Russland und Ukraine setzen Gespräche fort

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Lwiw, 14. Mrz (Reuters) – Ungeachtet neuer russischer Angriffe auf Ziele in der Ukraine wollen beide Seiten ihre diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe fortsetzen. Die nächste Verhandlungsrunde sollte per Videokonferenz am Montag um 09.30 Uhr (MEZ) starten, wie der Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, mitteilte. Zeitgleich meldete die Stadtverwaltung in Kiew, dass russische Truppen in der ukrainischen Hauptstadt das Antonow-Flugzeugwerk unter Beschuss genommen hätten. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte Russlands Präsident Wladimir Putin zu direkten Gespräche der beiden Staatsoberhäupter auf. „Unsere Delegation hat eine klare Aufgabe – alles zu tun, um ein Treffen der Präsidenten zu ermöglichen“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache am späten Sonntagabend. Die Ukraine hat wiederholt darauf verwiesen, dass Putin alle endgültigen Entscheidungen treffe. Der Kreml erklärte dazu, man werde ein solches Treffen nicht ablehnen, wenn es um „spezifische Fragen“ gehe. 

Selenskyjs Berater Mychajlo Podoljak hatte am Sonntag erklärt, Russland verhandle konstruktiver als bisher und habe verstanden, dass die Ukraine keine grundsätzlichen Zugeständnisse mache. Er rechne mit ersten Ergebnissen in den kommenden Tagen. Der russische Unterhändler Leonid Sluzki erklärte der Agentur RIA zufolge, beide Delegationen könnten bald zu einer gemeinsamen Position kommen. Seit Beginn der Gespräche habe es substanzielle Fortschritte gegeben. Auch nach Darstellung der USA zeigt Russland eine stärkere Bereitschaft zu ernsthaften Gesprächen. Die USA machten Druck, eine Feuerpause durchzusetzen, sagte die stellvertretende Außenministerin Wendy Sherman dem Sender Fox News. 

LAGE IN MARIUPOL DRAMATISCH

Dessen ungeachtet spitzt sich die Lage in vielen ukrainischen Großstädten weiter zu. In der unter russischem Beschuss liegenden Hafenstadt Mariupol sind nach ukrainischen Angaben bislang mehr als 2500 Bewohner getötet worden. Selenskyjs Berater Olexii Arestowytsch sagte in einem TV-Interview, dies habe die Stadtverwaltung mitgeteilt. Er warf den russischen Truppen vor, sie hätten am Sonntag verhindert, dass Hilfsgüter die eingekesselte Stadt am Asowschen Meer erreicht hätten. Die russische Führung hat wiederholt erklärt, sie ziele auf die militärische Infrastruktur der Ukraine und nicht auf die Zivilbevölkerung. 

Russland

Für Montag wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung zehn Fluchtkorridore vereinbart, durch die Zivilisten unter Beschuss liegende Orte verlassen könnten. Dies betreffe unter anderem Städte in der Nähe der Hauptstadt Kiew und in der Region Luhansk im Osten, sagte Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Es werde zudem erneut versucht, Hilfskonvois mit Lebensmitteln und Medikamenten von Berdjansk im Südosten der Ukraine in das eingekesselte Mariupol hineinzubringen, sagte sie in einer Video-Botschaft.

Am Sonntag war der Krieg auch nahe an die Grenze zum EU- und Nato-Land Polen herangerückt. Nach ukrainischen Angaben wurden bei einem russischen Luftangriff auf eine Militärbasis nahe Lwiw mindestens 35 Personen getötet und 134 verletzt. Russland habe rund 30 Raketen auf den Stützpunkt in Jaworiw im Westen der Ukraine abgefeuert, teilte die regionale Militärverwaltung mit. Einige davon seien abgefangen worden. Auf der Militärbasisin Jaworiw hatten zuletzt auch ausländische Ausbilder gearbeitet. Ein Nato-Vertreter sagte aber, Personal der westlichen Verteidigungsallianz sei am Sonntag nicht vor Ort gewesen.

„WIR BRAUCHEN DRINGEND FRIEDEN“

Der russische Oligarch Andrej Melnitschenko forderte ein Ende des Krieges. „Die Ereignisse in der Ukraine sind wirklich tragisch. Wir brauchen dringend Frieden“, teilte der Kohle- und Düngemittel-Unternehmer in einer über einen Sprecher übermittelten E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters mit. Ansonsten drohe eine weltweite Nahrungsmittelkrise, da die Düngemittelpreise für viele Landwirte schon jetzt zu hoch seien. Der 50-jährige Melnitschenko ist Russe, aber in Belarus geboren und hat eine ukrainische Mutter.

„Als Russe, in Belarus geboren und ukrainischer Abstammung empfinde ich großen Schmerz und Unglauben, wenn ich sehe, wie brüderliche Völker kämpfen und sterben“, sagte der Milliardär, der auch von den westlichen Sanktionen gegen russische Oligarchen betroffen ist. Auch andere Oligarchen wie Michail Fridman, Pjotr Awen und Oleg Deripaska haben bereits zu einem Ende des Krieges aufgerufen.

In Deutschland sind nach offiziellen Angaben bislang mehr als 100.000 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert worden, faktisch dürften es aber weit mehr sein. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte am Samtsag bei einem Besuch in Moldau angekündigt, Deutschland werde dem durch Flüchtlinge stark belasteten Land 2500 Menschen in einem ersten Schritt abnehmen.

Russland und Ukraine setzen Gespräche fort

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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