Europas Börsen stabilisiert – Nickelpreis verdoppelt

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Frankfurt, 08. Mrz (Reuters) – Nach dem hektischen Ausverkauf der vergangenen Tage kehrt an den europäischen Aktienmärkten wieder etwas Ruhe ein. Die Furcht vor Versorgungsengpässen hielt die Rohstoffpreise am Dienstag hoch, wobei sich der Kurs von Nickel zeitweise verdoppelte. 

Der Dax schloss nach einer Berg- und Talfahrt fast unverändert bei 12.831,51 Punkten, während sich der EuroStoxx50 0,3 Prozent im Plus bei 3523,60 Zählern hielt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte ein halbes Prozent ein. „Da es keine neuen Negativ-Nachrichten gibt, versucht sich der Markt zu stabilisieren“, sagte Emmanuel Cau, Chef-Anlagestratege für europäische Aktien bei der Barclays Bank. Die Stimmung könne wegen der Verunsicherung über die weitere Entwicklung des Kriegs in der Ukraine aber jederzeit kippen. Gleichzeitig versuchten sich Anleger verstärkt gegen eine mögliche Stagflation – eine stagnierende Wirtschaft bei gleichzeitig steigender Inflation – zu wappnen. 

ANLEIHEN UND GOLD HOCH IM KURS

Daher blieben inflationsgeschützte Anleihen gefragt. Dies hielt die Renditen der zehnjährigen Titel aus Deutschland und Frankreich mit minus 2,355 beziehungsweise minus 2,135 Prozent nahe ihren jüngsten Rekordtiefs. 

Andere „sichere Häfen“ wie Gold standen ebenfalls hoch im Kurs. Der Preis für das Edelmetall stieg um bis zu 3,5 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 2069 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Für europäische Anleger markierte er mit 1900,26 Euro je Feinunze den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Gleiches galt für die Aktien des Edelmetall-Schürfers NewmontNEM.N, die an der Wall Street um bis zu 3,7 Prozent auf 80,71 Dollar stiegen. 

NICKELPREIS SEIT WOCHENBEGINN VERDREIFACHT

Gleichzeitig geriet der Preis für Nickel außer Rand und Band. Das zur Stahl-Herstellung benötigte Metall verbuchte einen Rekord-Kurssprung von bis zu 111 Prozent und war mit 101.365 Dollar je Tonne so teuer wie nie. Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann machte neben den Spekulationen auf Lieferengpässe einen sogenannten Short Squeeze hierfür verantwortlich. Einige Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, seien offenbar vom Ukraine-Krieg auf dem falschen Fuß erwischt worden. Die Metallbörse LME setzte den Handel mit Nickel vorerst aus. 

Dies bescherte PolymetPLM.N einen der größten Kurssprünge der Firmengeschichte. Die Aktien des US-Nickelförderers stiegen in der Spitze um mehr als 43 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 4,36 Dollar. 

Palladium war auf Berg- und Talfahrt. Das in Autokatalysatoren verwendete Edelmetall notierte am Abend gut ein Prozent im Plus bei 3034 Dollar je Feinunze und blieb damit auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten Rekordhoch. Fahrzeug-Hersteller könnten verstärkt auf Platin als Ersatz ausweichen, prognostizieren die Experten des Edelmetall-Verarbeiters Heraeus. Platin kostete 1168 Dollar. 

ENERGIE BLEIBT TEUER

Daneben schürte die Diskussion um einen Stopp russischer Öl- und Gaslieferungen die Furcht vor einer Energiekrise. „Das ist ein Spiel mit dem Feuer, bei dem es darum geht, wer wem drohen kann“, sagte Analyst Kyle Rodda vom Brokerhaus IG. Einem Insider zufolge stand ein US-Importstopp für russisches Öl unmittelbar bevor. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck lehnte ein europäisches Embargo allerdings ab. Russland brachte seinerseits eine Einstellung von Gas-Lieferungen ins Gespräch.

Vor diesem Hintergrund stieg der europäische Erdgas-Future zeitweise um 33 Prozent, notierte zuletzt aber etwa ein Prozent tiefer bei 213 Euro je Megawattstunde. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich dagegen um sieben Prozent auf 131,77 Dollar je Barrel (159 Liter). Dies bescherte dem Index für die europäische Öl- und Gasbranche.SXEP ein Kursplus von fast vier Prozent. 

Gefragt waren auch die Banken. Ihr Index gewann zwei Prozent. Angeführt wurde die Rally von Instituten wie Raiffeisen Bank oder Societe Generale (SocGen), die wegen ihres großen Russland-Engagements zuletzt bis zu 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt hatten.

Europas Börsen stabilisiert – Nickelpreis verdoppelt

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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