Selenskyj fordert Russland zu ernsthaften Gesprächen auf

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Kiew/Lwiw, 19. Mrz (Reuters) – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland zu ernsthaften Gesprächen über eine Friedenslösung aufgerufen. „Ich will, dass mich alle hören, insbesondere in Moskau. Es ist Zeit für ein Treffen, es ist Zeit zu reden“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft am frühen Samstagmorgen. Die territoriale Unversehrtheit der Ukraine müsse wieder hergestellt werden. Russland werde ansonsten Verluste in einem Ausmaß erleiden, für das es Generationen brauche, um es zu verkraften. Die Ukraine habe stets ihre Bereitschaft gezeigt, ohne Verzögerungen ehrliche Gespräche über Frieden und Sicherheit zu führen. 

Derzeit gibt es zwar Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über eine mögliche Waffenruhe, aber diese haben bislang nicht zu Ergebnissen geführt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig eine Verzögerungstaktik vor. Nach Angaben eines ukrainischen Unterhändlers hat sich Russland bislang nicht bewegt und seine Forderungen wiederholt. Mychailo Podoljak, Berater von Präsident Selenskyj, bekräftigte am Freitagabend die Position der Ukraine und pochte auf eine Waffenruhe, den Abzug russischer Truppen und Sicherheitsgarantien für sein Land. Russlands Präsident Wladimir Putin versprach der Bevölkerung seines Landes einen Erfolg des „militärischen Sondereinsatzes“ in der Ukraine. Russland wisse, was zu tun sei, wie und zu welchen Kosten, sagte er auf einer Feier anlässlich des achten Jahrestages der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. 

In der Ukraine liegen zahlreiche Städte unter Beschuss. Das ukrainische Verteidigungsministerium meldete in der Nacht zum Samstag, dass die Ukraine den Zugang zum Asowschen Meer zeitweise verloren habe. Ob die ukrainischen Truppen diesen wieder zurückerobert haben, blieb offen. Besonders umkämpft ist die Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer, der eine besondere strategische Bedeutung zukommt. Sie liegt auf der Landesverbindung zwischen der Krim und den von Russland anerkannten Rebellengebieten im Donbass, Luhansk und Donezk. Aufgrund des konstanten Bombardements ist es den örtlichen Behörden zufolge nicht möglich, Hilfsgüter in die Stadt zu bekommen.

Etwa 400.000 Menschen sind dort eingeschlossen. Rettungskräfte suchen nach wie vor nach Überlebenden in einem Theater, das nach ukrainischen Angaben von Russland angegriffen wurde. Zahlreiche Menschen hatten dort Schutz gesucht. Selenskyj erklärte, er habe weiterhin keine Erkenntnisse über mögliche Todesopfer. Bislang seien 130 Menschen aus den Trümmern gerettet worden. Russland bestreitet den Angriff.

Die Lage für die Bevölkerung wird immer schwieriger. Inzwischen sind mehr als drei Millionen Menschen vor den Kämpfen in Nachbarländer im Westen geflohen. Selenskyj warf Russland erneut vor, Hilfslieferungen in belagerte Städte zu verhindern. „Das ist ein Kriegsverbrechen und sie werden dafür bezahlen“, sagte das Staatsoberhaupt der Ukraine.

Die Europäische Union befürchtet eine Hungersnot. „Die Menschen in den belagerten Städten sind apokalyptischen Zuständen ausgesetzt – keine Nahrung, kein Wasser, keine medizinische Versorgung und kein Ausweg“, sagte der für humanitäre Hilfe und Krisenschutz zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic der „Welt am Sonntag“. Es sei eine Verpflichtung Hilfe zu gewähren, ohne jedes Hindernis. Humanitäre Korridore wurden immer wieder vereinbart, oft aber nicht eingehalten. Auch hier beschuldigen sich die Ukraine und Russland gegenseitig. Am Samstag solle es zehn solcher Korridore geben, kündigte die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk an. Darunter auch einer aus Mariupol.

Selenskyj fordert Russland zu ernsthaften Gesprächen auf

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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