Logistikbranche fordert wegen Dieselpreisen staatliche Hilfe

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Berlin, 10. Mrz (Reuters) – Die deutsche Logistikbranche schlägt angesichts rekordhoher Kraftstoffpreise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Alarm. „Die Unternehmen sind wirklich verzweifelt“, sagte der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, am Donnerstag. „Deswegen fordern wir als Branche eine temporäre Unterstützung des Staates.“

Viele Spediteure würden derzeit gegen die Insolvenz anfahren, ihnen gehe wegen der Kostenexplosion die Liquidität aus. Engelhardt schlug deshalb einen Krisengipfel mit der Bundesregierung vor. Man sei „etwas schockiert und verärgert“, dass das Bundeswirtschaftsministerium bislang nichts unternehme. Es gebe aktuell „keinerlei Unterstützung seitens des Staates“. Ohne diese drohten jedoch leere Regale und damit ein gesamtwirtschaftliches Problem, denn mehr als 70 Prozent der deutschen Versorgung hänge vom Lkw-Verkehr ab.

Zu Entlastung schlägt der Verband die schnellstmögliche Einführung eines sogenannten Gewerbediesels vor. Dabei wird den Unternehmen ein Nachlass in Form von Steuererleichterungen gewährt. Einige Nachbarländer hätten dies bereits getan. Daher drohe eine „extreme Wettbewerbsverzerrung“, sagte Engelhardt. Zudem müssen für die Flottenbetreiber von Lkw, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) fahren, ein Rettungsschirm gespannt werden, da hier die Preissteigerungen noch extremer seien.

Tanken ist in dieser Woche in Deutschland so teuer wie noch nie. Grund dafür sind die Sorgen vor Ölengpässen, nachdem die westlichen Staaten Sanktionen gegen Russland wegen der Invasion in der Ukraine verhängt hatten. Diesel verteuerte sich dem Automobilklub ADAC zufolge binnen einer Woche um mehr als ein Fünftel und kostete durchschnittlich bis zu 2,15 Euro je Liter.

Der Logistikbranche in Europa droht dem BGL zufolge noch ein anderes Problem durch den Ukraine-Krieg: Der Ausfall von mehr als 100.000 ukrainischen Lkw-Fahrern im internationalen Warenverkehr, da diese wegen Einberufungsbefehlen zur Armee nicht mehr zur Verfügung stünden.

„Grundsätzlich hat ganz Europa den Fahrermangel durch den Ukraine-Krieg“, sagte Engelhardt. Dem Verband zufolge sind mindestens sieben Prozent der in Deutschland eingesetzten Lkw-Fahrer Ukrainer, von denen viele nun für die Landesverteidigung eingesetzt würden. Bereits vor dem Krieg in der Ukraine fehlten in Deutschland zwischen 60.000 und 80.000 Lkw-Fahrer.

Dem BGL zufolge sind etwa 500.000 deutsche Lkw auf den Straßen unterwegs, dazu etwa 250.000 ausländische Fahrzeuge. Die Belieferung mit Lebensmittel, Arznei oder von Krankenhäuser erfolge überwiegend durch den deutschen Mittelstand.

Logistikbranche fordert wegen Dieselpreisen staatliche Hilfe

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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