Toxisches Geld – Russen im Ausland spüren Sanktionen

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London/Zürich/New York, 01. Apr (Reuters) – Im Ausland lebende Russen geraten zunehmend in ihrem Alltag in die Mühlen der Sanktionen des Westens gegen ihr Land. Auch wenn sie nicht Ziel von Sanktionen sind, haben viele Russen bei Geldgeschäften inzwischen Probleme. Die Nachrichtenagentur Reuters interviewte neun russische Staatsbürger, die im Ausland leben, sowie Vermögensverwalter, Anwälte, Steuerberater, Makler und Kunsthändler. Die Antworten legen nahe, dass die Finanzsanktionen, die gezielt den inneren Machtzirkel um Staatschef Wladimir Putin treffen sollten, inzwischen weitaus größere Kreise von Menschen mit russischem Pass erfassen.

„Ich habe mit Russen zu tun, die ihre Hotels nicht verlassen können, Studenten, die kein Geld haben, weil ihre Kreditkarten wertlos sind,“ berichtete Bob Amsterdam, Gründungspartner der in Washington und London ansässigen Kanzlei Amsterdam & Partners. „Banken verweigern Russen Bankkonten. Sie schließen ihre Türen für Russen wegen ihrer Nationalität.“ Auch führende Anwaltskanzleien in der Londoner City verhielten sich so.

Evgeny Chichvarkin, ein Telekom-Tycoon, der 2008 aus Russland floh und sich danach in London niederließ, ist seit langem ein lautstarker Unterstützer der Ukraine. Zusammen mit seiner Partnerin Tatjana Fokina hat der Multimillionär nach eigenen Angaben vier Lkw-Ladungen mit medizinischer Ausrüstung und Schutzausrüstung nach Polen geschickt, um den Ukrainern nach der russischen Invasion am 24. Februar zu helfen. Die erste Ladung habe er sogar selbst gefahren, sagte Chichvarkin. Aber der 48-jährige, der ein langjähriger Kritiker von Putin ist, gab auch an, dass eines seiner Schweizer Bankkonten unerwartet gesperrt worden sei. Den Namen der Bank nannte er nicht.

Der russische Schriftsteller Grigori Tschchartischwili, der in London lebt und dessen Name georgisch ist, berichtete davon, dass er erfolgreich einen Geldbetrag über die britische Bank Barclays überwiesen habe, um seine ukrainische Flüchtlingshilfsorganisation „True Russia“ zu unterstützen. Seiner Frau aber, die einen russischen Namen trage, sei dies bei Barclays jedoch zunächst nicht gelungen, als sie versucht habe, Geld an dieselbe Hilfsorganisation zu senden. Die Bank habe ein persönliches Gespräch verlangt. „Meine Summe war zehnmal so groß, aber es war kein Problem“, sagte Tschchartischwili. „Das verdeutlicht die Atmosphäre.“ Seine Frau habe nach einem Anruf bei der Bank schließlich das Geld überweisen können. Von Barclays war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Von Erfahrungen wie Chichvarkin und Tschchartischwili können auch andere berichten. Vier im Ausland lebende Russen mit doppelter Staatsbürgerschaft erzählten davon, dass in London, Zürich und Paris Banken Konten oder Zahlungen eingefroren hätten. Ein reicher Emigrant in London gab an, er sei auf Bargeld umgestiegen, um Einkäufe zu tätigen, und versuche sich ansonsten unauffällig zu verhalten. Zwei Vermögensberater und ein Anwalt nannten Fälle, in denen Banken Anträge von russischen Kunden auf Bankkonten abgelehnt hätten. Geldhäuser würden zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen bei russischem Geld treffen. Mehrere Makler wiesen auf Fälle von ins Stocken geratenen Immobilien- und Kunstgeschäften hin.

„ALLES RUSSISCHE IST TOXISCH“

Mehrere Anwälte, die wohlhabende Russen in Europa vertreten, sprachen von einem allgegenwärtigen Klima des Misstrauens. Eine Expertin für Steuer- und Vermögensplanung, die darum bat, nicht genannt zu werden, erklärte, Russen würden unabhängig von ihrem Wohnort oder ihrem Vermögen besonders unter die Lupe genommen. „Derzeit ist alles, was russisch ist, toxisch. Das heißt, jeder versucht, extrem, extrem vorsichtig zu sein, wenn es um russische Mandanten geht“, sagte die Anwältin, die eine russische und britische Staatsbürgerschaft hat. 

Die Journalistin Elena Servettaz, die seit 2005 in Frankreich lebt, berichtete, die französische Bank Crédit Mutuel habe eine Überweisung von weniger als 1000 Euro auf ihr Konto abgelehnt. Es sei Geld gewesen, das ihr aus London zur Unterstützung der ukrainischen Flüchtlingshilfe geschickt worden sei. Als Servettaz die Bank angerufen habe, sei ihr mitgeteilt worden, dass die Transaktion aufgrund ihrer russischen Staatsangehörigkeit als auffällig markiert worden sei. Sie habe das Geld dann mehr als eine Woche später erhalten. „Es ist so unfair, wenn man Teil der russischen Opposition ist und ukrainischen Flüchtlingen hilft, und man dann gesagt bekommt, man sei Russe, deshalb könne man sein Geld nicht bekommen“, beklagte sie. 

Bei Crédit Mutuel hieß es dazu, europäische Banken seien verpflichtet, bei der Prüfung von Transaktionen, die von EU-Sanktionen betroffen sein könnten, Vorsicht walten zu lassen. Zusätzliche Kontrollen könnten daher zu Verzögerungen führen. Die Bank unternehme aber das ihr mögliche, um die Folgen für Kunden zu begrenzen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Mitte März berichtet, dass Bankenaufseher Institute angewiesen hätten, Transaktionen aller russischen und weißrussischen Kunden besonders unter die Lupe zu nehmen. Diese Vorsichtsmaßnahme gelte für Personen, die nicht auf der Sanktionsliste stünden, und mit Blick auf russische und belarussische EU-Bewohner, sagten mit der Sache vertrauten Personen.

Toxisches Geld – Russen im Ausland spüren Sanktionen

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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