Dienstag, Juli 23, 2024
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Wunderwelt Agile?

Wunderwelt Agile? 3 einfache Checkpunkte verhindern den Methoden-Schiffbruch

Der blinde Einsatz von Agile, auch wenn die einzelnen Methoden und Frameworks noch so gut sind, führt nur selten zum erhofften Erfolg. Kennen Führungskräfte die zugrunde liegenden Gesetze nicht, tun sich schneller neue Probleme auf, wie das Unternehmen es schafft, die ursprünglichen zu lösen und generell einen neuen agilen Weg einzuschlagen. 

Auf Kundenfang versprechen Agile-Berater oft alles, frei nach dem Motto „schneller, höher, weiter“. Aber Achtung: Wer am lautesten schreit, hat nicht immer Recht! Trotzdem schlägt Führungskräften, die ihre Organisation agilisieren wollen, inzwischen jede Menge heiße (Berater-)Luft entgegen. Da hilft nur eines: Der Blick über den eigenen Tellerrand – und den so mancher Berater – hinaus. Begreifen Führungskräfte einige Basics, dann haben sie selbst zumindest ein Stück weit Orientierung im agilen Maßnahmen- und Wirkungsdschungel. Und die Gefahr, Schiffbruch zu erleiden, ist wesentlich geringer. Ganz nebenbei entzaubern sie so natürlich auch schlechte Berater …

„Das ist DIE Methode! Damit funktioniert alles – einfach, schnell, agil!“ 

„Doppelter Output in der halben Zeit!“ Wem sind solche Aussagen noch nicht begegnet? Wer sich mit Projektmanagement beschäftigt und die Fühler nach agilen Methoden ausstreckt, kann ein Lied davon singen. Schier erschlagend … und sehr  unangenehm für diejenigen, die sich guten Gewissens ködern lassen. Werden die Versprechen nicht gehalten, nimmt neben der Karriere der verantwortlichen Führungskraft mindestens ein Team oder eine Abteilung, oft sogar die gesamte Organisation Schaden. Kein Wunder, dass Unternehmer und Entscheidungsträger verunsichert sind. Also alles beim Alten belassen? Oder dem nachrennen, was alle machen? Beides sicher keine Lösung, um die Herausforderungen heute und noch viel weniger die der immer ungewisseren Zukunft zu lösen.

Agile ist weit mehr als das blinde oder sture Anwenden einer Methode

… beziehungsweise eines Frameworks. Eine Wirkung kann sich vor allem nur dann entfalten, wenn das Ganze a) zu den Bedürfnissen der Organisation passt und b) alle Beteiligten bejahend an einem Strang ziehen. Wobei wir wieder beim Ursprungsproblem wären: Wie kann ich als Entscheidungsträger bewerten, welche Methode zu meiner Organisation passt? Wie erkenne ich den Anteil der „heißen Luft“? Ja, das Feld agiler Methoden ist ebenso umfangreich wie komplex, dennoch gibt es ein paar grundsätzliche Überlegungen, die helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Oder zumindest leere Versprechungen zu entlarven.

Drei wichtige Checkpunkte

Im Normalfall lautet das Ziel: Mehr Output mit bestehenden Ressourcen erzeugen. Oder: Schneller, pünktlicher, qualitativ besser werden. In beiden Fällen muss jede Lösung, die ein Berater vorschlägt, folgende drei Checkpunkte erfüllen, damit sie wirksam ist:

Die Methode muss sicherstellen, dass die Organisation (zumindest planerisch) in Unterlast gefahren wird – und zwar nicht nur im Mittel, sondern mit allen Ressourcen und allen voran im Engpass.

Die Methode muss helfen, operativ Entscheidungen zu treffen, die sowohl dem Einzelnen als auch dem gesamten Unternehmen zugutekommen. Dazu braucht es ein klares und sinnvolles Signal, das aus den laufenden Projekten, Epics und Stories stammt und die Dringlichkeit des Fortschritts sowie des Pufferverbrauchs zeigt. Es sollte unabhängig von individuellen Personen und für alle täglich verfügbar sein. 

Das Signal muss verwendet werden, um systematische team- und abteilungsübergreifende Prozess-/Technologiefehler identifizieren zu können, um diese tagesaktuell zu beseitigen und dauerhaft den mittleren Aufwand (vor allem im Engpass) zu verringern – nur so steigt letztendlich der Output. 

Darum prüfe, wer sich agil bindet! 

Die unbequeme Wahrheit ist: Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche. Nach dem Credo „Darum prüfe, wer sich agil bindet“ empfiehlt sich, Berater und ihre Methodik auf Herz und Nieren zu prüfen: Führt die Methode dazu, dass alle Mitarbeiter freie Kapazitäten haben? Führt sie dazu, dass jeder Mitarbeiter zu jeder Zeit weiß, welche Initiative beeinträchtigt ist und darf dieser helfen? Führt die Methode dazu, dass tagesaktuell Verbesserungen angegangen werden? Berater, die mehr als heiße Luft können, gehen diese Challenge gerne ein.

Autor

Wolfram Müller ist Experte für agiles Multiprojektmanagement sowie Gründer von BlueDolphin. Seine Passion: selbstorganisierte Veränderungen und Engpassmanagement. Über 40 Unternehmen, vom Start-up über den Mittelständler bis hin zu Konzernen in allen Branchen haben bisher von seinem Wissen und Methoden profitiert. 

Webseite

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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