Cewe-Kuratorium macht dem scheidenden CEO Vorwürfe

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Frankfurt, 01. Apr (Reuters) – Zwei Wochen nach der überraschenden Abberufung von Cewe-Vorstandschef Christian Friege zum Jahresende hat das einflussreiche Stiftungskuratorium des Fotokonzerns dem Manager heftige Vorwürfe gemacht. Trotz der „akzeptablen bis guten Arbeit“ Frieges hätten sich bei dem Gremium „seit längerer Zeit Bedenken gegen Frieges Leistungen und gegen sein Verhalten herausgebildet“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kuratoriums, das bei Cewe über die Besetzung des Vorstands entscheidet.

Dass Friege das gesellschaftlich bedeutende Thema Frauen in leitenden Funktionen nicht erkannt und implementiert habe, sei ein „unentschuldbares Versäumnis“, erklärte das Kuratorium weiter. Friege habe die Berufung einer Vorständin für Personal und Organisationsentwicklung massiv behindert und eine von Mitarbeiterinnen getriebene Initiative der Frauenförderung nicht unterstützt. „Dies zeigt, wie unwichtig für Christian Friege Frauenförderung auf allen Ebenen der CEWE-Gruppe ist.“

Von Friege selbst war am Freitag kein Kommentar zu erhalten. Ein Cewe-Sprecher wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren vier Frauen in internationale Führungspositionen befördert worden seien. Über die Besetzung des Vorstands entscheide nicht der Vorstand, sagte der Sprecher.

AUFSICHTSRAT UND GRÜNDER-ERBEN WAREN GEGEN ABBERUFUNG

Frieges Abberufung gegen den Willen des Aufsichtsrats und der Großaktionärs-Familie Neumüller hatte Mitte März für Aufsehen gesorgt. Das Kuratorium der Neumüller Cewe Color Stiftung, das von Frieges langjährigem Vorgänger Rolf Hollander geführt wird, habe entschieden, den Vorstandsvertrag des 55-Jährigen nach fünf Jahren nicht zu verlängern. Aufsichtsratschef Otto Korte erklärte damals für sein Gremium: „Wir hätten eine Vertragsverlängerung sehr befürwortet.“ Korte ist Stellvertreter Hollanders im Kuratorium. 

Auch die Erben von Firmengründer Otto Neumüller, die mit 27,1 Prozent des Grundkapitals der mit Abstand größte Cewe-Aktionär sind, stellten sich hinter den scheidenden Chef: „Herr Dr. Friege hat zu jeder Zeit unser volles Vertrauen genossen, und wir hätten eine Vertragsverlängerung sehr begrüßt“, sagten Alexander und Caroline Neumüller. 

Vorstandspersonalien sind in der komplizierten Führungsstruktur der Cewe Stiftung & Co KGaA aber die Sache des Kuratoriums der Stiftung, die als persönlich haftender Gesellschafter das Sagen hat, aber nur drei Prozent der Aktien hält. Neumüller selbst hatte das beim Börsengang so festgelegt.

Hollander hatte 2017 nach 15 Jahren an der Spitze von Cewe das Ruder als Vorstandschef an Friege übergeben. Dieser hatte die Strategie fortgesetzt, das Foto-Großlabor angesichts des Vormarschs der Digital-Fotografie zum Dienstleister umzubauen.

Bekannt sind vor allem Cewe-Fotobücher, die die Kunden online selbst gestalten können. Nach dem Abebben des coronabedingten Booms war der Umsatz 2021 um fünf Prozent auf 692,8 Millionen Euro zurückgegangen und hatte die eigenen Prognosen verfehlt: Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen schrumpfte 2021 auf 72,2 (79,7) Millionen Euro, lag damit aber immer noch mehr als ein Viertel über dem Vor-Pandemie-Jahr 2019.

Auch beim Kölner Motorenbauer Deutz hatte ein Streit über die Berufung einer Vorständin zur plötzlichen Abberufung des Vorstandschefs gesorgt.

Cewe-Kuratorium macht dem scheidenden CEO Vorwürfe

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Titelfoto: Symbolfoto

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