München, 06. Mai (Reuters) – Mit einem Sparprogramm und einer verstärkten Expansion über den Nordwesten Deutschlands hinaus macht sich die Oldenburgische Landesbank (OLB) fit für den Gang an die Börse. „Als ich Anfang 2021 nach acht Jahren Bawag zur OLB gekommen bin, haben wir ein beschleunigtes Transformationsprogramm initiiert.
Die heutigen Zahlen sind die Früchte daraus“, sagte Vorstandschef Stefan Barth der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Stellen wurden abgebaut, das Netz von Filialen von 66 auf 40 eingedampft. Das Resultat: Im ersten Quartal stehen ein für deutsche Banken seltenes Kosten-Ertrags-Vehältnis von 44,5 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von netto 13,1 Prozent zu Buche. „Das war harte Arbeit und mühsames Handwerk – wir hatten dafür keine Strategieberater an Bord“, betont Barth.
Die OLB gehört seit 2017 drei US-Finanzinvestoren um den Beteiligungsriesen Apollo. Die Allianz hatte den Plan aufgegeben, die ehemals zur Dresdner Bank gehörende OLB zur Allianz Bank umzubauen, und das Institut für 300 Millionen Euro verkauft. Nun nehmen die Eigentümer den Ausstieg ins Visier. „Aktuell arbeiten wir an unserer Börsenfähigkeit“, bekräftigte Barth. Den Halbjahresabschluss wolle die Bank wieder nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) vorlegen. Als Risikochef hatte er bereits den Börsengang der Bawag miterlebt.
Ob und wann die Eigentümer den Startschuss geben, ist aber offen. Berichten zufolge peilen sie Ende 2022 oder Anfang 2023 an – wenn es das politische Umfeld erlaubt. Laut Insidern hat die Bank bereits die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die UBS mit den Vorbereitungen beauftragt.
Barth wirbt schon um mögliche neue Aktionäre, von denen viele mit Misstrauen auf die umkämpfte deutsche Bankenlandschaft blicken: „Unsere Margen sind höher als bei anderen Banken, weil wir selektiver sein können als die großen Wettbewerber. Wir sind auch etwas flexibler und opportunistischer.“ Neben dem Geschäft mit Privatkunden und Firmen zwischen Weser und Ems setzt die OLB bundesweit auf Spezialkredite, etwa für Gewerbeimmobilien, aber auch die Finanzierung von Fußballspieler-Transfers.
Wenn der neue Verein etwa in Raten zahlt, der abgebende Klub aber sofort kassieren will, springt die OLB ein. „Aus Risikosicht ist das ein sehr solides Geschäft“, betont Barth. Bei der Finanzierung von Firmenübernahmen wolle sich die OLB künftig nicht nur in Deutschland und den Benelux-Ländern, sondern auch in weiteren Auslandsmärkten engagieren.
Bei Sach- und IT-Kosten seien die Einsparmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft, sagt Barth. „Mittelfristiges Ziel ist eine Cost-Income-Ratio von ungefähr 40 Prozent.“ Die steigende Inflation nehme die OLB zum Anlass, weiter an der Kostenschraube zu drehen – etwa bei den Energiekosten. Die Mitarbeiterzahl soll bis zum Jahresende um weitere 130 auf 1250 sinken.
Börsenkandidat Oldenburgische Landesbank spart und expandiert
Frankfurt, 06. Mai (Reuters) – Commerzbank-Chef Manfred Knof bestätigt trotz der anhaltenden Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg die Erwartungen für das laufende Jahr. „An unseren Zielen für das Jahr 2022 halten wir fest“, erklärte Knof in seiner am Freitag veröffentlichten Rede zur virtuellen Hauptversammlung am 11. Mai. Das gelte auch für die Risikovorsorge, für die die Bank weiterhin mit weniger als 700 Millionen Euro rechne.
Unter dem Strich erwarte das Frankfurter Institut weiterhin ein Konzernergebnis von mehr als einer Milliarde Euro, sagte Knof. Das bedeute auch, dass das Management aus heutiger Sicht die Zahlung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2022 vorschlagen wolle. Bei ihrem Ausblick unterstellt die Bank unter anderem, dass die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs begrenzt bleiben.
Deutschlands zweitgrößte Privatbank hatte erst vor kurzem erste Zahlen zum Geschäft im Auftaktquartal veröffentlicht. Danach ist das Institut mit einem Gewinnsprung in das Jahr 2022 gestartet. Trotz einer deutlich erhöhten Risikovorsorge hat sie ihren Gewinn im ersten Quartal binnen Jahresfrist auf 284 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Commerzbank-Chef bestätigt die Ziele für das laufende Jahr
Frankfurt/Berlin, 06. Mai (Reuters) – Angesichts der hohen Inflation gerät die Europäische Zentralbank laut dem französischen EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau unter Handlungsdruck. Villeroy sprach sich am Freitag für ein Ende der Anleihenkäufe in der zweiten Jahreshälfte aus, das als Voraussetzung für eine Zinserhöhung gilt.
Die Gründe, über den Juni hinaus mit Zukäufen solcher Papiere geldpolitisch auf dem Gaspedal zu bleiben, lägen nicht auf der Hand: „Die Inflation ist nicht nur höher, sondern auch viel breiter“, sagte er. Die EZB könne nicht darüber hinwegsehen, auch weil die Inflationserwartungen anscheinend immer weniger bei 2 Prozent verankert seien.
Villeroy bezeichnete es zudem als vernünftig, bei den Zinsen bis spätestens Ende des Jahres wieder in den positiven Bereich zu gelangen – vorausgesetzt, es komme nicht zu unvorhersehbarem neuen Störfeuer. Er nannte es den „offensichtlichsten nächsten Schritt“, die Zinsen Richtung Null zu lenken. Dafür kämen die nächsten Zins-Sitzungen in Frage, wobei Villeroy nicht näher auf den Zeitraum einging.
Anleger an den Finanzmärkten rechnen für das laufende Jahr mit drei bis vier Zinsschritten nach oben. Zurzeit liegt der Leitzins bei 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken Strafzinsen berappen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Dieser sogenannte Einlagesatz ist aktuell bei minus 0,5 Prozent.
Wenn sich die EZB aus dem Zinskeller herausbewege, könnten die Banken größere Margen einstreichen und profitabler arbeiten, sagte das EZB-Ratsmitglied. Zugleich werde ihre Fähigkeit gesteigert, Kredite zu vergeben. Allerdings sei dieser Punkt keine ausgemachte Sache.
Mit Blick auf die Inflation gilt es laut Villeroy auch sorgsam auf den Wechselkurs zu achten. „Wir haben zwar kein Wechselkursziel, aber das Niveau des Euro spielt bei der importierten Inflation eine wichtige Rolle“, sagte der Währungshüter: „Ein zu schwacher Euro würde unserem Preis-Stabilitätsziel zuwiderlaufen.“
Villeroy (EZB) denkt über Zinswende nach – „Offensichtlichster nächster Schritt“
Detroit/Frankfurt, 06. Mai (Reuters) – Der chinesische Batterieproduzent CATL plant nach Informationen von Insidern seine erste Fabrik in den USA und will dort BMW und andere Autobauer beliefern. Das Unternehmen ziehe als Standorte South Carolina und Kentucky in Betracht, sagten zwei mit dem Vorgang Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. In Spartanburg/South Carolina steht eines der größten BMW-Werke, dort ist die SUV-Produktion angesiedelt.
CATL strebe den Start der Fertigung in dem Bundesstaat 2026 an. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme dazu ab. BMW teilte mit, die Option einer Batteriefabrik in Nordamerika intensiv zu prüfen und über die Beschaffung von Batteriematerialien im Gespräch zu sein.
CATL-Chef Zeng Yuqun hatte am Donnerstag erklärt, Produktionen zur Belieferung von Autobauern an ihren Standorten im Ausland zu erwägen. Contemporary Amperex Technology (CATL) in der südchinesischen Stadt Ningde ist der weltweit größte Lieferant von Elektroauto-Batterien und zählt fast alle großen Hersteller zu seinen Kunden. Bei der nächsten Beschaffungsrunde ab 2026 wolle CATL seine Marktführerschaft behaupten, erklärte der Konzernchef. Nach Erkenntnissen der Beratungsfirma Wood Mackenzie werden die Chinesen ihre Kapazität in der Batteriezellproduktion bis 2025 mehr als verdreifachen.
Die US-Regierung fördert den Umschwung auf Elektroautos mit mehr als drei Milliarden Dollar, denn bis 2030 soll jedes zweite neue Auto elektrisch und nicht mehr mit Verbrennungsmotor fahren. Zu den anderen asiatischen Unternehmen, die Pläne zum Bau von Batteriewerken in den USA angekündigt haben, gehören die koreanischen Unternehmen LG Energy Solution051910.KS, SK Innovation096770.KS und Samsung SDI006400.KS. Das japanische Unternehmen Panasonic6752.T will Berichten zufolge ebenfalls Land für ein Werk zur Versorgung von Tesla erwerben.
CATL wird sein erstes Batteriewerk außerhalb Chinas noch in diesem Jahr in Deutschland eröffnen, um BMW und andere Automobilhersteller zu beliefern. In die Fabrik im thüringischen Arnstadt fließen Investitionen von 1,8 Milliarden Euro. Sie hat nach Angaben des Unternehmens eine anfängliche Jahreskapazität von acht Gigawattstunden (GWh) an Batteriezellen.
BMW-Chef Oliver Zipse bekräftigte bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag die Pläne des deutschen Automobilherstellers, bis 2025 zwei Millionen vollelektrische Fahrzeuge zu verkaufen und bis 2030 mindestens die Hälfte der weltweiten Auslieferungen mit E-Fahrzeugen zu bestreiten. Der wichtigste Faktor für die Produktion von Elektrofahrzeugen seien lokale Zulieferer.
Batteriehersteller CATL plant erstes Werk in den USA
Frankfurt, 06. Mai (Reuters) – Die Ungewissheit über den weiteren Kurs der US-Geldpolitik hat den Dax am Freitag ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex verlor zum Handelsstart 0,7 Prozent auf 13.809 Zähler. „Die Börsianer trauen der Fed im Moment mehrheitlich nicht zu, dass sie gleichzeitig die Inflation bekämpfen und die Wirtschaft vor einem heftigen Absturz bewahren kann“, sagte Thomas Altmann von QC Partners.
Viele rechnen laut Experten damit, das die Inflations-Bekämpfung für die Fed Vorrang hat und damit in den kommenden Monaten auch größere Zinsschritte folgen könnten. Rückschlüsse auf die künftige US-Geldpolitik erhofften sich die Investoren vom US-Arbeitsmarktbericht, der am Nachmittag anstand.
Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien von Adidas. Der Sportartikelkonzern schraubt nach einem Gewinneinbruch zu Jahresbeginn die Erwartungen für 2022 zurück. Die Aktien verloren 3,8 Prozent. Puma geben im Sog von Adidas mehr als zwei Prozent nach. Auf der Gewinnerseite standen Hannover Rück und Vonovia, die 0,7 und 0,4 Prozent zulegten.
US-Zinspolitik drückt Dax ins Minus – Adidas auf Talfahrt
Berlin, 06. Mai (Reuters) – Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk wirft Deutschland eine im internationalem Vergleich unzureichende Hilfe vor. Die Bundesregierung habe bislang Waffen im Wert von knapp 190 Millionen Euro geliefert, das kleine Estland im Wert von über 200 Millionen Euro, sagte er am Freitag im Deutschlandfunk. Aus den USA seien Waffen für 3,5 Milliarden Euro gekommen. Er glaube, dass es in Berlin noch sehr viel Luft nach oben gebe und ein sehr großer Handlungsbedarf bestehe, „um uns Ukrainern im Überlebenskampf zu helfen“.
In der Öffentlichkeit werde der Eindruck erweckt, dass die Deutschen alles Mögliche unternommen hätten, sagte der Diplomat. Dabei sei das oft nicht der Fall. Er verwies auf die vor elf Tagen gemachte Zusage der Lieferung von Gepard-Panzern. „Ich kann ihnen berichten, dass es keinen Millimeter Fortschritt gegeben hat, obwohl die deutsche Öffentlichkeit wahrscheinlich glaubt, dass diese Maschinen schon längst (…) an der Front sind.“ Es würden Informationen an die Öffentlichkeit durchgestochen, die nicht stimmen würden, sagte Melnyk.
Auch bei dem vor zwei Wochen mit Slowenien vereinbarten Ringtausch gebe es noch keine Einigung, kritisierte Melnyk. Slowenien hat sich bereiterklärt, Panzer an die Ukraine abzugeben, wenn diese durch Geräte aus Deutschland ersetzt werden. „Es geht darum, ob man uns hilft, in diesem Krieg nicht zu verlieren“, sagte der Botschafter. Er beklagte, er habe seit Ausbruch des Krieges keinen Gesprächstermin mit Außenministerin Annalena Baerbock bekommen, obwohl er mehrmals darum gebeten habe.
Eine Entschuldigung wegen seiner umstrittenen Äußerungen gegenüber Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lehnte Melnyk ab. „Es geht nicht darum, dass man sich entschuldigt, sondern es geht darum, dass eine richtige Politik in diesen Tagen gemacht wird.“ Der Botschafter hatte Scholz als beleidigte Leberwurst bezeichnet, nachdem dieser wegen des Umgangs mit dem Bundespräsidenten zunächst eine Kiew-Reise abgelehnt hatte. Steinmeier hatte der Diplomat wegen seiner früheren Russland-Politik massiv kritisiert.
Ukrainischer Botschafter – deutsche Hilfen zu gering
Kiew, 06. Mai (Reuters) – – Die russische Invasion in der Ukraine hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Hunderte Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen verwüstet. In den Hauptkampfgebieten in der Ost- und Südukraine fehle es vielerorts zudem an grundlegenden Antibiotika, führte Selenskyj weiter aus.
In den von den russischen Streitkräften besetzten Gebieten sei die Situation katastrophal. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht kündigte bei einem Besuch in der Slowakei am Freitag an, dass Deutschland sieben Panzerhaubitzen an die Ukraine liefern werde. Zudem solle die Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland in der kommenden Woche beginnen. Russische Truppen setzten nach Angaben des britischen Militärgeheimdienstes derweil den zweiten Tag in Folge ihren Bodenangriff auf das Stahlwerk Asowstal in der Hafenstadt Mariupol fort.
In dem Werk harren nach ukrainischen Angaben nach wie vor Zivilisten und Soldaten aus. Die Evakuierung von Zivilisten aus der von russischen Truppen stark zerstörten Stadt Mariupol hält nach Worten des ukrainischen Präsidenten an. In einer Videoansprache sagte er aber nicht, wie viele Menschen die belagerte Stadt am Donnerstag verlassen konnten. Man werde alles unternehmen, um eine Lösung zu finden und auch die im Stahlwerk eingekesselten Soldaten zu retten. Diese hatten sich bisher geweigert, sich den russischen Truppen zu ergeben.
Der russische Beschuss vor allem im Osten der Ukraine wurde fortgesetzt. Der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, erklärte, bei dem heftigen Beschuss in der Stadt Kramatorsk seien 25 Menschen verletzt worden. Insgesamt seien 32 Wohngebäude beschädigt worden. In Kramatorsk waren im vergangenen Monat bei der Bombardierung des Bahnhofs mehr als 50 Menschen getötet worden.
Russland bombardierte nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen gezielt Eisenbahnstrecken in der Ukraine – auch um den Nachschub mit vom Westen gelieferten Waffen zu erschweren. Reuters konnte die Berichte Russlands und der Ukraine über die Kampfhandlungen nicht sofort überprüfen.
Russische Truppen waren am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Inzwischen haben die russischen Bombardierungen mehrere Städte verwüstet. Tausende Zivilisten starben, Millionen sind auf der Flucht. Die Regierung in Moskau bezeichnet die Invasion der Ukraine als „Sondereinsatz“ zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung des Nachbarlandes. Westliche Staaten sprechen dagegen von einem Angriffskrieg und Verbrechen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung.
In der Debatte um den Besuch deutscher Politiker lehnte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk eine Entschuldigung ab. „Es geht nicht darum, dass man sich entschuldigt, sondern es geht darum, dass eine richtige Politik in diesen Tagen gemacht wird“, sagte er im Deutschlandfunk. Melnyk hatte Kanzler Olaf Scholz als beleidigte Leberwurst bezeichnet, nachdem dieser wegen des Umgangs mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zunächst eine Kiew-Reise abgelehnt hatte. Der Diplomat hatte auch Steinmeier wegen dessen früherer Russland-Politik massiv kritisiert.
Selenskyj legte den Zwist mit der Bundesregierung inzwischen aber bei und telefonierte mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Nach Angaben aus dem deutschen Präsidialamt lud Selenskyj die gesamte Bundesregierung nach Kiew ein. Scholz kündigte an, dass Außenministerin Annalena Baerbock in den kommenden Tagen in die ukrainische Hauptstadt reisen werde.
Neue Angriffe in Mariupol gemeldet – Deutschland liefert Haubitzen
Frankfurt/Tokio, 06. Mai (Reuters) – Aus Furcht vor einem Rückschlag für die chinesische Konjunktur ziehen sich Anleger aus dem dorten Aktienmarkt zurück. Die Börse Shanghai<.SSEC> fiel am Freitag um 2,2 Prozent auf 3000 Punkte. An den übrigen asiatischen Handelsplätzen drückten vor allem Sorgen um Belastungen für die Wirtschaft durch Fehler in der Geldpolitik auf die Stimmung.
„Das Risiko ist nach wie vor hoch, entweder weil die US-Notenbank die Zinsen nicht schnell genug anhebt, um die Inflation zu bekämpfen, oder weil sie zu aggressiv vorgeht, was den aktuellen Konjunkturzyklus beenden könnte“, sagte Anlagestratege David Chao vom Vermögensverwalter Invesco.
In China hält die Regierung an ihrer „Null-Covid“-Strategie fest, obwohl die dortige Wirtschaft bereits unter den strengen Pandemie-Beschränkungen leidet. Allerdings gebe es Hoffnung auf die Ankündigung neuer Konjunkturhilfen am Wochenende, sagte Dickie Wong, leitender Analyst beim Brokerhaus Kingston. Die chinesische Währung fiel dennoch auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief. Im Gegenzug stieg der Dollar um bis zu 0,7 Prozent auf 6,6982 Yuan<CNY=CFXS>.
Gegen den Trend legte der japanische Nikkei-Index<.N225> 0,7 Prozent auf 27.004 Zähler zu. Unterstützung erhielt er von Kursgewinnen der Öl-<.IMING.T> und Finanzwerte<.IBNKS.T>, die um 4,6 beziehungsweise 2,5 Prozent zulegten. Zu den Favoriten gehörten Japan Petroleum<1662.T>, die dank der hohen Ölpreise<OILOIL> 2,6 Prozent zulegten. Der Finanzkonzern Bank Mitsubishi UFJ<8306.T> rückte 3,1 Prozent vor.
Nachfolgend eine Übersicht mit den Kursveränderungen ausgewählter Aktienindizes und Währungen:
Frankfurt, 06. Mai (Reuters) – Es folgt der Börsen-Ticker zu wichtigen Kursbewegungen an den internationalen Finanzmärkten und ihren Ursachen:
13.50 Uhr – Ein Quartalsumsatz über Markterwartungen und angehobene Gesamtjahresziele beflügeln DoorDash. Die Aktien des Essenslieferanten steigen im vorbörslichen US-Geschäft um knapp sechs Prozent. Das Unternehmen steigerte die Erlöse den Angaben zufolge um 35 Prozent auf 1,46 Milliarden Dollar. Das Volumen für die Bestellungen über die App werde 2022 bei 49 bis 51 statt 48 bis 50 Milliarden Dollar liegen. Die Gewinnaussichten seien verhalten, weil DoorDash viel Geld in seine Expansion stecke, kommentiert Analyst Jake Fuller vom Brokerhaus BTIG.
13.20 Uhr – Enttäuschende Quartalsergebnisse und gesenkte Gesamtjahresziele bei Adidas trüben die Stimmung in der Sportartikel-Branche. Im Sog des rund sechsprozentigen Kursrutsches des deutschen Konzerns gaben die Titel des US-Rivalen Nike vorbörslich 1,5 Prozent nach. Die Papiere von Under Armour rutschen um 7,5 Prozent ab. Ähnlich wie Adidas leidet das US-Unternehmen unter den Corona-Lockdowns in China und rechnet mit einem Gesamtjahresergebnis unter Markterwartungen.
12.29 Uhr – Die Furcht vor Versorgungsengpässen durch das sich anbahnende Öl-Embargo der EU-Kommission gegen Russland treibt den Ölpreis nach oben. Brent verteuert sich in der Spitze um 2,3 Prozent auf 113,50 Dollar je Fass. WTI wird mit 110,85 Dollar je Barrel 2,4 Prozent höher gehandelt. Die Kommission hatte am Mittwoch ein sechstes Sanktionspaket einschließlich eines Öl-Embargos beschlossen. Danach sollten in sechs Monaten alle Rohöl-Einfuhren gestoppt und bis Ende des Jahres auch alle verarbeiteten Öl-Produkte nicht mehr eingeführt werden. Das Öl-Embargo habe das Zeug dazu, zu einem akuten Versorgungsengpass zu führen und die Opec+ werde wohl nicht aushelfen, sagt PVM Analyst Stephen Brennock. Die Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, weicht trotz steigender Energiepreise nicht von ihrer Förderpolitik ab.
11.42 Uhr – Am Tag nach Bekanntgabe enttäuschender Quartalsergebnisse geht der Ausverkauf bei Zalando weiter. Die Aktien des Online-Modehändlers fallen um bis zu sieben Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 30,92 Euro, nachdem sie am Donnerstag bereits um knapp elf Prozent eingebrochen waren. So stark ging es binnen zwei Tagen zuletzt kurz nach dem Börsengang im Herbst 2014 abwärts. Als Reaktion auf den ersten Umsatzrückgang seit Firmengründung senken die Analysten von JPMorgan ihr Kursziel auf 55 Euro. Ihre Kollegen von der Credit Suisse setzen es auf 43 Euro von 74 Euro herunter.
11.36 Uhr – Ein überraschend hoher Quartalsverlust und gekappte Gesamtjahresziele brocken IAG den größten Kursrutsch seit einem knappen halben Jahr ein. Die Aktien der British-Airways-Mutter fallen in London um gut zwölf Prozent. Das Unternehmen hinke bei der Erholung des Geschäfts von den Pandemie-Folgen der Konkurrenz hinterher, moniert Analyst Joachim Kotze vom Research-Haus Morningstar. IAG machte den Angaben zufolge einen operativen Verlust von 731 Millionen Euro.Die Sitzplatzkapazität werde 2022 voraussichtlich etwa 80 Prozent statt wie bisher angepeilt 85 Prozent des Niveaus von 2019 erreichen.
10.37 Uhr – Die Steigerung des Umsatzes zum Jahresauftakt kann die RTL-Anleger nicht überzeugen. Die Aktien des europäischen Fernsehkonzerns fallen in der Spitze um fünf Prozent auf 41,72 Euro, den niedrigsten Stand seit Januar 2021. Sie gehören zu den schwächsten MDax<.MDAXI>-Werten. Die Umsätze kletterten – auch dank Rückenwind durch Zukäufe – im ersten Quartal um 11,3 Prozent auf 1,562 Milliarden Euro, wie die Bertelsmann-Tochter mitteilte. Laut einem Händler lagen die Umsatzzahlen damit leicht unter den Markterwartungen.
10.19 Uhr – Ein deutlicher Gewinneinbruch zum Jahresauftakt verprellt ING-Anleger. Die Aktien der größten Bank der Niederlande rutschten um bis zu 2,7 Prozent auf 8,89 Euro ab. Das Nettoergebnis sank einschließlich Rückstellungen von 885 Millionen Euro auf 429 Millionen Euro nach rund einer Milliarde Euro vor Jahresfrist. Analysten hatten mit einem Gewinn von 679 Millionen Euro gerechnet.
10.18 Uhr – In Erwartung einer nahenden Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) kaufen Anleger Euro. Die Gemeinschaftswährung verteuert sich binnen Minuten auf 1,0541 von 1,0499 Dollar. Geschürt wurden diese Spekulationen von Aussagen des französischen Notenbankchefs und EZB-Ratsmitglieds Francois Villeroy de Galhau. Er plädiert für ein Ende der Wertpapierkäufe im Juni und die Anhebung des Einlagensatzes in den positiven Bereich bis zum Jahresende.
10.12 Uhr – Bei ihrem Börsendebüt stößt die ehemalige Sanofi-Sparte EuroAPI auf reges Anleger-Interesse. Die Aktien des Anbieters von pharmazeutischen Grundstoffen steigen bei ihrer Notierungsaufnahme in Paris um 6,2 Prozent auf 12,75 Euro. Sanofi-Titel legen 1,3 Prozent zu. Die Eigner des Pharmakonzerns erhalten für je 23 Sanofi-Aktien einen Anteilsschein von EuroAPI.
10.08 Uhr – Ein Umsatzplus von 116 Prozent auf umgerechnet 38 Millionen Euro ermuntert Anleger zum Einstieg bei Truecaller. Die Aktien des Anbieters einer App zur Blockierung unerwünschter Anrufe und SMS steigen in Stockholm um knapp 20 Prozent. Die Experten der Citigroup lobten die „sehr starken“ Zahlen, die vor allem vom Wachstum in Indien getrieben würden.
10.03 Uhr – Ein enttäuschender Ausblick brockt JCDecaux einen der größten Tagesverluste der Firmengeschichte ein. Die Aktien des Werbeflächen-Vermarktes steuern in Paris mit einem Minus von 11,5 Prozent auf den größten Tagesverlust seit 13 Jahren zu. In ihrem Sog geben die Titel des Rivalen Ströer<SAXG.DE> 1,5 Prozent nach. JCDecaux gab zwar für den Jahresauftakt ein Umsatzplus von mehr als 45 Prozent auf 683 Millionen Euro bekannt. Im laufenden Quartal werde sich das Wachstum wohl auf gut 15 Prozent verlangsamen.
09.43 Uhr – Die gedämpften Erwartungen für 2022 lassen Adidas abrutschen. Die Aktien des Sportartikelkonzerns fallen um bis zu 6,4 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 176 Euro. Sie sind der schwächste Dax-Wert. Grund für den schwindenden Optimismus ist das Geschäft auf dem einstigen Wachstumsmarkt China, das unter Boykottaufrufen gegen westliche Marken und den neuerlichen Corona-Lockdowns in großen Städten leidet. Die Schlüsselfrage sei, wie Adidas seine Umsätze im restlichen Jahr steigern wolle, wenn der chinesische Markt weiter schwach bleibe, heißt es in einem Kommentar der Credit Suisse. Puma<PUMG.DE> verlieren im Sog von Adidas bis zu 2,8 Prozent.
09.12 Uhr – Spekulationen auf weitere kräftige Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed treiben den Kurs der Weltleitwährung erneut an. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, steigt um 0,5 Prozent auf ein 19-1/2-Jahres-Hoch von 104,07 Punkten. Starke US-Arbeitsmarktdaten würden die Fed darin bestärken, die geldpolitischen Zügel möglichst rasch anzuziehen, prognostizieren die Analysten des Brokerhauses TD Securities. Experten erwarten für April den Aufbau von 391.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach einem Plus von 431.000 im Vormonat.
07.47 Uhr – Folgende Aktien werden am Freitag mit einem Dividendenabschlag gehandelt:
Deutsche UnternehmenAngaben in Euro
Schlusskurs
Dividende
MTU Aero Engines AG
189,95
2,10
freenet AG
26,36
1,57
Prosiebensat 1 Media SE
10,62
0,80
Siltronic AG
86,65
3,00
Talanx AG
39,14
1,60
JOST Werke AG
35,80
1,05
07.25 Uhr – Der jüngste Ausverkauf bei Bitcoin ist vorerst gestoppt. Am Freitag notiert die älteste und bekannteste Kryptowährung kaum verändert bei 36.448 Dollar. Am Donnerstagabend war sie in der Spitze um mehr als zehn Prozent gefallen. Für die Cyber-Devise Ethereum geht es auch zum Wochenschluss bergab, sie verliert 0,4 Prozent auf 2745 Dollar.
„Die Anleger befinden sich im Klammergriff der Zinssorgen“, sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. „Sie rechnen offensichtlich weiterhin mit strafferen Zinserhöhungen.“ Und riskantere Anlagen leideten darunter besonders. Fed-Chef Jerome Powell hatte nach der Zinserhöhung um 50 Basispunkte weitere Anhebungen im größeren Stil von 75 Basispunkten am Mittwoch vorerst ausgeschlossen. Dennoch flackerte die Angst der Anleger vor einer aggressiven Straffung der Geldpolitik angesichts der hohen Inflation schnell wieder auf.
Düsseldorf, 06. Mai (Reuters) – Heidelberger Druck hat im abgelaufenen Bilanzjahr 2021/22 kräftig zugelegt und sieht sich mit vollen Orderbüchern gut aufgestellt. „In einem herausfordernden Umfeld sind wir in allen Kerngeschäftsfeldern gewachsen, sowohl bei den Umsätzen als auch im Ergebnis“, sagte der seit April amtierende Konzernchef Ludwin Monz am Freitag. „Der aus der spürbaren Markterholung im abgeschlossenen Geschäftsjahr resultierende hohe Auftragsbestand bildet ein gutes Fundament für den Umsatz im neuen Geschäftsjahr.“ Herausfordernd seien allerdings die steigenden Rohstoff- und Energiepreise.
In dem im März abgelaufenen Bilanzjahr 2021/22 erzielte der Druckmaschinen-Hersteller nach ersten Berechnungen ein Umsatzplus von 14 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) schnellte auf 160 (Vorjahr: 95) Millionen Euro. Netto schaffte der Konzern mit 33 Millionen Euro den Sprung in die Gewinnzone nach einem Minus von 43 Millionen im Jahr zuvor. Der Auftragseingang stieg um 450 Millionen Euro auf 2,454 Milliarden.
Monz hatte jüngst erklärt, an die Umbaustrategie seines in den Ruhestand gegangenen Vorgängers Rainer Hundsdörfer anknüpfen zu wollen. „Wir müssen unsere technologische Expertise gezielt für neue Märkte nutzbar machen“, hatte der 58-Jährige Ex-Chef von Carl Zeiss Meditec zu seinem Amtsantritt angekündigt. Die Druckindustrie und ihre Strukturen veränderten sich in einem rasanten Tempo. Um sich breiter aufzustellen, war der SDax-Konzern ins Geschäft mit Lade-Wallboxen für Elektroautos eingestiegen. Das wäre eine Blaupause für das Engagement in neuen Geschäftsfeldern, hatte Hundsdörfer Ende Januar erklärt.
Heidelberger Druck schafft Sprung in die Gewinnzone