Schwierige Zeiten für Banken

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Marktkommentar „Schwierige Zeiten für Banken“ von Pascal Menges, Head of Equity Investment Process and Research bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM):

Neben den Verbrauchern und den energieintensiven Industrien sind auch die europäischen Banken von den steigenden Energiepreisen betroffen. Sie stehen vor einer schwierigen Situation, da ihre Kreditvergaben durch die sich verschlechternden Geschäftsbedingungen, beeinträchtigt werden. Die Situation stellt den Bankensektor in der EU vor zwei potenzielle Systemrisiken:

Abschreibungen auf russische Engagements und eine Umkehrung des Kreditzyklus aufgrund steigender Kosten für Kreditausfälle. Das negative Szenario der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) geht von rund 90 Mrd. USD an Abschreibungen im Zusammenhang mit Russland aus. Sollten die Kreditausfallkosten als Prozentsatz des Kreditbestands von heute 0,3 % auf 1,6 % ansteigen, gibt es mehrere wahrscheinliche Szenarien für die EU-Banken:

  • Ein kumulativer Rückgang des Bruttogewinns von 400 Mrd. EUR auf 190 Mrd. EUR, entsprechend dem negativen Szenario des Europäischen Stabilitätsmechanismus
  • Ein Anstieg der kumulierten Rückstellungen für Kreditausfallkosten von 120 Mrd. EUR auf 540 Mrd. EUR
  • Ein kumulativer Rückgang der Dividendenausschüttungen von 100 Mrd. EUR auf null, um die Auswirkungen der Rückstellungen aufzufangen
Schwierige Zeiten für Banken
Pascal Menges, Head of Equity Investment Process and Research bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM)

Auf der Grundlage des negativen Szenarios der EBA besteht außerdem die Möglichkeit, dass im Jahr 2024 die harte Kernkapitalquote (CET1) der europäischen Banken von 16,8 % auf 12,5 % sinkt. Damit läge die CET1-Quote unter der „Komfortzone“ von 13 %, aber über dem regulatorischen Schwellenwert von 10,6 %. Wenn sich die Ereignisse wie erwartet entwickeln, müssen die Banken in der EU mindestens 40 Mrd. EUR aufbringen – das entspricht 10 % der derzeitigen Marktkapitalisierung des Sektors -, um ihren Kapitalpuffer zu erhalten.


Auch wenn die europäischen Banken in eine unsichere und potenziell schwierige Phase eintreten, so sind sie in dieser Krise in einer besseren Verfassung als zu Beginn der globalen Finanzkrise von 2008. Die Banken sind heute wesentlich besser kapitalisiert und können Schocks überstehen, indem sie entweder die Dividenden kürzen oder mindestens 10 % des gesamten Sektor-Kapitals aufbringen. In Anbetracht der aktuellen Situation und der sich entfaltenden Dynamik sollten Anleger die Ruhe bewahren, bis entweder mehr Klarheit herrscht oder die Bewertungen außergewöhnlich niedrig erscheinen, was noch nicht der Fall ist.

Aussichten
Die Schaffung eines nachhaltigen und erschwinglichen Energiesystems ist eine Priorität für die EU. Die aktuelle Situation hat die Bedeutung dieses Ziels nur noch verstärkt. Der Übergang zu einer Netto-Null-Energieversorgung ist nicht nur als Umweltpriorität zu sehen, sondern der Übergang zu erneuerbaren Energien ist auch eine strategische Priorität. So kann die Wirtschaft der Region zu energiepolitisch autark und vor externen Schocks geschützt werden. Die jetzige Situation ist eine Herausforderung für europäische Banken und Konsumgüterunternehmen, die auf eine Verbraucherbasis angewiesen sind, die durch höhere Energierechnungen unter Druck gerät. Auch die europäischen energieintensiven Unternehmen werden in Zukunft mit Gegenwind rechnen müssen.  

Schwierige Zeiten für Banken

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