Russische Truppe verstärken Druck zur Eroberung Mariupols

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Lwiw/Kiew, 28. Mrz (Reuters) – Viereinhalb Wochen nach Beginn ihrer Invasion in der Ukraine verstärken russische Truppen offenbar ihre Versuche, die südostukrainische Stadt Mariupol einzunehmen. In der Nähe der eingekesselten Hafenstadt würden sie Geländegewinne erzielen, erklärte das britische Verteidigungsministerium am Montag.

Mariupol

Dort würden die russischen Truppen vor allem versuchen, den Hafen einzunehmen. Im Norden des Landes zogen sich russische Truppen dagegen weiter zurück. Die russischen Truppen, die die Stadt Slawutytsch in der Nähe des Kernkraftwerks Tschernobyl am Wochenende übernommen hatten, sind nach Angaben des dortigen Bürgermeisters wieder abgerückt. 

Russland verlegt nach Angaben des ukrainischen Militärs aber weiterhin zusätzliche Militäreinheiten an die ukrainische Grenze. Zudem würden die Raketen- und Luftangriffe auf ukrainische Truppen sowie militärische Infrastrukturen unter anderem in der östlichen Stadt Charkiw fortgesetzt. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte in einer Videoansprache erneut, dass Russland für eine katastrophale humanitäre Lage im stark zerbombten Mariupol verantwortlich sei. „Der Hafen ist vermint“, sagte er. Es sei unmöglich, Lebensmittel, Medikamente und Wasser dorthin zu bringen.

Selbst die Zerstörungen durch die russische Armee in Tschetschenien seien mit der Situation in Mariupol nicht vergleichbar. Russland bestreitet Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine. In Mariupol sollen bei den russischen Bombardierungen aber bereits tausende Menschen gestorben sein. Frankreich hatte Ende vergangener Woche zusammen mit der Türkei und Griechenland angekündigt, Zivilisten aus der Stadt evakuieren zu wollen. 

NEUE GESPRÄCHE IN DER TÜRKEI

In dieser Woche sollen neue Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in der Türkei stattfinden.

Mariupol

Selenskyj bestand auf der territorialen Integrität seines Landes. Hintergrund sind russische Ankündigungen, sich bei der Invasion nun auf die Eroberung des östlichen Donbass-Gebiets zu konzentrieren. Dort werden zwei Landesteile bereits seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert. Russland hatte die beiden sogenannten Volksrepubliken als unabhängig anerkannt, was die Ukraine und westliche Staaten als völkerrechtswidrig bezeichnen. 

Selenskyj hatte in einem Interview mit russischen Medien gesagt, dass man prüfen werde, ob die Ukraine auch einen neutralen Status annehmen könne. Damit würde das Land auf die bisher angestrebte Nato-Mitgliedschaft verzichten. Dies ist eine der russischen Forderungen. „Sicherheitsgarantien und Neutralität, nicht-nuklearer Status unseres Staates. Wir sind bereit, uns darauf einzulassen“, sagte Selenskyj auf russisch. Die Regierung in Moskau warnte davor, das Interview in Russland zu veröffentlichen.

Allerdings hatte Russland dem Land bereits die territoriale Integrität im Gegenzug zur Abgabe der sowjetischen Atomwaffen zugesagt und dann 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert.

Trotz der sich abzeichnenden Gespräche über einen Waffenstillstand ziele der russische Präsident Wladimir Putin darauf ab, den östlichen Teil der Ukraine zu erobern, erklärte der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow. „In der Tat ist dies ein Versuch, Nord- und Südkorea in der Ukraine zu schaffen“, sagte er in Anspielung auf die Teilung Koreas nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Ukraine und westliche Länder sprechen von einem russischen Angriffskrieg und einer Invasion im Nachbarland, die am 24. Februar begonnen hat. Russland bezeichnet sein Vorgehen in der Ukraine dagegen als Spezialoperation zur Zerstörung militärischer Stützpunkte sowie zur Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine. In dem Krieg sollen nach Angaben der Ukraine und aus westlichen Sicherheitskreisen bereits mehrere Zehntausend Menschen gestorben sein. Die UN sprechen zudem von 3,5 Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine.

US-Präsident Joe Biden betonte unterdessen, dass er keinen „regime change“ in Russland gefordert habe. Er hatte in einer Rede in Polen am Wochenende mit der Bemerkung für Verwirrung gesorgt, dass Putin nicht an der Macht bleiben könne. Auch Kanzler Olaf Scholz betonte am Sonntag, weder Biden noch die Nato strebten einen „regime change“ an.

Russische Truppe verstärken Druck zur Eroberung Mariupols

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Titelfoto und Fotos: Symbolfotos

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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