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Kehrtwende in Großbritannien beruhigt Europas Anleger

Frankfurt, 17. Okt – Die Kehrtwende bei den Steuerplänen in Großbritannien beruhigt die Nerven der Anleger an den europäischen Aktienmärkten. Der neue britische Finanzminister Jeremy Hunt kündigte am Montag an, nahezu alle Steuerpläne von Premierministerin Liz Truss würden rückgängig gemacht. Nach den Turbulenzen in der vergangenen Woche zog der Dax zum Wochenauftakt um 1,4 Prozent auf 12.616 Punkte an, der EuroStoxx50 gewann 1,3 Prozent auf 3425 Zähler. Auch das Pfund stieg um rund ein Prozent auf 1,1289 Dollar. An der Wall Street deuteten die US-Futures ebenfalls auf einen freundlichen Handelsstart hin.

„Nach den Ereignissen der letzten Woche und der Entlassung des vorherigen Finanzministers hat die britische Regierung eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Vertrauen der Märkte zu stärken“, sagte Markets.com-Experte Neil Wilson. Selbst wenn alle Haushaltsmaßnahmen, die die Anleger verschreckt hatten, zurückgenommen werden, könne die Glaubwürdigkeit aber nicht so leicht wieder hergestellt werden, warnte Wilson. Zudem blieben die wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien, wie die Inflation oder das fehlende Produktivitätswachstum bestehen.

Die Aussicht auf eine nachhaltigere Haushaltspolitik ließ Anleger bei britischen Staatsanleihen dennoch zugreifen. Dies drückte die Renditen zehnjähriger britischer Bonds wieder unter vier Prozent auf bis zu 3,914 Prozent. Parallel dazu ging die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf bis zu 2,215 Prozent zurück, nachdem sie in der vergangenen Woche mit 2,423 Prozent den höchsten Stand seit August 2011 erreicht hatte. 

ÖLPREIS STABILISIERT 

Gleichzeitig stabilisierte sich der Ölpreis, nachdem er vergangene Woche wegen Nachfragesorgen um mehr als sechs Prozent abgestürzt war. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um ein halbes Prozent auf 92,12 Dollar je Barrel (159 Liter); der Preis der US-Sorte WTI stieg leicht auf 85,94 Dollar je Barrel. Befürchtungen, dass die hohe Inflation und Energiekosten die Weltwirtschaft in eine Rezession ziehen könnten, wurden durch die Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik in China abgemildert. 

Die chinesische Zentralbank verlängerte am Montag fällige mittelfristige Kredite und ließ den Zinssatz einen zweiten Monat lang unverändert. Anleger sahen dies als Hinweis für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik durch die Notenbank.

DRÄGERWERK AUF TALFAHRT – MONTE-PASCHI-BEZUGSRECHTE FALLEN

Bei deutschen Einzelwerten rückte Drägerwerk ins Rampenlicht, nachdem die Medizintechnik-Firma ihre Gesamtjahresziele gestrichen hatte. Die Papiere steuerten daraufhin mit einem Minus von bis zu 7,5 Prozent auf den größten Tagesverlust seit einem knappen Jahr zu. 

In Mailand stürzten die Bezugsrechte auf neue Aktien der italienischen Krisenbank Banca Monte dei Paschi di Siena  ab. Sie verloren zeitweise gut 96 Prozent und kosteten 0,30 Euro. Die Minderheitsaktionäre des Geldhauses wollten sich offenbar nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen, sagte ein Börsianer. 

Auch Asos-Anleger reagierten wegen Nachverhandlungen von Kreditlinien im Volumen von umgerechnet 404 Millionen Euro nervös. Die Aktien des Online-Modehändlers fielen in London zeitweise um mehr als 13 Prozent. Bislang verfüge Asos zwar über ausreichend finanziellen Spielraum, schrieb Analyst Andrew Wade von der Investmentbank Jefferies. Er halte den Schritt aber für sinnvoll, um eventuelle künftige Risiken abzudecken.

Kehrtwende in Großbritannien beruhigt Europas Anleger

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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