Credit Default Swaps – Versicherungen gegen Zahlungsausfall

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14. Mrz (Reuters) – Die Belastungen für die russische Wirtschaft durch die westlichen Sanktionen rücken Credit Default Swaps (CDS) wieder ins Rampenlicht. Diese Versicherungen gegen Zahlungsausfälle sorgten vor allem während der europäischen Schuldenkrise vor etwa zehn Jahren für Schlagzeilen, weil man an ihrem Kurs ablesen kann, für wie wahrscheinlich der Markt es hält, dass ein Land oder ein Unternehmen seine Anleihen nicht bedienen kann. 

Bei russischen CDS verlangen Verkäufer inzwischen sogar Anzahlungen, die zu den Versicherungsprämien hinzukommen. Diese sogenannten Upfront Payments werden nur dann verlangt, wenn ein Land als kurz vor der Pleite stehend gilt. Dem Datenanbieter Markit zufolge müssen Investoren zur einer Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets russischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren 60.000 Dollar sofort auf den Tisch blättern. Hinzu kämen jährliche Prämien von jeweils knapp drei Millionen Dollar. Zum Vergleich: Zum Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise 2015 verlangten CDS-Anbieter zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Anleihen fast sechs Millionen Euro Anzahlung. 

Nachfolgend einige wichtige Fragen und Antworten zu diesem Thema: 

WAS SIND CREDIT DEFAULT SWAPS (CDS)?

Es handelt sich quasi um eine Versicherungspolice, mit der sich Käufer von Anleihen gegen bestimmte Risiken wappnen. Häufig kaufen Anleihe-Investoren CDS auf diejenigen Bonds, die sie halten, um sich gegen ein Zahlungsausfall abzusichern. Die CDS können dabei auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden. Manche Investoren spekulieren auch direkt mit CDS. Das bedeutet, sie besitzen gar keine Wertpapiere, die sie gegen einen Zahlungsausfall absichern wollen, sondern setzen auf Kursgewinne der CDS selbst. 

WIE KAUFE ICH EINEN CDS?

Im Prinzip kann jeder Finanzakteur einen CDS auflegen und verkaufen, nicht nur Versicherungen. Meist bieten große Investmentbanken ihren Kunden diese Papiere an. Die Kosten hierfür hängen von der Ausfall-Wahrscheinlichkeit ab. 

WANN SPRINGT DIESE VERSICHERUNG EIN?

Ein Marktteilnehmer, üblicherweise der Käufer eines CDS, beantragt beim Credit Derivatives Determinations Committee (DC) die Prüfung, ob ein sogenanntes Kreditereignis (Credit Event) eingetreten ist. Darunter verstehen Fachleute den Zahlungsausfall eines Schuldners oder eine Umschuldung. Weltweit gibt es fünf DCs, jedes ist für eine bestimmte Region verantwortlich. In diesem Gremium sitzen bis zu 15 stimmberechtigte Mitglieder, die hauptsächlich von den großen Banken und Vermögensverwaltern entsandt werden. 

WANN TRITT EIN „KREDITEREIGNIS“ EIN?

Es gibt fünf Grund-Szenarien, die als Kreditereignis gewertet werden: Pleite, Zahlungsausfall, Umschuldung, Zahlungsmoratorium und eine vorzeitige Fälligkeit einer Verbindlichkeit (Obligation Acceleration). Bei Letzterem ist nicht der eigentliche Bond notleidend, sondern eine andere Verbindlichkeit, wodurch die versicherte Anleihe vorzeitig fällig wird. 

WIE GEHT ES WEITER?

Stellt das DC ein Kreditereignis fest, übergibt der CDS-Käufer die versicherten Bonds dem CDS-Verkäufer und erhält von diesem den Nominalwert der Anleihen ausgezahlt. Ist der CDS-Käufer nicht im Besitz der versicherten Papiere, weil er nur mit dem CDS selbst spekuliert hat, muss er diese auftreiben. Sollte sich dies als schwierig erweisen, können sich die Parteien auch auf eine rein finanzielle Abwicklung des Geschäfts einigen, bei der keine Anleihen den Besitzer wechseln. 

WARUM IST ES BEI RUSSISCHEN ANLEIHEN SO KOMPLIZIERT?

Bei sechs der insgesamt 15 russischen Dollar-Anleihen steht im Kleingedruckten, dass der Staat die Papiere in Rubel bedienen darf, wenn Zahlungen in Dollar nicht möglich seien. Wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland ist es derzeit aber kaum möglich, Rubel in Dollar oder Euro zu tauschen. Daher ist unklar, ob nicht schon eine Zinszahlung in Rubel als Zahlungsausfall gewertet werden muss. Das zuständige DC wurde bereits damit beauftragt, genau das zu prüfen.

Darüber hinaus ist der Handel mit russischen Anleihen ausgesetzt, wodurch Gläubiger ihre Bonds nicht an die CDS-Verkäufer überschreiben können. Daher könnten diese argumentieren, dass sie ihre Versicherungspolicen nicht auszahlen müssen. 

AB WANN KÖNNTE RUSSLAND ZAHLUNGSUNFÄHIG WERDEN?

Die nächste Kupon-Zahlung, die Auszahlung von Zinsen, für russische Dollar-Anleihen ist am 16. März fällig. Da es eine 30-tägige Nachfrist gibt, würde Russland formal am 15. April als zahlungsunfähig gelten, falls es die Zinszahlung gar nicht leistet oder die Zahlung in Rubel als nicht ausreichend betrachtet wird.

WIE VIEL GELD STEHT AUF DEM SPIEL?

Schätzungen der Bank JPMorgan zufolge müssten bei einem Kreditereignis für russische Anleihen CDS im Volumen von sechs Milliarden Dollar ausgezahlt werden. Einige der CDS-Käufer könnten dabei sogar Gewinn machen. Denn vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und den daraus folgenden Sanktionen des Westens galt ein Zahlungsausfall Russlands als unwahrscheinlich. Entsprechend günstig waren CDS zu haben. 

WELCHE FACHBEGRIFFE MUSS ICH KENNEN?

Credit Event (Kreditereignis): Tritt bei Zahlungsunfähigkeit oder einer Umschuldung ein. 

Default (Ausfall): Umschreibung für eine Pleite. Kredite können nicht mehr zurückgezahlt werden. 

Haircut (Haarschnitt): Gemeint ist ein Schuldenerlass. Die Gläubiger verzichten auf Teile ihrer Forderungen. 

Restructuring (Umstrukturierung): Hier ist von einer Umschuldung die Rede. Sie kann einen Schuldenerlass beinhalten. Möglich ist außerdem eine Laufzeit-Verlängerung und/oder eine Herabsetzung des Zinszahlungen (Kupon) für Anleihen.

Credit Default Swaps – Versicherungen gegen Zahlungsausfall

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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