Zinspanik und Kriegsangst verstärken Börsen-Talfahrt

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Frankfurt, 23. Sep – Zins- und Rezessionsängste haben Europas Börsen im Klammergriff. Der Dax tauchte am Freitag um zwei Prozent auf 12.284 Punkte ab und stand so tief wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. An den übrigen Börsen Europas und in den USA ging es ähnlich stark abwärts. Der Ölpreis rauschte auf ein Acht-Monats-Tief, während die als Weltleitwährung Dollar ein frisches 22-Jahres-Hoch erklomm.

„Die Anleger sehen sich mit einer Zinswende in noch nie dagewesenem Tempo konfrontiert und bleiben dem Aktienmarkt fern. Und wer drin ist, bleibt zwar noch gelassen, wird aber immer nervöser“, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. In der abgelaufenen Woche hatten die Zentralbanken in den USA, Großbritannien und der Schweiz die Zinsen im Kampf gegen die steigende Teuerung angehoben, was die Angst der Anleger vor einem Abwürgen des weltweiten Konjunkturmotors schürte. Hinzu kommt der eskalierende Ukraine-Krieg. Mit der Teilmobilmachung der Streitkräfte durch den russischen Präsidenten schalte der Konflikt einen Gang höher, sagte Molnar. Auf Wochensicht verlor der Dax 3,6 Prozent.

KING DOLLAR SCHNÜRT ROHSTOFFPREISEN DIE LUFT AB

Der Euro setzte seine Talfahrt fort und markierte mit 0,9726 Dollar ein 22-Jahres-Tief. „Offensichtlich glaubt die Mehrheit auf dem Parkett nicht, dass die Europäische Zentralbank mit dem hohen Straffungstempo der US-Notenbank Fed Schritt halten kann“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Der Dollar-Index, der die Währung zu anderen wichtigen Devisen misst, kletterte um 1,5 Prozent auf 122,86 Punkte und war so hoch wie seit Mai 2002 nicht mehr. Im Zuge dessen fiel der Goldpreis mit 1640,20 Dollar je Feinunze auf den tiefsten Stand seit April 2020. Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um rund fünf Prozent auf 85,88 Dollar je Fass. Ein hoher Dollar-Kurs macht die in der US-Devise notierten Rohstoffe für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer.

PFUND NACH STEUERSENKUNGEN UNTER DRUCK 

Am Devisenmarkt sackte das Pfund mit 1,0915 Dollar um mehr als drei Prozent auf den niedrigsten Stand seit 37 Jahren. Großbritannien plant neben Hilfen zur Abfederung der hohen Energiepreise auch massive Steuersenkungen, was die Verschuldung des Landes nach oben schnellen lassen wird. In diesem Zusammenhang verkauften Anleger britische Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg im Gegenzug um 33 Basispunkte und steuerte auf ihren größten Tagesgewinn seit Ende der 90er Jahre zu.

Die Anleger sorgten sich, dass das Paket der Regierung die Inflation weiter befeuere und diese deswegen nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sei, sagte CMC-Markets-Stratege Michael Hewson. „Das Risiko noch aggressiverer Zinserhöhungen im November ist deutlich gestiegen und an den Märkten wird die Möglichkeit von einem Schritt von 100 Basispunkten bei der nächsten Sitzung einkalkuliert.“ Am Donnerstag hatte die Bank of England die Zinsen um 50 Basispunkte angehoben.

DÜSTERE PROGNOSEN BRINGEN AKTIEN ZUM ABSTURZ 

Am deutschen Aktienmarkt sorgten Rekord-Kursstürze von Varta und Hypoport von 34 und knapp 46 Prozent für Aufsehen. Der Batteriehersteller und der Finanzvermittler kassierten ihre Gesamtjahresziele. Jungheinrich lieferten mit einem hoffnungsvollen Ausblick einen kleinen Lichtblick. Die Aktien des Gabelstapler-Herstellers sprangen an die Spitze des MDaxund legten 3,5 Prozent zu.

In Zürich rutschten die Titel von Credit Suisse um 12,4 Prozent ab, zeitweise waren sie mit 4,04 Franken so billig wie nie gewesen. Insidern zufolge lotet die krisengeschüttelte Bank eine Kapitalerhöhung aus, die Analysten zufolge ein Volumen von bis zu vier Milliarden Franken (4,2 Milliarden Euro) haben könnte.

Zinspanik und Kriegsangst verstärken Börsen-Talfahrt

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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