Hersteller drehen weiter kräftig an Preisschraube – Furcht vor Rezession

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Berlin/Brüssel, 04. Jul (Reuters) – Die Preise der Hersteller steigen weiterhin rasant und signalisieren anhaltende Inflationsgefahr für den Euroraum. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte kletterten im Mai um 36,3 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Montag mitteilte. Immerhin wurde damit der Rekordanstieg vom April von 37,2 Prozent nicht mehr überboten. Doch Energie bleibt mit einer Verteuerung um 94,4 Prozent Preistreiber Nummer Eins.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing macht sich Sorgen wegen der anhaltenden Inflation und befürchtet eine Rezession. „Der anhaltende Preisdruck hat ein enormes disruptives Potenzial, und er erhöht das Risiko einer globalen Rezession im nächsten Jahr. Ich kann nicht verleugnen, dass ich mir Sorgen darüber mache, was uns in den nächsten 12 Monaten bevorsteht“, sagte er auf einer Finanz-Konferenz.

Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden sie ab Fabriktor geführt – also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben.

Angetrieben von hohen Kosten für Öl und Gas kletterten diese im Juni binnen Jahresfrist um 8,6 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der Währungsunion. Angesichts der vom Ukraine-Krieg befeuerten Energiekrise stellen sich Börsianer mittlerweile fest auf eine Rezession im Euro-Raum ein. Das zeigt das von der Investment-Beratungsfirma Sentix veröffentlichte Barometer, das auf einer Umfrage unter 1240 Investoren basiert.

ERINNERUNGEN AN 2008 WERDEN WACH

Bei den Konjunkturerwartungen zeigte sich ein besonders düsteres Bild: Mit minus 35,8 Punkten wurde der tiefste Wert seit Dezember 2008 gemessen. Damals erreichte die Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank ihren Höhepunkt. „Die Dynamik erinnert also in jeder Hinsicht stark an das Krisenjahr 2008“, erläuterte der Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. „Und was damals der Zusammenbruch des Finanzsystems war, ist nun die Gefahr des Kollapses der europäischen Energieversorgung.“

SPD-Chef Lars Klingbeil ist dafür, bei einer Gasknappheit in Deutschland der Industrie Vorrang bei der Versorgung zu geben. Man müsse erreichen, dass das Gas in der Industrie nicht rationiert werde, sagte er dem TV-Sender RTL. „Dass wir dort nicht Industrieanlagen abklemmen müssen, denn das hätte dramatische Auswirkungen auch für den Arbeitsmarkt.“ Diese Situation müsse man vermeiden, wozu alle beitragen könnten, wenn sie den Gasverbrauch senkten. Hauptjob der Politik sei es, eine alternative Infrastruktur aufbauen, um unabhängig vom russischen Gas zu werden und die Gasspeicher aufzufüllen.

Ein möglicher Lieferstopp für russisches Gas macht die Anleger zusehends nervös. Der europäische Erdgas-Future stieg zeitweilig um 5,4 Prozent und lag mit 155 Euro je Megawattstunde so hoch wie zuletzt vor drei Monaten. 

Die teure Energie macht sich auch immer stärker im Portemonnaie der Verbraucher bemerkbar. Knapp 25 Prozent aller Haushalte in Deutschland gaben im Mai laut dem arbeitgebernahen Institut IW mehr als zehn Prozent ihres Nettoeinkommens für Energie aus. Zum Vergleich: 2021 waren es nur 14,5 Prozent der Haushalte. Mittlerweile belasteten die hohen Preise längst nicht mehr nur Haushalte mit niedrigerem Einkommen. „Energiearmut betrifft auch die Mittelschicht“, sagte IW-Ökonom Ralph Henger. Tatsächlich lass sich auch in der unteren Mittelschicht beobachten, dass der Anteil der sogenannten energiearmen Haushalte ansteige.

Hersteller drehen weiter kräftig an Preisschraube – Furcht vor Rezession

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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