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Mittwoch, Dezember 7, 2022

Uniper-Rettung verbessert deutsche Übernahmen-Bilanz

Expertenmeinungen

19. Sep – Die Rettung des deutschen Gas-Importeurs Uniper durch den Staat bessert die magere Bilanz von Fusionen und Übernahmen in diesem Jahr auf. Mit einem Volumen von 7,88 Milliarden Dollar ist der Einstieg des Bundes in die Fortum-Tochter mit Aktien und Wandelanleihen die zweitgrößte Firmenübernahme im laufenden Jahr in Deutschland, wie aus der vorläufigen Rangliste des Finanzdatendienstleisters Refinitiv für die ersten neun Monate hervorgeht. Rettungsaktionen für weitere von der Gas-Krise in Mitleidenschaft gezogene Unternehmen wie die EnBW-Tochter VNG sind in Vorbereitung.

Trotzdem hinkt das Volumen von Fusionen und Übernahmen (M&A) mit Beteiligung deutscher Unternehmen bis Mitte September laut Refinitiv mit 97,6 Milliarden Dollar um 44 Prozent hinter dem Vorjahresniveau her. Zum ersten Mal seit 2017 lag es nach neun Monaten unter der Marke von 100 Milliarden Dollar. Dabei spielen aber Finanzinvestoren eine immer größere Rolle. 2022 haben sie bisher 287 deutsche Firmen für 15,5 Milliarden Dollar gekauft. Das sind zwar zehn Prozent weniger als das Rekordvolumen aus dem vergangenen Jahr, der Anteil der Private-Equity-Gesellschaften an allen Übernahmen steigt damit aber von zehn auf 16 Prozent.

Das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen (ECM) dümpelte in den ersten neun Monaten mit 4,4 Milliarden Dollar auf dem niedrigsten Niveau in diesem Jahrtausend. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 85 Prozent. Der größte Hoffnungsträger, der Börsengang des Sportwagenbauers Porsche AG, ist in den Zahlen noch nicht enthalten. Bei Anleihen und anderen Schuldpapieren sieht es etwas besser aus. Mit 269,6 Milliarden Dollar steht aber auch hier ein Minus von 25 Prozent zu Buche. Die Emission von Unternehmensanleihen lag mit zusammen 120,6 Milliarden Dollar auf einem Zehn-Jahres-Tief.

DIE GRÖSSTEN ÜBERNAHMEN:

* Die DEUTSCHE TELEKOM verkauft 51 Prozent an ihrer Funkturm-Tochter GD Towers für 10,7 Milliarden Euro inklusive Schulden an ein Konsortium aus dem kanadischen Vermögensverwalter Brookfield und DigitalBridge aus den USA. Sie hatte seit Ende 2021 einen Käufer dafür gesucht – das Interesse an dem lukrativen Geschäft war groß.

* UNIPER schreibt angesichts der rapide steigenden Gas-Preise Tag für Tag Millionenverluste, der finnische Staatskonzern Fortum wollte sich an deren Ausgleich aber nicht mehr beteiligen. Deshalb beschloss die Bundesregierung Ende Juli, dem Unternehmen finanziell unter die Arme zu greifen und mit 30 Prozent direkt einzusteigen – für insgesamt rund acht Milliarden Euro. Inzwischen wird sogar über eine Übernahme der Mehrheit durch den Bund gesprochen.

* SIEMENS ENERGY will sich die spanische Windkraft-Tochter Siemens Gamesa komplett einverleiben und nimmt für die Übernahme der restlichen 33 Prozent bis zu 4,3 Milliarden Dollar in die Hand. Einen ersten Teil davon hat der Konzern mit einer Pflichtwandelanleihe bereits refinanziert. Der Energietechnik-Konzern hofft, das Sorgenkind damit straffer führen und schneller sanieren zu können.

* LANXESS spielt bei der Mega-Fusion auf dem Duft- und Aromen-Markt zwischen der niederländischen DSM und der schweizerischen Firmenich indirekt mit. Im Zuge der Transaktion bringt der Kölner Konzern sein Geschäft mit Hochleistungskunststoffen zusammen mit dem von DSM in ein Joint Venture ein, an dem der Finanzinvestor Advent die Mehrheit hält. Lanxess erhält 1,1 Milliarden Euro und bis zu 40 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen, der Wert der Transaktion liegt damit bei 2,7 Milliarden Euro.

* Der Waggonvermieter VTG bekommt für 3,2 Milliarden Dollar wieder neue Eigentümer. ADIA, der Staatsfonds von Abu Dhabi, und Global Infrastructure Partners (GIP) übernehmen 72,5 Prozent der Anteile an der Hamburger VTG von Morgan Stanley Infrastructure Partners und der Joachim-Herz-Stiftung. Beim Einstieg des kanadischen Pensionsfonds OMERS vor drei Jahren war die VTG noch mit rund 1,8 Milliarden Euro bewertet worden.

DIE ERFOLGREICHSTEN BERATER:

* Bei Fusionen und Übernahmen hat sich die US-Investmentbank JPMorgan wieder an die Spitze der „League Tables“ für den deutschen Markt gesetzt. Sie beriet bei 15 Transaktionen im Volumen von 25,2 Milliarden Dollar. Dahinter folgen zwei weitere US-Banken: Morgan Stanley (20,3 Milliarden Dollar) und Goldman Sachs (20,2 Milliarden). Großer Gewinner ist die britische Barclays, die mit 19,8 Milliarden Dollar noch vor der Deutschen Bank liegt. 

* Im Geschäft mit Eigenkapital-Emissionen (ECM) liegt die Deutsche Bank mit sechs Platzierungen im Wert von 829 Millionen Dollar vorne. Doch der Porsche-Börsengang – wenn er denn klappt – wird die Rangliste vom Kopf auf die Füße stellen.

* Bei Fremdkapital-Transaktionen behauptet die Deutsche Bank mit 84 Deals im Volumen von 20,9 Milliarden Dollar den Platz an der Sonne. Das ist allerdings fast ein Drittel weniger als in den ersten neun Monaten 2021. JPMorgan schiebt sich mit 17,7 Milliarden auf Rang zwei, gefolgt von der Commerzbank mit knapp 15 Milliarden.

Uniper-Rettung verbessert deutsche Übernahmen-Bilanz

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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