Berlin, 09. Feb (Reuters) – Bundesbankpräsident Joachim Nagel dringt darauf, dass die EZB auf die hohe Inflation schnell reagiert und hält eine Zinswende im laufenden Jahr für möglich. „Wenn sich das Bild bis März nicht ändern sollte, werde ich mich dafür aussprechen, die Geldpolitik zu normalisieren“, sagte der im Januar auf den Chefposten der deutschen Zentralbank gewechselte Ökonom der Wochenzeitung „Die Zeit“ laut Vorabbericht vom Mittwoch.
„Nach meiner Einschätzung sind die ökonomischen Kosten deutlich höher, wenn wir zu spät handeln, als wenn wir frühzeitig handeln“, fügte er hinzu. Das zeigten auch Erfahrungen aus der Vergangenheit.
Er warnte andernfalls vor heftigen Folgen an den Aktienmärkten: „Wenn wir zu lange warten und dann massiver handeln müssen, können die Marktschwankungen stärker ausfallen.“
Seine Fachleute rechneten für Deutschland mit deutlich über vier Prozent Preissteigerung im Jahresdurchschnitt 2022, sagte Nagel. Er stellte Zinserhöhungen möglicherweise noch in diesem Jahr in Aussicht. Zunächst müssten aber die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen aufhören. „Der erste Schritt ist, die Nettoankäufe von Anleihen im Lauf des Jahres 2022 zu beenden. Dann könnten die Zinsen noch in diesem Jahr steigen“, sagte er.
EZB-Chefin Christine Lagarde hatte nach der jüngsten Zinssitzung ihre frühere Einschätzung nicht mehr wiederholt, wonach eine Zinswende 2022 sehr unwahrscheinlich sei. Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken: Der sogenannte Einlagesatz blieb bei minus 0,5 Prozent.
Bundesbankchef – Zinsen im Euroraum könnten noch dieses Jahr steigen
Frankfurt, 09. Feb (Reuters) – Der österreichische Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine zeigt sich nach einem Gewinnsprung in den ersten neun Monaten bei den Zielen für das Geschäftsjahr 2021/22 optimistischer als bisher. Von Januar bis Ende Dezember sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt worden, teilte der Thyssenkrupp-Rivale am Mittwoch mit.
Die Entwicklung sei auf eine robuste Nachfrage zurückzuführen, obwohl die Herausforderungen durch Corona, Versorgungsengpässe und hohe Energiekosten anhielten. Für das Gesamtjahr hält das Linzer Unternehmen nun eine Verdopplung des Ebitda auf 2,2 Milliarden Euro für möglich.
Bisher hatte Voestalpine eine Bandbreite von 1,9 bis 2,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im Vorjahr war ein Ebitda von 1,1 Milliarden erzielt worden. Das Schlussquartal 2021/22 sollte noch einmal eine deutliche Ergebnissteigerung gegenüber den bereits sehr guten Vorquartalen bringen, erklärte das Unternehmen am Mittwoch weiter. „Insbesondere die Lieferkettenprobleme in der Automobilindustrie scheinen im Herbst die Talsohle durchschritten zu haben.“
Die Folgen des Halbleitermangels in der Autoindustrie hatten Voestalpine zuletzt noch zu schaffen gemacht. Die Branche ist für Voestalpine wichtig, da der Konzern die deutschen Premium-Autobauer mit hochfesten Karosserieteilen und Blechen beliefert.
Weiterhin erfreuliche Trends gebe es im Luftfahrt- und Energiesegment. Der Eisenbahnbereich entwickele sich solide. Voestalpine ist Weltmarktführer in der Produktion von Komplettweichensystemen. Der Konzern hatte mit schwankenden Rohstoffkosten und dem sprunghaften Anstieg der Energiepreise gegen Ende des dritten Quartals zu kämpfen.
Konzernchef Herbert Eibensteiner sprach von höchst erfreulichen Zahlen. „Dass wir in einem nach wie vor instabilen Wirtschaftsumfeld sogar die Ergebnisse vor Ausbruch der Pandemie deutlich übertreffen konnten, bestätigt eindrucksvoll die strategische Ausrichtung und die Leistungsfähigkeit unseres Konzerns.“
In den ersten neun Monaten erhöhte sich der Umsatz um 36,7 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) drehte auf 947 Millionen Euro nach einem Verlust von 134 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Vorsteuergewinn erreichte fast 893 Millionen Euro nach einem Minus von 210 Millionen Euro.
Die Voestalpine-Aktie legte mehr als sechs Prozent zu.
Voestalpine nach Gewinnsprung zuversichtlicher für 2021/22
Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hält sich in der Frage einer Vollintegration der schwächelnden spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa bedeckt.
„Ich habe immer gesagt, wir müssen natürlich, wenn man so einen Schritt macht, auch zeigen können, dass wir Wert damit generieren für unsere Shareholder“, sagte Vorstandschefs Christian Bruch am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.
Im übrigen setze er darauf, dass die neue Führung bei Gamesa die Probleme in den Griff bekomme. Mehr könne er im Moment nicht sagen. Siemens Energy hält zwei Drittel der Anteile von Gamesa.
Siemens Energy – Vollintegration von Gamesa müsste Wert schaffen
Kopenhagen, 09. Feb (Reuters) – Die Zentralbank Islands hat ihren Leitzins kräftig auf 2,75 von 2,00 Prozent erhöht. Die Währungshüter reagierten damit am Mittwoch auf den auch auf der Nordatlantik-Insel deutlichen Preisauftrieb. Zuletzt hatten sie den Leitzins im November um einen halben Punkt angehoben. Die Teuerungsrate war zu Jahresbeginn weiter nach oben geschnellt – auf 5,7 Prozent.
Der im Zuge von Lieferengpässen und explodierenden Energiekosten zu beobachtende Trend zu höherer Inflation hat viele Zentralbanken weltweit zu Zinserhöhungen veranlasst. Die Bank of England hat den Schlüsselsatz binnen weniger Wochen zwei Mal erhöht. Die US-Notenbank steuert auf eine Zinswende im März zu, der weitere Anhebungen im laufenden Jahr folgen dürften.
Islands Notenbank zieht Zügel kräftig an – Leitzins steigt auf 2,75 Prozent
Hamburg, 09. Feb (Reuters) – Nach dem historischen Tiefstand im vergangenen Jahr rechnen die deutschen Autobauer mit einem Absatzplus. Der deutsche Pkw-Markt werde 2022 voraussichtlich um sieben Prozent auf 2,8 Millionen Fahrzeuge zulegen, teilte der Verband der Autoindustrie (VDA) am Mittwoch anlässlich seiner Jahrespressekonferenz mit.
Das wären immer noch deutlich weniger als in den Jahren vor der Pandemie, als meist mehr als drei Millionen Neuwagen auf die Straßen kamen.
Mit ihrer Prognose sind die deutschen Autobauer weniger optimistisch als die im VDIK zusammengeschlossenen ausländischen Hersteller. Der Importeursverband hatte für dieses Jahr einen Anstieg auf etwa drei Millionen Fahrzeuge vorhergesagt.
Seine schon im Dezember veröffentlichte Prognose verband der VDIK allerdings mit der Voraussetzung, dass sich die Versorgung mit Halbleitern normalisiert. Davon geht in der Branche zumindest für die erste Jahreshälfte kaum jemand mehr aus.
2021 hatte der Chipmangel die Pkw-Neuzulassungen mit 2,6 Millionen Einheiten auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gedrückt. Das waren zehn Prozent weniger als im Corona-bedingt schon schwachen Vorjahr.
Auch der Weltmarkt gewinnt laut VDA in diesem Jahr kaum an Fahrt. Hier erwartet der Verband mit einem Plus von vier Prozent ein ähnliches Wachstum wie 2021. Die Märkte in den USA und China dürften um zwei Prozent wachsen. Europa werde voraussichtlich um fünf Prozent wachsen, sei aber noch weiter vom Vorkrisenniveau entfernt.
VDA ALS KLIMASCHÜTZER
Mit Blick auf die Transformation der Branche forderte der Lobbyverband ein Ende der theoretischen Debatten um die Klimaziele. „Es geht um die konkrete Umsetzung des Beschlossenen. Klima und Industriepolitik werden zusammengeführt“, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Bei der Ladeinfrastruktur für E-Autos werde die Lücke größer statt kleiner. Wenn Deutschland sein bescheidenes Tempo beibehalte, würden 2030 gerade einmal rund 160.000 Ladepunkte erreicht – nicht einmal ein Sechstel der angestrebten eine Million. Um die schnell wachsende Zahl an Elektroautos zu versorgen, müsse außerdem der Ausbau des Stromnetzes entschlossener vorangetrieben werden.
Ein Marktkommentar von June Chua, Portfoliomanagerin, Asian Equities, Lombard Odier IM (LOIM):
Zweifellos war 2021 ein volatiles Jahr für asiatische Aktien und Schwellenländer im Allgemeinen. Bedenken in Bezug auf die Omikron-Variante, pandemiebedingte Lieferstörungen und das Durchgreifen der Behörden in China addierten sich zu einem Cocktail aus Herausforderungen, der die Anleger verunsicherte. Vier Gründe sprechen dafür, dass die Märkte reif für eine Neuausrichtung sind.
1. Chancen bei den wichtigsten asiatischen Aktienthemen
Aus unserer breiten Bottom-up-Perspektive bei LOIM sehen wir bei asiatischen Aktien Chancen bei drei gemeinsamen Themen: der vom Konsum getragenen Binnennachfrage, der anhaltenden Digitalisierung / digitalen Innovation und dem Übergang zur Kohlenstoffneutralität.
Dies sind unseres Erachtens langfristige Trends, die von Zeit zu Zeit von kurzfristigen Themen gestört werden könnten – zum Beispiel von Regulierungen, neuen Covid-19-Varianten, die vorübergehend Kontaktbeschränkungen erfordern, und geopolitischen Spannungen. Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass sich diese langfristigen Trends auf Sicht von mehreren Jahren durchsetzen werden.
2. Das Wachstum des Onlinemarketings in China
Chinas digitaler Marketingsektor geriet zwar 2021 unter Druck, erscheint aber langfristig vielversprechend. Der starke Konsum digitaler Medien durch chinesische Erwachsene und die gestiegene Marktdurchdringung des Online-Detailhandels trugen dazu bei, dass nach Angaben von PWC im Jahr 2020 75 % des Gesamtvolumens der Werbebudgets in China auf digitale Medien entfielen, gegenüber 60 % im weltweiten Durchschnitt.
Doch dieses Wachstum scheint die Sättigungsgrenze noch lange nicht erreicht zu haben. Vielmehr erweisen sich neue Trends wie Live-Streaming als attraktiv, sowohl für Massenanbieter als auch für Luxusmarken, die es auf das Geld der jungen Leute in China abgesehen haben. Die langfristige Förderung der Digitalwirtschaft durch die Regierung könnte auch das Onlinemarketing in China stützen.
3. E-Commerce-Boom in den Regionen ASEAN und Lateinamerika
Angesichts der pandemiebedingten Reisebeschränkungen in Teilen der Region ASEAN werden die Konsumenten, seien sie nun im Zentrum von Singapur, in einer Kleinstadt in Malaysia oder auf dem Land in Taiwan in Quarantäne, die Bequemlichkeit des Onlineeinkaufs sämtlicher Güter, von Gummisandalen über Feinkost zu Antibiotika oder sogar Mietlaufbändern, nicht verschmähen.
Bain & Company schätzt die Wirtschaftsleistung der Digitalwirtschaft der Region ASEAN auf USD 363 Mrd. im Jahr 2025 und USD 1 Bio. im Jahr 2030. Covid-19 beschleunigte die Digitalisierung, und die Branche bleibt nicht nur in China, sondern in ganz Asien auf Wachstumskurs.
Insbesondere konsumorientierte Unternehmen und Finanzinstitute betrachten dies eindeutig als wichtigen Treiber für zukünftiges Wachstum und investieren massiv, um ihren Kunden, vor allem der jungen Generation, eine unbeschwerte Reise in die Zukunft zu bieten.
Nach einer Schätzung von Eurometer wird sich der E-Commerce-Umsatz in Lateinamerika in den nächsten fünf Jahren auf USD 200 Mrd. (17 % Marktdurchdringung) mehr als verdoppeln. Das verheißt attraktive Anlagechancen im gesamten Onlineökosystem, insbesondere bei Marktplätzen und Fintech-Anbietern.
4. Metaversum
Das Metaversum bedeutet inzwischen mehr als nur die aktuellen VR-Headsets oder AR-Brillen (VR: virtuelle Realität; AR: erweiterte [augmented] Realität). Das Metaversum gilt nicht mehr nur als Tummelplatz ausgebuffter Spieler und junger Leute, die der Wirklichkeit entfliehen wollen, sondern könnte sich auch als Goldgrube für eifrige Anleger erweisen.
Wir sind optimistisch in Bezug auf die Technologie, die ein besseres immersives Erlebnis ermöglicht und dazu beiträgt, das Metaversum in einem realen Ökosystem zu skalieren. Diese Technologie könnte in den Bereichen Sensorik, Anzeigetechnik oder künstliche Intelligenz, die sich dank massiver F&E-Investitionen in der gesamten Lieferkette weiterentwickelt, angesiedelt sein. Luxusmarken wie Gucci, Balenciaga und Burberry1 haben bereits Pläne angekündigt, in mit dem Metaversum zusammenhängende Entwicklungen zu investieren. So wurde letztes Jahr eine digitale Handtasche von Gucci für USD 4’000 auf einer Spieleplattform verkauft, und alle Augen werden sich darauf richten, wie sich dieses Ökosystem weiterentwickelt.
Digitaler Medienkonsum in China noch lange nicht gesättigt
München, 09. Feb (Reuters) – Noch sind es nur wenige Elektroautos, die das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben und verschrottet werden. Doch mit dem raschen Hochlauf der Elektromobilität stellt sich für die Autoindustrie die Frage, was mit all den alten Autobatterien passieren soll. Teurer Sondermüll, brauchbare Speicher oder wertvoller Sekundär-Rohstoff – Autofirmen und Startups sind angetreten, um eine Lösung zu finden.
Dabei geht es auch um die Frage, wie klimaschonend Elektroautos überhaupt sind. „Eine Elektroauto-Batterie ist nur grün, wenn sie im Sinne der Kreislaufwirtschaft behandelt wird“, sagte Patrick Peter, Gründer und Chef des Startups Circunomics, Plattform für die Wiederverwendung und das Recycling von Batterien. „Und Second Life ist der größte Hebel, um die CO2-Bilanz zu reduzieren, weil die Batterie dann länger genutzt wird.“
Batterien altern mit jedem Mal, das sie geladen werden – ein Effekt, der dazu führt, dass sie immer weniger Energie speichern können und damit die Reichweite und Leistungsfähigkeit der Elektroautos im Laufe der Jahre schwindet. Autobauer geben auf ihre Batterien zumeist eine Garantie von rund 160.000 Kilometern oder fünf bis acht Jahren.
Danach schwindet die Kapazität der Batterie zu sehr und der Energiespeicher muss ausgetauscht werden. Im allgemeinen gelten rund 70 bis 80 Prozent der ursprünglichen Batteriekapazität als Grenze, ab der der Einsatz im Fahrzeug nicht mehr sinnvoll ist.
Danach können die Batterien aber durchaus noch weiter verwendet werden, etwa in Heimspeichern oder für gewerbliche Stromspeicher. „Je nach Anwendungsszenario kann die Batterie noch bis zu 15 Jahre genutzt werden“, sagt Circunomics-Experte Peter. „Dann fällt die Kapazität auf 50 bis 60 Prozent und die Batterie geht ins Recycling.“
Ein Konzept für eine solche Second-Life-Anwendung hat Audi auf den Weg gebracht: In Nürnberg ging im Dezember eine Schnellladestation in Betrieb, deren Herz aus gebrauchten Batterien besteht und die sechs Lademöglichkeiten für Elektroautos bietet. „Der Vorteil ist, dass die Batterien in diesen Second-Life-Anwendungen nicht mehr so stark strapaziert werden wie im Auto“, sagte ein Audi-Sprecher. Vor allem seien die Ströme geringer. „Second-Life-Anwendungen kann man sehr lange betreiben.“
Audi verwendet in diesen Speichern derzeit die ausgemusterten Batterien aus Testfahrzeugen. Dabei zeige sich, dass die Akkus langsamer alterten als angenommen, sagte Stefan Waltl, bei dem Ingolstädter Autobauer für die Second-Life-Anwendungen zuständig: „92 Prozent der Module können weiterverwendet werden, ihre Kapazität liegt in der Regel über 90 Prozent, das ist ein sehr guter Wert.“ Dabei seien die Batterien vorher nicht geschont worden: „Die Erprobungsfahrzeuge stellen extremste Szenarien dar, extreme Klimazonen, Hunderttausende Kilometer, Übernutzung – die Batterien halten viel länger, als man angenommen hat.“
Auch Versorger wie EnBW oder Industriebetriebe wie der Autozulieferer Webasto setzen in Pilotprojekten auf gebrauchte Autobatterien für stationäre Speicher, die etwa Stromspitzen abfedern oder Solarstrom für bedeckte Tage vorhalten sollen. Dazu kommen Privathäuser – ein Markt, den etwa das Startup Voltfang in den Blick genommen hat.
Voltfang-Gründer David Ousandji verweist auf Prognosen, wonach der Markt für derartige Speichersysteme kräftig wächst. „Wir machen uns keine Sorgen, genügend Abnehmer für unsere Batterien zu finden“, sagt er.
Und dennoch könnten die Second-Life-Anwendungen wohl nur für eine Übergangszeit in Frage kommen. Denn die fallenden Preise für neue Batterien und immer ausgefeiltere Technik, um die Rohstoffe aus den alten Batterien zurückzugewinnen, könnten am Ende dafür sorgen, dass ein zweiter Einsatz der Akkus sich irgendwann nicht mehr lohnt. Theoretisch müsste die Wiederverwendung der ganzen Module wirtschaftlicher sein als das Recycling, sagt Jakob Fleischmann, Experte bei der Beratungsfirma McKinsey. „Die Realität zeigt aber, dass es anders ist.“
Am Ende ist es schlichtweg das Geld: „Ob die Batterien weiter genutzt werden können, hängt davon ab, wie viel Geld man beim Recycling wieder hereinbekommt – je teurer die Rohstoffe sind, desto attraktiver ist das Recycling.“ Deshalb sei für den wirtschaftlichen Erfolg der Second-Life-Anwendungen nicht zuletzt die Batteriechemie entscheidend: Bei Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) seien weniger teure Rohstoffe enthalten, so dass sich die Weiterverwendung im Vergleich mit dem Recycling lohne. Bei den derzeit vor allem eingesetzten Nickel-Mangan-Kobalt-Batterien (NMC) sei es sehr bald schon umgekehrt.
Zu gut für den Schredder – Neues Leben für alte Auto-Akkus
London, 09. Feb (Reuters) – Der Finanzinvestor Warburg Pincus steigt bei der Schweizer Barcode-Scanner-Firma Scandit ein. Warburg Pincus hat sich eigenen Angaben vom Mittwoch zufolge an einer Kapitalerhöhung im Volumen von insgesamt 150 Millionen Dollar an der Gesellschaft aus Zürich beteiligt.
Die 2009 gegründete Scandit steige mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar zu einem sogenannten Einhorn auf. Auch Schneider Electric, Atomico und Forestay Capital hätten Geld in die Firma investiert.
Mit dem Geld wolle Scandit die Markteinführung seiner Datenerfassungstechnologie unterstützen, mit der Einzelhändler Barcodes scannen könnten, um den durch die Pandemie ausgelösten Boom des Onlinehandels besser bewältigen zu können. „Wir sehen ein enormes langfristiges Potenzial, da der Markt für intelligente Datenerfassung noch in den Kinderschuhen steckt und Scandit der Marktführer ist“, sagte Warburg-Manager Flavio Porciani der Nachrichtenagentur Reuters.
Zu den Scandit-Kunden zählten American Eagle Outfitters und FedEx. Zudem wurde die Firma vergangenes Jahr vom britischen National Health Service ausgewählt, das Covid-Testverfahren zu digitalisieren.
Warburg Pincus steigt bei Schweizer Technologiefirma Scandit ein
Berlin, 09. Feb (Reuters) – Die deutschen Exporteure haben sich im vergangenen Jahr trotz Materialengpässen und gestörten Lieferketten vom Corona-Schock 2020 erholt. Ihre Ausfuhren wuchsen im Gesamtjahr um 14,0 Prozent auf den Rekordwert von 1375,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Sie übertrafen damit das Niveau des Vorkrisenjahres 2019 um 3,6 Prozent. Die Importe legten 2021 sogar um 17,1 Prozent zu und erreichten mit 1202,2 Milliarden Euro ebenfalls eine neue Bestmarke – nicht zuletzt wegen stark gestiegener Preise für Energieimporte wie Erdgas. Der im Ausland viel kritisierte deutsche Exportüberschuss summierte sich auf 173,3 Milliarden Euro, womit er das fünfte Jahr in Folge sank.
Die Chancen auf einen anhaltenden Aufschwung im laufenden Jahr stehen nicht schlecht. Die exportabhängige deutsche Industrie sitzt auf einem rekordhohen Auftragsberg, der wegen Materialengpässen nicht im eigentlich möglichen Tempo abgetragen werden kann. Viele Experten gehen aber davon aus, dass sich die Lage bei der Versorgung mit wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern und Rohstoffen im Laufe des Jahres entspannen wird. „Volle Auftragsbücher von Industrieunternehmen sind eine gute Basis für weiteres Exportwachstum“, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. „Omikron und Lieferketten werden darüber entscheiden, wie kräftig dieses sein wird.“
„TEUERUNGSSCHUB DROHT“
Allerdings gibt es auch jede Menge Risiken. „Wenn die Energiepreise auf dem Weltmarkt nicht bald wieder etwas nachgeben, droht in den kommenden Monaten ein weiterer Teuerungsschub“, warnte der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien. „Der könnte deutsche Haushalte und deutsche Unternehmen belasten und damit auch die Erholung dämpfen.“ Geopolitische Konflikte wie etwa die aktuellen Spannungen an der Ostgrenze der Ukraine schlagen zudem auf das Gemüt vieler Exporteure. „Russland ist keine Top-Handelsnation für Deutschland“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Allerdings importiere Deutschland aus Russland entscheidende Rohstoffe, allen voran Gas, Öl und Metalle. „Ohne diese Rohstoffe funktioniert die deutsche Exportmaschinerie nur eingeschränkt“, sagte Gitzel. „Ob es für Deutschland ein gutes Exportjahr 2022 wird, hängt also auch davon ab wie es im Osten der Ukraine weiter geht.“
Besonders die Nachfrage aus den USA nach Waren „Made in Germany“ zog im vergangenen Jahr an: Die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft wuchsen um 18,0 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro. Die Vereinigten Staaten blieben damit größter deutscher Exportkunde, gefolgt von China. Die Ausfuhren in die Volksrepublik legten um 8,1 Prozent auf 103,6 Milliarden Euro zu, die nach Frankreich um 12,6 Prozent auf 102,3 Milliarden Euro. Die meisten Importe kamen 2021 aus der Volksrepublik China. Von dort wurden Waren im Wert von 141,7 Milliarden Euro eingeführt, ein Plus von 20,8 Prozent zum Vorjahr.
Am Jahresende zeigten sich die Exporteure in überraschend guter Form: Im Dezember legten die Ausfuhren um 0,9 Prozent zum Vormonat zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet.
Exporte erreichen 2021 Rekordniveau – Viele Risiken für 2022
Spectrum Markets, der paneuropäische Handelsplatz für verbriefte Derivate, hat seine SERIX-Daten zur Stimmung der europäischen Privatanleger für den Monat Januar veröffentlicht (weitere Informationen zur Methodik siehe unten). Er zeigt, dass sich alle drei US-Indizes inmitten des volatilen Handels rund um die Januar-Sitzung der Federal Reserve im positiven Bereich bewegten (der NASDAQ 100 mit einem SERIX-Wert von 103, der S&P mit 102 und der DOW Jones mit 101) und damit Kaufaktivitäten signalisierten. Ebenso erreichte der US-Dollar gegen Ende Januar einen neuen Höchststand gegenüber anderen Währungen.
Der Januar war für US-Indizes von starker Volatilität geprägt, insbesondere angesichts der Bemühungen der amerikanischen Zentralbank, die Inflation zu bekämpfen sowie der Ungewissheit über die Geldpolitik bei den Zinssätzen. Angesichts der anhaltend hohen Volatilität verzeichnete Spectrum Markets am 24. Januar im Vorfeld der FOMC-Sitzung einen Rekordhandelstag mit über 22.000 Trades.
„Die Fed steht derzeit unter dem Druck, die Zinssätze anzuheben, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Der Markt scheint davon überzeugt zu sein, dass Jerome Powell und sein Team gute Arbeit leisten, wenn es darum geht, das fragile Gleichgewicht zwischen der Bekämpfung von Inflationsrisiken und dem Potenzial für eine wirtschaftliche Gegenreaktion zu wahren. Die Fed hat angedeutet, dass sie die Zinssätze ab März schrittweise anheben wird, um das Gefühl einer extremen Straffung zu vermeiden. Der Markt scheint diese Art von vorsichtiger Politik zu begrüßen“, erklärt Michael Hall, Head of Distribution bei Spectrum Markets.
Im Januar wurden 87,5 Millionen verbriefte Derivate auf Spectrum Markets gehandelt, wobei 38,4 % der Geschäfte außerhalb der traditionellen Handelszeiten (d. h. zwischen 17:30 und 9:00 Uhr MEZ) stattfanden. 88,6 % der gehandelten Derivate bezogen sich auf Indizes, 5 % auf Währungspaare,
5,1 % auf Rohstoffe und 1,3 % auf Aktien, wobei die drei am häufigsten gehandelten Underlyings der DAX 40 (27,9 %), der S&P 500 (18 %) und der NASDAQ 100 (16,6 %) waren.
Betrachtet man die SERIX-Daten für die drei wichtigsten Basismärkte, so blieben der NASDAQ 100 und der DAX 40 mit 103 bzw. 100 relativ unverändert. Unterdessen stieg der S&P 500 leicht von 98 auf 102, womit er wieder in den bullishen Bereich gelangte.
Abb.: SERIX Januar 2022 für Dow Jones, S&P50 und NASDAQ (Quelle: Spectrum Markets)
FED-Sitzung im Januar befeuert das Interesse der Privatanleger an US-Indizes
Titelbild und Foto: Abbildung der SERIX-Daten des Dow Jones, S&P500 und des NASDAQ