Frankfurt, 24. Mai (Reuters) – Ein Rekordkurssturz bei Snap hat Anleger an den US-Börsen am Dienstag geschockt. Die Aktien des Snapchat-Betreibers brachen nach einer Gewinnwarnung um 37 Prozent ein und rissen weitere Technologie-Aktien mit nach unten.
Der Nasdaq-Index fiel um 2,4 Prozent auf 11.256 Punkte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,5 Prozent auf 31.714 Stellen nach. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,3 Prozent auf 3922 Zähler.
Die heruntergeschraubten Erwartungen von Snap für das laufende Quartal seien ein Indiz für die sich verschlechternde Konjunktur und das Werbegeschäft, sagte Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies. Titel stark werbeabhängiger Firmen wie Twitter, Google-Mutter Alphabet, Meta Platforms und Pinterest rutschten zwischen 2,8 und 17 Prozent ab.
„Wenn die (wirtschaftlichen) Aussichten düsterer sind, werden die Werbeausgaben reduziert. Dies wird die Anleger in schlechte Laune versetzen und mehr Gewitterwolken erzeugen, genau zu dem Zeitpunkt, als viele hofften, dass der Markteinbruch kurz vor der Talsohle steht“, sagte Investment-Experte Russ Mould vom Vermögensverwalter AJ Bell.
Aktien von Abercrombie & Fitch stürzten um knapp 30 Prozent ab, nachdem der Bekleidungseinzelhändler seinen Umsatzausblick für das Gesamtjahr gesenkt hat.
Davos/Kiew, 24. Mai (Reuters) – EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisiert das Vorgehen Russlands auch mit Blick auf die Blockade von Getreidelieferungen aus der Ukraine scharf. „Es ist beschämend“, sagte von der Leyen am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Russland bombardiere bewusst Getreidesilos in der Ukraine und blockiere Häfen wie Odessa, damit das Getreide dort nicht exportiert werden könne.
Zugleich halte Russland eigene Getreide-Exporte zurück, um von weiter explodierenden Preisen politisches Kapital schlagen zu können. Präsident Wladimir Putin nutze „den Hunger als Instrument der Macht“. Es müsse jetzt alles getan werden, das Getreide aus der Ukraine zu bekommen, um damit die Ärmsten der Armen versorgen zu können, sagte sie.
In den ukrainischen Häfen, allen voran im größten in Odessa, liegen Millionen Tonnen Getreide in den Silos, die nicht exportiert werden können, weil die russische Marine eine Ausfahrt blockiert. Hauptabnehmer sind normalerweise Länder im Nahen Osten und Nordafrika, wo sich vereinzelt bereits eine Verschärfung der ohnehin bestehenden Hungersnot abzeichnet. Der Westen wirft Russland vor, dies gezielt als politische Waffe einzusetzen. Die Regierung in Moskau kontert mit dem Argument, dass die westlichen Sanktionen gegen Russland für die steigenden Preise und die Nahrungsmittelkrise verantwortlich seien. Damit findet Russland vor allem in Afrika Gehör.
Die westlichen Staaten suchen nach Wegen, das Getreide aus der Ukraine herauszubekommen. „Wir schauen uns alle möglichen Optionen an“, sagte der britische Verkehrsminister Gran Shapps. Um Hungersnöte zu vermeiden, müssten Lösungen gefunden werden. Er habe dies schon mit dem ukrainischen Infrastruktur-Minister Olexander Kubrakow besprochen. Neben einer potenziell gewaltsam durchgesetzten Verschiffung des Getreides aus den blockierten Häfen gäbe es nur die Möglichkeit eines Transports über die Straße, die Schiene oder die Binnenschifffahrt.
„SIE ZERSTÖREN DIE STADT EINFACH“
Im Kriegsgeschehen versuchten die russischen Streitkräfte unterdessen weiter, die ukrainischen Truppen im Gebiet der Zwillingsstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk nordwestlich von Luhansk im Osten einzukesseln. „Der Feind hat seine Bemühungen auf eine Offensive konzentriert, um Lyssytschansk und Sjewjerodonezk zu umzingeln“, sagte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj. In der Region Luhansk gehören beide Städte noch zu den wenigen, die von ukrainischen Truppen gehalten werden. „Sie zerstören die Stadt einfach“, sagte Gajdaj im Fernsehen. Reuters konnte die Berichte unabhängig nicht prüfen. Reuters-Journalisten sahen aber , wie sich ukrainische gepanzerte Fahrzeuge, Panzer, Raketenwerfer und Busse mit Soldaten in Richtung Front bewegten.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstrich unterdessen den Willen und die Fähigkeit der Allianz, einer Aggression Russlands entgegenzutreten. „Wir können jede Aggression sofort beantworten“, sagte Stoltenberg in Davos. Zugleich betonte er aber: „Wir möchten keinen Konflikt provozieren, wir wollen Frieden.“ Putin habe weniger Nato an seinen Grenzen gewollt und dafür einen Krieg provoziert. „Jetzt bekommt er mehr Nato an seinen Grenzen.“ Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny bezeichnete Putin als einen „Verrückten“. „Das ist ein dummer Krieg, den Euer Putin angefangen hat“, sagte Nawalny in einer live übertragenen Anhörung vor einem Moskauer Gericht. „Dieser Krieg basiert auf Lügen.“
Russland wegen Getreide-Strategie zunehmend unter Druck
Brüssel/Berlin, 24. Mai (Reuters) – Deutschland dringt nach Beratungen der europäischen Finanzminister auf eine baldige Normalisierung der Verschuldung. „Wir brauchen keine Stimulierung der Konjunktur“, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Dienstag in Brüssel. Das sei in der Coronavirus-Pandemie anders gewesen. „Jetzt geht es darum, Druck von den Preisen zu nehmen.“ Deswegen müsse die lockere Finanzpolitik ein Ende finden, die Neuverschuldung reduziert werden.
„Inflation ist ein ernstzunehmendes Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung“, sagte Lindner. Es drohten Kaufkraftverluste und weniger Investitionen. Alle EU-Staaten seien sich einig, dass die Bekämpfung der Inflation eine der Prioritäten sein müsse. Das Jahr 2023 sollte bereits für eine Konsolidierung der Finanzen genutzt werden, in Deutschland und Europa. Allerdings hatte die EU-Kommission erst am Montag vorgeschlagen, die Schuldenregeln wegen der hohen Unsicherheit im Zuge des Krieges in der Ukraine 2023 noch ausgesetzt zu lassen. Damit sind weiterhin hohe Defizite erlaubt. Lindner bekräftigte, eine Rezession sei nicht in Sicht, die Arbeitsmärkte stabil. Alle Daten hätten dafür gesprochen, die Ausnahmeklausel nicht noch einmal zu ziehen.
Bei der Finanzierung der Ukraine, die von Russland angegriffen wird, geht es Lindner zufolge jetzt vor allem um die rasche Auszahlung eingesammelter Mittel, um den Liquiditätsbedarf der Regierung in Kiew zu decken. Die deutsche Förderbank KfW habe dazu am Dienstag einen Vertrag mit der Ukraine abgeschlossen, weitere 150 Millionen Euro als Kreditfinanzierung zur Verfügung zu stellen. „Niemand kann beziffern, wie groß der Bedarf ist, um das Land wieder aufzubauen.“ Erst müsse der Krieg gestoppt werden.
Lindner dringt in Brüssel auf rasche Normalisierung der Staatsfinanzen
Madrid, 24. Mai (Reuters) – Die spanische Regierung hat 12,25 Milliarden Euro freigegeben, um Produzenten von Halbleitern und Mikrochips ins Land zu locken. 9,3 Milliarden Euro davon seien vorgesehen, um den Bau von Fabriken zu fördern, sagte Wirtschaftsministerin Nadia Calvino am Dienstag. Gut eine Milliarde Euro sei für Forschung und Entwicklung in dem Bereich eingeplant. Das Geld soll bis 2027 eingesetzt werden.
Bislang habe die Branche, die vor allem von Asien aus den Weltmarkt beliefert, einen Bogen um Spanien gemacht, sagte Calvino. Fehlende staatliche Unterstützung sei einer der Gründe dafür gewesen. „Wir wollen, dass Spanien eine relevante Rolle in diesem Technologiefeld spielt.“
Lieferkettenprobleme im Zuge der Coronavirus-Pandemie haben zuletzt zahlreiche Industriebetriebe getroffen. Mikrochips sind besonders rar. In Spanien hatten deswegen unter anderem die dort produzierenden Auto-Hersteller Volkswagen und Renault Probleme mit der Fertigung.
Spanien will mit 12-Milliarden-Förderung Chipfirmen anlocken
Frankfurt, 24. Mai (Reuters) – Es folgt der Börsen-Ticker zu wichtigen Kursbewegungen an den internationalen Finanzmärkten und ihren Ursachen:
13.55 Uhr – Enttäuschende Quartalsergebnisse und trübe Ausblicke schicken Nautilus auf Talfahrt. Die Aktien des Fitnessgeräte-Anbieters fallen im vorbörslichen US-Geschäft um fast 29 Prozent. Das Unternehmen rutschte den Angaben zufolge im abgelaufenen Quartal in die roten Zahlen und machte einen Verlust von 0,58 Dollar je Aktie. Der Umsatz brach überraschend stark um 42 Prozent auf knapp 120 Millionen Dollar ein. Für das laufende Quartal und das Geschäftsjahr 2022/2023 warnte Nautilus vor Ergebnissen unter Markterwartungen. Das Branchenumfeld bleibe schwierig, kommentiert Analyst Mark Smith von der Investment Bank Lake Street. Der Handel sitze auf hohen Lagerbeständen, die während der Pandemie aufgebaut worden seien. Die Titel des Nautilus-Rivalen Peloton geben gut ein Prozent nach.
13.45 Uhr – Beflügelt von Übernahmespekulationen steigen die Aktien von GN um mehr als achtzehn Prozent. Einem Medienbericht zufolge stehen bei dem dänischen Hersteller von Hör- und Audiolösungen angesichts der niedrigen Börsenbewertung einige Interessenten Schlange. Sie prüfen eine Übernahme mit dem Ziel, die Firma von der Börse zu nehmen und Teile zu verkaufen, heißt es in dem Bericht von „Inside Business“. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund 43 Prozent verloren.
11.59 Uhr – Aus Verunsicherung über Tempo und Umfang der Rückkehr indonesischen Palmöls auf den Weltmarkt decken sich Investoren mit dem Pflanzenfett ein. Der Future steigt in Kuala Lumpur um knapp vier Prozent auf 6493 Ringgit (1476 Dollar) je Tonne. Indonesien, der weltgrößte Exporteur von Palmöl, hob zwar nach etwa drei Wochen seinen Exportstopp wieder auf. Ohne Klarheit über die Details der Ausfuhrlizenzen hielten sich Produzenten mit Verkäufen zurück, sagt Anilkumar Bagani, Chef-Analyst des Ölhändlers Sunvin.
11.50 Uhr Der Rückzug aus dem chinesischen Markt für Zimmer-Vermittlungen macht AirBnB zu schaffen. Die Aktien der Firma fallen im vorbörslichen US-Geschäft um drei Prozent. Das Unternehmen nimmt zum 30. Juli sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten und Freizeit-Aktivitäten in der Volksrepublik aus dem Programm, wie AirBnB mitteilte. Chinesische Kunden hätten allerdings weiterhin die Möglichkeit, Zimmer außerhalb Chinas zu buchen. Gründe für diese Entscheidung nannte AirBnB nicht.
11.25 Uhr – Produktionsprobleme bei einem Joint Venture machen Safran zu schaffen. Die Aktien des Flugzeugindustrie-Zulieferers fallen in Paris um vier Prozent. Insidern zufolge hat der Triebwerkshersteller CFM, an dem neben Safran auch General Electric (GE) beteiligt ist, mit fehlenden Zulieferteilen zu kämpfen. Derzeit lägen die Verzögerungen bei der Produktion bei sechs bis acht Wochen. GE-Papiere geben im vorbörslichen US-Geschäft ein Prozent nach.
11.15 Uhr – Wegen einer drohenden Gewinnabschöpfung von Zufallsgewinnen nehmen Anleger bei britischen Versorgern Reißaus. Die Aktien von Centria und SSE fallen um jeweils knapp zwölf Prozent, so stark wie zuletzt beim Börsen-Crash vom März 2020. Die Titel von Drax steuern mit einem Minus von fast 20 Prozent auf den größten Tagesverlust seit etwa sieben Jahren zu. Der „Financial Times“ zufolge will das britische Finanzministerium insgesamt umgerechnet mehr als elf Milliarden Euro abschöpfen, die den Unternehmen durch die hohen Energiepreise als Zusatzgewinne zugeflossen sind.
11.02 Uhr – Die Platzierung eines rund siebenprozentigen Anteils durch den Finanzinvestor Kinnevik schickt Tele2 auf Talfahrt. Die Aktien der Telekomfirma steuern in Stockholm mit einem Minus von knapp neun Prozent auf 118,40 Kronen auf den größten Tagesverlust seit dem Börsen-Crash vom März 2020 zu. Kinnevik hatte den Angaben zufolge 50 Millionen Papiere zum Preis von je 121,76 Kronen losgeschlagen und hält derzeit noch knapp 20 Prozent an Tele2.
10.01 Uhr – Mit Enttäuschung reagieren Anleger auf die Zahlenvon About You. Die Aktien des Online-Modehändlers fallen um fast 14 Prozent, so stark wie noch nie seit dem Börsengang vor etwa einem Jahr. Das angepeilte Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2022/2023 bleibe mit 25 bis 35 Prozent hinter den Markterwartungen zurück, moniert Analyst Volker Bosse von der Baader Helvea Bank.
09.45 Uhr – In Erwartung baldiger Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) decken sich weitere Anleger mit Euro<EUR=> ein. Die Währung steigt um 0,4 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1,0732 Dollar. Genährt wurden die Spekulationen von Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde, die Zinsen könnten bis Ende September bei null Prozent oder leicht darüber liegen.
09.30 Uhr – Eine 2,3 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhungschickt Air France auf Talfahrt. Die Aktien der Fluggesellschaft fallen in Paris um 6,4 Prozent. In ihrem Sog geben die Titel der Lufthansa und der British Airways-Mutter IAG bis zu vier Prozent nach.
09.05 Uhr – Aus Furcht vor einer geringeren Nachfrage des Top-Abnehmers China ziehen sich Anleger aus dem Rohölmarkt zurück. Die Sorte Brent<LCOc1> aus der Nordsee verbilligt sich um 1,2 Prozent auf 112,03 Dollar je Barrel. „Die Lockdowns in China spielen eine gewichtige Rolle bei den Aussichten für den Treibstoff-Bedarf“, sagt Analystin Tina Teng vom Brokerhaus CMC Markets. Die wieder steigenden Fallzahlen in der Volksrepublik machten Investoren nervös. Vor diesem Hintergrund fällt der Preis für das Industriemetall Kupfer<CMCU3> um 1,2 Prozent auf 9434 Dollar je Tonne.
08.01 Uhr – Folgende Aktien werden am Dienstag mit einem Dividendenabschlag gehandelt:
Hamburg, 24. Mai (Reuters) – Im Anleger-Prozess um Milliardenforderungen wegen der vor mehr als zehn Jahren geplatzten Übernahme von Volkswagen durch Porsche hat das Gericht für Ende September eine Entscheidung angekündigt.
Der Kartellsenat des Oberlandesgerichts habe in der mündlichen Verhandlung zu Wochenanfang nochmals einzelne Aspekte zur Rechtslage erörtert sowie prozessuale Fragen angesprochen, teilte das Gericht am Dienstag mit. Nachdem die Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme gehabt hätten, habe der Senat die mündliche Verhandlung geschlossen und alle weiteren Verhandlungstermine aufgehoben. Für den 30. September sei ein Verkündungstermin angesetzt worden.
Analysten der Investmentbank Stifel erklärten, der Richter habe am Montag zu erkennen geben, dass sich an seiner zu Prozessbeginn im Oktober 2017 geäußerten vorläufigen Einschätzung nichts geändert habe. Damals hatte das Gericht Zweifel an möglichen Schadensersatzforderungen zu erkennen gegeben. Es sah in den von den klagenden Hedgefonds und Privatanlegern vorgebrachten Argumenten keine Anhaltspunkte für eine bewusste Irreführung der Anleger durch die VW-Haupteigner Porsche. Die Kläger fordern mehr als fünf Milliarden Euro für von ihnen angeführte Kursverluste.
Sollte sich an der Einschätzung des Gerichts nichts geändert haben, läuft es nach Einschätzung von Beobachtern auf eine Abweisung der milliardenschweren Klagen hinaus. Es wird damit gerechnet, dass die Kläger in dem Fall vor den Bundesgerichtshof ziehen werden, was erneut mehrere Jahre dauern könnte.
Die Kläger halten der Porsche SE vor, ihre wahre Absicht verschleiert und sich an Volkswagen herangeschlichen zu haben, um den sehr viel größeren Wolfsburger Autobauer unter ihre Kontrolle zu bringen. Erst mit einer Mitteilung am 26. Oktober 2008 sei klar geworden, was die Stuttgarter im Schilde führten.
Damals legte die Porsche SE offen, dass sie sich durch Käufe und Optionsgeschäfte bereits fast drei Viertel an Volkswagen gesichert hatten. Dadurch wurden Anleger, die mit Leerverkäufen auf sinkende Kurse gesetzt hatten, auf dem falschen Fuß erwischt. Der Kurs der VW-Aktie sprang damals auf über 1000 Euro je Anteilschein und machte den Wolfsburger Autobauer kurzzeitig zum teuersten Unternehmen der Welt.
Später platzte der Übernahmeversuch, weil die Finanzkrise den Käufern einen Strich durch die Pläne machte und die Porsche SE unter den Schulden zusammenzubrechen drohte. Volkswagen drehte den Spieß um und übernahm den gleichnamigen Sportwagenbauer. Inzwischen bereiten die Wolfsburger den Börsengang ihrer Sportwagentochter vor, der im Schlussquartal 2022 über die Bühne gehen soll.
Der Prozess vor dem OLG Celle hat sich vor allem wegen zahlreicher Befangenheitsanträgen der Kläger so lange hingezogen. Hinzu kamen mehrere Unterbrechungen durch die Covid-Pandemie.
Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig läuft seit September 2018 ein anderes Kapitalanleger-Musterverfahren gegen Volkswagen. Hier werfen die Kläger dem Unternehmen vor, Anleger im Dieselskandal zu lange im Unklaren über die Auswirkungen gelassen zu haben und fordern vier Milliarden Euro Schadensersatz für erlittenen Kursverluste. Ein Teil der Forderungen richtet sich auch gegen die Porsche SE. Auch dieses Verfahren dürfte nach Einschätzung von Experten vor dem Bundesgerichthof landen.
OLG Celle kündigt Entscheidung im VW-Schadensersatzprozess an
Wien, 24. Mai (Reuters) – Österreich hat seine erste grüne Anleihe auf den Markt gebracht und ist dabei auf reges Interesse von Investoren gestoßen. Für die Vier-Milliarden-Euro-Bundesanleihe habe es Gebote im Wert von 25 Milliarden Euro gegeben, geht aus einer Reuters vorliegenden Mitteilung des Leadmanagers hervor. Angesichts der Nachfrage sei der Renditeaufschlag (Spread) für die Anleihe, die am 23. Mai 2049 fällig wird, auf 22 von 25 Basispunkten über dem Mid-Swap-Niveau gesenkt worden.
Europäische Regierungen haben ein starkes Interesse an der Emission von grünen Anleihen, da die Nachfrage der Anleger nach solchen Vermögenswerten in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, die Europäische Union und Dänemark haben in den letzten zwei Jahren ihre ersten grünen Anleihen ausgegeben, mit denen umweltfreundliche Projekte finanziert werden.
Österreich ist beim Thema Green Bonds vergleichsweise spät dran. 2021 und 2022 will das Land grüne Staatsanleihen mit einem Volumen von jeweils rund fünf Milliarden Euro emittieren. Das entspreche 3,4 Prozent der Bundesausgaben und 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Neben längerfristigen grünen Anleihen, die den größten Teil des Finanzierungsbedarfs decken werden, ist Österreich das erste Land, das auch kurzfristige Schuldtitel in sein grünes Schuldenprogramm aufnimmt. Dies sollte kurzfristig orientierte Investoren wie Zentralbanken, Geldmarktfonds und Banken anziehen und dazu beitragen, das Spektrum grüner Vermögenswerte zu erweitern, geht aus einer Präsentation der österreichischen Schuldenagentur (ÖBFA) hervor.
Österreich hatte die Kreditinstitute Barclays, Bank of America (BofA), Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan und UniCredit mit der Abwicklung des Verkaufs beauftragt.
Österreichs erste grüne Anleihe stößt auf hohe Nachfrage
Knowunity ist die am schnellsten wachsende EdTech App in Europa mit über 2,4 Millionen Nutzer:innen
Knowunity, die digitale Lernplattform für und von Schüler:innen, sammelt im Zuge einer Series A Finanzierungsrunde mehr als 10 Millionen Euro ein. Redalpine aus Zürich und Stride VC aus London investieren gemeinsam mit bestehenden Investoren in das EdTech Startup. Knowunity ermöglicht Schüler:innen nicht nur ihre selbst erstellten Lerninhalte zu teilen oder Inhalte in jedem Thema zu konsumieren, sondern auch einer Lerncommunity beizutreten, anderen Schüler:innen zu helfen und sich gegenseitig auszutauschen.
“Mit Stride und Redalpine haben wir zwei erfahrene Lead-Investoren gefunden, die unsere Vision unterstützen, die globale Plattform für hunderte Millionen Schüler:innen zu bauen und die Art und Weise, wie wir in der Schule lernen, neu zu erfinden”, so der 20-jährige Co-Founder und CEO Benedict Kurz von Knowunity. “Wir sind sehr glücklich über das Vertrauen, das uns auch von bestehenden Investoren wie beispielsweise Project A, Verena Pausder und Mario Götze erneut entgegengebracht wurde und freuen uns sowohl über die finanzielle Unterstützung als auch über das operative Know-how, um Knowunity zur weltweit führenden Plattform für und von Schüler:innen zu machen.”
Digitale Lernplattform mit mehr als 2 Millionen Nutzer:innen
Die Idee zu Knowunity entstand 2019 noch während der Schulzeit und aus den eigenen Herausforderungen der Gründer, denn der Bildungssektor ist bei der Digitalisierung unterversorgt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine App, die die Aspekte einer Lern-App mit den Fähigkeiten eines sozialen Netzwerks verbindet und Schüler:innen kostenlosen Zugang zur digitalen Bildung ermöglicht. Knapp drei Jahre später leistet Knowunity einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung im Bildungsbereich und ist mit über 2,4 Millionen Nutzer:innen die am schnellsten wachsende EdTech App in Europa und die beliebteste Lern-App in Deutschland mit mehr als 20.000 Bewertungen. Die Plattform umfasst mittlerweile mehr als 300.000 Lerninhalte zu jedem Fach und Thema ab der 5. Klasse, bereitgestellt von Schüler:innen für Schüler:innen.
Erfolgreiche Expansion in Frankreich und Polen, Italien und Großbritannien folgen
Neben Österreich und der Schweiz startete Knowunity Anfang des Jahres seinen Dienst in Frankreich mit aktuell bereits mehr als 300.000 Nutzer:innen. Ende April folgte die Expansion nach Polen, wo die App innerhalb einer Woche mehr als 60.000 neue Nutzer:innen verzeichnen konnte und auf Platz 1 der App Store Charts steht.
Ziel für die kommenden Monate ist es, die Reichweite der Plattform durch den Start in neue Märkte zu erhöhen. Für den Herbst dieses Jahres sind weitere europäische Länder, wie beispielsweise Italien und Großbritannien, geplant. Mittelfristig steht auch die Expansion in die USA auf dem Plan.
„Wir sehen, dass Knowunity auch in anderen Ländern genauso stark wie in Deutschland genutzt wird und werden daher in absehbarer Zeit durch unser effizientes Internationalisierungsmodell Millionen von Schüler:innen in vielen weiteren Ländern helfen, um so die erste globale Plattform für Schüler:innen zu erschaffen“, so Kurz.
Das Kapital aus der Finanzierungsrunde soll zum einen die Produktentwicklung weiter vorantreiben, um Schüler:innen in ihrem Schulalltag durch neue Formate und Lernmöglichkeiten noch besser unterstützen zu können und zum anderen für die weitere Markterschließung genutzt werden, um noch mehr Schüler:innen den besten Zugang zu digitaler Bildung zu ermöglichen. Dafür soll das Team von bisher knapp 60 zum Ende dieses Jahres auf mehr als 100 Mitarbeiter:innen wachsen. Kurz sagt: „Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Mission und freuen uns extrem auf die kommenden Jahre, da wir ein großes Problem global lösen wollen.”
Sebastian Becker, Partner bei Redalpine, freut sich ebenfalls auf die weiteren Schritte: “Wir sind unglaublich begeistert von Knowunity, da das Team ein Produkt für den Bildungsbereich mit konkurrenzloser Viralität und Nutzerbindung in verschiedenen Regionen geschaffen hat. Daher glauben wir, dass Knowunity das Potenzial hat, ein Global Player zu werden und die Art und Weise, wie Schüler:innen Lerninhalte konsumieren und sich mit ihnen auseinandersetzen, grundlegend zu verbessern.”
Tokio/Seoul, 24. Mai (Reuters) – Die Streitkräfte von Russland und China haben nach eigenen Angaben gemeinsame Patrouillenflüge in der Asien-Pazifik-Region abgehalten. Der Einsatz habe rund 13 Stunden gedauert, teilte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Dabei seien Gebiete des Japanischen Meeres und des Ostchinesischen Meeres überflogen worden. An den Flügen seien auch strategische Bomber beider Länder beteiligt gewesen. Zum Teil seien die Jets von Flugzeugen der japanischen und südkoreanischen Luftwaffe beschattet worden.
Zuvor hatte der japanische Verteidigungsminister Nobuo Kishi erklärt, russische und chinesische Kampfflugzeuge hätten sich dem japanischen Luftraum genähert. Das sei angesichts des derzeitigen Spitzentreffens der Regierungschefs aus Japan, den USA, Indien und Australien in Tokio ein Provokation. Das südkoreanische Militär erklärte, mindestens vier Kampfjets seien wiederholt in die südkoreanische Luftverteidigungszone eingedrungen, hätten den südkoreanischen Luftraum aber nicht verletzt.
Gemeinsames chinesisch-russisches Kampfjet-Manöver empört Japan und Südkorea
Pretoria, 24. Mai (Reuters) – Deutschland und Südafrika wollen ihre Beziehungen ausbauen, haben aber deutliche Differenzen im Umgang mit Russland. Südafrikas Präsident Matamela Cyril Ramaphosa sprach am Dienstag nach einem Treffen mit Kanzler Olaf Scholz von einer neuen strategischen Stufe in der Zusammenarbeit vor allem im Energiesektor und der Ausbildung. Mit mehr als 600 deutschen Firmen sei Deutschland bereits heute zweitwichtigster Handelspartner des G20-Landes Südafrika. „Wir wollen eines der Schlüsselländer für Wasserstoff-Technologie werden“, kündigte er an.
Scholz war zum Abschluss seiner dreitägigen Afrika-Reise nach Südafrika als wirtschaftlichem Schwergewicht auf dem südlichen Kontinent gereist. Das deutsche Handelsvolumen mit Südafrika liegt etwa auf dem Niveau wie mit Brasilien oder Indien. Scholz betonte, dass Deutschland vor allem bei erneuerbaren Energien zusammenarbeiten wolle, aber auch südafrikanische Kohle importiere, um sich von russischer Kohle zu lösen. „Südafrika bleibt für Deutschland Schlüsselland auf dem afrikanischen Kontinent“, betonte er.
„Wir sollten die Investitionen in Südafrika erhöhen.“ Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, die Finanzierung von Projekten gerade für deutsche Mittelständler zu verbessern. Scholz hatte Südafrika und Senegal, das erste Land auf seiner Reise, als Partnerländer zum G7-Gipfel in Elmau Ende Juni eingeladen.
Der Kanzler kündigte an, dass er sich auf seiner Reise auch um eine engere Zusammenarbeit mit Demokratien weltweit bemühen wolle. „Unsere Länder teilen den Respekt für eine demokratische Kultur und unser Engagement für eine multilaterale, regelbasierte Weltordnung“, betonte er in Pretoria. Allerdings wurde sehr deutlich, dass sich Südafrika dennoch nicht den westlichen Sanktionen gegen Russland anschließen, sondern neutral bleiben werde. Das Land hatte sich in der Abstimmung in der UN-Vollversammlung über den russischen Krieg enthalten.
Scholz habe in dem Gespräch Verständnis dafür gehabt, dass sich einige Länder in der UN-Abstimmung enthalten hätten, sagte Ramaphosa. Der Kanzler wiederum bezeichnete es als inakzeptabel, dass einige Staaten sogar mit Russland gegen eine Verurteilung des russischen Angriffs auf die Ukraine gestimmt hatten. Zu seinem Gespräch mit Ramaphosa über das Thema sagte er angesichts der Differenzen nur: „Ich freue mich, dass wir hier heute Gelegenheit hatten, den Standpunkt Südafrikas in dieser Frage zu diskutieren. Herr Präsident, ich halte es für wichtig, dass wir diese Gespräche intensiv fortsetzen.“
Ramaphosa übte auch indirekte Kritik an den westlichen Sanktionen gegen Russland, weil diese Auswirkungen auch auf Drittstaaten hätten. Südafrika hatte sich den Sanktionen nicht angeschlossen. Nur Dialog und Verhandlungen könnten zu einem Ende des Krieges führen, sagte der Präsident. Scholz kündigte an, dass das Thema hoher Energiepreise auch auf dem G7-Gipfel angesprochen werde.
Der Kanzler widersprach der auch von Russland verbreiteten These, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer vor allem unter westlichen Sanktionen leiden müssten. Er forderte vielmehr alle Förderländer auf, ihre Öl- und Gas-Produktion zu erhöhen. „Wir diskutieren jetzt mit all diesen Ländern, die Öl und Gas fördern, und versuchen sie davon zu überzeugen, ihre Kapazitäten zu erhöhen, so dass dies dem Weltmarkt helfen würde“, sagte Scholz der Deutschen Welle mit Blick auf die hohen Energiepreise weltweit.
„Wir werden eine sehr schwierige Situation haben, wenn wir uns die Kraftstoffpreise ansehen“, fügte er hinzu. „Es ist offensichtlich, dass es nicht möglich sein wird, sie zu subventionieren, auch nicht auf globaler Ebene.“ Scholz hatte am Sonntag dem Senegal bei einem Besuch zugesagt, bei der Produktion von LNG-Gas zu helfen.
Südafrika will Wasserstoff-Partner für Deutschland werden