Schweizer Notenbank dürfte Trend zu steigenden Zinsen nicht folgen

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Zürich, 22. Mrz (Reuters) – Eine Änderung des Leitzinses in der Schweiz ist nach einhelliger Einschätzung von Ökonomen trotz des jüngsten Inflationsanstiegs nicht absehbar. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte am Donnerstag bei ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung an ihrem Leitzins von minus 0,75 Prozent festhalten, prognostizieren alle 33 von Reuters befragte Wirtschaftsexperten. Auch die Strafzinsen für Geld, das Banken bei der Zentralbank parken, dürfte bei 0,75 Prozent bleiben. Frühestens im dritten Quartal rechnet einer der Befragten mit einer Zinserhöhung.

Ökonomen sehen die Schweizer Währungshüter weniger stark unter Zugzwang als etwa die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed. „Die Tatsache, dass die Inflation viel niedriger ist als in der Euro-Zone, bedeutet auch, dass die Schweizer Zentralbank weniger unter Druck steht, die Politik zu straffen“, sagte David Oxley von Capital Economics.

Zwar stiegen die Verbraucherpreise in der Alpenrepublik im Februar im Jahresabstand um 2,2 Prozent – so stark wie letztmals 2008 und stärker als von der SNB angepeilt, die eine Teuerung zwischen null und zwei Prozent anstrebt. In der Euro-Zone, dem größten Exportmarkt der Schweiz, indes betrug die Inflation rekordhohe 5,9 und in den USA 7,9 Prozent.

Die US-Notenbank hatte in der vergangenen Woche mit der ersten Zinserhöhung seit Jahren auf die hohe Inflation reagiert und will kräftig nachlegen. Und die EZB bereitete jüngst den Boden für eine Zinswende.

„An den Zinsen wird die SNB diese Woche nicht schrauben“, sagte Thomas Stucki, Anlagechef bei der St. Galler Kantonalbank. Obwohl auch in der Schweiz die Inflation anziehe, seien die Rahmenbedingungen für die SNB nicht schlecht und der Druck, rasch etwas zu ändern, sei nicht groß. Dank der im Vergleich zu den umliegenden Ländern und den USA tiefe Teuerung verbesserten sich auch die Rahmenbedingungen für die Exportwirtschaft.

Das erlaube es der SNB, eine gewisse Aufwertung des Frankens zuzulassen. Die Schweizer Devise war Anfang März zum EuroEURCHF= auf den höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren gestiegen: Erstmals seit Abkehr der SNB von der Euro-Anbindung kostete die Schweizer Hauptexportwährung vorübergehend weniger als einen Franken. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,0275 Franken bezahlt.

„Die Parität ist mehr ein Schlagwort für Analysten und Finanzkommentatoren als für eine Zentralbank, die sich eher an den Fundamentaldaten orientiert“, sagte GianLuigi Mandruzzato, Ökonom bei der EFG Bank. Dass die SNB zuletzt weniger stark gegen eine Aufwertung der Landeswährung vorging, war auch dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht der Notenbank zu entnehmen. Die Zentralbank kaufte im vergangenen Jahr Fremdwährungen für 21,1 Milliarden Franken, nachdem sie sich 2020 noch mit 110 Milliarden Franken gegen einen wirtschaftsschädlichen Anstieg der in Krisenzeiten als sicherer Hafen gefragten Devise gestemmt hatte.

Mehrheitlich gehen Volkswirte davon aus, dass die SNB zuwarten wird, bis die EZB die Zinsen anhebt, bevor sie nachzieht. Den Franken dürfte das dreiköpfige Direktorium um SNB-Chef Thomas Jordan weiterhin als „hoch bewertet“ bezeichnen und damit an der zuletzt verwendeten Einstufung festhalten. Die SNB stemmt sich seit Januar 2015 mit Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen gegen eine übermäßige Aufwertung der Landeswährung. Ein starker Franken verteuert Schweizer Waren im Ausland und macht sie damit weniger konkurrenzfähig.

Schweizer Notenbank dürfte Trend zu steigenden Zinsen nicht folgen

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