Ökonomen zum bislang stärksten Einbruch des ZEW-Index

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Berlin, 15. Mrz (Reuters) – Börsenprofis blicken wegen des Ukraine-Krieges überraschend pessimistisch auf die Konjunktur in Deutschland. Das Barometer für die Einschätzung der nächsten sechs Monate fiel im März um 93,6 Punkte auf minus 39,3 Zähler und damit so stark wie nie zuvor, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 162 Analysten und Anlegern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf plus 10,0 Zähler gerechnet.

Analysten sagte dazu in ersten Reaktionen:

CHRISTOPH SWONKE, DZ BANK:

„Angesichts des Krieges in der Ukraine ist das Ergebnis keine große Überraschung. Die verhängten Sanktionen gegenüber Russland und die hohe politische Unsicherheit sind Sand im wirtschaftlichen Getriebe. Steigende Energiepreise sorgen für zusätzlichen Kostendruck bei den Unternehmen und schmälern die Kaufkraft der Verbraucher. Sogar die Preise von Grundnahrungsmitteln drohen nun stärker anzuziehen, weil Russland und die Ukraine wichtige Weizenproduzenten auf dem Weltmarkt sind. Zudem könnten die Sanktionen dafür sorgen, dass sich die nach wie vor angespannte Lieferkettenproblematik global weiter verschärft. Das sind keine guten Aussichten für die kommenden sechs Monate.“

ULRICH WORTBERG, HELABA:

„Die Stimmung unter den Finanzmarktteilnehmern ist unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges, der beschlossenen Sanktionen gegen Russland und der Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten massiv eingebrochen. Auch die Hoffnungen darauf, dass die Corona-Einschränkungen weiter gelockert werden, verringern sich angesichts der neuen Infektionszahlen. Der Stimmungseinbruch hatte sich angekündigt. Dennoch enttäuschen die Zahlen und sie liefern eine sehr negative Indikation für das kommende Ifo-Geschäftsklima. Die Arbeit der EZB wird mit den sich verdüsternden Konjunkturperspektiven nicht einfacher, denn sie steht wegen der sehr hohen Inflation unter Druck, von ihrer expansiven Geldpolitik abzurücken.“

ALEXANDER KRÜGER, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE PRIVATBANK:

„Dass die Stimmung unter dem Ukraine-Krieg kräftig leiden wird, war absehbar. Das Ergebnis ist dennoch ein Desaster für den Konjunkturausblick. Der ZEW-Index gibt einen schlimmen Vorgeschmack auf noch anstehende Stimmungsindikatoren. Die Wirtschaft bewegt sich am Rande einer Rezession. Auch wegen drohender neuer Nackenschläge von der Pandemie ist der Konjunkturblick klar nach unten gerichtet.“

THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM VP BANK:

„Es ist der erste prominente Konjunkturfrühindikator, der die bislang absehbaren wirtschaftlichen Folgen des Krieges reflektiert. Die Botschaft ist eindeutig: Der Krieg in der Ukraine bremst die konjunkturelle Entwicklung mächtig aus. Die vom ZEW befragten Finanzmarktanalysten rechnen aufgrund des Energiepreisanstieges und der vom Kriegsgeschehen ausgehenden Unsicherheit mit einem regelrechten Absturz der Wirtschaft. Die ZEW-Konjunkturerwartungen lassen sogar auf eine Rezession schließen. Die für Deutschland ursprünglich prognostizierten Wachstumsraten im Bereich von vier Prozent sind längst Makulatur. 

Allerdings sollte die wirtschaftliche Erholung nicht gänzlich abgeschrieben werden. Restaurants und Hotels freuen sich jetzt schon über höhere Umsätze, was sich positiv auf den BIP-Zuwachs im ersten Quartal auswirken wird. Die Nachholeffekte im Dienstleistungsbereich werden sich auch im zweiten Quartal fortsetzen, so dass auch in den Frühjahrsmonaten mit positiven gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten gerechnet werden kann. Die privaten Haushalte können jetzt auf die während der Pandemie gebildeten Ersparnisse zurückgreifen und damit die gestiegenen Energiekosten kompensieren.“

Ökonomen zum bislang stärksten Einbruch des ZEW-Index

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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