Krieg drückt Konsumlaune – Handel bangt um Frühjahrsaufschwung

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Berlin, 29. Mrz (Reuters) – Der Ukraine-Krieg und steigende Preise lassen die Verbraucherstimmung in Deutschland abstürzen. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für April einen Rückgang um 7,0 Zähler auf minus 15,5 Punkte, wie die GfK am Dienstag zu ihrer monatlichen Umfrage unter 2000 Konsumenten mitteilte.

Dies ist der niedrigste Wert seit Februar 2021. Damals hat der harte Corona-Lockdown den Verbrauchern die Laune verdorben, nun der russische Einmarsch in der Ukraine: „Steigende Verunsicherung sowie die Sanktionen gegenüber Russland haben vor allem die Energiepreise explosionsartig in die Höhe schnellen lassen und drücken damit spürbar auf die allgemeine Verbraucherstimmung“, erläuterte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Dies zeigt sich besonders an den Einkommensaussichten der Bürger: Das entsprechende Teilbarometer sackte in der März-Umfrage auf minus 22,1 Punkte ab. Das ist der niedrigste Wert seit Januar 2009, als der Einkommensindikator infolge der Finanzkrise einbrach. „Durch die stark gestiegenen Preise für Gas, Heizöl und Benzin sehen die Verbraucher ihre Kaufkraft dahinschmelzen“, so die GfK. Das treffe vor allem die ärmeren Haushalte, die keine Ersparnisse bilden, sagte der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien: „Wenn sich da die Heizrechnung verdoppelt, fehlt einfach das Geld für anderen Konsum.“

Die deutschen Einzelhändler bangen nun um den erhofften Aufschwung nach dem Corona-Winter. „Die Hoffnungen auf ein gutes Frühjahr und auf steigende Stimmung haben ohne Zweifel einen Dämpfer bekommen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Stefan Genth. Die nach zwei Jahren überfällige Erholung der Binnenkonjunktur werde nun durch den russischen Krieg in der Ukraine in Frage gestellt. „Dazu kommt, dass auch die Pandemie weiter ihre Schatten wirft – beispielsweise beim Lockdown in Shanghai“, sagte Genth. „Das dürfte erneut große Herausforderungen für die Lieferketten bedeuten.“ 

„HARTE KONSUMBREMSE“

Auch Ökonomen zufolge könnte der private Konsum als Konjunkturlok ausfallen. „Wegen der Kriegs- und Inflationswirren haben sich Verbraucher weiter ins Schneckenhaus zurückgezogen“, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger. „Kaufkraftentzug und Unsicherheit werden vorerst wohl eine harte Konsumbremse bleiben.“

Nach zwei Anstiegen in Folge brach auch die Konjunkturerwartung der Verbraucher ein. Der Indikator verlor im März 33 Punkte und fiel auf minus 8,9 Punkte. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt während des ersten pandemiebedingten Lockdowns im Frühjahr 2020 gemessen. Die Verbraucher sehen laut GfK zunehmend Gefahren für die deutsche Konjunktur. Sanktionen, hohe Energiepreise sowie unterbrochene Lieferketten hätten das Risiko einer Rezession sprunghaft ansteigen lassen.

Auch die Bereitschaft der Bürger zum Kauf teurer Güter wie Autos, Computer oder Möbel sank. Der Teil-Indikator fiel um 3,5 auf minus 2,1 Punkte. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im April 2020 gemessen. Erfahrungsgemäß sinke die Anschaffungsneigung bei steigenden Preise, erklärten die Nürnberger Konsumforscher. Vor allem der Benzinpreis spiele in diesem Zusammenhang eine signifikante Rolle.

Krieg drückt Konsumlaune – Handel bangt um Frühjahrsaufschwung

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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