Credit-Suisse-Chef spürt Krisenjahr in der Lohntüte

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Zürich, 10. Mrz (Reuters) – Nach einem Milliardenverlust 2021 muss Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein Gehaltseinbußen hinnehmen. Die Gesamtvergütung des Konzernchefs für das vergangene Jahr sank um 43 Prozent auf 3,8 Millionen Franken, wie dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht der Schweizer Großbank zu entnehmen war.

Für 2020 hatte Gottstein ursprünglich 8,5 Millionen Franken als Grundgehalt und Bonus zugesprochen bekommen, ein Teil der Boni war ihm aber angesichts des Fehltritts der Bank mit dem Hedgefonds Archegos nachträglich aberkannt worden. Spitzenverdiener in der Geschäftsleitung war im vergangenen Jahr Finanzchef David Mathers mit 4,1 Millionen Franken. 

„Das Jahr 2021 war für die Credit Suisse sehr enttäuschend und herausfordernd“, erklärten Gottstein und der neue Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann. Während Rivalen Rekordergebnisse feiern konnten, fuhr Credit Suisse einen Verlust von 1,65 Milliarden Franken ein. Den im Februar veröffentlichten Verlust von 1,57 Milliarden Franken musste die Bank wegen höherer Rechtskosten für einen Vergleich mit dem Versorger Stadtwerke München korrigieren.

Alleine der Kollaps des Hedgefonds Archegos kostete das Institut fünf Milliarden Franken. Dazu kam eine Reihe von weiteren Fehlschlägen und Affären, die das Geldhaus zum Sorgenkind Nummer eins der europäischen Bankbranche machten. Dagegen hat Credit Suisse in Russland weniger im Feuer als andere Institute. 

Neben Gottstein bekam auch der Rest der Konzernleitung das Krisenjahr in der eigenen Geldbörse zu spüren. Das Gesamtgehalt das Gremiums ging um über ein Viertel auf 38,6 Millionen Franken zurück. Auch der Rivale UBS verlor mit Archegos Geld, wenn auch deutlich weniger als die Credit Suisse. UBS-Konzernchef Ralph Hamers und der Rest der Geschäftsleitung mussten deshalb ebenfalls Abstriche machen. 

Den Bonus-Topf für alle Mitarbeiter kürzte Credit Suisse um fast ein Drittel auf zwei Milliarden Franken. Mit einem Umbau des Bonus-Systems, der unter anderem einen größeren Bargeld-Anteil umfasst, will die Bank Schlüssel-Mitarbeiter aber bei der Stange halten. Insbesondere für Investmentbanker sind Boni ein wichtiges Kriterium, um den Arbeitgeber zu wechseln.

Credit Suisse litt 2021 aber nicht nur unter Archegos, der Notabwicklung von zusammen mit Greensill geführten Fonds, einer Reihe von Rechtsfällen und Untersuchungen von Regulatoren. Gegen Ende Jahr wurde bekannt, dass Verwaltungsratspräsident Antonio Horta-Osorio zwei Mal gegen Quarantäne-Regeln verstoßen hatte. Als Folge einer internen Untersuchung nahm der Portugiese im Januar nach nur acht Monaten im Amt seinen Hut. Dem Geschäftsbericht zufolge strich Horta-Osorio 3,5 Millionen Franken ein. Statt in Aktien wurde der Betrag in Bar ausgezahlt.

Credit-Suisse-Chef spürt Krisenjahr in der Lohntüte

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Titelfoto: Symbolfoto

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