IG Metall behauptet sich bei VW-Betriebsratswahl in Wolfsburg

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Hamburg, 19. Mrz (Reuters) – Die IG Metall hat bei der Betriebsratswahl von Volkswagen in Wolfsburg ihre dominierende Stellung trotz stärkerer Konkurrenz leicht ausgebaut und kann weiter maßgeblich Einfluss auf die Geschickte des Autobauers nehmen. Bei der Wahl zur Arbeitnehmervertretung erhielt die von der neuen Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo angeführte Liste der IG Metall 85,5 Prozent der Stimmen und konnte damit wie vor vier Jahren 66 Betriebsratsmandate erringen, allerdings in einem künftig von 75 auf 73 Sitze verkleinerten Gremium, wie der Betriebsrat am Freitagabend mitteilte. Aufgerufen zu der turnusmäßigen Wahl vom 14. bis 18. März waren mehr als 67.600 Arbeitnehmer am Stammsitz von Volkswagen. 

Cavallo (46) hatte vor knapp einem Jahr den langjährigen Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh abgelöst. Sie stellte sich nun erstmals dem Votum der Belegschaft und musste wegen einer starken Opposition um ihre Macht bangen. Insgesamt sieben Listen traten gegen die seit Jahrzehnten in Wolfsburg dominierende IG Metall an, darunter auch mehrere prominente Gewerkschaftsmitglieder. Sie hielten der IG Metall im Wahlkampf mangelnde Transparenz und eine zu große Nähe zum Management vor. Am stärksten unter den Konkurrenten schnitt „Die Andere Liste“ des früheren Wolfsburger IG-Metall-Chefs Frank Patta mit vier Sitzen ab.

DIE BESONDERE MACHT IN WOLFSBURG

Cavallo ist in Wolfsburg geboren und hat italienische Eltern. Der Betriebsrat hat bei Volkswagen historisch eine starke Stellung. Gegen die zehn Arbeitnehmer und die beiden Vertreter des Landes Niedersachsen im 20-köpfigem Aufsichtsrat kann praktisch keine weitreichende Entscheidung fallen. Das geht bis hin zu wichtigen Personalfragen.

Volkswagen IG Metall

Deutlich wurde dies erneut, als wenige Monate vor der Betriebsratswahl der Konflikt um Konzernchef Herbert Diess wieder aufflammte. Darin vertrat Cavallo eine ähnlich harte Linie wie ihr Vorgänger Osterloh, wenn auch im Ton moderater. Erst nach langwierigen Verhandlungen und der Vermittlung von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch kam ein Kompromiss zustande: Diess durfte bleiben, musste aber Macht abgeben. Entzündet hatte sich der Streit an Überlegungen des Konzernchefs für einen möglichen Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen. 

Im Wahlkampf kam der Chipmangel erschwerend hinzu, weil dadurch im Stammwerk viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt wurden und auf Zulagen verzichten mussten. Zusätzlich verunsichert wurde die Belegschaft zuletzt durch den Ausfall von Lieferungen für Kabelbäume aus der Ukraine. Dadurch fielen weitere Schichten aus. Gepunktet hatte der amtierende Betriebsrat mit Cavallo an der Spitze, als er für den von VW beschlossenen Wegfall fast aller Nachtschichten in Wolfsburg Ausgleichszahlungen vereinbarte.

Deren Höhe richtet sich nach der Dauer, die Beschäftigte in der Nachtschicht gearbeitet haben. Das Stammwerk von VW hat wegen der Pandemie und dem Halbleitermangel im vergangenen Jahr weniger als 400.000 Fahrzeuge produziert. Ausgelegt ist es auf mindestens die doppelte Stückzahl. Vom Management versprochen wurden vor einigen Jahren sogar fast eine Million.

IG Metall behauptet sich bei VW-Betriebsratswahl in Wolfsburg

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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