Rund 20.000 Menschen gelingt Flucht aus ukrainischem Mariupol

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Lwiw/Kiew, 16. Mrz (Reuters) – Aus dem von russischen Truppen belagerten Mariupol ist nach ukrainischen Angaben inzwischen rund 20.000 Einwohnern die Flucht gelungen. Die Menschen verließen die Hafenstadt im Südosten des Landes in Privatwagen, wie das Innenministerium in Kiew am Mittwoch mitteilte.

Für die noch eingeschlossenen Menschen sei die Lage nach nunmehr fast zwei Wochen ohne Heizung, Strom und fließendes Wasser aber desaströs. Mindestens 200.000 Menschen seien dringend auf eine Evakuierung angewiesen. Unterdessen schürten Russlands Außenminister Sergej Lawrow und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vage Hoffnungen auf Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den beiden Ländern. 

Ob noch am Mittwoch ein Fluchtkorridor zur Evakuierung weiterer Zivilisten aus Mariupol geöffnet werden kann, ist laut der ukrainischen Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk fraglich. Wie sie in einer Video-Ansprache zudem erklärte, haben russische Truppen in Mariupol ein Krankenhaus unter ihre Kontrolle gebracht. 400 Patienten und Mitarbeiter würden als Geiseln gehalten. Die Soldaten hätten Artillerie in Stellung gebracht und würden Schüsse abfeuern. 

Mariupol

In Mariupol sollen nach ukrainischen Angaben mittlerweile mehr als 2500 Zivilisten getötet worden sein. Die Stadt am Asowschen Meer rund 60 Kilometer von der russischen Grenze entfernt gilt als entscheidend für einen Versuch Russlands, einen Landkorridor bis zur annektierten Halbinsel Krim herzustellen. Russland bezeichnet sein Vorgehen in der Ukraine als Spezialoperation zur Entnazifizierung des Nachbarlandes. Die USA und ihre Verbündeten sehen darin einen Vorwand für einen ungerechtfertigten Angriff auf die Ex-Sowjetrepublik. Russland weist Vorwürfe zurück, Zivilisten ins Visier zu nehmen. Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Der russische Außenminister Lawrow erklärte, er sehe bei den Gesprächen mit der Ukraine trotz mehrerer Schwierigkeiten die Möglichkeit eines Kompromisses. „Die Verhandlungen sind aus offensichtlichen Gründen nicht einfach“, sagte Lawrow dem russischen Nachrichtenportal RBK. „Nichtsdestotrotz besteht eine gewisse Hoffnung auf einen Kompromiss.“ Es werde jetzt ernsthaft über einen neutralen Status der Ukraine diskutiert. Über einige Formulierungen für eine Vereinbarung sei man sich fast einig. Aber es gehe auch um Sicherheitsgarantien und eine Demilitarisierung sowie die Rechte der russischsprachigen Menschen in der Ukraine und die Sicherheit der Menschen im Osten des Landes. 

RUSSISCHER UNTERHÄNDLER: UKRAINE MUSS NEUTRAL SEIN

Der russische Unterhändler Wladimir Medinski sagte, die Gespräche mit der Ukraine verliefen schwierig und langsam. „Natürlich hätten wir es gerne, dass alles viel schneller passiert, das ist ein ernsthafter Wunsch der russischen Seite“, zitierte ihn die russische Nachrichtenagentur Interfax. „Wir wollen so bald wie möglich zu Frieden gelangen.“ Die Ukraine müsse „friedlich, frei, unabhängig und neutral“ sein und kein Mitglied eines „militärischen Blocks, kein Mitglied der Nato“.

Der ukrainische Präsident hatte zuvor angedeutet, dass seine Regierung bei den Verhandlungen mit Russland bereit sein könnte, auf eine Nato-Mitgliedschaft zu verzichten, wenn die Ukraine umfassende Sicherheitsgarantien erhalte. Zum Verlauf der Verhandlungen sagte Selenskyj, die dort geäußerten Standpunkte hörten sich inzwischen realistischer an. „Allerdings braucht es noch mehr Zeit für Entscheidungen im Interesse der Ukraine“, betonte er in einer Videobotschaft. 

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sagte bei seiner Ankunft beim Treffen mit seinen Nato-Kollegen und -Kolleginnen in Brüssel, das Militärbündnis werde die Ukraine weiter mit Waffenlieferungen unterstützen, damit diese sich verteidigen könne. Die Nato-Staaten seien geeint und an der Seite der legitimen Regierung der Ukraine. An dem Brüsseler Treffen soll auch ein Vertreter der ukrainischen Regierung teilnehmen.

Die Ministerpräsidenten von Polen, Slowenien und Tschechien, die am Dienstag zur Demonstration ihrer Unterstützung nach Kiew gereist waren, sind nach Angaben der polnischen Regierung wohlbehalten nach Polen zurückgekehrt. Sie hatten in der ukrainischen Hauptstadt Präsident Selenskyj getroffen. Der Chef der regierenden PiS-Partei in Polen, Jaroslaw Kaczynski, sprach sich anschließend für eine internationale Friedensmission in der Ukraine aus. 

UKRAINISCHE STAATSANWALTSCHAFT: ÜBER 100 KINDER GETÖTET

Seit der russischen Invasion am 24. Februar sind Tausende Menschen bei Kämpfen und Bombardements getötet worden. Darunter sollen 103 Kinder sein, wie die ukrainische Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Aus dem Land geflohen sind laut den Vereinten Nationen (UN) inzwischen insgesamt mehr als drei Millionen Menschen. Allein Kiew hat etwa die Hälfte der 3,4 Millionen Einwohner verlassen. 

Beim Bombardement der Hauptstadt am Dienstag kamen den örtlichen Behörden zufolge mindestens fünf Menschen ums Leben. Gebäude gingen in Flammen auf, Menschen wurden unter Trümmern verschüttet. In der umkämpften ostukrainischen Großstadt Charkiw sind nach Angaben der Regionalverwaltung seit dem russischen Einmarsch mindestens 500 Einwohner getötet worden. 

Am Mittwoch erklärte Präsidialamtsberater Mychailo Podoljak über Twitter, die ukrainischen Streitkräfte starteten in mehreren Gebieten Gegenoffensiven. Dies verändere die Lage „radikal“. Details nannte Podoljak nicht. Mit Olexii Arestowytsch äußerte sich ein anderer Berater jedoch zurückhaltender: Es gebe mehrere kleinere Gegenoffensiven, in den besonders umkämpften Gebieten sehe er aber keine größeren Veränderungen.

Rund 20.000 Menschen gelingt Flucht aus ukrainischem Mariupol

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Titelfoto und Foto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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