Kritik an Deutscher Bank wegen des Verbleibens in Russland

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London, 11. Mrz (Reuters) – Die Deutsche Bank gerät vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs wegen ihres Verbleibens in Russland in die Kritik. Die US-Rivalen Goldman Sachs und JP Morgan Chase hatten zuvor am Donnerstag angekündigt, sie würden sich aus Russland zurückziehen.

Der amerikanische Investor Bill Browder, der sich seit Jahren für die Aufdeckung von Korruption in Russland einsetzt, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Verbleiben der Deutschen Bank in Russland stehe im Widerspruch zur internationalen Geschäftswelt und werde zu Gegenreaktionen, Ansehensverlusten und geschäftlichen Belastungen im Westen führen. „Ich wäre überrascht, wenn sie diese Position aufrechterhalten könnten, während sich die Situation in der Ukraine weiter verschlechtert“, merkte er an.

Die Deutsche Bank selbst bekräftigte auf Nachfrage frühere Aussagen, dass sie die Entscheidungen der Bundesregierung und ihrer Verbündeten unterstütze und die verhängten Sanktionen und sonstigen Maßnahmen unverzüglich und vollständig umsetze. „Wir beobachten die Situation genau und passen unser Vorgehen gegebenenfalls an“, erklärte ein Sprecher.

Deutsche Bank Deutsche

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte am Donnerstag in einer Mitteilung an alle Mitarbeiter des Instituts geschrieben: „Wir werden oft gefragt, warum wir uns nicht komplett aus Russland zurückziehen. Die Antwort darauf ist, dass dies unserem Selbstverständnis widersprechen würde.“ Die Bank habe Kunden, die sich nicht von heute auf morgen aus Russland verabschieden könnten. „Und diese werden wir auch in dieser schwierigen Phase nach Möglichkeit unterstützen.“

Das sei „einfach nicht gut genug“ von der Bank, sagte Tim Ash, Schwellenländer-Stratege bei BlueBay Asset Management. „Vielleicht muss die DB einen neuen Blick auf ihr eigenes ESG-Rahmenwerk werfen“, merkte er mit Blick auf den für Investoren zunehmend wichtigen Themenbereich Umweltschutz, Sozialstandards und gute Unternehmensführung (ESG) an. 

Die US-Investmentbank Goldman Sachs will in Reaktion auf die Invasion Russlands in der Ukraine ihr Russlandgeschäft aufgeben. Goldman Sachs werde das Geschäft im Einklang mit den regulatorischen Bedingungen abwickeln, hatte die Wall-Street-Bank am Donnerstag angekündigt. Auch der US-Bankenprimus JP Morgan Chase erklärte, sich aus Russland zurückzuziehen.

Der Schritt erfolge in Übereinstimmung mit den Vorgaben von Regierungen auf der ganzen Welt. Der Finanzkonzern habe bereits aufgehört, neue Geschäfte in Russland zu verfolgen. Der Versicherungsmakler Marsh teilte mit, er werde aus allen Geschäften in Russland aussteigen. Sein Rivale Aon erklärte, den Geschäftsbetrieb in dem Land einzustellen.

Die Deutsche Bank hatte ihre Engagement in Russland zuletzt als sehr begrenzt bezeichnet. Das Institut habe die Risiken unter Kontrolle, hatte Finanzchef James von Moltke am Donnertag gesagt. Das Geldhaus bezifferte das Brutto-Kreditengagement in Bezug auf Russland mit 1,4 Milliarden Euro. Dazu kommen laut einer Präsentation der Bank zusätzliche Risiken im Volumen von 1,5 Milliarden Euro, die aber zu einem großen Teil durch Exportgarantien abgedeckt seien.

Kritik an Deutscher Bank wegen des Verbleibens in Russland

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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