Chinesische Tech-Aktien: Regulierungsmaßnahmen sind eingepreist

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Ein aktueller Kommentar von Didier Rabattu, Head of Equities bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM):

Regulierungssturm hat mehr als ein Viertel der Aktienwerte vernichtet.

„Die Aktienmärkte Chinas haben aufgrund von Irritationen, die ihren Ursprung in einer strengen Regulierung von Sektoren wie Bildung und Technologie in China bis hin zu pandemiebedingten Störungen der Lieferketten haben, einen Kurssturz erlebt. Der jüngste Ausverkauf bei den Tech-Aktien folgte auf die Nachricht, dass der chinesische Fahrdienst Didi Chuxing beschlossen hat, seine Notierung in New York aufzugeben und nach Hongkong zu wechseln. Die Ankündigung, die vor dem Hintergrund einer verschärften behördlichen Kontrolle in China erfolgte, hatte auch Auswirkungen auf die Aktien von Alibaba und Tencent, die nach der Nachricht zusammen mit den Didi-Aktien ins Straucheln kamen.

Doch inmitten dieser Volatilität bleiben die langfristigen politischen Rahmenbedingungen und die Marktkräfte für dauerhaftes Wachstum bestehen – selbst im umkämpften Technologiesektor.

Die makroökonomische Entwicklung bleibt intakt

Im Gegensatz zu einigen anderen entwickelten Volkswirtschaften verfügt China über genügend Spielraum, um die Wirtschaft zu stimulieren, ohne eine massive Inflation auszulösen. Das liegt zum Teil daran, dass China als einzige große Volkswirtschaft der Welt auf eine pandemiebedingte Konjunkturübertreibung verzichtet und stattdessen kleinere Unternehmen, die von der Pandemie betroffen sind, gezielter unterstützt hat. Außerdem ist es dem Land gelungen, die Inflation dank stabiler Preissteigerungen bei Lebensmitteln einzudämmen.

Vor dem Hintergrund der Herausforderungen wie Stromknappheit, Verzögerung und Behinderung der Container-Schifffahrt und eine Immobilienkrise, mit denen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt konfrontiert war, hat Chinas Politbüro jedoch signalisiert, dass es im Jahr 2022 noch aggressivere Maßnahmen zum Schutz der Wirtschaft ergreifen könnte. Das Führungsteam der Kommunistischen Partei Chinas unter dem Vorsitz von Präsident Xi Jinping erklärte kürzlich in einer Erklärung, dass die „Sicherung der Stabilität“ im kommenden Jahr oberste Priorität haben werde.

Dies zeigte sich darin, dass die People’s Bank Of China eine Senkung des Mindestreservesatzes für die meisten Banken ab Mitte Dezember ankündigte, wodurch etwa 1,2 Billionen Yuan (188 Mrd. USD) für Unternehmens- und Haushaltskredite frei werden.

Die Bewertungen sind attraktiv

Wir sind der Ansicht, dass die negativen Auswirkungen der jüngsten Regulierungsmaßnahmen weitgehend eingepreist sind und den Anlegern die Möglichkeit bieten, an Chinas langfristiger Wachstumsstory zu attraktiven Bewertungen zu partizipieren.

Im bisherigen Jahresverlauf erlebte der asiatische Riese einen Regulierungssturm, bei dem die Regierung in verschiedenen Sektoren wie Internet, Nachhilfe, Fintech, Immobilien, Gesundheitswesen, Medien und Energie eingriff. Dies hat, gemessen am MSCI China All Share Index, mehr als ein Viertel der Aktienwerte vernichtet.

In ganz China sind die Bewertungen jetzt viel attraktiver als zu Beginn des Jahres, insbesondere im Vergleich zu US-Aktien und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die beiden Länder wahrscheinlich eine unterschiedliche geldpolitische Dynamik erleben werden. Die erwartete, gelockerte Finanzpolitik in China dürfte chinesische Aktien attraktiver machen, während Fiskalpolitik in den USA zu Gegenwind für US-Aktien führen könnte (auch wenn dies von der Stärke des EPS-Wachstums in den USA abhängen wird).

Technologie 2.0

Laut dem UNCTAD Digital Economy Report 2019 macht die digitale Wirtschaft im weitesten Sinne 30 % des chinesischen BIP aus, gegenüber 21,6 % in den USA und 15,5 % im Rest der Welt.

Der jüngste 14. Fünfjahresplan (2021-2025) und die Vision 2035 setzen ehrgeizige Ziele und können eine Reihe von Investitionsmöglichkeiten in zahlreichen Sektoren, insbesondere in der Technologie und der digitalen Wirtschaft, fördern. Der Fünfjahresplan zielt auf ein jährliches Wachstum Investitionen in Forschung und Entwicklung von über 5 % ab, was dazu beitragen wird, die Hightech-Industrialisierung, Robotik und Automatisierung voranzutreiben. Die Behörden konzentrieren sich auch auf die Förderung neuer Technologien: 6G, digitale Sensoren und Kommunikationsnetze für die Entwicklung intelligenter Städte sowie die Schaffung eines nationalen Datenzentrums.

Die Rolle, welche die technologische Innovationen bei der Gestaltung der Pläne für die Wirtschaft des Landes spielen, berücksichtigend, dürften sich unserer Meinung nach Investitionsmöglichkeiten ergeben, wenn sich die Unternehmen an die neuen Cybersicherheitsvorschriften anpassen und auf einer ähnlichen regulatorischen Grundlage wie ihre westlichen Gegenspieler gestellt werden.“

Chinesische Tech-Aktien: Regulierungsmaßnahmen sind eingepreist

Titelfoto von Didier Rabattu (Quelle: LOIM)

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