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Freitag, Januar 27, 2023

Politik und Firmen stellen sich gegen Armbinden-Verbot

Expertenmeinungen

UPDATE Ankara/München/Doha, 22. Nov – Gegen das Verbot von „One Love“-Kapitänsbinden bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar regt sich weiter Widerstand. Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete die Entscheidung des Welt-Fußballverbandes Fifa am Dienstag als großen Fehler und kündigte an, das Thema auch bei ihrem Besuch in der katarischen Hauptstadt Doha anzusprechen. „Es ist der schwere Weg, aber ich halte es für wichtig, dass wir nach wie vor mit den Entscheidungsträgern dort über die Menschenrechte diskutieren“, sagte die auch für den Sport zuständige Ministerin am Rande eines Besuchs in der türkischen Hauptstadt Ankara.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Internationalen Sportgerichtshof CAS anrufen, um das Tragen der Armbinden doch noch durchzusetzen, die ein Zeichen für Toleranz und gegen Diskriminierung setzen sollte. Sieben europäische Mannschaften – darunter die deutsche – hatten am Montag auf Druck der Fifa erklärt, die „One Love“-Armbinde bei den WM-Spielen nicht zu tragen. Die Fifa hatte mit nicht näher bezeichneten Strafen gedroht. Sie hält die Aussage für eine politische Botschaft, die auf dem Spielfeld untersagt ist.

Laut „Bild“ will der DFB bei einer für die WM eingerichteten Ad-hoc-Kammer des CAS vorläufigen Rechtsschutz für die Dauer des Turniers erwirken. Das Gericht entscheidet innerhalb von 48 Stunden. Für das erste Spiel der deutschen Elf am Mittwoch gegen Japan könnte das aber zu spät sein. Ein DFB-Sprecher sagte, man prüfe alle Optionen.

„Wir waren willens, Geldstrafen zu zahlen, die normalerweise bei Verstößen gegen die Ausrüstungsvorschriften verhängt werden“, teilten der DFB und die Fußballverbände von England, Wales, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Dänemark mit. Man könne die Spieler aber nicht in die Situation bringen, dass sie verwarnt oder gar gezwungen würden, das Spielfeld zu verlassen. Faeser sagte, sie bedaure, dass sich die europäischen Fußballverbände der Fifa-Entscheidung beugten. Spielführer der deutschen Nationalmannschaft ist Torhüter Manuel Neuer.

DFB-SPONSOREN IM ZWIESPALT

Die meisten DFB-Sponsoren versuchten den Spagat zwischen deutlicher Kritik an der Fifa-Entscheidung und Rückendeckung für den deutschen Verband. Nur der Einzelhandelsriese Rewe ging auf Distanz und will die Kooperation mit dem DFB vorzeitig beenden. Rewe hatte den Partnerschaftsvertrag schon im Oktober gekündigt. Nun will der Handelskonzern aus Protest auf seine Werberechte – insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft – verzichten. Ein DFB-Sammelalbum von Rewe zur WM in Katar werde ab sofort gratis angeboten. Die bisherigen Verkaufserlöse wolle Rewe spenden.

Die Deutsche Telekom, die über MagentaTV alle WM-Spiele überträgt, kündigte Gespräche mit dem DFB an. „Wir halten nichts von überstürzten Entschlüssen und müssen zunächst die Hintergründe der Entscheidung des DFB verstehen“, erklärte der Konzern. „Deshalb werden wir zeitnah mit dem DFB über die gesamte Thematik sprechen.“

Der langjährige Ausrüster Adidas steht zu seinem Vertrag mit dem DFB. „Wir werden die Partnerschaft nicht beenden“, betonte ein Sprecher des Sportartikelkonzerns, der in Katar sieben Nationalteams ausstattet. Adidas setze auf Dialog: „Sport bietet wichtigen Themen eine Bühne. Es ist unerlässlich, die Diskussion fortzuführen.“ Zur Partnerschaft mit dem Fußball-Weltverband Fifa, für den Adidas einer der sieben wichtigsten Sponsoren ist, äußerte sich Adidas zunächst nicht.

Auch Volkswagen hält am DFB-Sponsoring fest. Dort habe es „viele gute Entwicklungen“ gegeben. „Und wir wollen auch zukünftig mit dem DFB gemeinsam an positiven Veränderungen im Fußball insgesamt arbeiten“, sagte ein Sprecher des Autobauers, der auch Eigentümer des Bundesligisten VfL Wolfsburg ist. „Dennoch hätten wir es begrüßt, wenn die europäischen Verbände ein solches sichtbares Zeichen für Vielfalt bei diesem Turnier gesetzt hätten.“ Aber im Weltfußball müsse sich „dringend etwas Grundsätzliches ändern“.

Die Lufthansa fliegt die deutsche Nationalelf zu ihren Auswärtsspielen. Die Fluggesellschaft will dem DFB treu bleiben. Sie verwies darauf, dass sie mit der Aufschrift „Diversity Wins“ auf einem Airbus A330 ein klares Zeichen für Toleranz und Vielfalt gesetzt habe. „Für diese Haltung wirbt Lufthansa in aller Welt.“ Das Flugzeug werde derzeit auf verschiedenen Langstreckenverbindungen eingesetzt – auch nach Doha. Der Versicherer Ergo äußerte sein Bedauern, dass der DFB auf die Armbinde verzichte. Man stehe in engem Austausch mit dem Verband.

Politik und Firmen stellen sich gegen Armbinden-Verbot

Quelle: Reuters

Titelfoto: Bild von weroarnau auf Pixabay

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