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Montag, November 28, 2022

IfW hält Konjunkturflaute nicht für Eintagsfliege – „Magere Jahre“

Expertenmeinungen

Berlin, 12. Sep (Reuters) – Die Folgen des Kriegs in der Ukraine und Demografie werden das Wachstum der deutschen Wirtschaft nach Prognose des IfW noch lange dämpfen. „Deutschland stehen magere Jahre bevor“, sagte IfW-Konjunkturchef und -Vizepräsident Stefan Kooths am Montag zu der Mittelfristprojektion des Kiel Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel). „Die Alterung der Gesellschaft drückt die Wachstumsaussichten empfindlich, weil künftig weniger Menschen arbeiten werden.“ Hinzu kämen nun infolge des Krieges in der Ukraine knapper und teurer gewordene Energierohstoffe, die in vielen Produktionsprozessen eine wichtige Rolle spielen. „Dies schmälert Deutschlands Wirtschaftskraft obendrein“, sagte Kooths.

Demnach dürfte die bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten mögliche Zunahme der Wirtschaftsleistung Ende 2027 nur noch knapp 0,7 Prozent betragen. Zum Vergleich: Im langjährigen Durchschnitt lag sie vor der Corona-Krise bei 1,3 Prozent. Die deutsche Wirtschaft operiere bereits seit 2020 unterhalb ihrer Möglichkeiten. Dies dürfte dem Institut zufolge noch bis 2025 andauern. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum rund 300 Milliarden Euro niedriger liegen, als es bei normaler Auslastung möglich wäre.

Auf dem Arbeitsmarkt dürfte bereits im kommenden Jahr der Zenit mit 45,6 Millionen Beschäftigten erreicht werden. Dann dürften mehr Personen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als neue hinzukommen. Im Schnitt verliere der deutsche Arbeitsmarkt 130.000 Erwerbspersonen pro Jahr. Eine höhere Zuwanderung und eine höhere Partizipationsrate am Arbeitsmarkt – etwa über bessere Kinderbetreuung oder flexiblere Arbeitszeitmodelle – könnten den Effekt zwar dämpfen, ihn aber nicht aufhalten. Infolge der sich verschärfenden Knappheit an Arbeitskräften dürften die Löhne kräftig steigen, sagte das IfW voraus. Demnach steigen die Effektivlöhne – Löhne inklusive Zusatzleistungen wie etwa Boni – um knapp vier Prozent jährlich. Der effektive Stundenlohn läge dann 2027 im Durchschnitt bei knapp 38 Euro, aktuell sind es gut 30 Euro.

„Schwindet das Wachstum, schwindet die Quelle für Wohlstandszuwächse, und die ökonomischen Verteilungskonflikte nehmen zu“, sagte Kooths. „Die Sozialkassen müssen mit weniger Einnahmen höhere Ausgaben stemmen, das gilt insbesondere für die Rentenkasse.“ Hierauf bleibe die Regierung bislang eine schlüssige Antwort schuldig.

IfW hält Konjunkturflaute nicht für Eintagsfliege – „Magere Jahre“

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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