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Donnerstag, Dezember 1, 2022

Anleger schieben Zins- und Konjunktursorgen beiseite

Expertenmeinungen

Frankfurt, 14. Okt – Die Aussicht auf weitere kräftige Zinserhöhungen von Fed & Co bis zum Jahresende hat ihren Schrecken für europäische Anleger verloren. „Sie befinden sich jetzt bereits drei bis sechs Monate in der Zukunft und damit in einer Welt, in der die US-Notenbank aller Voraussicht nach ihren Zinserhöhungszyklus vorläufig beendet haben wird, um die Wirkung ihrer verabreichten Medizin zunächst zu beobachten“, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. 

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils ein gutes halbes Prozent auf 12.432 beziehungsweise 3386 Punkte. Auch bei Staatsanleihen griffen Anleger wieder beherzt zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Papiere aus den USA und Deutschland auf 3,918 beziehungsweise 2,200 Prozent. Schnäppchenjäger witterten nach der Talfahrt der vergangenen Wochen offenbar ihre Chance, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Außerdem würden wohl Wetten auf weitere Verluste aufgelöst. Er bezweifle allerdings, dass die Talsohle bereits durchschritten sei. 

In diesem Zusammenhang warteten Börsianer gespannt auf die US-Einzelhandelsumsätze, von denen sie sich weitere Hinweise auf die Geldpolitik der Notenbank Fed versprechen. „Zweifellos haben steigende Zinsen und die galoppierende Inflation die Verbraucher in die Ecke getrieben“, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Sollten die Zahlen aber dennoch stark ausfallen, könne mit zusätzlichem Rückenwind für die Börsen gerechnet werden. Experten erwarten für September ein Plus der Einzelhandelsumsätze von 0,2 Prozent. 

WER MACHT EINEN RÜCKZIEHER? BOE ODER REGIERUNG?

Unterdessen blickten Investoren weiter aufmerksam nach Großbritannien, wo die Bank von England (BoE) ihre jüngsten Anleihekäufe am Freitag beenden will. „Da die Notenbank eine harte Linie fährt, spekulieren sie darauf, dass die Regierung zurückrudert oder anderweitig die Märkte beruhigt“, sagte Markets.com-Experte Wilson. Diese Hoffnung könnte jedoch enttäuscht werden. „Das Wochenende wird ‚interessant‘.“ 

Beobachter werteten die vorzeitige Abreise des britischen Finanzministers Kwasi Kwarteng von der Herbst-Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Zeichen, dass die Regierung zumindest einen Teil ihrer schuldenfinanzierten Entlastungspläne streicht. Diese hatten die Börsen in den vergangenen Wochen in Turbulenzen gestürzt und die BoE zum Eingreifen gezwungen.

Am Freitag deckten sich Investoren mit britischen Staatsanleihen ein und drückten dadurch die Rendite der zehnjährigen Titel auf 3,987 Prozent. Beim Pfund Sterling machten sie dagegen Kasse. Es verbilligte sich auf 1,1271 Dollar, nachdem es in den vergangenen Tagen rund fünf US-Cent zugelegt hatte. 

ERNEUTE STRAFZAHLUNG FÜR BAYER IN USA

Bei den Unternehmen rückte Bayer ins Rampenlicht. Einem Medienbericht zufolge wurde die Tochter Monsanto von einer Jury eines US-Gerichts zur Zahlung von 275 Millionen Dollar verdonnert. Die Kläger machen mit polychlorierten Biphenylen (PCB) versetzte Produkte des Agrarchemie-Konzerns für ihre Erkrankungen verantwortlich. „Jury-Entscheidungen werden für Bayer inzwischen sehr teuer“, sagte ein Börsianer. Der Leverkusener Konzern kündigte Berufung an. Seine Aktien fielen dennoch gegen den Trend um 0,6 Prozent. 

Unter Verkaufsdruck geriet auch TomTom, obwohl der Navigationsgeräte-Hersteller nach einem starken Quartalsergebnis seine Ziele für 2022 angehoben hatte.

Der Ausblick für 2023 sei aber zurückhaltender als bisher, monierten die Analysten der ING Bank. TomTom-Titel verloren in Amsterdam fast zehn Prozent. 

Anleger schieben Zins- und Konjunktursorgen beiseite

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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