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Mittwoch, Dezember 7, 2022

Streik der Lufthansa-Piloten trifft Tausende Passagiere

Expertenmeinungen

Frankfurt, 31. Aug – Die Lufthansa hat den für Freitag geplanten Streik der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) im Tarifkonflikt verurteilt. „Uns fehlt jedes Verständnis für den Streikaufruf der VC“, erklärte Personalchef Michael Niggemann. Die Lufthansa habe ein sehr gutes Angebot gemacht, während die Forderungen der VC die Personalkosten im Cockpit um rund 40 Prozent erhöhten. Der 24-stündige Streik am Freitag dürfte zu massiven Flugausfällen führen und die Reisepläne Tausender Passagiere durchkreuzen. Die Lufthansa will über die Flugstreichungen im Laufe des Tages informieren. 

Die VC hatte in der Nacht zum Donnerstag die Verhandlungen für gescheitert erklärt und die mehr als 5000 Piloten von Lufthansa und der Frachtlinie Lufthansa Cargo zum Streik aufgerufen. Der Arbeitgeber habe zuletzt kein verbessertes Angebot vorgelegt. „Daher bleibt uns nur, mit einem Arbeitskampf unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen.“ 

Bestreikt werden sollen die von Deutschland abgehenden Flüge der Lufthansa. Rückflüge sind ausgenommen, damit Piloten aus dem Ausland heimkehren können. Es ist nicht der erste Streik, der die Lufthansa trifft: Vor einigen Wochen sorgte ein eintägiger Ausstand des Lufthansa-Bodenpersonals für mehr als 900 Flugausfälle. Der Pilotenstreik trifft die Airline mitten in der Hochsaison, in der noch viele Urlauber unterwegs sind und die Geschäftsreisen wieder anziehen. 

Überall in Europa kam es bei Airlines und Flughafen-Dienstleistern in den letzten Monaten zu Tarifkämpfen mit Streiks. Nach zwei Jahren Verzicht während der Corona-Pandemie und angesichts hoher Arbeitsbelastung durch massiven Personalmangel nach der Krise wollen Gewerkschaften für die Beschäftigten möglichst viel herausholen. Streiks der gewerkschaftlich gut organisierten Piloten haben eine durchschlagende Wirkung. Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings ist im schwelenden Tarifkonflikt jederzeit ein Streikaufruf nach einer Urabstimmung möglich. 

Neben Streiks kämpft die Luftfahrt-Branche mit Engpässen nach der Corona-Krise. So strich die Lufthansa im Sommer Tausende Flüge wegen Personalmangels an Flughäfen und bei der Airline selbst. Schon das sorgte für Verdruss bei den Kunden.

VERHÄRTETE FRONTEN 

VC-Tarifvorstand Marcel Gröls erklärte, die Tarifparteien läge noch weit auseinander. Der Arbeitgeber könne den Arbeitskampf durch ein deutlich verbessertes Angebot noch abwenden. Doch danach sieht es nicht aus, da die Lufthansa in Reaktion auf den Streikbeschluss die lange Liste der Tarifforderungen veröffentlichte und diese in einen hohen Kostenanstieg umrechnete: Die Personalkosten im Cockpit in Summe von 2,2 Milliarden Euro würden um voraussichtlich mehr als 40 Prozent beziehungsweise circa 900 Millionen Euro über die nächsten zwei Jahre erhöht. „Dies ist, auch ohne die finanziellen Folgen der Corona-Krise zu berücksichtigen, außerhalb des Vertretbaren“, erklärte die Lufthansa.

Die VC pocht auf Reallohnsicherung in Zeiten hoher Inflation und Verbesserungen in der Vergütungsstruktur. Rückwirkend zum 1. Juli sollen die Vergütungen um 5,5 Prozent steigen. Ab 2023 fordern sie einen automatischen Inflationsausgleich. Zudem sollen Einstiegsgehälter angehoben werden und schneller steigen. Nach Mitteilung der Lufthansa wird auch mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Schulungen verlangt sowie eine Zusage, perspektivisch auf Bezahlung nach Dienstzeit umzustellen.

Ihr Angebot bezifferte die Lufthansa bei 18 Monaten Laufzeit auf 900 Euro mehr Grundvergütung pro Monat. Die Einstiegsgehälter stiegen um mehr als 18 Prozent, die oberste Gehaltsgruppe bekäme fünf Prozent mehr. Die Spanne der Bezahlung reicht derzeit von 69.000 Euro Jahresgehalt für Berufseinsteiger bis zu 275.000 Euro für altgediente Piloten.

Streik der Lufthansa-Piloten trifft Tausende Passagiere

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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