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Donnerstag, Februar 2, 2023

Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland steigt 2022 auf Rekordniveau

Expertenmeinungen

Berlin, 02. Jan – Trotz Energiekrise, Rezessionssorgen, hoher Inflation und Materialengpässen ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen. Sie nahm um 589.000 oder 1,3 Prozent auf rund 45,6 Millionen zu, weil vor allem Dienstleister wie Handel und Geschäfte nach dem Abflauen der Corona-Pandemie wieder mehr Mitarbeiter beschäftigen. „Das waren so viele wie noch nie seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990“, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2019 von 45,3 Millionen Erwerbstätigen wurde damit um rund 292.000 überschritten.

2020 hatte die Corona-Krise den zuvor über 14 Jahre anhaltenden Anstieg der Erwerbstätigenzahl beendet und zu einem Rückgang um 362.000 geführt, dem 2021 ein leichter Anstieg von 65.000 folgte. Experten gehen allerdings davon aus, dass der Höhepunkt bei der Beschäftigung schon bald erreicht werden dürfte, da die geburtenstarken Jahrgänge („Baby-Boomer“) das Rentenalter erreichen.

„Eine Ursache für die Beschäftigungszunahme im Jahr 2022 war die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte“, erklärten die Statistiker. „Hinzu kam eine gesteigerte Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung.“ Diese beiden Wachstumsimpulse überwogen demnach die dämpfenden Effekte des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt, der mittelfristig zu einem deutlichen Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter führen dürfte. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht davon aus, dass die Erwerbstätigkeit in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreichen wird. Ab 2024 soll die Zahl dann sinken. „Gedämpft wird die Arbeitsnachfrage der Unternehmen in erster Linie von den wirtschaftlichen Folgen der Energiekrise, aber auch die kräftige Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro dürfte negative Beschäftigungseffekte hervorrufen“, so die Forscher.

DIENSTLEISTER STOCKEN AUF

93 Prozent des Beschäftigungsaufbaus im vergangenen Jahr geht den Angaben zufolge auf die Dienstleister zurück. Hier gab es eine Zunahme um 548.000 Personen oder 1,6 Prozent. Das größte absolute Plus verzeichnete dabei der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit 189.000. „Diese Branche hatte bereits während der Corona-Jahre 2020 und 2021 ihre Erwerbstätigenzahl in ähnlicher Größenordnung gesteigert“, erklärte das Statistikamt. Auch der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit plus 180.000 Erwerbstätigen beschäftigte mehr Menschen, ebenso Unternehmensdienstleister mit plus 88.000 Personen. Diese beiden Branchen konnten gleichwohl nicht ihre Verluste aus den beiden Corona-Vorjahren ausgleichen. 

Im Produzierenden Gewerbe stieg die Erwerbstätigenzahl dagegen nur um 31.000 oder 0,4 Prozent auf rund 8,1 Millionen Personen, im Baugewerbe gab es eine Zunahme von 13.000 Erwerbstätigen oder 0,5 Prozent auf rund 2,6 Millionen. Im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei waren hingegen 3000 Personen weniger erwerbstätig als 2021, was einem Rückgang von 0,5 Prozent auf 558.000 entspricht.

Entscheidend für die positive Entwicklung war die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die im Jahresdurchschnitt um 643.000 oder 1,6 Prozent wuchs. „Zu diesem Anstieg trug maßgeblich die positive Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bei“, so die Behörde. Bei den Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger setzte sich dagegen der seit nunmehr elf Jahren andauernde Abwärtstrend fort: Ihre Zahl sank um 54.000 Personen auf 3,9 Millionen.

Zuletzt schwächte sich die Nachfrage der deutschen Wirtschaft nach Arbeitskräften allerdings etwas ab: Sie fiel im Dezember angesichts der erwarteten Winterrezession so niedrig aus wie seit über einem Jahr nicht mehr. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit sank im Vergleich zum Vormonat um einen Punkt auf 127 Zähler. Das ist der schlechteste Wert seit Oktober 2021. „Die Kräftenachfrage wurde in den letzten Monaten vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten spürbar schwächer, liegt aber weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau“, erklärte die Bundesagentur die Entwicklung. 

Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland steigt 2022 auf Rekordniveau

Quelle: Reuters

Titelfoto: Bild von alcangel144 auf Pixabay

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