Thyssen-Stahl-Betriebsratschef rechnet im April mit Kurzarbeit

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Düsseldorf, 18. Mrz (Reuters) – In der von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs gebeutelten Stahlsparte von Thyssenkrupp wird es nach Einschätzung der Arbeitnehmervertreter in wenigen Wochen Kurzarbeit geben. „Kurzarbeit wird im April kommen. Aber nicht sofort“, sagte Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol am Freitag. „Wir haben vorher genügend flexible Instrumente, um die Kurzarbeit abzuwenden.“ Die Automobilindustrie – wichtigster Kunde des Unternehmens – nehme weniger Mengen ab. „Das trifft uns unmittelbar. Der Vorstand hat angekündigt, dass die Produktion verringert wird.“

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hatte in dieser Woche wegen der Einbußen in Folge des Ukraine-Kriegs einen Teil der Prognose für das Geschäftsjahr 2021/22 zurückgenommen und hinter der geplanten Verselbstständigung der Stahlsparte ein großes Fragezeichen gesetzt. Neben der schwächelnden Nachfrage der Automobilkunden kämpft die Schwerindustrie mit stark gestiegen

Rohstoff- und Energiekosten. Thyssenkrupp Steel Europe sollte bislang das Konzernergebnis maßgeblich nach oben treiben.

QUO VADIS THYSSENKRUPP STEEL? EINE NEVER ENDING STORY 

„Für eine Verselbstständigung müssen die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte Nasikkol, der auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. „Dazu gehört unter anderem die Mitgift des Konzerns und damit die finanzielle Tragfähigkeit eines selbständigen Stahlbereichs.“ Die Stahlsparte könne aber auch Teil des Konzerns bleiben – wenn die Rahmenbedingungen stimmten.

Die Zukunft des konjunkturanfälligen Stahlgeschäfts mit gut 26.000 Beschäftigten ist seit Jahren offen. Eine Fusion mit Tata Steel EuropeTISC.NS war ebenso gescheitert wie ein Übernahmeversuch von Liberty Steel. „Eine europäische Konsolidierung ist kartellrechtlich schwierig“, betont Nasikkol. In Deutschland sehe man die Notwendigkeit nicht. „Im Moment sind Fusionen kein Thema.“ Eine Landesbeteiligung an der Stahlsparte – wie sie unter anderem die SPD in NRW vorschlägt – würde der IG Metall-Vertreter begrüßen. „Es macht Sinn, mit einem starken Ankeraktionär die Transformation voranzutreiben.“

Die milliardenschweren Pläne zum Umbau auf eine klimafreundliche Stahl-Produktion dürfen Nasikkol zufolge nicht vernachlässigt werden. „Wir erwarten aus Essen eine klare Richtungsentscheidung noch in diesem Jahr. Nichtstun ist keine Option. Abwarten auch nicht. Ich fordere Klarheit für den Stahl.“ Die Weichen dafür müssten auf der nächsten Aufsichtsratssitzung des Konzerns am Donnerstag kommender Woche gestellt werden. „Frau Merz hat immer gesagt, sie liebt den Stahlbereich. Das ist gut, aber von Luft und Liebe können wir nicht leben. Wir brauchen jetzt Fakten und Maßnahmen, mit denen sie ihre Liebe unter Beweis stellt.“ Dabei gehe es um Geld und Unterstützung. „Bis jetzt vermissen wir diese Liebe.“

Thyssenkrupp will bereits in wenigen Jahren eine milliardenschwere Anlage in Betrieb nehmen, die mit Wasserstoff klimafreundlich Stahl produzieren kann. Nasikkol sieht beim Umbau der Produktion und der Sicherung der Branche auch den Bund in der Pflicht. „Ich fordere die Bundesregierung auf, bis Ostern im Rahmen des angekündigten Ergänzungshaushaltes ein Maßnahmenpaket auf dem Weg zubringen, das Verbraucher und Unternehmen, insbesondere die energieintensiven Industrien, spürbar entlastet.“ Es dürfe nicht sein, dass Stahlwerke angesichts der hohen Energie- und Rohstoffpreise ihre Werke runterfahren müssten. 

Für die bevorstehende Kurzarbeit hätten die Arbeitnehmervertreter und der Stahlvorstand bereits eine Vereinbarung getroffen, die eine Aufstockung und eine Pauschale vorsehe. „Damit werden die Kolleginnen und Kollegen sehr gut geschützt. Das ist ein wichtiges und richtiges Signal in diesen Zeiten“, betonte Nasikkol.

Thyssen-Stahl-Betriebsratschef rechnet im April mit Kurzarbeit

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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