Sonntag, November 8, 2026
Start Blog Seite 1949

Polizeigewerkschaften pochen auf Vorratsdatenspeicherung

0

Polizeiauto (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Nachdem die Vorratsdatenspeicherung mehrmals durch das Bundesverfassungsgericht und den Europäischen Gerichtshof gestoppt worden ist, drängen die Polizeigewerkschaften auf eine rasche Neuregelung. „Die Speicherung von IP-Daten ist in nahezu allen Kriminalitätsbereichen von enormer Bedeutung, da wir seit Jahren eine Verlagerung von Kriminalität aus dem analogen in den digitalen Bereich feststellen“, sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Dirk Peglow, dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe).

„Umso fragwürdiger ist es, dass Bundesjustizminister Buschmann hier weiterhin in einer Blockadehaltung zu verharren scheint und immer noch keinen Gesetzentwurf vorlegt hat, der die Möglichkeiten, die der EuGH bei der anlasslosen Speicherung von IP-Daten eröffnet hat, bestmöglich nutzt“, so Peglow. Der FDP-Politiker hatte sich in der Frage zuletzt gegen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) gestellt. Buschmann setzt stattdessen auf das sogenannte „Quick-Freeze-Verfahren“, bei dem Telekommunikationsanbieter dazu verpflichtet werden, bei einem Anfangsverdacht Daten zu einzelnen Nutzern für einen bestimmten Zeitraum zu speichern.

Handlungsbedarf sieht auch Alexander Poitz, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Zu einer effektiven Gefahrenabwehr als auch Strafverfolgung gehören moderne Ermittlungsinstrumente“, sagte Poitz der Zeitung. Nötig sei nun eine „praxisnahe und damit realitätsnahe Regelung für den polizeilichen Umgang mit Kommunikationsverkehrsdaten“. Seiner Ansicht nach sei „übertriebener“ Datenschutz „indirekter Täterschutz.“ Für Ermittler sei das „höchst unbefriedigend“, und auch aus der Perspektive eines Opfers sei das „kein haltbarer Zustand“, so Poitz.

Ähnlich sieht es der Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz. „Politisches und polizeiliches Ziel muss es sein, Anschläge zu verhindern, bevor sie geschehen“, sagte Teggatz dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe). „Eine Blockade des Justizministers ist demnach nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern möglicherweise auch grob fahrlässig.“


Foto: Polizeiauto (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Ampel-Abgeordnete für Überarbeitung des Infektionsschutzgesetzes

0

Corona-Hinweis (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Vertreter der Ampel-Fraktionen haben sich für eine grundlegende Überarbeitung des Infektionsschutzgesetzes ausgesprochen, um für künftige Pandemien rechtlich besser gewappnet zu sein. „Ich halte es für eine Pflicht, das Infektionsschutzgesetz grundlegend zu überarbeiten“, sagte die Rechtspolitikerin Manuela Rottmann (Grüne) der „Welt“ am Mittwoch.

Die Politik habe sich zum Beispiel bis heute nicht darauf geeinigt, welche Rechtsgüter man eigentlich in einer Pandemie schützen wolle. „Geht es darum, jedes Leben zu schützen? Oder darum, die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems zu sichern?“ Wenn jeder Todesfall verhindert werden solle, gehe es um viel tiefere Grundrechtseingriffe, als wenn nur verhindert werden solle, dass die Krankenhäuser in die Knie gehen, so Rottmann.

Der Bundestag müsse auch festlegen, wer in Pandemien Entscheidungen treffen dürfe, sagte die Grünen-Politikerin. In der Corona-Zeit seien diese oft in den Ministerpräsidentenkonferenzen getroffen worden, die wegen Intransparenz allerdings vielfach kritisiert worden waren. „Schließlich sollten wir festlegen, wer im Falle einer Pandemie für Ausfälle entschädigt werden sollte.“

Johannes Fechner, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, verweist auf eine bereits bestehende Evaluierung externer Sachverständiger, die schon 2022 erschien und die eine grundlegende Überarbeitung des Infektionsschutzgesetzes anmahnte. „Diese Evaluierung sollte die Blaupause sein für die Aufarbeitung im Bundestag“, sagte der SPD-Politiker nun der Zeitung. „Der Bundestag sollte in einem Beschluss festhalten, welche Maßnahmen wirksam waren, und das Infektionsschutzgesetz überarbeiten, wie im Evaluierungsbericht empfohlen.“

Weil die Informationen vorlägen, brauche es keine zeitaufwendige Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Politik, so Fechner. „Ampel und Union sollten jetzt einsteigen, die Evaluierung konkret zu beraten, denn Corona-Maßnahmen wie die Schul- und Kitaschließungen waren überzogen.“

Die FDP sprach sich ebenfalls für eine Überarbeitung des Gesetzes aus. „Wir müssen jetzt handeln, um rechtlich besser für künftige Pandemien gewappnet zu sein“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann. Es sei an der Zeit, „unsere Gesetzgebung an die sich ständig verändernde Welt der Gesundheitsrisiken anzupassen und sicherzustellen, dass wir auf allen Ebenen angemessen vorbereitet sind“. Die Empfehlung des Sachverständigenausschusses zur grundsätzlichen Neuausrichtung des Infektionsschutzgesetzes sei „ein deutliches Signal“.

Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, eine Überarbeitung des Gesetzes aktuell zu prüfen. Bereits 2023 habe man die Länder gebeten, Änderungsvorschläge zum Infektionsschutzgesetz vorzulegen, sagte ein Sprecher von Minister Karl Lauterbach (SPD). Mehr als 100 Vorschläge seien eingegangen, die sich auf sämtliche Abschnitte des Gesetzes bezögen. Dieser umfangreiche und sehr detaillierte Katalog werde derzeit „intensiv geprüft“.


Foto: Corona-Hinweis (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Freiwillige Zahlungen in gesetzliche Rente erreichen Rekordhoch

0

Rentenversicherung (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die freiwilligen Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung haben 2022 mit 1,09 Milliarden Euro ein neues Rekordhoch erreicht. Das geht aus von der Bundesregierung veröffentlichten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervor, über die „Ippen-Media“ berichtet. Den Zahlen ging eine Kleine Anfrage der Linksfraktion voraus.

Seit 2017 (207 Millionen Euro) hat sich die Summe der freiwilligen Zahlungen demnach stetig erhöht und bis 2022 mehr als verfünffacht. Für 2023 betragen die vorläufigen Werte 896 Millionen Euro.

Für die Linken im Bundestag ist die Rekordsumme von erstmals über einer Milliarde Euro ein Zeichen für das Misstrauen der Deutschen in die private Altersvorsorge. „Die Menschen vertrauen der Deutschen Rentenversicherung“, sagte Matthias Birkwald, renten- und alterspolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, „Ippen-Media“.

Der Abgeordnete ist für die Abschaffung der Riester-Rente und kritisiert das Konzept der Bundesregierung für eine Aktienrente, das sogenannte Generationenkapital. „Ein sogenanntes Zinsdifferenzgeschäft, bei dem man darauf hofft, dass die Rendite oberhalb der Kreditkosten liegen möge, ist nichts anderes als Spekulation. Und mit der Rente darf man nicht spekulieren“, sagte Birkwald. Statt privater Vorsorge plädiert der Linken-Politiker für eine Stärkung der gesetzlichen Rente, indem etwa Mittel aus der Riester-Rente als Sonderzahlungen in die Rentenkasse fließen.

Reformbedarf bei der gesetzlichen Rente sieht auch Marc Biadacz, Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Biadacz fordert, den Renteneintritt flexibler zu gestalten, Hinzuverdienstgrenzen für Arbeit im Alter anzuheben und im Sinne einer generationengerechten Rentenpolitik über einen Aktienfonds nachzudenken, „in den der Staat bei jeder Geburt einzahlt“.

Auch der Unionspolitiker erklärt jedoch, dass die Deutschen der privaten Altersvorsorge zunehmend kritisch gegenüber stehen: „Allerdings sinkt das Vertrauen der Bevölkerung in die private Altersvorsorge, statt hier entgegenzuwirken, schafft die Ampel-Bundesregierung ein schuldenfinanziertes Generationenkapital, das weder nachhaltig noch zukunftsfest ist.“ Anders als die Linken will sich der CDU-Politiker aber nicht auf die gesetzliche Rente allein verlassen, sondern sie weiterhin durch die betriebliche und private Altersvorsorge ergänzen.


Foto: Rentenversicherung (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Stoltenberg sieht Ukraine an "kritischem Zeitpunkt"

0

Jens Stoltenberg (Archiv), via dts NachrichtenagenturBrüssel (dts Nachrichtenagentur) – Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht die Ukraine an einem „kritischen Zeitpunkt“. Die Menschen in der Ukraine verteidigten ihr Land weiter „mit Mut und Geschick“, sagte Stoltenberg am Mittwoch am Rande des Nato-Außenministertreffens.

Die Ukraine habe die Hälfte des von Russland besetzten Gebietes zurückerobert, fügte er hinzu. Sie hätte es zudem geschafft, die russische Flotte zurückzudrängen und dass ukrainisches Getreide wieder exportiert werden könne.

„Ihnen fehlt jetzt nicht der Mut, sondern ihnen fehlt es an Munition“, so Stoltenberg. Deswegen müsse die Nato eine Unterstützung aufbauen, die dauerhaft sein könne. Daher habe man auf dem Treffen darüber gesprochen, wie man die Unterstützung auf eine „solidere Basis“ stellen könne. Die Einzelheiten würden in den kommenden Wochen besprochen werden, kündigte der Nato-Generalsekretär an.

Stoltenberg hatte zuletzt vorgeschlagen, einen auf fünf Jahre angelegten Fonds in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Unterstützung der Ukraine auf den Weg zu bringen.


Foto: Jens Stoltenberg (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Russische Einflussnahme: Bystron bezweifelt Existenz von Mitschnitten

0

Petr Bystron (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – In der Debatte um eine russische Einflussoperation, die der tschechische Geheimdienst aufgedeckt haben will, zieht der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron die Existenz von Audiomitschnitten in Zweifel. „Die Berichte über angebliche Tonmittschnitte, die dem tschechischen Geheimdienst vorliegen sollen und die belegen sollen, dass ich Geld von einem russischen Netzwerk in Prag erhalten haben soll, weise ich auf Schärfste zurück“, sagte Bystron den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). „Ich habe kein Geld angenommen, um prorussische Positionen zu vertreten.“

Er fordere den tschechischen Geheimdienst auf, den angeblichen Audio-Mitschnitt vorzulegen, welcher das belegen soll, sagte Bystron und sprach von einer „Verleumdungskampagne“. Tschechischen Medienberichten zufolge soll der tschechische Geheimdienst über Beweise gegen den AfD-Politiker in Form eines Audio-Mitschnitts verfügen.

Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla forderten Bystron zur Stellungnahme auf. „Die Fraktionsvorsitzenden haben Petr Bystron aufgefordert, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen“, sagte ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion den Funke-Zeitungen. „Der Fraktionsvorstand wird sich gegebenenfalls auf seiner Sitzung in der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.“

Der SPD-Bundestagsfraktionsvize Dirk Wiese forderte eine Überprüfung der Vorwürfe. „Dieser Fall erfordert eine umfassende und, wenn nötig, eine strafrechtliche Aufklärung“, sagte er den Zeitungen. Bystron müsse „jetzt umgehend reinen Tisch machen“, von der AfD erwarte er eine „lückenlose Aufklärung“.


Foto: Petr Bystron (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Ukraine: SPD-Fraktion begrüßt Vorschlag für Nato-Militärpaket

0

Panzer-Transport auf der Autobahn (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – SPD und Grüne begrüßen den Vorschlag von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, ein Militärhilfspaket der Nato für die Ukraine aufzulegen. Nach Angaben von Diplomaten geht es um 100 Milliarden Euro über fünf Jahre. Dies sei gerade vor dem Hintergrund der Zukunft der US-Unterstützung wichtig und „würde die Ukraine massiv bei der Operationsplanung entlasten“, sagte Verteidigungspolitiker Andreas Schwarz (SPD) dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe).

Bisher wirke die Koordination in der westlichen Welt ad hoc und nicht klar strategisch geplant, so Schwarz weiter. „Was die Ukraine braucht ist weniger Überraschungshilfe, sondern Zuverlässigkeit und aufeinander strategisch-taktisch abgestimmte Hilfsprogramme mit klaren Zeitlinien.“ Der Vorschlag biete diese Chance, wenn die Umsetzung unbürokratisch erfolge. Außerdem würde es der Industrie Planungssicherheit geben.

Der Verteidigungspolitiker Sebastian Schäfer (Grüne) sagte, ein grundsätzliches Nachdenken über die Finanzierung langfristiger Unterstützung für die Ukraine sei auch auf Ebene der Nato sinnvoll. „Innenpolitisch motivierte nationalstaatliche Blockaden, wie wir sie bei der Ukraine-Unterstützung auf EU-Ebene erlebt haben, müssen dabei von vornherein verhindert werden“, so Schäfer. „Insbesondere der europäische Pfeiler der Nato muss sich mittelfristig stärker aufstellen.“


Foto: Panzer-Transport auf der Autobahn (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Staatsanwaltschaft erhebt weitere Anklage gegen Höcke

0

Björn Höcke (Archiv), via dts NachrichtenagenturHalle (Saale) (dts Nachrichtenagentur) – Die Staatsanwaltschaft Halle hat am 21. März vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Halle eine weitere Anklage gegen den Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Björn Höcke, erhoben. Ihm wird das Verwenden von Kennzeichen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation vorgeworfen.

Höcke sei „hinreichend verdächtig“, die verbotene Losung der Sturmabteilung (SA) der NSDAP „Alles für Deutschland“ in „Kenntnis des gegen ihn wegen des Verwendens dieser Losung anhängigen Strafverfahrens und im sicheren Wissen um deren Strafbarkeit“ als Redner bei einer Veranstaltung der AfD in Gera am 12. Dezember 2023 erneut verwendet zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Er habe den ersten Teil der Losung – „Alles für“ – selbst ausgesprochen, und anschließend das Publikum durch Gesten dazu animiert, den zweiten Teil – „Deutschland“ – zu rufen, so der Vorwurf der Behörde.

Der Angeschuldigte habe sich bislang nicht zur Sache eingelassen, hieß es. Die Annahme eines hinreichenden Tatverdachts bedeute keine Vorverurteilung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft Halle hat beantragt, das Verfahren zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung mit dem bereits beim Landgericht Halle anhängigen Verfahren zu verbinden. Zunächst habe das Landgericht allerdings über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden, hieß es.


Foto: Björn Höcke (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Die aktuellen Inflationserwartungen des Marktes sind unrealistisch

0
Spreads Inflation
Foto von Arif Husain (Quelle: T. Rowe Price)

Arif Husain, Leiter Fixed Income bei T. Rowe Price, und Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin, setzen sich mit der aktuellen Inflation auseinander.

Die Breakeven-Spreads – das beste Marktmaß für die erwartete Gesamtinflation – für inflationsgeschützte US-Schatzpapiere (TIPS) lagen Mitte März 2024 zwischen 2,44 % (5 Jahre) und 2,28 % (30 Jahre).  Vor dem Hintergrund der Inflationsvolatilität seit 2020 (die im Juni 2022 mit 9,1 Prozent ihren Höhepunkt erreichte und bis Anfang 2023 über 6 Prozent blieb) erscheint dies geradezu absurd. Angesichts der hohen Volatilität der VPI-Inflation in den letzten Jahren würde man zumindest geringe Schwankungen der Inflationserwartungen über die verschiedenen Laufzeiten erwarten. Bedeutet dies, dass die Marktteilnehmer keine Ahnung haben, wo sich die Inflation einpendeln wird? Oder sehen sie die Inflation auf wundersame Weise verschwinden?

Wird sich der Abwärtstrend der Inflation fortsetzen?

Die Marktmeinungen zur Inflationsentwicklung sind derzeit nicht annähernd so unterschiedlich wie 2021 und Anfang 2022, als die Prognosen in „vorübergehend“ (was die meisten Zentralbanken der Industrieländer einschloss) und „anhaltend“ unterteilt wurden. Natürlich ist die Inflation im Laufe des Jahres 2023 im Großen und Ganzen zurückgegangen. Die meisten Kommentatoren gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis ins Jahr 2024 fortsetzen wird, so dass die Federal Reserve und andere Zentralbanken irgendwann im Laufe des Jahres mit Zinssenkungen beginnen können.

Zu Beginn des Jahres 2024 gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass sich die Weltwirtschaft nicht so schnell verlangsamt wie erwartet, was die Sorge nährt, dass sich erneut inflationäre Kräfte aufbauen könnten. Ein typisches Beispiel: Die CPI-Zahlen für Januar und Februar lagen teilweise über den Erwartungen, und der Bericht über die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft übertraf die Konsenserwartungen für die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze im Januar (auch wenn die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze später nach unten korrigiert wurde).

Inflation wird nach Annäherung an Fed-Ziel wieder anziehen

Ich gehe davon aus, dass die Kerninflation auf etwa 2 % zurückgehen wird, was dem Ziel mehrerer Zentralbanken, darunter der Fed und der Europäischen Zentralbank, entspricht. Meine längerfristigen Aussichten sind jedoch weniger optimistisch, da ich davon ausgehe, dass sich die Inflation wieder beschleunigen wird.

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Produktivitätswunder, zumindest auf längere Sicht. Aber die Implementierung von KI in Unternehmensprozesse in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor wird Zeit und mehr Arbeit erfordern, was zu höheren Kosten führen wird. Daher glaube ich, dass KI kurzfristig zu Inflation führen wird, bevor die Wirtschaft ihre längerfristigen Produktivitätsvorteile realisieren kann. Hierzu gibt es vielfältige Anhaltspunkte, die unsere Analysten in Hunderten von Gesprächen mit Unternehmen gesammelt haben.

China ist ein weiteres Inflationsrisiko. Die schwächelnde chinesische Binnennachfrage hat dazu geführt, dass das Land über den Welthandel Disinflation (und in einigen Fällen sogar Deflation) exportiert. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Preisdruck weltweit nachgelassen hat.  Ein Anstieg der Binnennachfrage in China – möglicherweise ausgelöst durch fiskalische Anreize, die durch die kürzlich angekündigte Sonderemission neuer langfristiger Staatsanleihen finanziert werden – würde diesen Faktor jedoch umkehren und die Exportpreise in die Höhe treiben. Auch wenn dies wahrscheinlich kein Basisszenario ist, so ist doch festzuhalten, dass die Stimmung gegenüber China eher pessimistisch ist. Eine Überraschung würde sich wahrscheinlich positiv auswirken. Zusammen mit den möglichen inflationären Auswirkungen zusätzlicher Zölle, die sich aus der politischen Entwicklung in den USA ergeben könnten, besteht ein klares Inflationsrisiko.

Die Zusammenarbeit zwischen Kollegen mit unterschiedlichen Ansichten ist ein Markenzeichen des Anlageprozesses der TRPA. Während ich die Risiken einer erneuten Inflationsbeschleunigung mit Sorge betrachte, gibt es Studien, die diese Erwartungen dämpfen. Blerina Uruçi, unsere leitende US-Volkswirtin in der Abteilung für festverzinsliche Wertpapiere, hat eine günstigere Prognose für die längerfristige Inflation.

Ich bin zwar der Meinung, dass das Umfeld für ein Anziehen der Inflation günstig ist, aber ich behalte Blerinas Inflationsprognose im Auge und beobachte weiterhin, ob die Inflation ihren Abwärtstrend fortsetzt. Ich bin zuversichtlich, dass diese Art der Zusammenarbeit und die Berücksichtigung unterschiedlicher Sichtweisen zu besseren Anlageentscheidungen unserer Portfoliomanager führen wird.

Gedämpfte Erwartungen: Potenzial für günstigere Inflationsaussichten

Blerina Uruci, US- Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price

In der Vergangenheit war es unmöglich, die Inflation ohne eine Rezession oder einen großen negativen Schock am Arbeitsmarkt schnell zu senken, und ich gehe davon aus, dass der Weg zu einer Inflation von 2 % lang und kurvenreich sein wird. Allerdings hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verlangsamt, und der Inflationsdruck vom Arbeitsmarkt sollte sich weiter mindern und dazu beitragen, die Inflation auf das Ziel der Fed zu senken, wahrscheinlich bis Anfang 2025.

Fokus auf Mietkosteninflation und ihre verzögerten Auswirkungen

Die Mietkosten sind mit einem Anteil von rund 30 Prozent am Verbraucherpreisindex eine wichtige Komponente der Inflation, und weitere Fortschritte bei der Senkung der Mietinflation werden notwendig sein, um sicherzustellen, dass sich die Inflation in den USA weiter dem Ziel der Fed annähert. Der Verbraucherpreisindex für Wohnimmobilien reagiert mit erheblicher Verzögerung auf zeitnähere Messungen der Hauspreise und Marktmieten. Untersuchungen zeigen, dass diese Verzögerungen mehr als ein Jahr betragen können. Betrachtet man die Daten des privaten Sektors zu Mieten und Hauspreisen, so deuten diese darauf hin, dass die Mietinflation weiter zurückgehen dürfte.

Die eigentliche Frage ist, wie schnell dies geschehen wird. Diese Frage ist natürlich schwer zu beantworten. Einige Modelle, die auf Hauspreis- und Mietindizes des privaten Sektors basieren, deuten darauf hin, dass die Inflation bei Wohnimmobilien bis 2024 bei über 4 % bleiben könnte, was einen wesentlich langsameren Rückgang der Gesamtinflation auf 2 % bedeuten würde.

Die aktuellen Inflationserwartungen des Marktes sind unrealistisch

Foto von Arif Husain, Leiter Fixed Income bei T. Rowe Price (Quelle: T. Rowe Price)

Kennen Sie schon das Wirtschaftsmagazin „Paul F„? Jetzt bei Readly lesen. Eine kostenlose Leseprobe von Paul F gibt es bei United Kiosk. Ebenfalls finden Sie die aktuelle Ausgabe im Lesezirkel von Sharemagazines.

AfD-Spitze fordert Stellungnahme von Bystron zu Bestechungsvorwürfen

0

Petr Bystron (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die AfD-Spitze hat ihren Bundestagsabgeordneten und Europawahl-Kandidaten Petr Bystron angesichts von Bestechungsvorwürfen zur Aufklärung gemahnt.

Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla forderten Bystron am Mittwoch in einem Brief auf, bis zum Donnerstag um 14 Uhr schriftlich Stellung zu beziehen, „um sämtliche Vorwürfe zweifelsfrei ausräumen und von Seiten des Bundesvorstands unserer Partei entsprechend reagieren zu können“, berichtet das Nachrichtenportal T-Online.

Am Montag ist außerdem ein Gespräch zwischen der AfD-Spitze und Bystron geplant, wie ein Sprecher von AfD-Chefin Alice Weidel dem Nachrichtenportal sagte. Die Korruptionsvorwürfe sollen demnach am Montag Thema in der Sitzung des AfD-Bundesvorstands sowie des Fraktionsvorstands sein.


Foto: Petr Bystron (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Tutanchamun: Die Zeitreise

0
Tutanchamun

Tutanchamun: Ein Name, der die Zeitalter überdauert

Tutanchamun ist mehr als nur ein Name – er ist ein Symbol, das die kollektive Vorstellungskraft seit Jahrhunderten fesselt. Was macht die Geschichte dieses jungen ägyptischen Königs so unwiderstehlich?

Von der Geburt bis zur unsterblichen Legende

Geboren als Tutanchaton um 1341 v. Chr., trat Tutanchamun in jungem Alter in die Fußstapfen seines Vaters, des Pharaos Echnaton. Dieser hatte mit alten Traditionen gebrochen, um einen monotheistischen Kult um Aton zu etablieren. Nach Echnatons Tod und der kurzen Herrschaft zweier Nachfolger, darunter möglicherweise die geheimnisumwobene Nofretete, bestieg Tutanchaton, nun Tutanchamun, den Thron Ägyptens. Mit seiner Halbschwester Anchesenpaaton vermählt, leitete er eine Rückkehr zu den traditionellen Göttern und Kulten ein, was eine Wiederbelebung und Restaurierung alter Tempel einschloss.

Das mysteriöse Ende eines jungen Pharaos

Tutanchamuns Tod im Alter von etwa 18 Jahren hinterließ ein Machtvakuum und ein Grab, das später zum Synonym für archäologische Sensationen werden sollte. Seine kurze Herrschaft und das Fehlen eines direkten Erben führten dazu, dass er nahezu aus der historischen Überlieferung getilgt wurde. Ironischerweise bewahrte gerade diese Vergessenheit sein Grab vor Plünderern, was Howard Carter 1922 die Entdeckung des nahezu unberührten königlichen Grabes ermöglichte – eine Entdeckung, die die Welt in Staunen versetzte.

@ MAD

Stuttgart taucht in die Welt des Tutanchamun ein

Die immersive Tutanchamun-Ausstellung in Stuttgart ist eine Hommage an den legendären Pharao und bietet Besuchern einen tiefen Einblick in seine Welt. Durch verschiedene Räume geführt, erleben Besucher eine faszinierende Mischung aus Information und Interaktion. Die Ausstellung bietet nicht nur Einblicke in Tutanchamuns Herrschaft und den religiösen Wandel seiner Zeit, sondern auch in das persönliche Leben am Hof. Mit Repliken, informativen Tafeln und der Darstellung von Mumifizierungsprozessen wird die Vergangenheit greifbar.

Eine Zeitreise der besonderen Art

Die Ausstellung übersetzt die alte Geschichte in ein multimediales Erlebnis, das die Besucher von der ersten Sekunde an in den Bann zieht. Von der detaillierten Darstellung des Grabes und seinen Schätzen bis hin zur interaktiven Show, die das Leben Tutanchamuns nacherzählt, wird Geschichte lebendig. Besucher können auf virtuellen Nilfahrten das alte Ägypten erkunden, in Virtual-Reality-Erlebnissen eintauchen und sich am Ende sogar selbst in pharaonischer Tracht fotografieren lassen.

Jeder Raum ist sorgfältig gestaltet, um Wissen und Staunen zu vermitteln, wodurch die Ausstellung zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Sie verbindet Bildung mit modernster Technik und schafft ein interaktives Umfeld, das die Besucher direkt in die Welt des Tutanchamun entführt. So wird der Museumsbesuch zu einer Entdeckungsreise, die den legendären Pharao und seine Zeit in einem neuen Licht präsentiert.

@ MAD

Ein immersives Erlebnis, das Geschichte lebendig macht

Die letzte Station der Ausstellung ermöglicht es den Besuchern, Teil der ägyptischen Geschichte zu werden. Die interaktive Show, in der Tutanchamun in der Ich-Perspektive spricht, ist mehr als nur eine Erzählung – sie ist eine Zeitreise, die den Zuschauer direkt in die Welt des Pharaos transportiert. Durch eindrucksvolle Projektionen und bewegende Erzählungen wird das alte Ägypten zum Leben erweckt. Die Besucher erleben eine virtuelle Nilfahrt, spüren die Atmosphäre antiker Tempel und werden Zeugen der kulturellen und religiösen Praktiken, die das alte Ägypten geprägt haben.

Virtuelle Realität trifft auf antike Geschichte

Nach der eindrücklichen Show führen zwei weitere Räume die Besucher weiter in die Tiefe der ägyptischen Kultur. Mit Virtual-Reality-Brillen ausgestattet, haben die Gäste die Möglichkeit, in virtuelle Welten einzutauchen, die das antike Ägypten auf innovative Weise neu interpretieren. Diese Räume bieten eine einzigartige Gelegenheit, Geschichte interaktiv zu erleben und einen persönlichen Bezug zu den Lebensweisen, Glaubensvorstellungen und künstlerischen Ausdrucksformen des Tutanchamun-Zeitalters herzustellen.

Ein Andenken an eine unvergessliche Reise

Am Ende der Ausstellung lädt ein Souvenirshop die Besucher ein, ein Stück der Erfahrung mit nach Hause zu nehmen. Ob Bücher, die tiefer in die Geschichte eintauchen, Geschirrsets mit ägyptischen Motiven oder Repliken der Artefakte – jedes Stück erlaubt es, einen Teil der Faszination und des Wissens, das die Ausstellung vermittelt, in den Alltag zu integrieren.

@ MAD
Fazit: Ein Fenster in eine vergangene Welt

Die Tutanchamun-Ausstellung in Stuttgart ist mehr als nur ein Museumsbesuch; sie ist eine umfassende Erfahrung, die Bildung, Technologie und Interaktivität vereint, um die Geschichte eines der berühmtesten Pharaonen der Welt zugänglich und erlebbar zu machen. Indem sie die Besucher aktiv in die Erzählung einbezieht, schafft sie eine lebendige Verbindung zur Vergangenheit und bietet eine neue Perspektive auf das Leben und Erbe Tutanchamuns. Für jeden, der Interesse an Geschichte, Archäologie oder einfach an einer einzigartigen kulturellen Erfahrung hat, bietet diese Ausstellung eine unvergleichliche Gelegenheit, in die Tiefen der ägyptischen Geschichte einzutauchen und Teil eines großen Erbes zu werden.

Titelbild @ MAD

Text: Pamina Fabienne Elsässer