Schärfste Waffe des Westens – Sanktionen gegen Russlands Banken

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London, 17. Feb (Reuters) – Im Falle eines Einmarsches in die Ukraine haben die USA und Europa Russland mit drastischen Sanktionen gedroht. Das stärkste Mittel des Westens wären Maßnahmen, die die staatlich kontrollierten Banken des Landes vom Dollar abschnitten, heißt es bei russischen Führungskräften und westlichen Finanz- und Sicherheitsexperten, mit denen Reuters gesprochen hat.

Ohne die Möglichkeit, Transaktionen in Dollar abzuwickeln, wären praktisch alle auf Dollar lautenden Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten der Banken eingefroren. „Banksanktionen sind die wirksamste Maßnahme, die die USA kurzfristig ergreifen können“, sagt etwa Brian O’Toole, ein ehemaliger leitender Berater des Stabes im US-Finanzministerium, der Sanktionen entwirft und umsetzt.

Nach der Ansicht von Elina Ribakowa, stellvertretende Chefökonomin des Institute of International Finance in Washington, könnten solche Sanktionen zu einem Ansturm auf die Einlagen in Russland führen. „Es wird definitiv starke Auswirkungen auf das lokale Finanzsystem geben.“ Die Folgen wären finanzielle Instabilität und ein Ausverkauf des Rubels. Teilweise würden Sanktionen gegen Banken auch darauf abzielen, die russische Zentralbank zu zwingen, ihre Hartwährungsreserven anzugreifen, um die Banken über Wasser zu halten, sagte Experte O’Toole. Die russische Notenbank wollte sich nicht dazu äußern.

GROSSE GESCHÜTZE

Die möglichen Sanktionen haben die Aktien der größten russischen Bank Sberbank und der kleineren VTB in der vergangenen Woche bereits auf Talfahrt geschickt. Die Sberbank hält fast die Hälfte der russischen Einlagen in Höhe von 21 Billionen Rubel. Gemeinsam mit dem staatlichen Kreditgeber VTB, der Gazprombank und der Rosselkhozbank kontrolliert das Institut 60 Prozent des Bankvermögens des Landes. Sberbank und VTB lehnten eine Stellungnahme ab. Gazprombank und Rosselkhozbank antworten nicht auf Anfragen.

Die Art der Sanktionen könnte auch vom Ausmaß einer russischen Invasion abhängen. Sollte sich Russland etwa auf einen Einmarsch in die von Rebellen gehaltene Donbass-Region in der Ostukraine beschränken, könnte die USA Sanktionen gegen den Marktführer Sberbank zurückhalten, um eine weitere Abschreckung zu haben, sagt Daniel Fried, ehemaliger Koordinator des Außenministeriums für Sanktionspolitik in der Regierung unter Ex-US-Präsident Barack Obama.

„Wenn der Kreml große Geschütze auffährt, können wir das auch. Und wir machen das vielleicht so oder so.“ Die USA haben bei Bankensanktionen eine große Macht. Denn sie könnten auch sekundäre Sanktionen gegen Banken verhängen, die weiterhin mit russischen Instituten Geschäfte machten, erläutert Tom Keatinge, Finanz- und Sicherheitsexperte bei der Londoner Denkfabrik Royal United Services Institute. Das Weiße Haus wollte sich nicht zu sekundären Sanktionen äußern.

RUSSLAND SIEHT MÖGLICHKEIT VON ABWEHRMAßNAHMEN

In Russland ist man sich der Gefahr bewusst. Man bereite sich „auf unvorhersehbare Aktionen“ der USA vor, indem man sich gegen alle Risiken absichere, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zu Reuters. „Man könnte den Eindruck bekommen, dass all diese Behauptungen, Russland wolle die Ukraine angreifen, nur gemacht werden, um Russland einzudämmen und einen Grund für weitere Sanktionen zu haben.“

Russlands Finanzminister Anton Siluanow bezeichnete Sanktionen gegen russische Banken als „unangenehm“. Sie würden zu einem Anstieg der Volatilität führen. Russland werde aber sicherstellen, dass alle Einlagen bei den Banken und alle Transaktionen, auch in Fremdwährungen, gesichert seien. Russlands habe reichlich Hartwährungsreserven – aktuell 635 Milliarden Dollar – und werde sich damit gegen einen möglichen Schlag schützen, sagte Siluanow.

Russland besitzt tatsächlich einige Abwehrmechanismen, um einen Angriff auf die Finanzstabilität standzuhalten. Die Hartwährungsreserven, die hohen Ölpreise und eine niedrige Schuldenquote von 18 Prozent im Jahr 2021 versetzten das Land in eine gute Position, um eine weitere Verschärfung der Sanktionen zu überstehen, sagt Chris Weafer, Direktor von MacroAdvisory, einem in Moskau ansässigen Beratungsunternehmen.

Außerdem haben russische Staatsbanken ihr Engagement auf den westlichen Märkten eingeschränkt, nachdem die USA und die EU Sanktionen gegen VTB und Sberbank als Vergeltung für die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 verhängten.

Unklarheit herrscht darüber, welche Handlungsspielräume die russischen Banken selbst hätten. Sberbank-Chef German Gref wies Berichte zurück, wonach US-Sanktionen Moskau daran hindern könnten, Rubel in Dollar umzutauschen. Zwei hochrangige russische Banker sagten zu Reuters, betroffene Institute könnten durch eine Umwandlung ihrer Dollarbestände in Euro den schlimmsten Auswirkungen von Sanktionen entgegen wirken.

Das sieht der frühere Sanktionsberater O’Toole anders. Die Dollar müssten letztendlich immer noch durch eine US-Clearingbank gehen, um sie umzutauschen, erläutert er seine Sicht. „Alles, was auf Dollar lautet, muss durch die USA verzollt werden, und wenn Sie das tun, bleibt es stecken.“ 

Schärfste Waffe des Westens – Sanktionen gegen Russlands Banken

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