Freitag, Juli 12, 2024
StartWirtschaftGaskrise trifft in Deutschland vor allem Metall- und Chemiebranche

Gaskrise trifft in Deutschland vor allem Metall- und Chemiebranche

Berlin, 21. Jul (Reuters) – Eine Gasrationierung in Deutschland würde einer Studie zufolge am stärksten die Metallerzeugung und -bearbeitung, die Chemiebranche und die Papierindustrie treffen. „Allerdings sind erhebliche Schäden in weiteren, weniger energieintensiven aber volkswirtschaftlich bedeutenderen Sektoren nicht ausgeschlossen – aufgrund von dann fehlenden Vorprodukten“, erklärte die Stiftung Familienunternehmen am Donnerstag zu einer ZEW-Analyse. Branchen wie Textil oder Keramik seien sehr abhängig vom Gas. 

Die Studie zeige, wie sehr auch Branchen betroffen seien, die auf den ersten Blick nicht so bedeutend erschienen. „Doch wenn ihre Zulieferungen ausbleiben, geraten auch Industriezweige mit hoher Wertschöpfung schnell in Not“, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Denn diese könnten Teile nicht so schnell von anderen Lieferanten im Ausland beschaffen. „Eine mangelnde Versorgung mit Primärenergieträgern trifft die deutsche Wirtschaft ins Mark unserer stark vernetzten Lieferketten“, sagte Familienunternehmer Christian Heinrich Sandler, Chef des Vliesstoff-Herstellers Sandler in Schwarzenbach an der Saale. „Ein einzelner Ausfall wird sich schnell auf die Produktion entlang der gesamten Lieferkette auswirken.“

In der deutschen Industrie spielen fossile Energieträger nach wie vor eine bedeutende Rolle. Erdgas war 2020 der wichtigste Energieträger mit einem Anteil von 31,2 Prozent am Gesamtverbrauch in der Industrie, gefolgt von Strom (21 Prozent), Mineralölen und Mineralölprodukten (16 Prozent) sowie Kohle (16 Prozent), wie das Statistische Bundesamt erklärte. Den höchsten Anteil am gesamten Erdgasverbrauch in der Industrie hatte die Chemie mit 36,9 Prozent, vor Nahrungs- und Futtermittelherstellern mit 10,8 Prozent. Weitere 10,3 Prozent entfallen auf Metallerzeugung und -bearbeitung. Den vierten Platz (9,0 Prozent) belegte der Wirtschaftszweig Herstellung von Glaswaren und Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden, worunter auch die Herstellung von Zement, Kalk und Gips fällt.

Auch für private Haushalte ist Erdgas mit Abstand wichtigster Energieträger. Der durchschnittliche Jahresverbrauch von Wohnenergie – also für Heizen, Warmwasserbereitung, Kochen, den Betrieb von Elektrogeräten – lag 2019 bei gut 8800 Kilowattstunden pro Person. Den Statistikern zufolge deckte Erdgas 41,2 Prozent dieses Energiebedarfs. In Neubauten kamen Gasheizungen zuletzt immer seltener zum Einsatz. So wurde bei den 2021 fertiggestellten Wohngebäuden Gas nur in gut einem Drittel der Fälle als primäre Heizung genutzt, 2019 waren es noch fast 42 Prozent.

Seit dem Ukraine-Krieg reduziert Deutschland seine Abhängigkeit von Energielieferungen aus Russland – vor allem bei Gas. Nach einer zehntägigen Wartungspause fließt wieder Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland.

Gaskrise trifft in Deutschland vor allem Metall- und Chemiebranche

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Titelfoto: Symbolfoto

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