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Montag, November 28, 2022

Stornierungswelle im Wohnungsbau – „Planungssicherheit dahin“

Expertenmeinungen

Berlin, 11. Okt – Teures Material, steigende Kreditkosten, hohe Energiepreise: Im Wohnungsbau baut sich eine Stornierungswelle auf. Im September waren 16,7 Prozent der befragten Unternehmen von Projektabsagen betroffen, nach 11,6 Prozent im Vormonat, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht. „Aufgrund der explodierenden Material- und Energiepreise sowie der steigenden Finanzierungszinsen ist die Planungssicherheit dahin“, sagte Ifo-Forscher Felix Leiss. „Die Baukosten steigen immer weiter. Für einige Bauherren ist das alles nicht mehr darstellbar, sie stellen Projekte zurück oder ziehen ganz die Reißleine.“

Die Stornierungswelle gefährdet das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, 400.000 Wohnungen im Jahr zu bauen. Zumal eine schnelle Trendwende nicht in Sicht ist, im Gegenteil: Die Geschäftserwartungen der Branche trübten sich nochmals ein: Das entsprechende Barometer fiel auf minus 53,2 Punkte. „Die Unternehmen verfügen im Schnitt immer noch über große Auftragsreserven, aber die Zukunftssorgen waren selten so groß“, sagte Leiss. „Die Erwartungen notieren auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 1991.“

Deshalb rechnet auch die staatliche Förderbank KfW nicht damit, dass der Bau rasch wieder zu einem Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland wird. „Lange ein verlässliches Zugpferd der Konjunktur, leidet der Bau inzwischen zunehmend an den Preisschüben bei Energie und Materialien sowie den steigenden Finanzierungskosten“, betonten die Ökonominnen und Ökonomen der KfW.

Viele Unternehmen klagen mittlerweile über Probleme beim Baumaterial: 32,7 Prozent meldeten hier Engpässe, im Vormonat August hatte der Anteil allerdings mit 36,4 Prozent noch höher gelegen. „Die Materialengpässe entspannen sich nur langsam und die hohen Energiepreise verteuern das knappe Material zusätzlich“, sagte Ifo-Experte Leiss. „Die Bauunternehmen müssen die höheren Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben.“ Für die kommenden Monate seien daher „auf breiter Front weitere Preiserhöhungen geplant“.

Die enorme Kostensteigerung führt auch dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) dazu, dass viele Häuslebauer Abstand von geplanten Projekten nehmen. „Entweder die Projekte rechnen sich nicht mehr oder die gestiegenen Baupreise und Zinsen sprengen das Haushaltsbudget, das ohnehin schon durch die explodierenden Energiekosten enorm belastet ist“, sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim Oliver Müller. Der HDB fordert eine massive Förderung beim Neubau und bei der Sanierung sowie steuerliche Investitionsanreize.

Stornierungswelle im Wohnungsbau – „Planungssicherheit dahin“

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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