Uniper tritt in Russland auf die Bremse – Aktienkurs steigt

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Düsseldorf, 08. Mrz (Reuters) – Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper will die Hängepartie im Russlandgeschäft mit einem Teilrückzug beenden und bekommt dafür Rückendeckung vom Markt. Die zuletzt arg gebeutelte Aktie legte am Dienstag zeitweise um mehr als neun Prozent zu, nachdem der Konzern als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine in seinem Russlandgeschäft eine Kehrtwende angekündigt hatte.

Uniper werde keine neuen Investitionen in Russland tätigen. Auch an die russische Kraftwerkstochter Unipro würden vorerst keine Mittel überwiesen. Der Ende letzten Jahres eingeleitete Prozess zur Veräußerung von Unipro werde vorerst gestoppt, aber so bald wie möglich wieder aufgenommen.

Unterstützung bekam der Uniper-Vorstand von den Arbeitnehmervertretern. „Das sind klare Aussagen zum Russlandgeschäft. Wir müssen unser Geschäft auf neue Beine stellen“, sagte Konzernbetriebsratschef und Vize-Aufsichtsratschef Harald Seegatz der Nachrichtenagentur Reuters. Versorgungssicherheit müsse an oberster Stelle stehen.

Das Geschäft mit verflüssigtem Erdgas (LNG) müsse mit Hilfe eines Terminals in Deutschland ausgebaut werden. Für die Sicherung der Versorgung im kommenden Winter könnten Kohlekraftwerke Vorfahrt bekommen. „Sollte die Gasversorgung im nächsten Winter knapp werden, könnten die Gaskraftwerke zurückgefahren werden und die Kohlekraftwerke länger laufen.“ Das wäre das einzige, was schnell hilft. „Natürlich wäre das eine Belastung für die Umwelt, aber jetzt geht zunächst mal um die Versorgungssicherheit.“

UNIPER FÜRCHTET SANKTIONEN DURCH RUSSLAND 

Uniper zog nun auch einen Strich unter seine Finanzbeteiligung an der vorerst gescheiterten Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2. Hier muss der Konzern eine Wertminderung seiner Darlehen in Höhe von 987 Millionen Euro vornehmen.Dabei handele es sich um ein Darlehen von 695 Millionen Euro plus bislang aufgelaufener Zinsen von 292 Millionen Euro. Die Abschreibung werde im ersten Quartal vorgenommen. Abhaken müsse Uniper nun auch erwartete Zinserträge von jährlich rund 100 Millionen Euro.

„Es ist wichtig, dass die Bundesregierung derzeit alles Menschenmögliche tut, um die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Rohstoffexporten zu verringern“, sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach. Als Energieversorger sehe Uniper es als seine Pflicht, in solch schwierigen Zeiten seinen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung zu leisten. Uniper – eine Tochter des finnischen Versorgers Fortum – werde seine bestehenden Verträge weiter erfüllen, aber keine neuen langfristigen Lieferverträge für Erdgas mit Russland abschließen.

Ungewiss ist die Zukunft der russischen Tochter Unipro, an der Uniper 83,7 Prozent hält. Unipro betreibt in Russland insgesamt fünf Kohle- und Gaskraftwerke, beschäftigt rund 4300 Mitarbeiter und sorgte mit einem bereinigten Ebit von zuletzt 230 Millionen Euro für knapp 20 Prozent des operativen Gewinns von Uniper.

Die Aktivitäten von Unipro, einschließlich des Modernisierungsprogramms für Kraftwerke, liefen weiter, erklärte Uniper. „Uniper wird jedoch keine neuen Investitionen in Russland tätigen und bis auf Weiteres keine Mittel an Unipro überweisen.“ Es sei derzeit nicht absehbar, wie sich mögliche russische Sanktionen auf die geschäftliche und finanzielle Situation von Unipro auswirken könnten.

Insider hatten Reuters im vergangenen Jahr berichtet, dass Uniper über Unipro Gespräche mit dem russischen Stromkonzern Inter geführt habe. Es habe aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen gehakt.

Uniper tritt in Russland auf die Bremse – Aktienkurs steigt

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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