Russland nach Zinsüberweisung vor neuem Test der Zahlungsfähigkeit

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London, 18. Mrz (Reuters) – Nach der Zahlung fälliger Zinsen für zwei Dollar-Anleihen steht die russische Regierung im Kampf gegen die erste Staatspleite seit der Revolution 1917 schon der nächste Lackmustest ins Haus. Bereits kommende Woche müssen 66 Millionen Dollar an die Gläubiger zurückgezahlt werden. Insgesamt werden im März noch 615 Millionen Dollar fällig. Am 4. April muss dann eine Anleihe im Wert von zwei Milliarden Dollar zurückgezahlt werden.

Das nach der Invasion der Ukraine mit harten westlichen Sanktionen belegte Land bestätigte am Freitag die Zahlung von Zinsen über 117 Millionen Dollar für zwei Fremdwährungsanleihen und wendete damit eine Pleite vorerst ab. Das Finanzministerium erklärte, das Land sei seinen Verpflichtungen vollständig nachgekommen. Insider bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Gelder auf dem Weg zu den Gläubigern seien. Einige europäische Investoren sagten, sie hätten die fälligen Gelder in Dollar bereits erhalten. Zwei Gläubiger in Taiwan erklärten, die Mittel würden gerade überwiesen. „Die Zahlung für beide Kupons ist erfolgt“, sagte eine mit der Situation vertraute Person Reuters.

Wäre es nicht zu einer Überweisung gekommen, wäre dies der erste Zahlungsausfall seit der Russischen Revolution 1917 gewesen, als die Bolschewiken Schulden aus der Zarenzeit nicht anerkannten. Derzeit sind russische Fremdwährungsanleihen im Gesamtvolumen von etwa 40 Milliarden Dollar im Umlauf. Rund die Hälfte davon wird von ausländischen Investoren gehalten.

Die Nachricht von der Zahlung ließ die Kurse russischer Anleihen steigen. Der für eine bis 2043 laufende Anleihe kletterte auf 45 Cent pro Dollar. Obwohl die Handelsvolumina gering waren, stieg der Kurs dem Finanzdatenanbieter Refinitiv zufolge damit seit dem am 8. März erreichten Rekordtief von 12 Cent deutlich an.

Künftige Zahlungen könnten kompliziert werden. So erhalten einige der in Dollar ausgegebenen Papiere eine Klausel, wonach die Zahlung in alternativen Währungen wie Euro, Pfund, Schweizer Franken und dem russischen Rubel möglich wäre. Das liegt daran, dass nach 2014 und damit nach der Annexion der Krim begebene Anleihe eine Bestimmung für Zahlungen in alternativen Währungen enthalten. Für Anleihen, die nach 2018 verkauft werden, ist der Rubel als alternative Währungsoption aufgeführt. Die Währung hat aber seit Kriegsausbruch massiv an Wert verloren. 

Mehrere Ratingagenturen hatten ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit Russlands zuletzt tief in den Ramsch-Bereich gedrückt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält gravierende Folgen für das weltweite Finanzsystem im Fall einer Staatspleite Russlands jedoch für wenig wahrscheinlich.

Russland nach Zinsüberweisung vor neuem Test der Zahlungsfähigkeit

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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