Russland greift die Ukraine an – „Dunkler Tag für Europa“

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Moskau/Kiew, 24. Feb (Reuters) – Russland hat über mehrere Flanken einen Angriff auf die Ukraine gestartet. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew ertönten am Donnerstagmorgen Alarmsirenen. Das Verteidigungsministerium erklärte, ukrainische Stellungen im Osten des Landes seien unter schwerem Beschuss. Explosionen waren auch in der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer zu hören.

Ukrainische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge bewegten sich auf die Stadt zu. Nach Darstellung der ukrainischen Grenztruppen kamen Angriffe auch aus dem benachbarten Belarus. Russische Soldaten hätten Grenzposten und Patrouillen attackiert. Angriffe gebe es auch von der annektierten Halbinsel Krim aus. 

Nach ukrainischen Angaben wurden mindestens sieben Menschen getötet. Außenminister Dmytro Kuleba sprach von einem „großangelegten Krieg gegen die Ukraine“. Präsident Wolodymyr Selenskyj verhängte das Kriegsrecht. In der Hauptstadt Kiew waren nach Angaben eines Reuters-Reporters mehrere Explosionen zu hören. In der Stadt Donezk im Osten des Landes, die von pro-russischen Separatisten kontrolliert wird, war laut Augenzeugen Artilleriefeuer zu hören.

Pro-russische Separatisten brachten nach eigenen Angaben zwei Orte in der Region Luhansk unter ihre Kontrolle, wie die russische Nachrichtenagentur Ria berichtete. Ein zunächst vom Schwarzen Meer aus gemeldeter Angriff auf die Hafenstadt Odessa wurde vom ukrainischen Militär später dementiert. 

Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich kurz vor Beginn der Angriffe im Fernsehen. Er habe die Militäraktion autorisiert, Russland habe keine andere Wahl als sich zu verteidigen, sagte Putin. „Russland kann sich nicht sicher fühlen, sich entwickeln und leben mit einer konstanten Bedrohung, die von der modernen Ukraine ausgeht“, sagte Putin.

„Jede Verantwortung für Blutvergießen liegt bei dem regierenden Regime in der Ukraine.“ Das ganze Ausmaß des russischen Angriffs war zunächst nicht zu überblicken. Putin sagte aber, Ziel sei nicht, ukrainisches Territorium zu besetzen. Es gehe darum, die Menschen zu schützen. Das ukrainische Militär solle die Waffen niederlegen. 

BLINKEN VERWEIST AUF ARTIKEL 5 

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief Putin auf, die Angriffe einzustellen und dem Frieden eine Chance zu geben. US-Präsident Joe Biden kündigte eine „gemeinsame und entschiedene Reaktion auf die ungerechtfertigte Attacke des russischen Militärs“ an. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg berief ein Treffen der Verteidigungsallianz ein. „Die Nato-Verbündeten werden zusammenkommen, um die Folgen der aggressiven Handlungen Russlands zu erörtern“, erklärte er in Brüssel. „Die Nato wird alles tun, was nötig ist, um alle Verbündeten zu schützen und zu verteidigen.“ 

Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte: „Dies ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein dunkler Tag für Europa.“ Der Angriff Russlands sei ein „eklatanter Bruch des Völkerrechts“ und „durch nichts zu rechtfertigen“. Deutschland verurteile „diesen rücksichtslosen Akt“ des russischen Präsidenten Putin auf das Schärfste.

„Unsere Solidarität gilt der Ukraine und ihren Menschen.“ Russland müsse die Militäraktion sofort einstellen. Scholz kündigte noch für den Lauf des Tages eine enge Abstimmung mit den Partnern in der G7, der Nato und der Europäischen Union an. Außenministerin Annalena Baerbock erklärte: „Die Weltgemeinschaft wird Russland diesen Tag der Schande nicht vergessen.“

US-Außenminister Antony Blinken betonte die Bedeutung des Artikel 5 im Nato-Vertrag, der Verteidigungszusage für alle Nato-Mitglieder im Falle eines Angriffs. Er und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hätten mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg gesprochen, teilt er mit. Sie hätten über zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der östlichen Grenzen der Nato gesprochen. Polen forderte die Nato auf, ihre Ost-Flanke zu verstärken. Dafür sei es jetzt Zeit, sagte ein Regierungssprecher. „Wir erwarten, dass solche Entscheidungen getroffen werden.“ 

ÖL UND GOLD LEGEN ZU, AKTIEN AUF TALFAHRT

Die Flugsicherheits-Organisation Safe Airspace warnte Fluggesellschaften wegen des Risikos eines unbeabsichtigten Abschusses oder eines Cyberangriffs auf die Flugsicherung vor Flügen über die Ukraine. Der Verband habe die Risikostufe für die Region auf „nicht fliegen“ angehoben.

Nach Angaben ukrainischer Behörden sind die Flughäfen Dnipro, Charkiw und Saporischschja geschlossen. Zuvor hatte Russland teilweise den Luftraum in der Region Rostow östlich der ukrainischen Grenze wegen Sicherheitsbedenken für die Zivilluftfahrt gesperrt, wie aus einem Schreiben an die regionale Flugaufsicht hervorging. Die LufthansaLHAG.DE strich einen geplanten Flug in das westukrainische Lwiw. 

An den Finanzmärkten trieb die Eskalation der Ukraine-Krise die Preise für Öl und Gold in die Höhe, die Aktienkurse fielen. Die Öl-Sorte BrentLCOc1 aus der Nordsee übersprang am Donnerstagmorgen erstmals seit siebeneinhalb Jahren die Marke von 100 Dollar. In Frankfurt fiel der Deutsche Aktienindex Dax.GDAXI vorbörslichDAX=LUSG um 4,5 Prozent auf ein 13-Monats-Tief von 13.976 Punkten und steuerte auf den größten Tagesverlust seit dem Börsen-Crash vom März 2020 zu.

Russland greift die Ukraine an – „Dunkler Tag für Europa“

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Titelfoto: Symbolfoto

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