Bundesbank führt zum zweiten Mal seit 1979 keinen Gewinn an den Bund ab

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Frankfurt, 02. Mrz (Reuters) – Die Bundesbank schüttet in Folge der Corona-Pandemie das zweite Jahr in Folge keinen Gewinn an den Bund aus. Wie schon 2020 erwirtschaftete die deutsche Notenbank auch 2021 lediglich ein ausgeglichenes Ergebnis, wie die Bundesbank am Mittwoch mitteilte.

Aufgrund der geldpolitischen Notfallmaßnahmen im Zuge der Pandemie sei es erforderlich, die Risikovorsorge weiter aufzustocken, erklärte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. „In den Jahren 2020 und 2021 haben sich die Risiken in unserer Bilanz im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie insgesamt stark erhöht“, sagte er. Der Scheck an den Bund fällt damit zum zweiten Mal seit 1979 aus.

Vor allem die Zinsänderungsrisiken hätten mit dem im Frühjahr 2020 aufgelegten Pandemie-Anleihenkaufprogramms PEPP der Europäischen Zentralbank (EZB) stark zugenommen. Da die Käufe auch Unternehmensanleihen einschließen, seien auch die Kreditrisiken kräftig gestiegen. „Als umsichtige Notenbank müssen wir für diese Risiken Vorsorge betreiben“, erläuterte Nagel.

Die Bundesbank erhöhte daher ihre Wagnisrückstellung, die solche Gefahren abdeckt, um 1,3 Milliarden Euro auf 20,2 Milliarden Euro. Für den Jahresabschluss 2022 sei mit einer weiteren Aufstockung der Risikovorsorge zu rechnen. Die Zinserträge gingen im vergangenen Jahr auf 2,5 von zuvor 2,9 Milliarden Euro zurück.

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die deutsche Wirtschaft ließen sich noch nicht verlässlich abschätzen, erklärte die Bundesbank. Ein weiterer Energiepreisschub werde sich aber auf die Inflation auswirken, die laut Fachleuten der Bundesbank im laufenden Jahr im Jahresdurchschnitt fünf Prozent erreichen könnte.

„Für den Euroraum ist ebenfalls eine hohe Inflationsrate zu erwarten“, erklärte Nagel. Die Normalisierung der Geldpolitik müsse daher im Blick behalten werden. Wenn es die Preisstabilität erfordere, müsse der EZB-Rat seinen geldpolitischen Kurs anpassen, erklärte Nagel in dem Geschäftsbericht. 

Die Inflation war in der Euro-Zone im Februar auf ein neues Rekordhoch von 5,8 Prozent gestiegen. Experten hatten nur mit 5,4 Prozent gerechnet. Im Januar hatte die Rate bei 5,1 Prozent gelegen. Damit liegt die Inflation weit entfernt vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft anstrebt.

Die EZB gerät wegen der rasant steigenden Preise immer mehr unter Druck, ihre seit Jahren sehr lockere Geldpolitik zu straffen. Die Situation ist für sie extrem schwierig: Denn wegen der nicht absehbaren Folgen des Ukraine-Krieges läuft sie bei einer zu frühen Umkehr in Gefahr, den wirtschaftlichen Aufschwung im Währungsraum abzuzwürgen.

Bundesbank führt zum zweiten Mal seit 1979 keinen Gewinn an den Bund ab

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Titelfoto: Symbolfoto 

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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