Transport- und Logistikbranche befürchtet Pleitewelle

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Berlin, 09. Mrz (Reuters) – Corona-Krise, Mindestlohnanhebung, dazu jetzt explodierende Spritpreise und Fahrermangel durch den Krieg in der Ukraine: Die Logistik- und Taxibranche schlägt Alarm. „Unsere Situation ist seit Ausbruch der Corona-Krise extrem angespannt.

Und wir sind noch längst nicht wieder auf dem Stand von vor der Pandemie. Jetzt kommen zur Anhebung des Mindestlohns auch noch die exorbitanten Spritpreise“, beschrieb der Geschäftsführer des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen, Michael Oppermann, am Mittwoch den Druck.

Der Vorstandsprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, warnte vor einer „Insolvenzwelle im deutschen Transportlogistikgewerbe – dann wäre die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft in Gefahr“. Ein BGL-Sprecher nennt ein Beispiel: Eine niedersächsische Transportunternehmerin habe ihre Lkw-Fahrer komplett in den Urlaub geschickt, weil sie mit jedem gefahrenen Kilometer nur noch weitere Verluste produziere. Alle ihre Lkw stünden still. 

Der Krieg in der Ukraine hat die Spritpreise in die Höhe schnellen lassen. Inzwischen ist Diesel an manchen Tankstellen teurer als Benzin, weil die Nachfrage nach Heizöl zugenommen hat. Das macht dem Taxi- und Lkw-Gewerbe zusätzlich zu schaffen. Laut einer Sonderauswertung des ADAC überstiegen die Kosten für einen Liter Super E10 wie auch Diesel am Montag erstmals die Zwei-Euro-Marke. „Das ist aktuell unter keinem Gesichtspunkt auskömmlich“, sagte Oppermann.

Logistik

Zusätzlich bereiten der Lkw-Branche der Fahrermangel zu schaffen, der durch den Ukraine-Krieg verschärft wird. Bereits vor Beginn des Ukraine-Krieges sei alles „auf Kante genäht“ gewesen, jetzt fehlten ukrainische Fahrer, sagte ein BGL-Sprecher. Von denen dürfte ein Großteil nach Hause zurückgekehrt sein, sagt BGL-Vorstandssprecher Engelhardt. Die Deutsche Post steht vor dem gleichen Problem:

„Wir können noch nicht abschließend sagen, wie viele Fahrer in die Ukraine zurückgehen. Es beunruhigt uns, ob die Menschen, die zurückgehen, gesund zurückkommen“, sagte Konzernchef Frank Appel auf der Bilanz-Pressekonferenz. Dem Verband zufolge sind mindestens sieben Prozent der in Deutschland eingesetzten Lkw-Fahrer Ukrainer. Bereits vor dem Ukraine-Krieg fehlten in Deutschland zwischen 60.000 und 80.000 Lkw-Lenker. 

TAXITARIFE SCHNELL ANPASSEN

Die Frage ist nun für viele Unternehmen, inwieweit sie die höheren Kosten auf die Preise aufschlagen können. Während Transportunternehmen in der Regel bei höheren Spritkosten zumindest noch auf den sogenannten Dieselfloater – einen variablen Zuschlag, der sich automatisch an die Kraftstoffpreisentwicklung anpasst – zurückgreifen können, ist das Taxiunternehmen nicht möglich. Diese sind an die behördlich vorab festgelegten Tarife gebunden.

„Wenn die Kosten steigen, müssen auch die Tarife zügig steigen“, forderte Oppermann. Normalerweise dauere eine Tarifanpassung aber ein Jahr, das passe mit dem Tempo der Zapfsäulen nicht überein. Spätestens im Oktober müsse sich etwas tun, denn dann gelte auch der Mindestlohn von zwölf Euro, der sich noch gravierender auswirke als die Spritpreise. „Das schlägt drastisch auf unsere Kostenstruktur durch. Rund 70 Prozent aller Kosten sind Personalkosten“, sagte Oppermann.

Transport- und Logistikbranche befürchtet Pleitewelle

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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