die Zahlen der US-Geldhäuser Bank of America, Morgan Stanley und US Bancorp. Ihre Rivalen Citigroup, JPMorgan und Goldman Sachs hatten zuletzt enttäuscht.
Schlusskurse europäischer Indizes Stand am vorangegangenen Handelstag Dax 15.772,56 Dax-Future 15.705,00 EuroStoxx50 4.257,82 EuroStoxx50-Future 4.229,00
Schlusskurse der US-Indizes am Stand Veränderung vorangegangenen Handelstag Dow Jones 35.368,47 -1,5 Prozent Nasdaq 14.506,90 -2,6 Prozent S&P 500 4.577,11 -1,8 Prozent
Asiatische Indizes am Mittwoch Stand Veränderung
Nikkei 27.379,93. -3,1 Prozent Shanghai 3.543,38 -0,7 Prozent Hang Seng 23.956,66. -0,7 Prozent
Dax-Talfahrt dürfte anhalten – Britische Inflation im Blick
19. Jan (Reuters) – Es folgt der Börsen-Ticker zu wichtigen Kursbewegungen an den internationalen Finanzmärkten und ihren Ursachen:
19.00 Uhr – Anleger reagieren erleichtert auf das Bekenntnis von Unilever zur Kosten-Disziplin bei der geplanten Übernahme der Konsumgüter-Sparte von GlaxoSmithKline. Die in den USA notierten Aktien des „Domestos“-Anbieters steigen um zehn Prozent, so stark wie zuletzt vor zwei Jahren. Unilever will seine umgerechnet 60 Milliarden Euro schwere Offerte nicht aufstocken.
18.45 Uhr – Eine Vertriebsvereinbarung mit der Supermarkt-Kette Ralph’s Grocery beschert Splash Beverage einen der größten Kurssprünge der Firmengeschichte. Die Aktien des Getränke-Herstellers steigen an der Wall Street um fast 60 Prozent auf ein Rekordhoch von 5,08 Dollar. Splash verkauft künftig seinen „Pulpoloco Sangria“ über die Ralph’s-Filialen.
17.18 Uhr – Die Freude der Anleger über starke Firmenbilanzen hält nicht lange. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 drehen nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und verlieren bis zu 0,4 Prozent. Die Spekulationen um raschere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed verunsicherten Anleger, sagten Börsianer.
14.45 Uhr – Die Hoffnung auf staatliche Konjunkturhilfen beim weltgrößten Kupfer-Abnehmer China treibt die Preise dieses Industriemetalls. Es verteuert sich um 1,4 Prozent auf 9812 Dollar je Tonne. Börsianer rechnen fest mit einer Leitzins-Senkung der People’s Bank of China (PBoC) am Donnerstag. „Zusammen mit weiteren Maßnahmen sollte sich das Wirtschaftswachstum stabilisieren“, prognostizieren die Analysten der ANZ Bank.
14.35 Uhr – Mit Erleichterung aufgenommene Geschäftszahlen geben Bank of America und Morgan Stanley Auftrieb. Die Aktien der beiden Geldhäuser steigen im vorbörslichen US-Geschäft um jeweils etwa drei Prozent. Nach enttäuschenden Ergebnissen der Konkurrenz gab Bank of America einen Gewinnsprung bekannt. Morgan Stanley steigerte den Überschuss stärker als gedacht.
09.30 Uhr – Die Ölpreise steigen den vierten Tag in Folge. Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuert sich um bis zu 1,8 Prozent auf 89,05 Dollar je Barrel (159 Liter) und steht damit so hoch wie zuletzt im Oktober 2014. Neben geopolitischen Spannungen verschärft ein Ausfall bei einer Pipeline aus dem Irak in die Türkei die Spekulationen auf Lieferausfälle. Anleger sind auch angesichts der Spannungen zwischen Russland und der Ukraine nervös.
01.33 Uhr – Anleger quittieren Toyotas Aufgabe des Produktionsziels in der Chipkrise mit Verkäufen: Die Toyota-Aktie fällt in Tokio zunächst gut drei Prozent.
01.21 Uhr – Microsofts Übernahme des Spiele-Herstellers Activision Blizzard für 69 Milliarden Dollar setzt der Aktie des Rivalen Sony zu. Sie liegt kurz nach der Börseneröffnung in Tokio neun Prozent im Minus.
Berlin/Brüssel, 18. Jan (Reuters) – Der neue Bundesfinanzminister Christian Lindner hofft auf eine planmäßige Umsetzung der globalen Mindeststeuer für Konzerne in Höhe von 15 Prozent. Das sei in Europa für Frankreich und auch Deutschland eine Priorität, sagte der FDP-Vorsitzende am Dienstag in Brüssel nach Beratungen der EU-Finanzminister. „Wir wollen die effektive, globale Mindestbesteuerung zum 1. Januar 2023 umsetzen.“ Dafür habe er geworben. Das gilt als ambitioniert. Die Schweiz hatte zuletzt angekündigt, die Mindeststeuer erst ab 2024 zu erheben. Sie soll bei international tätigen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro greifen.
Fortschritte bei der Umsetzung würden auch den Verhandlungsprozess der anderen Säule der Steuerreform beschleunigen, ergänzte Lindner. Knapp 140 Staaten haben sich unter dem Dach der Industriestaaten-Organisation OECD auf die Reform mit zwei Säulen geeinigt. Die neuen Regeln sehen neben der Mindeststeuer auch eine Besserstellung von Schwellenländern vor. Sie sollen deutlich mehr Steuereinnahmen abbekommen, hier sind die Details aber umstrittener.
Bislang verschieben große Konzerne gerne Gewinne etwa aus Patenten oder Software-Lizenzen in Niedrigsteuerländer und drücken so ihre Steuerlast deutlich. Vor allem Internet-Riesen zahlen oft kaum Steuern in den Ländern, in denen sie die meisten Kunden haben.
Lindner – Globale Mindeststeuer soll zum Jahresanfang 2023 greifen
Moskau, 18. Jan (Reuters) – Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock hat Russland gemahnt, auf Drohungen gegen das Nachbarland Ukraine zu verzichten und grundlegende Werte in Europa einzuhalten. „Wir haben keine andere Wahl, als unsere gemeinsamen Regeln zu verteidigen, auch wenn dies einen hohen wirtschaftlichen Preis hat“, sagte Baerbock am Dienstag in Moskau nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Sie verwies auf die russische Truppenkonzentration in der Nähe der ukrainischen Grenze. Der Westen fürchtet, sie könnten der Invasion der Ukraine dienen. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.
Zugleich betonte die Grünen-Politikerin, dass Deutschland zu Vereinbarungen bereit sei, die allen Sicherheit bringen müssten. Baerbock hatte zu Beginn ihrer Ausführungen betont, dass es in vielen Themen große, fundamentale Meinungsverschiedenheiten mit der russischen Regierung gebe. Sie verwies aber auch auf die Chancen einer Zusammenarbeit, sowohl bei der Umsetzung des Atomabkommen mit dem Iran als auch beim Kampf gegen den Klimawandel. Deutschland werde zudem noch einige Jahren Gas aus Russland brauchen.
Baerbock pocht in Moskau auf Einhaltung grundlegender Regeln in Europa
Ein Kommentar von Henk Grootveld, Head of Trends Investing bei Lombard Odier Investment Managers:
„Im neuen Jahr werden wir viel mehr über das Metaversum hören. Nicht im Zusammenhang mit dem neuen Namen von Facebook, sondern in Bezug auf den technologischen Nachfolger des Internets und der Mobilfunk- und Cloud-Computing-Ära. Im Metaversum können wir unser reales und unser analoges Leben mit unseren virtuellen Avataren kombinieren. Geräte für virtuelle und erweiterte Realität werden es uns ermöglichen, in einer programmierten und entwickelten Welt per Video zu interagieren. Bisher war dies nur ein Phänomen der Generation Z. Wir erwarten jedoch, dass auch andere Generationen im Jahr 2022 ins Metaversum einsteigen. Technologieplattformen und Hardware-Hersteller werden offensichtlich davon profitieren. Doch andere Unternehmen beginnen ebenfalls bereits, die Chancen zu erkennen, die das Metaversum bietet – zumal einige Enthusiasten der Generation Z jetzt schon virtuelle Produkte als wertvoller ansehen als physische Güter.
Die Online-Spiele-Plattform Roblox ist ein gutes Fallbeispiel aus dem Jahr 2021. Sie hat über 200 Millionen aktive Nutzer pro Monat – ungefähr die Hälfte davon unter 13 Jahren – und bietet Hundertausende virtueller Spiele. Das Gucci Garden Experience, ein virtueller Erlebnispark, der nur für zwei Wochen im Mai geöffnet ist, bietet ein Umfeld, im dem die Nutzer ihre Konsumfreude ausleben und bereits ab USD 1.20 sammelbare, in begrenzter Auflage verfügbare virtuelle Accessoires der Luxusmarke erwerben können.“
Berlin, 18. Jan (Reuters) – Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck hält Pläne für einen CO2-Grenzausgleichsmechanismus für richtig, sieht aber noch praktische Probleme bei der Umsetzung.
Das Konzept sei gut, es gebe aber noch eine ziemliche Kluft zur Umsetzung, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Hamburg.
„Mal sehen, ob wir sie im Laufe dieses Jahres schließen können.“ Die französische EU-Ratspräsidentschaft werde das Thema im ersten Halbjahr 2022 stark vorantreiben. „In der tatsächlichen Umsetzung stellen sich Fragen.“ Die deutsche Industrie müsse wettbewerbsfähig bleiben. „Es darf nicht als versteckter Zoll einen neuen Handelskrieg auslösen. Das ist die Sorge der Unternehmen.“
Um dies zu vermeiden, müssten möglichst viele Länder mitziehen, ergänzte Habeck. Deutschland habe dieses Jahr die Präsidentschaft der sieben führenden Industrienationen (G7) inne. Ziel müsse es sein, hier Verbündete zu finden, danach im Kreis der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20).
Die EU-Kommission will nach den bislang bekannten Plänen verhindern, dass es eine Verschiebung von CO2-Verschmutzung von der EU in andere Regionen gibt.
Die Brüsseler Behörde schlägt deswegen ab 2026 eine CO2-Grenzabgabe vor, die zum Beispiel Importeure von Stahl für jede Tonne CO2 zahlen müssen.
Dies soll sicherstellen, dass europäische Emissionssenkungen auch zu einem weltweiten Emissionsrückgang beitragen – und CO2-intensive Produktionskapazitäten nicht aus Europa abwandern.
CO2-Grenzausgleich in Europa darf keinen neuen Handelskrieg auslösen
Berlin, 18. Jan (Reuters) – Deutschland hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Rüstungsgüter ins Ausland geliefert. Die genehmigten Exporte summierten sich auf einen Wert von 9,35 Milliarden Euro, nachdem es im Corona-Krisenjahr 2020 nur 5,82 Milliarden waren, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mit.
Das seit Dezember von den Grünen geführte Ministerium betonte, die Vorgängerregierung aus SPD und CDU/CSU trage dafür die Verantwortung. „Diese Bundesregierung sieht einen restriktiven Umgang mit Rüstungsexporten vor und wird entsprechend den im Koalitionsvertrag vereinbarten Leitplanken ein Rüstungsexportkontrollgesetz erarbeiten.“ Seit der Amtsübernahme am 8. Dezember seien Genehmigungen im Wert von 309 Millionen Euro erteilt worden.
Rüstungsexporte im Volumen von 3,4 Milliarden Euro seien in EU-Länder, an Nato-Partner oder gleichgestellte Länder gegangen, so das Wirtschaftsministerium weiter. In sogenannte Drittländer gingen Lieferungen im Wert von 5,95 Milliarden Euro. Hauptabnehmer dabei war Ägypten mit 4,34 Milliarden Euro. Hier geht es vor allem um Rüstungsexporte im maritimen Bereich und zur Luftverteidigung.
Deutschland exportiert 2021 deutlich mehr Rüstungsgüter
Berlin, 18. Jan (Reuters) – Trotz der Omikron-Welle blicken Börsenprofis wieder überraschend optimistisch auf die Konjunktur in Deutschland. Das Barometer für die Einschätzung der nächsten sechs Monate stieg im Januar unerwartet deutlich um 21,8 auf 51,7 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 178 Analysten und Anlegern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem kleinen Anstieg auf 32,0 Zähler gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es dazu:
CHRISTOPH SWONKE, DZ BANK:
„Damit blicken die Befragten trotz Omikron-Unsicherheiten und der hohen Inflation mit großem Optimismus in die nähere Zukunft. Offenbar schätzen die Finanzmarktakteure die wirtschaftlichen Auswirkungen der Gemengelage als nicht so schwerwiegend und zeitlich begrenzt ein. Das liegt vor allem daran, dass die Politik jetzt auf ausgeprägte Lockdowns verzichtet. Die bisherige Pandemie-Erfahrung hat zudem gezeigt, dass nach einer Corona-Welle schnell kräftige konjunkturelle Nachholeffekte einsetzen können. Die Marktteilnehmer setzen somit auf einen etwas lockereren Umgang mit dem Virus und auf den Sommer. Trotzdem schätzen die Befragten die aktuelle Lage pessimistischer als im Vormonat ein.“
THOMAS GITZEL, VP BANK:
„Von den ZEW-Konjunkturerwartungen geht ein klares Aufschwungsignal aus. Der Anstieg ist umso erfreulicher, ist es doch die erste Konjunkturindikation im frisch begonnenen Jahr. Der Blick geht nun in Richtung Frühjahrsmonate. Werden die Tage länger und die Temperaturen milder, ist mit einem Rückgang des Infektionsgeschehens zu rechnen. Auch die Lieferkettenschwierigkeiten vieler Produkte werden sich dann zwar nicht in Wohlgefallen auflösen, aber zumindest verbessern. Vor allem, weil dann China weniger restriktiv Werke und Häfen schließen wird.
Es gibt also durchaus Anlass zur Hoffnung, dass sich die konjunkturelle Situation nach der Winterdelle merklich bessert. Vorausschauend kann es nur besser werden. Sind Rohstoffe und Materialien wieder in ausreichendem Maße verfügbar und geht das Infektionsgeschehen zurück, wird die deutsche Wirtschaft kräftig nach oben ziehen. Die deutliche Verbesserung der ZEW-Konjunkturerwartungen kann als zartes Zeichen eines Trendwechsels verstanden werden.“
Starker Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen – Meinungen von Ökonomen
Berlin, 18. Jan (Reuters) – Trotz der Omikron-Welle blicken Börsenprofis wieder überraschend optimistisch auf die Konjunktur in Deutschland. Das Barometer für die Einschätzung der nächsten sechs Monate stieg im Januar unerwartet deutlich um 21,8 auf 51,7 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 178 Analysten und Anlegern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem kleinen Anstieg auf 32,0 Zähler gerechnet. Die Lage wurde allerdings schlechter bewertet als zuletzt und als erwartet.
„Der Konjunkturausblick verbessert sich mit Beginn des neuen Jahres ganz erheblich“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die befragten Fachleute gingen mehrheitlich davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum im kommenden halben Jahr verbessern werde. „Die konjunkturelle Schwächephase vom vierten Quartal 2021 dürfte bald überwunden sein“, erläuterte Wambach. Denn die Corona-Inzidenzen dürften sich bis Frühsommer deutlich abschwächen. Die positiveren Konjunkturerwartungen betreffen demnach mit den konsumnahen und den exportorientierten Sektoren einen großen Teil der deutschen Wirtschaft. Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank sprach von einem klaren Aufschwungsignal und setzt auf Besserung im Frühjahr: „Auch die Lieferkettenschwierigkeiten vieler Produkte werden sich dann zwar nicht in Wohlgefallen auflösen, aber zumindest verbessern.“
Im Gesamtjahr 2021 war die deutsche Wirtschaft zwar um 2,7 Prozent gewachsen. Aber zwischen Oktober und Dezember ließ die Konjunktur nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes zwischen 0,5 bis 1,0 Prozent zum Sommer-Quartal nach. Für 2022 erwarten die meisten Fachleute insgesamt wieder mehr Wachstum als im Vorjahr, allerdings dürfte die Corona-Variante Omikron zu Jahresanfang Firmen und Verbraucher noch belasten.
ZEW-Index steigt kräftig – Mehr Konjunkturoptimismus bei Börsianern
Spectrum Markets, der paneuropäische Handelsplatz für verbriefte Derivate, hat seine SERIX-Stimmungsdaten für europäische Privatanleger für Dezember veröffentlicht (weitere Informationen zur Methodik siehe unten). Daraus geht hervor, dass von allen investierbaren Aktienindizes der britische FTSE 100 die meisten Verkäufe in Long-Instrumenten und Käufe in Short-Instrumenten verzeichnete.
Nachdem der SERIX-Wert für den FTSE 100 im September 2021 noch bei 100 lag, was einem ausgeglichenen Verhältnis von Käufen und Verkäufen entsprach, ging die Kurve in den darauffolgenden Monaten stark nach unten und erreichte schließlich im Dezember einen Wert von 87, den niedrigsten Monatswert für den Index seit Einführung des SERIX als Benchmark.
Eine positive Anlegerstimmung lässt sich dagegen beim italienischen MIB 40 (101), dem spanischen IBEX 35 (104) und dem amerikanischen NASDAQ 100 (103) beobachten.
Gleichzeitig verlor auch das britische Pfund das Vertrauen der Anleger. Hier fiel der SERIX-Wert für das Währungspaar GBP/USD von 112 im November auf 97 im Dezember, was ebenfalls auf eine rückläufige Anlegerstimmung hinweist. Ein ähnlicher Trend ist für die Stimmung bei den Währungspaaren GBP/JPY und GBP/EUR zu beobachten.
100, GBPUSD und GBPJPY (Quelle: Spectrum Markets)
Betrachtet man die SERIX-Daten für die drei wichtigsten Basiswerte, so blieben der NASDAQ 100 und der DAX 40 mit 103 bzw. 99 relativ unverändert. Der S&P 500 stieg dagegen leicht von 97 auf 98, blieb aber insgesamt in der Baissezone.
In Großbritannien sind viele Dinge als mögliche Faktoren zusammengekommen: Der Brexit, der 2021 in Kraft trat, erhöhte die Handelskosten, was wiederum zu einem Rückgang des Handelsvolumens und zur Verlagerung von Unternehmenssitzen führte. Der Verlust der EU-Freiheiten zog Arbeitnehmer ab, was die Produktions- und Vertriebskosten weiter erhöhte.
Es gibt einen landesweiten Mangel an Lkw-Fahrern, aber auch an Pflegekräften und an Arbeitskräften in der Lebensmittelindustrie, welches zu Versorgungsengpässen führt. Darüber hinaus wurde Großbritannien auch von der weltweiten Krise der Lieferkette und den damit verbundenen Preissteigerungen hart getroffen, und schließlich dämpfte Omikron die Hoffnungen auf eine Erholung.
„Insgesamt scheinen die Privatanleger zum Jahresende einfach keine ermutigenden Anzeichen auf dem britischen Markt gesehen zu haben und ihn im Gegenteil sogar für überbewertet zu halten, was sich an den zahlreichen bärischen Positionen im FTSE 100-Index zeigt.
Die Anleger scheinen auch die leichte Erholung des FTSE nicht als langfristig tragfähig oder als ausreichenden Grund für eine positive Stimmung zu sehen. Alternativen wie der spanische IBEX oder der italienische MIB scheinen die Indexanleger derzeit mehr zu überzeugen“, erklärt Michael Hall, Head of Distribution bei Spectrum Markets.
Im Dezember wurden 72,5 Millionen verbriefte Derivate auf Spectrum Markets gehandelt, wobei 37,2 % der Abschlüsse außerhalb der traditionellen Handelszeiten (d.h. zwischen 17:30 und 9:00 MEZ) stattfanden. 83,2 % der gehandelten Derivate bezogen sich auf Indizes, 9,8 % auf Währungspaare, 5,4 % auf Rohstoffe und 1,6 % auf Aktien, wobei die drei meistgehandelten Basiswerte der DAX 40 (24,1 %), der NASDAQ 100 (17,8 %) und der S&P 500 (14,6 %) waren.
Privatanleger flüchten aus britischen Aktien und dem Pfund
SERIX 2021 für FTSE100, GBPUSD und GBPJPY (Quelle: Spectrum Markets)