Schwere Kämpfe um Mariupol – Selenskyj spricht von Terror

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Lwiw, 20. Mrz (Reuters) – In der Ukraine setzt Russland trotz der Berichte über eine zunehmend lebensbedrohliche Lage der Einwohner die Angriffe auf Mariupol mit unverminderter Härte fort. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Vorgehen der russischen Truppen gegen die Stadt am Asowschen Meer am Sonntag als „Terror, an den man sich noch Jahrhunderte lang erinnern wird“.

Nach ukrainischen Angaben bombardierte die russische Armee am Samstag eine Kunstschule, in der 400 Einwohner Zuflucht gefunden hätten. Die Zahl von Opfern wurde zunächst nicht bekannt. Die städtischen Behörden erklärten zudem, Tausende der Einwohner seien nach Russland verschleppt worden. Russischen Nachrichtenagenturen zufolge haben Busse in den vergangenen Tagen mehrere hundert Menschen, die die Regierung in Moskau als Flüchtlinge bezeichnet, von Mariupol nach Russland gebracht. 

Seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar, den Russlands Präsident Wladimir Putin einen militärischen Sondereinsatz nennt, sind den Vereinten Nationen zufolge drei Millionen Menschen geflohen. Mindestens 902 Zivilisten seien getötet und 1459 verletzt worden, teilte das UN-Menschenrechtsbüro mit. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch wesentlich höher liegen, hieß es. Nach ukrainischen Angaben kamen 112 Kinder ums Leben. Präsident Selenskyj forderte ungeachtet der Russland vorgeworfenen Kriegsverbrechen am Sonntag erneut Verhandlungen über einen Weg zum Frieden, auch wenn das „nicht einfach und angenehm“ sei.

WIEDER BEMÜHUNGEN UM FLUCHTKORRIDORE

Umkämpft ist vor allem das strategisch wichtige Mariupol, wo viele Menschen eingeschlossen sind. Die Gefechte in der Stadt seien auch am Sonntag fortgesetzt worden, sagte der Gouverneur der Region, Pawlo Kyrylenko, in einem Fernsehinterview. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Linda Thomas-Greenfield, sagte dem Sender CNN, die Berichte über Verschleppungen seien beunruhigend. Die USA könnten die Berichte derzeit aber nicht bestätigen. Auch Reuters konnte die Angaben beider Parteien über das Kriegsgeschehen nicht überprüfen.

Sollte Russland Mariupol erobern, würde dies dazu beitragen, eine Landverbindung zur Halbinsel Krim zu sichern, die Russland bereits 2014 von der Ukraine annektiert hat. Zivilisten schaffen es kaum, die Stadt zu verlassen, trotz der Bemühungen der ukrainischen Regierung in Abstimmung mit russischen Truppen Fluchtkorridore einzurichten. Am Sonntag waren nach Angaben der stellvertretenden ukrainischen Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk landesweit sieben solcher Korridore geplant. 

Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch sagte in einer Videoansprache, die Frontlinien seien praktisch eingefroren. Denn Russland verfüge nicht über genügend Kampfkraft, um weiter vorzurücken. Das ukrainische Militär gab die Zahl der bisherigen Verluste Russlands mit 14.700 Soldaten und 476 Panzern an. Russland selbst hatte zuletzt am 2. März Zahlen zu eigenen Verlusten genannt und von fast 500 gefallenen Soldaten gesprochen. Über die eigenen Verluste macht die Ukraine kaum Angaben. 

RUSSLAND SETZT ABERMALS SCHWER ABZUWEHRENDE RAKETEN EIN

Russland setzte nach eigenen Angaben am Sonntag erneut eine Hyperschallrakete ein. Demnach wurde die Rakete „Kinschal“ (Dolch) von der Halbinsel Krim auf ein Treibstofflager des ukrainischen Militärs abgeschossen. Hyperschallraketen erreichen mindestens die fünffache Schallgeschwindigkeit, sind sehr manövrierfähig und können relativ niedrig fliegen. Dadurch sind sie schwer abzufangen.

In der Nacht und am Sonntagmorgen seien mehrere Ziele der Infrastruktur des ukrainischen Militärs angegriffen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau weiter mit. Von Schiffen im Schwarzen sowie Kaspischen Meer seien Marschflugkörper abgefeuert worden. Dabei sei unter anderem in Nischyn eine Reparaturwerkstatt für Militärfahrzeuge getroffen worden. Auch eine Ausbildungsstätte für ausländische Kämpfer, die sich der ukrainischen Armee anschließen wollten, sei unter Beschuss genommen worden.

Die Ukraine befürchtete einen Angriff auf die westliche Region Wolyn von Belarus aus. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, teilte das Präsidialamt unter Berufung auf das Militär mit. Unklar blieb, ob russische Truppen von belarussischem Boden aus angreifen würden oder das belarussische Militär. Bislang konzentrierte sich der Einmarsch Russlands in die Ukraine auf den Norden, Süden und Osten des Landes. 

Papst Franziskus bezeichnete den Krieg als ungerechtfertigtes sinnloses Massaker und forderte Politiker auf, „diesen abscheulichen Krieg“ zu beenden. In Berlin versammelten sich derweil nach Polizeiangaben rund 20.000 Menschen bei einer Friedensdemonstration.

Schwere Kämpfe um Mariupol – Selenskyj spricht von Terror

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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