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Donnerstag, Dezember 1, 2022

Wohnimmobilien verteuern sich langsamer – „Wind hat gedreht“

Expertenmeinungen

Berlin, 23. Sep – Die Preise für deutsche Wohnimmobilien sind im zweiten Quartal erneut deutlich gestiegen, aber langsamer als zuvor. Sie erhöhten sich von April bis Juni um durchschnittlich 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. „Damit lag die Veränderungsrate des Häuserpreisindex gegenüber dem Vorjahresquartal zum fünften Mal in Folge über zehn Prozent.“ Allerdings schwächte sich der Anstieg das dritte Quartal in Folge ab: Zu Jahresbeginn hatte er noch bei 11,6 Prozent gelegen, Ende 2021 bei 12,6 Prozent und im Sommer 2021 bei 12,8 Prozent. Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich auch im Vergleich zum Vorquartal, und zwar im Schnitt um 2,5 Prozent.

„Der Wind hat gedreht“, kommentierte LBBW-Ökonom Martin Güth die Entwicklung. „Niemand sollte mehr auf immer weiter steigende Preise spekulieren.“ Gegen deutliche Preisrückgänge spreche derzeit aber das knappe Angebot an zum Verkauf stehenden Objekten. Für Kauf- und Mietinteressenten werde die Lage immer schwieriger, da der Markt aufgrund von Zuwanderung und schwächerem Bau noch enger werde als ohnehin schon. „Gleichzeitig sind Immobilien aufgrund gestiegener Hypothekenzinsen und realer Einkommensverlust für immer weniger Menschen erschwinglich“, sagte Güth. Für viele Objekte stehe zudem in den kommenden Jahren eine energetische Sanierung an.

MEHR STORNIERUNGEN

„Den größten Preisanstieg gab es in den dünn besiedelten ländlichen Kreisen“, ermittelten die Statistiker. Hier erhöhten sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 13,6 Prozent zum Vorjahresquartal, Eigentumswohnungen um 11,7 Prozent. In den sieben größten Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 12,2 Prozent und für Eigentumswohnungen um 10,6 Prozent. „Am schwächsten fiel der Preisanstieg in den städtischen Kreisen aus“, hieß es. Dort lag die Teuerungsrate für Häuser mit 7,8 Prozent zum ersten Mal seit Anfang 2021 wieder im einstelligen Bereich, während für Wohnungen 7,3 Prozent mehr bezahlt werden mussten als im Vorjahresquartal. Die Bundesbank warnt seit längerem vor zunehmenden Gefahren auf dem deutschen Immobilienmarkt angesichts steigender Preise.

Hohe Baukosten und steigende Kreditzinsen sorgen etwa im Wohnungsbau vermehrt für Auftragsstornierungen. Im August waren 11,6 Prozent der befragten Unternehmen davon betroffen, nach 11,5 Prozent im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut bei seiner Firmenumfrage herausfand. „Seit April sehen wir, dass auffällig viele Projekte gestrichen werden“, sagte Ifo-Forscher Felix Leiss. Die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau hätten sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. „Explodierende Baukosten, steigende Finanzierungszinsen und eingeschränkte Fördermöglichkeiten belasten die Kalkulation potenzieller Bauherren schwer“, sagte er. „Einige Projekte werden damit unrentabel.“

Wohnimmobilien verteuern sich langsamer – „Wind hat gedreht“

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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