Samstag, März 7, 2026
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Experte erwartet weitere Ausbreitung invasiver Nattern auf Mallorca

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Mallorca-Touristin (Archiv), via dts NachrichtenagenturPalma (dts Nachrichtenagentur) – Der Schlangenforscher Mark-Oliver Rödel erwartet, dass die sich invasive Hufeisennatter auf der Urlaubsinsel Mallorca noch weiter ausbreiten wird. „Diese Schlangen werden sich auf Mallorca weiter vermehren“, sagte der Kurator für Herpetologie am Berliner Museum für Naturkunde dem „Spiegel“. „Sie haben auf der Insel kaum natürliche Fressfeinde, anders als auf dem Festland, und viele potenzielle Beutetiere.“

Auf Mallorca und den Nachbarinseln häuften sich zuletzt Sichtungen von bis zu 1,85 Meter langen Schlangen, vor allem von ungiftigen Hufeisennattern, die es bis vor wenigen Jahren auf den Balearen nicht gab – und womöglich über die Lieferung von Holz oder Olivenbäumen eingeschleppt wurden. Kürzlich wurden deutsche Urlauber in ihrem Garten von gleich zwei Nattern überrascht; Mallorcas Verband für ökologische Landwirtschaft spricht von einer „besorgniserregenden Situation“ für die lokale Tierwelt: allen voran für Eidechsen, das bevorzugte Beutetier der Hufeisennattern.

„Dass jetzt Menschen an verschiedenen Orten auf Mallorca immer wieder Hufeisennattern sehen, deutet darauf hin, dass sich die invasive Art schon weit verbreitet hat“, sagte der Experte Rödel dem „Spiegel“. Und: „Wenn sich eine invasive Tierart einmal weit ausgebreitet hat, ist es fast unmöglich, sie wieder loszuwerden.“ Dies hätten diverse Fehlversuche weltweit gezeigt. „Insbesondere Schlangen sind nicht einfach zu finden. Sie leben die meiste Zeit versteckt, etwa in Hohlräumen oder Erdlöchern.“

Für Mallorca-Urlauber gibt es laut Rödel „keinen Grund zur Panik“: „Diese Schlangen sind nicht giftig. Sie haben Angst vor Menschen und versuchen uns zu meiden.“ Sollte man dennoch ein Exemplar zu Gesicht bekommen, solle man die Schlange in Ruhe lassen, aber den Behörden ihre Sichtung mitteilen.


Foto: Mallorca-Touristin (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Umfrage: Mehrheit würde sich von KI kompletten Urlaub planen lassen

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Palme an einem Strand (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Mehrheit der Deutschen kann sich vorstellen, sich von einer KI den kompletten Urlaub planen zu lassen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom gaben dies 58 Prozent der Befragten an.

25 Prozent würden demnach einer KI dabei auf jeden Fall vertrauen, weitere 33 Prozent eher. Unter den 16- bis 29-Jährigen würden sogar 66 Prozent einer KI die komplette Urlaubsplanung und -buchung überlassen, in der Altersgruppe ab 65 Jahren mit 46 Prozent aber auch noch fast die Hälfte.

Schon jetzt nutzen viele KI-Anwendungen, um sich die Urlaubsvorbereitung zu erleichtern, und zwar allen voran für Tipps zu Unterkünften und Reisezielen. 22 Prozent der Urlauber haben sich von einer KI-Anwendung Unterkünfte vorschlagen lassen, weitere 44 Prozent sind offen dafür. 18 Prozent haben sich bereits von KI Reiseziele vorschlagen lassen, und ebenfalls 44 Prozent können sich dies zukünftig vorstellen.

Für Vorschläge zu Ausflügen oder Aktivitäten am Urlaubsort wie Sehenswürdigkeiten, Freizeitaktivitäten oder Veranstaltungen haben zwölf Prozent der Urlauber bereits KI genutzt. Offen wären dafür weitere 39 Prozent. Elf Prozent lassen sich bisher Routen vor Ort, zum Beispiel für Stadtrundgänge, vorschlagen und auch hier wären weitere 39 Prozent zukünftig für KI-Hilfe offen.

Beim Kofferpacken und kurzfristigen Informationen sind die deutschen Urlauber hingegen noch eher zurückhaltend: Nur acht Prozent haben sich von KI bereits Packlisten für ihren Urlaub erstellen lassen. Und nur für weitere 15 Prozent kommt es zukünftig infrage, sich von einer KI beim Kofferpacken helfen zu lassen. Auch bei aktuellen Informationen über das Reiseziel wie Reisewarnungen oder Impfungen vertraut bisher nur ein Prozent KI-Anwendungen. Hier ist aber das Potential besonders hoch; zukünftig offen wären dafür 46 Prozent.

Für die Erhebung befragte Bitkom Research telefonisch 1.006 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, darunter 955 Personen, die Urlaubsreisen machen. Die Befragung fand im Zeitraum von der 18. bis zur 21. Kalenderwoche 2025 statt.


Foto: Palme an einem Strand (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Dax startet mit Gewinnen – Anleger setzen auf EU-US-Zolleinigung

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Anzeigetafel in der Frankfurter Börse, via dts NachrichtenagenturFrankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Der Dax ist am Donnerstag mit Kursgewinnen in den Handelstag gestartet. Gegen 9:30 Uhr wurde der Leitindex mit rund 24.465 Punkten berechnet und damit 0,9 Prozent über dem Schlussniveau vom Vortag. An der Spitze der Kursliste rangierten die Deutsche Bank, die Deutsche Telekom und Siemens Healthineers, am Ende Infineon, Vonovia und MTU.

Die Marktteilnehmer hätten gedanklich bereits einen Haken hinter dem Handelsabkommen zwischen den USA und der EU gemacht, sagte Marktexperte Andreas Lipkow. Als Blaupause werde das Abkommen zwischen Japan und den USA gesehen. „Es dürfte jedoch nicht ganz so einfach sein, da die wirtschaftlichen Verknüpfungen und Überlappungen zwischen Europa und den USA wesentlich mehr Schwerpunkte und Schnittstellen besitzen, als zwischen Japan und den USA.“ Lediglich die Schwerpunkte Automotive-Sektor und Maschinenbau seien direkt übertragbar.

Im weiteren Interesse stehen zudem die Quartalszahlen von zum Beispiel Tesla, Alphabet und der Deutschen Bank. Das größte deutsche Bankinstitut ist gut durch das erste Halbjahr gekommen und konnte mit dem vorgelegten Zahlenwerk überzeugen. „Insgesamt wird es dem Dax jedoch schwerfallen, nachhaltig über die Kursmarke von 24.500 Punkten anzusteigen“, so Lipkow weiter. „Zu groß ist die Gefahr, dass es doch noch zu Streitigkeiten zwischen den USA und der EWU bei der Ausarbeitung des Handelsabkommen kommen könnte. Aus diesem Grund werden sich die Investoren trotz allen Sonnenscheins an den Aktienmärkten vorerst weiter vornehm zurückhalten.“

Die europäische Gemeinschaftswährung war am Donnerstagmorgen etwas schwächer: Ein Euro kostete 1,1765 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8500 Euro zu haben.

Der Ölpreis stieg unterdessen: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete gegen 9 Uhr deutscher Zeit 68,98 US-Dollar; das waren 47 Cent oder 0,7 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags.


Foto: Anzeigetafel in der Frankfurter Börse, via dts Nachrichtenagentur

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Passagierflugzeug im Osten Russlands abgestürzt

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Moskau (dts Nachrichtenagentur) – Die dts Nachrichtenagentur in Halle (Saale) verbreitet soeben folgende Blitzmeldung aus Moskau: Passagierflugzeug im Osten Russlands abgestürzt. Die Redaktion bearbeitet das Thema bereits.

Weitere Details werden in wenigen Momenten gesendet.

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Bericht: VW baut Software-Gemeinschaftsunternehmen mit Rivian aus

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VW-Werk am Mittellandkanal in Wolfsburg, via dts NachrichtenagenturWolfsburg (dts Nachrichtenagentur) – Der Autokonzern Volkswagen baut das Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Partner Rivian zur Softwareentwicklung offenbar deutlich aus.

Wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet, soll das Gemeinschaftsunternehmen noch in diesem Jahr einen ersten Standort außerhalb Amerikas in Berlin erhalten. Das Gemeinschaftsunternehmen ist von strategischer Bedeutung für den Autobauer: Hier entwickelt er mithilfe des US-Start-ups zentrale Softwaresteuerungen für seine künftigen Modelle.

VW hat dem Bericht zufolge für die Zusammenarbeit mit Rivian Investitionen von insgesamt fast 6 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Im Zuge dessen wird der deutsche Konzern auch zum Hauptaktionär von Rivian neben dem Tech-Konzern Amazon. Für das Joint-Venture von VW und Rivian arbeiten nach Informationen von Capital bereits rund 1.100 Vollzeitkräfte.


Foto: VW-Werk am Mittellandkanal in Wolfsburg, via dts Nachrichtenagentur

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Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha eskaliert

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Thailand (Archiv), via dts NachrichtenagenturBangkok/Phnom Penh (dts Nachrichtenagentur) – Der schon lange andauernde Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha spitzt sich immer weiter zu. In der Grenzregion kam es zur Wochenmitte zu Schusswechseln, wobei sich beide Länder gegenseitig vorwerfen, zuerst geschossen zu haben.

Die Dorfbewohner auf der thailändischen Seite der Grenze wurden zur Evakuierung aufgefordert. Dies folgte auf Thailands Entscheidung, den kambodschanischen Botschafter auszuweisen und seinen eigenen Botschafter aus Phnom Penh abzuberufen. Die thailändische Botschaft forderte zudem alle Thailänder auf, Kambodscha zu verlassen. Alle Grenzübergänge zu Kambodscha wurden vorerst geschlossen.

Das thailändische Militär teilte unterdessen mit, militärische Ziele in Kambodscha angegriffen zu haben. Dabei sollen F-16-Kampfflugzeuge eingesetzt worden sein. Das kambodschanische Verteidigungsministerium warf Thailand vor, kambodschanisches Territorium gewaltsam erobern zu wollen.

Der Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha schwelt bereits seit den 1950er-Jahren. In der Auseinandersetzung geht es vor allem um den Tempel Prasat Preah Vihear und das umliegende Gelände, was von Kambodscha kontrolliert wird. Seit Jahresbeginn hatte sich der Konflikt wieder zugespitzt und zuletzt auch zu politischen Konsequenzen geführt: Die thailändische Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra wurde nach einem geleakten Telefonat mit dem kambodschanischen Senatspräsidenten Hun Sen suspendiert. Sie hatte sich dabei negativ über das thailändische Militär geäußert.


Foto: Thailand (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Von der Leyen sieht EU-China-Beziehungen an Wendepunkt

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Ursula von der Leyen (Archiv), via dts NachrichtenagenturPeking (dts Nachrichtenagentur) – EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht die Handelsbeziehungen zwischen China und der Europäischen Union an einem Scheideweg.

„Tatsächlich ist die EU gemessen am Handelsvolumen Chinas größter Handelspartner und China der drittgrößte Handelspartner der EU“, sagte die EU-Kommissionschefin am Donnerstag zu Beginn des EU-China-Gipfels in Peking. „Unser bilateraler Warenhandel übersteigt mittlerweile zwei Milliarden Euro pro Tag.“

Europa habe Chinas wirtschaftliche Entwicklung jahrzehntelang unterstützt und tue dies auch weiterhin, fügte sie hinzu. „Aber mit der Vertiefung unserer Zusammenarbeit haben sich auch die Ungleichgewichte verstärkt. Wir haben einen Wendepunkt erreicht.“ Eine Neugewichtung der bilateralen Beziehungen sei unerlässlich. „Denn um nachhaltig zu sein, müssen die Beziehungen für beide Seiten von Vorteil sein.“ Um dies zu erreichen, sei es von entscheidender Bedeutung, dass China und Europa die jeweiligen Anliegen anerkennen und „echte Lösungen“ vorlegen, so die CDU-Politikerin.


Foto: Ursula von der Leyen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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SPD-Generalsekretär verteidigt Bürgergeld

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Passanten an einem Bürgergeld-Infostand (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat das von der Ampel-Regierung eingeführte Bürgergeld gegen die Kritik nicht zuletzt aus der Union energisch verteidigt.

Es ärgere ihn sehr, dass es nicht gelungen sei, die Reform als „Gerechtigkeitsfrage“ und als „Frage der Qualifikation“ in die Öffentlichkeit zu tragen, sagte er dem TV-Sender „Welt“. Stattdessen sei das Bürgergeld so dargestellt worden, „als wenn es die soziale Hängematte wäre, was es ehrlicherweise nicht ist.“

Der SPD-Politiker räumte Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit Schwarzarbeit ein, doch handele es sich dabei um den „kleinsten Teil“. Und weiter: Man habe einen großen Teil von Menschen im Bürgergeldbezug, die arbeiten gehen, die Aufstocker seien. „Wir haben einen großen Teil von Alleinerziehenden. Wir haben immer noch Kinderarbeit in Deutschland. Das kann man ja nicht alles so wegnegieren.“ Seine Schlussfolgerung: „Die letzten 50 Euro beim Bürgergeld sind wahrscheinlich nicht der richtige Ansatz, um dafür zu sorgen, dass es in diesem Land gerecht wird.“

Skeptisch äußerte sich Klüssendorf zu Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz zu überzogenen Wohngeldbezügen im Bürgergeld und von Kanzleramtschef Thorsten Frei zur Verschärfung der Zumutbarkeitsregeln. Zur Merz-Kritik an Wohngeldzahlungen von 20 Euro pro Quadratmeter erwiderte der SPD-Politiker, „dass das mein ganz geringer Anteil ist an denjenigen, die im Bürgergeldbezug sind“. Ihm sei es wichtig, dass die Leute nicht denken: „Da sind fünf Millionen Menschen, die alle für 20 Euro den Quadratmeter wohnen und alle im Schlaraffenland leben. Das hat mit der Realität nicht zu tun.“

Auch zur Ankündigung von Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU), man werde auch die Zumutbarkeitsregeln für Bürgergeld-Empfänger ändern, äußerte sich Klüssendorf skeptisch. Es sei niemandem geholfen, wenn man Menschen in seiner Heimatstadt Lübeck sage, sie müssten jeden Tag nach Husum fahren, damit man sagen könne: „Wir haben euch in Arbeit gebracht.“


Foto: Passanten an einem Bürgergeld-Infostand (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Pflegeökonom: "Es braucht absolute Begrenzung des Eigenanteils"

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Seniorin mit Helferin (Archiv), via dts NachrichtenagenturBremen (dts Nachrichtenagentur) – Angesichts des ungebremst weiter steigenden Eigenanteils bei der Pflege sieht Heinz Rothgang, Gesundheitsökonom an der Universität Bremen, „dringenden Handlungsbedarf“ des Gesetzgebers, die Pflegeversicherung zukunftsfest zu machen.

„70 Prozent der Pflegebedürftigen können die Eigenanteile nicht aus ihren Alterseinkünften bestreiten und die Pflegeversicherung kann ihre Funktion, eine pflegebedingte Verarmung zu verhindern, nicht mehr erfüllen“, sagte Rothgang der Mediengruppe Bayern (Donnerstag). „Hier sollte der Gesetzgeber daher einsteigen“, forderte der Pflegeexperte.

Als wichtigsten Komponente, ohne die eine Reform nicht langfristig trage, benannte er das doppelte Finanzierungsproblem, das auch eine doppelte Antwort benötige. Mit „einer absoluten Begrenzung des Eigenanteils für Pflegebedürftige und der Erschließung neuer Finanzierungsquellen für die Pflegeversicherung“ könne man das Konstrukt zukunftsfest machen.

Auch „Leistungskürzungen sind denkbar, etwa im Pflegegrad 1 oder durch eine Veränderung der Grenzwerte bei der Pflegebegutachtung, um so die Zahl der neuen Pflegebedürftigen zu reduzieren“, so der Gesundheitsökonom. Weiter sagte er: „Wird das Pflegegeld, das bisher ohne näheren Verwendungszweck an die Pflegebedürftigen ausgezahlt wird, an die Pflegenden selbst ausgezahlt und dies mit einer Zweckbindung versehen, ließen sich ebenfalls erhebliche Einsparungen realisieren.“


Foto: Seniorin mit Helferin (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Richterbund kritisiert neues Gesetz gegen Einschüchterungsklagen

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Deutsche Richterbund (DRB) hat deutliche Kritik am geplanten Gesetz gegen sogenannte Einschüchterungsklagen geübt.

„Wer sich zum Beispiel gerichtlich gegen persönlichkeitsrechtsverletzende Berichte eines Mediums wehren will, für den würde das zu weit gefasste Gesetz ebenfalls neue Hürden errichten, die einen effektiven Rechtsschutz erschweren oder sogar vereiteln können“, sagte DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben).

Es sei zwar „fatal, wenn kritische Stimmen im öffentlichen demokratischen Diskurs durch missbräuchliche Klagen und juristische Einschüchterungen abgeschreckt würden“, so Rebehn. Dem einen Riegel vorzuschieben, sei ein richtiges Ziel der Bundesregierung. „Der jetzt vorgelegte Gesetzentwurf schießt aber über das Ziel hinaus“, hob er hervor.

Rebehn forderte, dass die Bundesregierung den Gesetzentwurf „auf die Mindestanforderungen der zugrundliegenden EU-Richtlinie“ zurückführen und „gezielter auf die intendierten Fälle rechtsmissbräuchlicher Klagen zuschneiden“ solle.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will mit einem neuen Gesetz sogenannte Einschüchterungsklagen gegen missliebige Beiträge in den Medien und der Öffentlichkeit sanktionieren. Man dürfe nicht zulassen, dass Stimmen mit missbräuchlichen Klagen unterdrückt werden, „nur weil sie einzelnen nicht passen“, hatte die SPD-Politikerin Ende Juni in Berlin erklärt. Hubig will damit eine EU-Regelung, die sogenannte Anti-SLAPP-Richtlinie („Strategic Lawsuits Against Public Participation“), umsetzen.

Anlass der Richtlinie war der Umgang mit der maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia, die 2017 ermordet wurde. Zuvor wurde die auf Korruption spezialisierte Journalistin mit Verleumdungsklagen überzogen. Eine sieben Seiten lange, fachliche Stellungnahme des Richterbundes warnt nun vor „verheerenden Auswirkungen für Rechtssuchende, die gerichtlichen Schutz gegen persönlichkeitsrechtsverletzende Äußerungen suchen“. Mit der dem Gesetz zugrundeliegenden Definition „wäre beinahe jedes presse- und äußerungsrechtliche Verfahren ein missbräuchliches Gerichtsverfahren“, schreiben die DRB-Fachleute.

Der von der Bundesregierung geplante Gesetzentwurf sieht unter anderem ein Beschleunigungsgebot für mutmaßlich missbräuchliche Klagen vor, um sie frühestmöglich abweisen zu können. Zudem soll die Klägerseite in solchen Fällen für die voraussichtlichen Kosten des Prozesses auch für die Beklagtenseite eine Sicherheit leisten und darüber hinaus auch mit besonderen Gebühren belegt werden können.

In seiner Stellungnahme warnt der Richterbund nun vor einer „Überlastung“ der Gerichte, „wenn Rechtspfleger im Rahmen eines Kostenfestsetzungsverfahrens prüfen müssten, ob individuell vereinbarte Rechtsanwaltsgebühren, etwa Stundenhonorare, noch angemessen sind und damit erstattungsfähig wären“. Zudem hebt der Richterbund hervor, dass sogenannte SLAPP-Verfahren vor deutschen Gerichten „bisher so gut wie unbekannt sind“.


Foto: Schild mit der Aufschrift „Angeklagter“ (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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