Ukraine unter Beschuss – Vage Hoffnung auf Gespräche

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Kiew, 26. Feb (Reuters) – Russland hat seine Offensive in der Ukraine mit Raketen- und Artillerieangriffen verschärft und einem russischen Agenturbericht zufolge die Stadt Melitopol unter Kontrolle gebracht. Die Einnahme von wurde jedoch von Großbritannien in Zweifel gezogen. Melitopol liegt zwischen den Separatistengebieten in der Ostukraine und der von Russland annektierten Krim.

In der Hauptstadt Kiew heulten am Samstag wieder die Sirenen, um die Bewohner der Millionenstadt vor Luftangriffen zu warnen. In der Nacht war es zu Gefechten gekommen, bei denen laut Bürgermeister Vitali Klitschko Dutzende Menschen verletzt wurden. Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte in einer neuen Videobotschaft seinen Durchhaltewillen. Zugleich signalisierte er wie auch Russlands Präsident Wladimir Putin Gesprächsbereitschaft.

Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf das Moskauer Verteidigungsministerium, russische Truppen hätten Melitopol erobert. Die Angaben zu der Stadt mit 150.000 Einwohnern im Südosten der Ukraine konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Der britische Streitkräfteminister James Heappey sagte jedoch in der BBC, es gebe keine Hinweise, die diese Darstellung bestätigten. Alle von Russland zu Beginn ausgegebenen Ziele seien noch immer in ukrainischer Hand.

WIDERSPRÜCHE ZU ZIELEN DER RUSSISCHEN ANGRIFFE

Vom Schwarzen Meer aus feuerte Russland nach ukrainischen Angaben Marschflugkörper auf die Städte Mariupol, Sumy und Poltawa. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, es seien militärische Ziele ins Visier genommen und Hunderte davon zerstört worden. Es würden keine Städte angegriffen und alle Maßnahmen ergriffen, um Opfer unter Zivilisten zu vermeiden. 

Ein Berater des Kiewer Innenministeriums wies diese Darstellung als Lüge zurück. Mindestens 40 Wohngebäude seien bereits beschossen worden, erst am Samstagmorgen habe eine Rakete ein solches Haus in Kiew getroffen. Dabei habe es keine Toten gegeben.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kiew wurden seit Beginn der Invasion am Donnerstag mindestens 198 Ukrainer, darunter drei Kinder getötet. Mehr als 1100 Menschen – davon 33 Kinder – seien verletzt worden, erklärte das Ministerium laut der Nachrichtenagentur Interfax. Es blieb unklar, wie viele Zivilisten insgesamt unter den Opfern waren.

Laut Bürgermeister Klitschko wurden allein in Kiew in der Nacht zum Samstag 35 Verletzte gezählt, darunter zwei Kinder. Am Rande der Hauptstadt kam es zu Gefechten, im Stadtzentrum war immer wieder heftiger Artilleriebeschuss zu hören. Die ukrainische Luftwaffe berichtete von schweren Kämpfen in der Nähe des Flughafens Wassylkiw im Südwesten der Hauptstadt. Dort seien russische Fallschirmjäger abgesetzt worden. Einer der ukrainischen Kämpfer habe ein russisches Transportflugzeug abgeschossen. Unabhängige Bestätigungen gab es vorerst nicht. 

RUSSLAND WILL IN MINSK REDEN – UKRAINE IN WARSCHAU

„Wir werden die Waffen nicht niederlegen, wir werden unseren Staat verteidigen“, sagte der ukrainische Präsident in dem Video, das ihn offenbar vor seinem Amtssitz in Kiew zeigt. Er selbst werde in Kiew bleiben, bekräftigte Selenskyj. Zuvor hatte er erklärt, er sei Russlands „Zielscheibe Nummer eins“.

Russlands Präsident Putin hatte die Kiewer Regierung zuvor beschimpft und das Militär aufgefordert, Selenskyj zu stürzen. Zugleich signalisierte Russland Bereitschaft zu einem Treffen beider Seiten in der belarussischen Hauptstadt Minsk. Die Ukraine hat Warschau als Verhandlungsort ins Gespräch gebracht. 

Die Ukraine hatte erklärt, sie sei auch bereit, sich zur Neutralität zu bekennen. Am Samstag twitterte Selenskyj, jetzt sei „ein entscheidender Moment“, um über eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU zu entscheiden. Er habe mit EU-Ratspräsident Charles Michel über „weitere effektive Hilfe und den heroischen Kampf der Ukrainer für ihre Zukunft in Freiheit“ gesprochen.

Nach einem monatelangen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine hatte Russland am Donnerstag Angriffe auf die benachbarte Ex-Sowjetrepublik gestartet und damit weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Ukraine hofft auf eine Aufnahme in die EU und die Nato, was beides offiziell nicht auf der Tagesordnung steht. Putin wirft dem Westen vor, mit der Osterweiterung der Nato Sicherheitsbedenken Russlands ignoriert zu haben. Der Ukraine spricht er ab, ein legitimer Staat zu sein.

SANKTIONEN GEGEN PUTIN UND LAWROW – SWIFT UMSTRITTEN

Die USA, die EU, Großbritannien, Japan und weitere Länder haben eine Reihe von Sanktionen gegen Russland beschlossen, zuletzt unter anderem auch gegen Präsident Putin und Außenminister Sergej Lawrow. Die westlichen Staaten ringen zudem um weitere Vergeltungsmaßnahmen.

Gegen einen Ausschluss Russlands aus dem globalen Zahlungssystem Swift gibt es aber noch Vorbehalte. Ein Zentralbankvertreter aus der Euro-Zone erklärte jedoch am Samstag, mit diesem Schritt sei vermutlich binnen Tagen zu rechnen. 

Auf Initiative von Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki ist für Samstag ein Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz und dem litauischen Präsidenten Gitanas Nauseda in Berlin geplant. „Die Europäische Union muss sofort ein Paket von schonungslosen, harten Sanktionen gegen Russland verabschieden“, erklärte ein polnischer Regierungssprecher.

Ukraine unter Beschuss – Vage Hoffnung auf Gespräche

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Titelfoto: Symbolfoto 

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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