Gewerkschaftsnahe Forscher raten EZB in Ukraine-Krise zu neuem Notprogramm

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Berlin, 29. Mrz (Reuters) – Angesichts der hohen Unsicherheit infolge des Krieges in der Ukraine sollte die EZB aus Sicht des gewerkschaftsnahen Instituts IMK vorsorglich ein Notfallprogramm auflegen. Die Forscher schlagen der Europäischen Zentralbank in ihrer am Dienstag vorgestellten Konjunktur-Prognose vor, ein flexibles Kaufprogramm einzuführen, um im Falle von Marktturbulenzen zügig eingreifen zu können. Die EZB lässt ihr in der Corona-Krise geschaffenes groß angelegtes Anleihenkaufprogramm namens PEPP Ende des Monats auslaufen, auch wenn Zukäufe von Bonds über das weit kleinere APP vorerst weitergehen.

Die Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) verweisen darauf, dass bisher die Risikoprämien auf Staatsanleihen im Euroraum zwar nur wenig gestiegen seien. Die Renditedifferenzen lägen allerdings bereits wieder auf dem Vor-Pandemieniveau, so dass beispielsweise Italien 1,5 Prozentpunkte höhere Zinsen für einen zehnjährigen Kredit zahlen müsse als Deutschland. Aufgrund der hohen Abhängigkeit Italiens von russischen Gaslieferungen dürften die Lieferkettenprobleme und die Preisanstiege die Wirtschaft des Mittelmeerlandes erheblich belasten, so die Forscher.

Im Basisszenario rechnen die IMK-Ökonomen für 2022 mit einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,1 Prozent. Bei einem ungünstigen Szenario würde die Wirtschaft hingegen um 0,3 Prozent schrumpfen und somit in eine Rezession rutschen. „Insbesondere in dem hier skizzierten Risikoszenario ist es von herausragender Bedeutung, dass die EZB eine reibungslose Übertragung der die Wirtschaftsentwicklung stützenden Geldpolitik in allen Euroländern gewährleistet und so krisenhafte Entwicklungen verhindert“, mahnten die Forscher.

Sollte sich die Wirtschaft hingegen auf dem Wachstumspfad halten und sich so wie in dem Basisszenario entwickeln, sieht das IMK den Weg frei für eine Straffung der Geldpolitik durch die EZB. „Sie wird zur Jahreswende voraussichtlich die Zinsen erstmals erhöhen“, sagte IMK-Expertin Silke Tober. Die EZB werde dies nicht primär wegen der höheren Inflation tun, sondern auch weil sich die Konjunktur voraussichtlich dann gefestigt habe.

Gewerkschaftsnahe Forscher raten EZB in Ukraine-Krise zu neuem Notprogramm

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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