Shanghai trotz Lockdown mit Corona-Rekordzahlen – Belastung für Konjunktur

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Shanghai, 08. Apr (Reuters) – Trotz des nun schon seit knapp zwei Wochen währenden Lockdowns ist die Zahl der Corona-Infektionen in der chinesischen Finanzmetropole Shanghai auf Rekordhöhe geschnellt. Die Behörden meldeten am Freitag 21.000 neuen Fälle. Damit wurden seit Ausbruch der neuen Corona-Welle, die von der hochansteckenden Omikron-Variante getragen wird, schon mehr als 130.000 Neuinfektionen registriert. Das ist weit mehr als bei der ersten Welle bei Ausbruch der Pandemie Anfang 2020.

Das hat auch wirtschaftliche Folgen: Sollte der Lockdown in der mit 26 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt des Landes den ganzen April über andauern, dürfte das deren Wirtschaftsleistung im sechs Prozent drücken, sagte die ING-Chefvolkswirtin für den Großraum China, Iris Pang. Das wiederum dürfte das Bruttoinlandsprodukt der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt um zwei Prozent schmälern.

Den Behörden in China ist es zwei Jahr lang gut gelungen, Corona in Schach zu halten. Nun macht Omikron der Null-Covid-Strategie der Regierung einen dicken Strich durch die Rechnung. Mit Zhengzhou wurde die Hauptstadt der zentralen Provinz Henan in den Lockdown geschickt. Dort sollen alle 12,6 Millionen Einwohner getestet werden, nachdem hier zahlreiche Fälle festgestellt worden waren. Im Landkreis Shizong in der südwestchinesischen Provinz Yunnan wurden Geschäfte geschlossen und der Verkehr eingestellt, während die Bewohner ihre Städte und Dörfer nicht mehr verlassen durften. Zuletzt kündigte die nordwestchinesische Stadt Xian an, ihren in Gefahrengebieten lebenden Bürgern die Rückkehr vorerst nicht mehr zu gestatten und Reisen dorthin zu verbieten.

Analysten des Finanzhauses japanischen Nomura schätzen, dass 23 chinesische Städte entweder vollständig oder teilweise im Lockdown sind. Dort leben etwa 193 Millionen Menschen, die 22 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften. Dazu gehört auch Changchun, ein wichtiges Produktionszentrum, das seit 28 Tagen abgeriegelt ist.

Der Chef-Epidemiologe des Chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle und -prävention, Wu Zunyou, forderte derweil „gewaltige“ Maßnahmen für Shanghai. Nur so ließe sich die Übertragungskette unterbrechen. Bei mehreren Runden von PCR-Tests für alle Einwohner, die innerhalb von zwei bis drei Tagen durchgeführt werden, könnten die Fallzahlen innerhalb von zehn bis 14 Tagen auf null gedrückt werden. „Solange diese Maßnahmen gut umgesetzt werden, wird sich die Situation der schweren Corona-Epidemie in unserem Land bald verbessern“, sagte Wu.

In Shanghai sind mehr als 2000 deutsche Unternehmen aktiv. „Die Metropolregion Shanghai ist für Chinas Exportwirtschaft besonders wichtig“, sagte Handelsforscher Vincent Stamer vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Einerseits ist Shanghai der weltweit größte Containerhafen. Andererseits produzieren Firmen in der Metropolregion einen wichtigen Teil der Elektronikexporte Chinas.“ Wenn der Lockdown die Produktion dieser Güter für einen langen Zeitraum einschränke, könnte das Angebot an Unterhaltungselektronik, aber auch an Zwischengütern für die Industrie zumindest zeitweise in Deutschland zurückgehen. China ist seit 2016 der wichtigste Handelspartner Deutschlands: Zwischen beiden Ländern wurden allein im vergangenen Jahr Waren im Wert von 245,4 Milliarden Euro gehandelt.

Shanghai trotz Lockdown mit Corona-Rekordzahlen – Belastung für Konjunktur

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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